Archive for November, 2007
Der Begriff der Volksfront dürfte bekannt sein. Im Normalfall wird in der Politikwissenschaft damit das Zusammengehen verschiedener linker Gruppierungen (meist zur Abwehr einer akuten Gefahr) beschrieben. Klassischerweise bezieht man sich bei diesem Begriff auf die 30′er Jahre, als Bündnisse zur Abwehr faschistischer und nationalsozialistischer Putsche geschaffen wurden, deren Protagonisten von der Komintern bis zu links-bürgerlichen Kräften reichten.
Die Querfront beschreibt hingegen das Zusammengehen von links- und rechtstotalitären Gruppierungen. Klassischerweise wird an dieser Stelle meist der Streik der BVG von 1932 erwähnt, zu dem die kommunistische Revolutionäre Gewerkschaftsopposition und die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation aufgerufen haben – KPD und NSDAP haben in friedlicher Eintracht gegen die da oben, die Bonzen und das System gekämpft.
Und nun frage ich mich, wie man es nennen soll, wenn Antitotalitäre und Kommunisten gemeinsame Sache machen. Mir ist bisher noch kein Begriff eingefallen; über Vorschläge würde ich mich sehr freuen.
In der Vanity Fair stand vor Wochen ein Interview mit Wolf Biermann. Überschrieben war es mit dem Biermann-Zitat “Ich verpisse mich nicht”, danach folgte die Zusammenfassung des Interviews mit den Worten: „Er will zurück nach Berlin und nochmal kämpfen: gegen den Kommunismus, für die Freiheit und die Frauen“.
Zwei sehr gute Freunde von mir, Michael Holmes und Ingo Way, beherzigen Biermanns Aussagen zur Hälfte. Der eine Freund, Michael Holmes, will – leider! – nicht zurück nach Berlin, der andere Freund, Ingo Way, will nicht „für die Frauen“ kämpfen, sondern wenn dann für Frauen als Individuen. Aber beide Freunde beherzigen den Teil, indem es um Freiheit und dem Kampf gegen den Kommunismus geht. Und beide wollen sich nicht verpissen, nur weil sie von Freund und Feind für diese Haltung eine Menge Prügel kassieren.
Ingo Way hat jetzt auf seinem Blog eine Stellungnahme veröffentlicht, in der die Problematik der Auseinandersetzung auch für Außenstehende deutlich hervorgeht. Der Text ist so treffend, dass ich ihn hier in Gänze wiedergebe:
Notwendige Nestbeschmutzung
Die Achse des Guten gehört zu den größten und bekanntesten Politblogs in Deutschland. Die Autoren wollen dem linksliberalen, ökologistischen, israelfeindlichen, islamismusverharmlosenden Zeitgeist etwas entgegensetzen, was meine volle Sympathie hat. Man kennt sich persönlich, den meisten Autoren fühle ich mich in mehr oder weniger intensiver Weise freundschaftlich verbunden. Gelegentlich habe ich Gastbeiträge beigesteuert. Mir ist klar, daß einige von ihnen über diesen Beitrag not amused sein werden. Aber Feigheit vor dem Freund möchte ich mir nicht vorhalten lassen. Doch sei vorausgeschickt, daß das Folgende nicht als Kampfansage an die Achse zu verstehen ist, die ich nach wie vor sehr schätze und deren Autoren ich (größtenteils) mag, sondern als Beitrag zu einer wichtigen Diskussion.
Vor einigen Tagen erschien ein Text von Michael Holmes auf der Achse, in dem er – klassisch antitotalitär – davor warnt, daß Demokraten im Kampf gegen Rechtsradikalismus mit linksradikalen Antifas zusammenarbeiten, da diese letztlich autoritäre und antidemokratische Ziele verfolgten. Er illustriert das mit Erinnerungen an seine eigene Antifa-Zeit. Gewaltbereiten Rechts- wie Linksradikalismus verurteilt er gleichermaßen, ohne zu behaupten, beide seien gleich gefährlich.
