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12th January
2010
written by Tobias Blanken

Aus dem aktuellen WELT-Artikel* über den neuen Jahresbericht von Freedom House:

Die Organisation bezeichnet sich als unabhängig und überparteilich, wird aber zu etwa zwei Dritteln aus Geldern der US-Regierung finanziert.

Dieser Satz/Vorwurf ist in doppelter Hinsicht typisch: Zum einen fällt er fast immer, wenn in deutschen Medien, Blogs etc. über Freedom House oder anderen amerikanischen Organisationen berichtet wird. Zum anderen ist es immer wieder erstaunlich, dass dieser Vorwurf gegenüber deutschen Organisationen im Normalfall nicht erhoben wird. Ganz im Gegenteil: Deutsche Organisationen werden als “unabhängig und überparteilich” bezeichnet, wenn sie nicht “von privaten Geldern abhängig sind.” Siehe etwa die Debatte über den öffentlichen Rundfunk. Oder über die Drittmittelfinanzierung deutscher Universitäten. Oder über die Finanzierung von Verbraucherschutzorganisationen. Oder über staatlich subventionierte Kultureinrichtungen. Oder über die Notwendigkeit einer Bundeszentrale für politische Bildung.

* Studie: Mehr als 2,3 Milliarden Menschen sind nicht frei. Lesenswert.

30th October
2009
written by Tobias Blanken

Oder: Heute sind wir alle Imperialisten

Aus dem ZEIT-Artikel Die Grenzen westlicher Macht von Ulrich Ladurner:

Natürlich, Obama ist ziviler in seiner Rede, er ist auch ziviler in manchen seiner Taten; doch auch seine Politik stützt sich auf einen dicken Knüppel, den er durchaus einzusetzen weiß. Das ist in Afghanistan der Fall, und jüngst auch in Pakistan. Dieses Land bekommt finanzielle Unterstützung aus Washington nur dann, wenn es einen ganzen Katalog an Forderungen erfüllt; viele von ihnen verletzten eindeutig die Souveränität Pakistans. Es gab eine Zeit, da nannte man dies Imperialismus. Heute läuft das unter dem Titel: Kampf gegen den Terror.

Systematische Entwicklungshilfe wird eigentlich immer an Bedingungen geknüpft. Egal, ob bilateral oder multilateral. Wenn Deutschland z.B. Geld direkt an ein afrikanisches Land überweist, dann ist die Überweisung im Normallfall an Bedingungen geknüpft. Ebenso sieht es bei der multilateralen Hilfe etwa von der EU, UN oder der Weltbank aus.

Darüber werden auch – im Normalfall sonntags – viele schöne Reden (mit noch viel schöneren Titeln) gehalten. Etwa der Milleniums Deklaration. In den Reden fallen dann immer wieder Wörter wie Good Governance. Inhaltlich handeln die Reden meist davon, dass das Geld nicht verjubelt (Staatskarossen Marke Mercedes, Rüstungsgüter Marke Sukhoi, Nummernkonto Marke Credit Suisse) sondern bestmöglich (Schulen, Krankenhäuser, Anti-Korruptionsprogramme etc.) investiert wird.

Angesichts dieser vielen Reden dürfte jedem – also auch Herrn Ladurner – mittlerweile bewußt sein, dass wir ebenso “die Souveränität” von diversen Ländern durch “einen ganzen Katalog an Forderungen” verletzen (ok, am Zahltag wird dann meist nicht so genau hingeschaut, schließlich interessieren Sonntagsreden werktags nicht wirklich).

Nach Ladurner sind wir demnach also alle Imperialisten. Was einfach nur lächerlich ist. Unerträglich wird Ladurners hahnebüchener Vergleich jedoch dadurch, dass die ungeheuren Verbrechen (Versklavung ganzer Völker, Massaker, ethnische Säuberungen etc.) des Imperialismus mal eben relativiert werden. Aber das ist einem Ladurner vermutlich egal. Er meint es ja nur gut.

28th October
2009
written by Tobias Blanken

Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career. Africa Malawi gains aid.

(TANSTAAFL)

Die Wirklichkeit übertrifft alle Satire:

Siehe auch: Sing, Bono, sing…was anderes.

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26th October
2009
written by Tobias Blanken
9th October
2009
written by Tobias Blanken

An It girl or It-girl is a charming, sexy young woman who receives intense media coverage unrelated or disproportional to personal achievements.

(Wikipedia)

Mr Obama becomes the third sitting US President to receive the prize. The committee said today that he had “captured the world’s attention”. It is certainly true that his energy and aspirations have dazzled many of his supporters. Sadly, it seems they have so bedazzled the Norwegians that they can no longer separate hopes from achievement. The achievements of all previous winners have been diminished.

Times Online: Absurd decision on Obama makes a mockery of the Nobel peace prize

2nd October
2009
written by Tobias Blanken

Aus dem ZEIT-Artikel “Schönheitswahn: Zu dünn, um wahr zu sein“:

Jo Swinson, Mitglied der britischen Liberalen, mag keine Werbeplakate, auf denen Frauen perfekt aussehen. Ihr Zorn richtet sich gegen Bilder von Frauen, denen man mit Hilfe moderner Bildbearbeitung eine Rundung oder eine Falten zuviel entfernt hat. “Wenn Teenager und Frauen diese Bilder sehen, werden sie am Ende unglücklich mit sich selbst“ sagte Swinson zuletzt in einem Interview mit der International Herald Tribune. Ihren Vorschlag, eine Kennzeichnungspflicht für Werbeanzeigen einzuführen, hat die drittgrößte Partei Großbritanniens jetzt in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Für Werbung, die sich an Kinder unter 16 Jahren richtet, soll sogar ein vollständiges Verbot von bearbeiteten Fotos ergehen.