Nun hätte man über diesen Text kontrovers diskutieren oder – bei Desinteresse – ihn einfach ignorieren können. Ich selbst halte ihn für nicht ganz geglückt, aber das spielt an dieser Stelle keine Rolle. Tatsächlich wurde in diversen Blogs heftig über ihn debattiert; ferner bekam Holmes nach eigener Aussage etliche zustimmende und ablehnende Zuschriften.
Doch dann geschah etwas seltsames. Der Text war plötzlich von der Seite verschwunden. Sämtliche Links auf ihn gingen ins Leere. Auf Nachfrage wußte Holmes nichts vom Grund der Löschung, geschweige denn daß er sie selbst veranlaßt hätte. Er bekam lediglich eine Mail von Michael Miersch, in der ihm die Löschung mitgeteilt wurde. Als Grund wurde lediglich genannt, daß es um den Text “Streit” gegeben habe.
Nun versteht sich die Achse dezidiert als kontroverses Medium, in dem auch schon einmal Beiträge erscheinen können, die sich weit aus dem Fenster lehnen, die den breiten Konsens verlassen und bewußt provokant formuliert sind. Warum ausgerechnet in diesem Fall eine Löschung? Meines Wissens zum ersten Mal in der Geschichte der Achse.
Also fragte ich bei Michael Miersch per Mail nach, was das denn solle. Da Miersch meine Mail und alle folgenden an diverse Personen weitergeleitet hat, ist unser Mailwechsel kein privater mehr, und so sehe ich mich berechtigt, daraus zu zitieren. Außerdem, finde ich, haben die Leser der Achse das Recht zu erfahren, warum ein Text plötzlich kommentarlos verschwindet. Miersch schrieb:
Es war so: Michael Holmes hatte einen Text über die “Antifa” reingestellt, der darüber aufklärte, das das Kommunisten sind. Darin wurden ein paar Leute dafür kritisiert, dass sie für Zusammenarbeit mit der “Antifa” im Kampf gegen Rechtsradikale sind. Diese Leute gehören zu dem Blogger-Milieu, zu dem auch irgendwo, irgendwie achgut.de gehört (pro-westlich, liberal usw. usf., wie immer ihr es nennen wollt). Sie beschwerten sich, dass sie in dem Artikel falsch dargestellt würden.
Wurden sie es denn? Und wer überhaupt? Was genau wurde denn falsch dargestellt? Wer hat sich denn da konkret beschwert? Und warum ist eine Beschwerde ein Löschungsgrund? Hätte man nicht eine Gegendarstellung veröffentlichen können, auf die Holmes dann wieder hätte antworten können?
Dirk, Henryk und ich beschlossen daraufhin Michaels Text vom Blog zu
löschen. Begründung:1. Wenn sich Leute falsch dargestellt fühlen, sollten sie das Recht zur
Gegenrede haben (natürlich nicht alle Leute, aber die Betreffenden
gehören zum Freundeskreis von “Liza” zu dem wir ja oft verlinken).Seltsam. “Liza” – vom Blog “Lizas Welt” – kommt in Holmes’ Text gar nicht vor. Um ihn geht es gar nicht. Und noch einmal: Was war falsch dargestellt?
2. Wir haben aber keine Lust, dass so eine Sektendebatte auf
“achgut.de” stattfindet. Wir sind ein journalistisches Medium und keine
Gesinnungstankstelle. Also soll sie bitte woanders stattfinden. Es gibt
genug Blogs.3. Daher finden wir es die fairste Variante, den Ursprungstext, der ja
die Debatte aufgemacht hat, runterzunehmen.4. Wir fanden diesen Text grundsätzlich nicht sehr passend für
achgut.de. 99 Prozent unserer Leser kennen weder die “Antifa” noch die
Zitierten. Wir brauchen keine Abgrenzung zum Linksradikalismus, weil
wir damit eh nichts am Hut haben. Und irgendwelche internen
Szene-Diskussionen brauchen wir schon gar nicht.Szene-Diskussion? In Holmes’ Beitrag wurde über ein politisches Milieu informiert, das Straftaten begeht, Gewalt befürwortet und sich in bürgerlichen Kreisen eine gewisse Respektabilität dadurch verschafft, daß es vorgibt, gegen “den Faschismus” zu kämpfen, und das dem Verfassungsschutz immerhin relevant genug erscheint, um ihm regelmäßig in seinem Jahresbericht einige Seiten zu widmen – ein Thema von allgemeinem Interesse mithin. Die “Szene-Diskussion” wollte anscheinend eher Liza führen. Darauf antwortete ich:
Lieber Michael,
leider stellt mich Deine Antwort ganz und gar nicht zufrieden. … Wenn es zu einem Text inhaltliche Einwände gibt, können die doch geäußert werden. Ist etwas an Micks Darstellung falsch oder kontrafaktisch? Dann hinein in die Diskussion bzw. her mit der Richtigstellung. Nicht? Warum den Text dann löschen? Ich kann mir vorstellen, daß sich sehr viele Leute über sehr viele Themen auf achgut aufregen und ihre Aufregung kundtun. Wird dann jedesmal sofort gelöscht – womöglich noch über den Kopf des Autors hinweg?
Was die Frage der Relevanz betrifft – mit Verlaub, da gab es schon weit irrelevantere Artikel auf achgut. Und seit wann wird dort die Linke nicht kritisiert? Schreibt Ihr demnächst auch nichts mehr zum Thema Islamismus, weil Ihr mit Islamismus eh nichts am Hut und deshalb keine Abgrenzung nötig habt? Ich glaube übrigens auch kaum, daß 99 % der achgut-Leser nicht wissen, was die Antifa ist. (Und wenn sie’s nicht wissen – umso besser, wenn sie aufgeklärt werden.)
Achgut sei “ein journalistisches Medium und keine Gesinnungstankstelle”. Die Gesinnung der von Mick Kritisierten soll aber sakrosankt sein. Verstehe das wer will. Ich finde den ganzen Vorgang – das Einknicken vor Kritik, die Löschung von Micks Text – absolut mies und eines liberalen Mediums unwürdig. Eine Chefredaktion – die es bei achgut offenbar gibt – sollte bei externer Kritik hinter ihren Autoren stehen und sie nicht etwa der Meute zum Fraß vorwerfen. Alles andere ist unprofessionell und für ein “journalistisches Medium” gelinde gesagt unüblich. Statt den sich beleidigt Fühlenden zu sagen, sie müßten, wie alle anderen auch, Kritik einfach auch mal aushalten, meldet man Vollzug und löscht den strittigen Text.
Micks Text wurde in mehreren Blogs sehr kontrovers diskutiert (Stichwort Irrelevanz), es gab positive wie negative Resonanz, und durch die Löschung habt Ihr jedem, der die Debatte verfolgt, signalisiert, daß Ihr Euch von Mick distanziert. So geht man mit Kollegen nicht um. … Ist doch klar, daß das Löschen seines Textes einen gewaltigen Affront darstellt.
Nun wieder Miersch, leicht säuerlich:
Lieber Ingo, lieber Michael,
seit Längerem ist es in der achgut.de-Redaktion meine Rolle, euer
Fürsprecher zu sein, wenn es mal wieder Gerüchte, Anschuldigungen oder
Streitigkeiten um euch und eure linken Ex-Freunde gibt. Diese Rolle
habe ich eine Weile gern übernommen, weil ich euch beide nicht nur klug
sondern auch sympathisch finde. Die Folge ist, dass ich nun schon
mehrfach der Adressat für zahlreiche aufgeregte Protestschreiben wurde,
die von mir irgendwelche Erklärungen verlangten. Darauf habe ich
keinerlei Lust.Es gab also “Gerüchte” und “Anschuldigungen”, wie ich jetzt erfahre. Warum das einen Vorwurf gegen die begründet, gegen die diese Gerüchte und Anschuldigungen gerichtet sind, erschließt sich mir nicht. Von wem kommen diese Gerüchte und Anschuldigungen?
Zur Erläuterung: Holmes und ich kommen aus der Linken. Ich steckte nie so tief in der linken Szene drin wie Holmes und kenne mich daher auch mit der Antifa nicht so gut aus, doch habe ich mich vor einigen Jahren eine Zeitlang in “antideutschen” Kreisen bewegt und für deren offiziöses Zentralorgan Bahamas einige Artikel geschrieben. Irgendwann haben wir dann beide mit der Linken vollends gebrochen.