In Frankreich kämpft Válerie Boyer für naturbelassene Frauenbilder. Sie ist Mitglied in der UMP, der Partei Nicolas Sarkozys. Boyer hat unlängst mit einer Gruppe von etwa 50 Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Einsatz von Programmen wie Photoshop kontrollieren will. Es gehe ihr darum, die “irreführenden und standardisierten Körperbilder” zu bekämpfen, sagte Boyer der französischen Zeitung La Croix. Diese verleiteten vor allem Frauen zu dem Glauben, immer jung und schön sein zu müssen. “Das führt schon im jungen Alter zu Komplexen”, glaubt sie. Auch Kunstfotos und politische Kampagnen sollen unter die neue Regelung fallen.

Irreführende und standardisierte männliche Körperbilder, ca. 200 vor Christus:

Laocoon und Söhne

Laocoon und seine Söhne*

*Das Bild ist unter der Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 License lizenziert. Autor/ Quelle: JuanMa/ Wikipedia

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26th September
2009
written by Tobias Blanken

Sven Regener im SPIEGEL-Interview über die Verbindung von Politik, Musik und Kunst:

Sicher, wir haben als Musiker Macht – über die Herzen der Leute. Aber will ich sie manipulieren? Denn das wäre ja das Prinzip: Die mögen meine Musik, und diese Zuneigung lenke ich ins Politische um. Aber sollte man Gefühl und Politik verquicken? Will man, dass die Frau, die man liebt, deswegen dann auch dieselbe Partei wählt? Das ist höchst fragwürdig. Rockmusiker können ein paar Parolen ins Publikum werfen und die Zuschauer können das abnicken, mehr nicht. Das ist rein affirmativ, also extrem unpolitisch. Wie kann es Politik geben ohne Debatte, Details, Kompromisse?

Das Interview im SPIEGEL: “Hat euch Rudi Dutschke nicht gereicht?”

Btw: 11 FREUNDE hat Regener vor Wochen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben interviewt: »Bremen ist Fun-Punk«

22nd September
2009
written by Tobias Blanken

To keep a bit of seriousness, though, I’m going to propose a theory of international trade between Africa and celebrities. Africa exports stereotypical images of misery in return for celebrities’ advocacy for more Africa funds. The theory of trade says that trade only happens when both parties gain. Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career. Africa gains aid funds.

Celebrities finally swamp advocacy market – an application of economic theory. By Bill Easterly

21st September
2009
written by Tobias Blanken

Verdammt, diese Frau ist einfach großartig:

Künstler und Intellektuelle fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Den Preis dafür aber nennen sie nicht.

Ebendiese Inkonsequenz ist es, die mir den aktuellen Pazifismus so schwer erträglich macht: Zwar hält man den Westen en gros für eine so fragwürdige Kultur, dass man ihm pauschal das Recht abspricht, sich auch mit Gewalt gegen die zu verteidigen, die ihn ihrerseits mit äußerster Skrupellosigkeit attackieren. En détail möchte man in Berlin, Köln oder am Bodensee seinen Rotwein aber auch weiterhin in Ruhe genießen können.

»Freedom isn’t free.« Dieser Satz, der sich auf Deutsch nur etwas umständlich übersetzen lässt als »Freiheit ist nicht kostenlos zu haben«, macht den Kern des US-amerikanischen Selbstverständnisses aus. Wir Deutschen dagegen scheinen immer noch zu glauben, dass die Freiheit, die uns die Amerikaner nach 1945 beschert haben, ebenso kostenlos war wie die Kaugummis, die sie an die deutschen Jungs und Mädels verteilt haben – und die ihnen manch intellektueller Zeitgenosse heute noch vorwirft.

Thea Dorn in der ZEIT: Vulgärpazifismus. Unbedingt lesenswert.

21st September
2009
written by Tobias Blanken

Staatsfetisch 2.0:

Konkret erhoffen sich die Piraten von einem Internet-Ministerium, dass sozial Schwache, ältere Menschen und Geringqualifizierte nicht nur sozialverträglich einen Internetzugang erhalten, sondern dass ihnen auch beigebracht wird, mit dem Medium umzugehen. Eine Abteilung “Sicherheit und Krisenmanagement” soll für mehr Sicherheit im Netz sorgen und vor allem die deutschen Behörden technisch auf den neuesten Stand bringen. Eine weitere Abteilung mit dem Aufgabenbereich “Digitale Allmende und Informationskultur” soll gewährleisten, dass all die Infos im Netz auch künftig frei zur Verfügung gestellt werden. Und eine der wichtigsten Aufgaben des Ministeriums wird nach Ansicht der Piraten sein, dass die Entwicklung zur Informationsgesellschaft nicht allein privaten Interessen untergeordnet wird. Stattdessen soll ein staatliches Gremium dafür sorgen, dass von den technischen Errungenschaften alle etwas haben.

Aus der taz: Regierungsprogramm der Piratenpartei – Piraten fordern Internetminister

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