Doch wie das bei Linken und anderen Sekten so ist: Aussteiger mögen sie gar nicht; Renegaten werden gehaßt. Werden altgediente Liberale von Linken irgendwie noch respektiert (oder so getan als ob; man braucht sie ja für diverse “Bündnisse”), gilt das für liberal gewordene Ex-Linke keineswegs. Die sind und bleiben Häretiker, denen wieder und wieder nachgewiesen werden muß, was für schlechte Menschen sie sind.
Beschwert haben sich offenbar “Liza” und sein “Freundeskreis” – Leute mithin, die sich den “Antideutschen” nach wie vor verbunden fühlen, was im Blog “Lizas Welt” für den Außenstehenden freilich nie so recht deutlich wird, obwohl es für den Kenner der Szene offensichtlich ist.
So hätte selbstverständlich jeder andere Autor der Achse einen Text wie den von Holmes veröffentlichen können, ohne daß irgendjemand Einspruch erhoben hätte. Besagter “Freundeskreis” hat sich einzig und allein auf Holmes eingeschossen, weil der ein “Renegat” ist.
Miersch weiß das freilich und hat sich im privaten Gespräch gegenüber Holmes und mir auch immer entsprechend geäußert. Aber er will halt seine Ruhe haben vor “zahlreiche(n) aufgeregte(n) Protestschreiben …, die von mir irgendwelche Erklärungen verlangten”. Verständlich. Nur: Warum erzählt er das uns und nicht denen, die gegen Beiträge von uns meinen protestieren zu müssen und deren Löschung verlangen? Ich fragte ihn das. Seine Antwort:
Die Antwort, lieber Ingo, warum ich langsam vermute, dass dies
irgendwas mit Michael und dir zu tun haben könnte, ist ganz einfach:
Weil die Atmosphäre bei achgut.de früher freundlich, sachlich und
professionell war und solche seltsamen Streitigkeiten unbekannt.Die Welt wäre ja so friedlich, wenn es keine zersetzenden Elemente gäbe – so als wären Holmes und ich diejenigen gewesen, die die Löschung von Beiträgen verlangt hätten. Holmes ist jetzt also schuld daran, daß sein Beitrag lästige Beschwerden nach sich zieht. Hätte er sich also wohl besser selbst zensiert. Wer Haß auf sich zieht, wird für die Umstehenden lästig, denn sie könnten ja auch etwas abbekommen. Holmes ist für bestimmte Leute aus dem linken bzw. antideutschen Spektrum zu einer Reizfigur geworden. Nun versuchen sie, ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit an den Karren zu fahren. Den damit entstehenden Aufruhr lasten seine liberalen Freunde nun ihm an. Wer ständig angefeindet wird, der muß ja wohl irgendwie selbst dran schuld sein. Man kennt das ja. Wer will schon mit den mavericks befreundet sein? Da geht man lieber auf Distanz. Die früher angeblich stets vorherrschende freundliche und kollegiale Atmosphäre bei der Achse mag damit zu tun haben, daß es seinerzeit noch als Selbstverständlichkeit galt, den eigenen Autoren nicht in den Rücken zu fallen, wenn sie angegriffen wurden. Kein Autor der Achse würde es sich bieten lassen, daß die anderen ihm seine Texte weglöschen.
Und noch ein Wort zu Liza und seinem Freundeskreis. Diese kommen in Holmes Text, in dem die gewaltbereite Antifa kritisiert wird, schlicht und einfach nicht vor. Einzig ihr Ressentiment gegen Holmes macht sie glauben, sie seien irgendwie mitgemeint. Und was ist das eigentlich für eine Kehrwochenmentalität, sich bei den Verantwortlichen (also nicht einmal beim Autor selbst) über einen Blogbeitrag zu “beschweren”? Warum antwortet Liza nicht im eigenen Blog, wenn er sich (aus welchem Grund auch immer) angesprochen fühlt? Und warum kommt die Achse dieser “Beschwerde” nach und behandelt einen ihrer Autoren, den sie einst zur Mitarbeit einlud, nun wie jemanden, der den Dienstboteneingang zu benutzen hat?Lauter offene Fragen. Ich mag nicht mehr. Fragen Sie selbst.
Felix Rauch, ein gemeinsamer Freund von uns, hat zu der Auseinandersetzung einen Kommentar geschrieben, der an Ingo Ways Stellungnahme anknüpft. Auch diesen Kommentar gebe ich hier in kompletter Länge wieder:
Kommunistische Wölfe im Schafspelz und die Achse des Appeasement
Einige gute Freunde von mir sind – mehr oder weniger radikale – Linke. Das bleibt nicht aus, wenn man in Berlin-Kreuzberg und Umgebung wohnt. Wir trinken gerne zusammen ein Bierchen und reden über die Probleme des Alltags, vermeiden es jedoch tunlichst, über Politik zu diskutieren – aus gutem Grund. Denn dies hat in der Vergangenheit bereits mehrfach für unangenehme Situationen gesorgt. Outete ich mich als Ex-Linker, der wirtschaftliche Freiheit, Polizei und allerlei andere Begleiterscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft eigentlich ganz ok findet, hatte ich mir allerlei anzuhören. Ich sei ein “Sektierer”, “politisch verwirrt” oder hätte halt “nicht genug (Marx & Adorno) gelesen”. Und manches Mal sagte man mir auch unverhohlen, ich gehörte “zu den ersten, die an die Wand gestellt werden wenn die Revolution kommt”.
Doch erstaunlicherweise waren und blieben sogar die Urheber solcher verbalen Entgleisungen für mich grundsympathische Menschen. Jedenfalls solange man mit ihnen nicht über politische Grundsätze redet, sondern über Jazzmusik oder die Probleme mit der Finanzierung der nächsten Miete. Oder eben über den Nahostkonflikt. Denn bekanntlich herrscht mittlerweile in einem nicht unerheblichen Teil der linksradikalen Szene ein proisraelischer Zeitgeist.
Infolgedessen treffen sich in der liberal-israelsolidarischen Blogosphäre Vertreter unterschiedlichster politischer Richtungen. Das ergibt ein für den Außenstehenden oft ziemlich unübersichtliches politisches Konglomerat. Es gibt einige Blogs, die in schöner Eintracht diverse Steinzeitkommunisten neben der Achse des Guten auf ihrer Linkliste zur Schau stellen. Und so ist es auch keineswegs verwunderlich, wenn einige der besonders eifrigen Anhänger der kommunistisch-liberalen Einheitsfront gegen den Islamfaschismus in der Öffentlichkeit als Verteidiger der liberalen Gesellschaft gegen ihre Feinde (sofern diese “Faschisten” oder religiöse Fanatiker sind) agieren.
Ein Blog gedeiht gut, wenn es Querverweise von verschiedensten politischen Lagern, die einzig eine israelsolidarische Position eint, erhält. Linksradikale Autoren reduzieren das Spektrum ihrer Meinungen in der (liberalen) Öffentlichkeit einfach auf jene, die dort gerne gelesen werden. Das heißt dann Massenlinie versus Kaderlinie. Und wenn man dann noch unter einem Pseudonym schreibt, erfährt garantiert keiner davon, wenn man an anderer Stelle von linksradikalen Sekten hofiert wird und gemeinsam gegen die Bundesrepublik Deutschland, den Kapitalismus oder – in avanciert-avantgardistischer Form – das “abstrakte Wertverhältnis” agitiert, das angeblich den Antisemitismus hervorbringt. Und wenn man dann noch gut und unterhaltsam schreibt und bereits auf eine gewisse Popularität zählen kann, werden einem die linksradikalen Umtriebe nicht einmal mehr von Eingeweihten übel genommen, sondern man wird zum gern gesehenen Gast auf liberalen Veranstaltungen. Der liberale Schafspelz tarnt gewissermaßen den kommunistischen Wolf.
Unangenehm wird es nur dann, wenn einem in ebendiesem politischen Milieu nicht nur alteingesessene Liberale begegnen, sondern auch „Renegaten“, ehemalige Linksradikale, deren Zuwendung zu liberalem Gedangengut weniger einem taktischen Kalkül als einer neu gewonnenen Überzeugung entspricht und die gemeinerweise ausplaudern, was die Wölfe so sagen, wenn sie unter sich sind und gerade keine liberale Kreide gefressen haben. Und da die Revolution sich immer noch nicht am Horizont abzeichnet, kann man jene auch nicht mal eben schnell an die Wand stellen (und die Ankündigung dessen würde auch in der Schafsherde, in die man sich eingeschlichen hat, wenig Anklang finden). Was tun? Man beschmeißt die Renegaten mit Dreck, in der Hoffnung, dass früher oder später doch etwas hängen bleibt oder dass man zumindest befürchten muss, dass man selber etwas abbekommt, wenn man in deren Nähe verweilt.
Vor ein paar Tagen veröffentlichte der ehemalige Antifa-Aktivist Michael Holmes einen Text auf der Achse des Guten, in welchem er davor warnte, dass Demokraten Bündnisse mit der linksextremen Antifa eingehen, wie es ein Autor eines anderen Blogs vorgeschlagen hatte.
Wie inzwischen an die Öffentlichkeit durchgesickert ist, fühlten sich einige Freunde der Freunde einiger Chefredakteure der Achse des Guten dadurch auf den Schlips getreten, sie würden falsch dargestellt etc. Ich vermute einfach mal, dass das nicht das erste Mal ist, dass sich jemand in einem Artikel, der auf der Achse des Guten veröffentlicht wurde, falsch dargestellt fühlt. Dieses mal jedoch führte die Verstimmung besagter Freundesfreunde zu einem bisher einmaligen Vorgang: Der Text wurde von der Chefredaktion der Achse (ohne Rücksprache mit Holmes, aber anscheinend in Rücksprache mit den Freundesfreunden) unkommentiert gelöscht, obwohl er auf anderen Blogs bereits heftig diskutiert wurde und, laut Holmes, auch schon allerlei positive wie ablehnende Zuschriften hervorgebracht hat.Eigentlich nicht nötig zu erwähnen, dass es sich bei der Begründung des Achse-Redakteurs Michael Miersch, das Thema sei irrelevant und der Artikel sei deshalb gelöscht worden, um eine faule Ausrede handelt. Man habe mit Linksradikalen nichts am Hut” und habe deshalb auch “keine Abgrenzung nötig” . Hallo? Gehts noch? Haben sich nicht eben gerade ein paar Linksradikale darüber beschwert, dass sie falsch dargestellt würden? In dem Artikel wurde doch die Antifa kritisiert, ist man jetzt auf einmal kein Linksradikaler mehr wenn man in der Antifa organisiert ist? Vielleicht sollte die Chefredaktion der Achse mal im Verfassungsschutzbericht über die Antifa nachlesen, wer das denn so ist, der auf Texten der Achse nicht „falsch dargestellt” werden möchte.
(Es wurden im Übrigen nicht die sogenannten Antideutschen als solche kritisiert, auch wenn diese sich möglicherweise angesprochen fühlten, sondern die Autonome Antifa, wie groß die Schnittmenge zwischen beiden auch immer sein mag).In Wirklichkeit ist der Einfluss der kommunistischen Wölfe im Schafspelz innerhalb der liberalen Blogosphäre nämlich mittlerweile so weit gestiegen, dass sie mehr Mitbestimmungsrecht darüber haben, welche Artikel auf der Achse erscheinen dürfen, als deren offizieller Autor Michael Holmes. Im Grunde ist es so skandalös, dass man es gar nicht oft genug sagen kann: Ein paar Wölfe im Schafspelz (!) beschweren sich beim Mutterschaf, dass ein anderes Schaf (das von den Wölfen zu den Schafen übergetreten ist) behaupten würde, die Wölfe würden als Bündnispartner für die Schafe nicht in Frage kommen. Das Mutterschaf (dass sich die Frage, warum sich ein paar vermeintliche Schafe denn von einer Kritik an Wölfen beleidigt fühlen, offensichtlich nicht stellt) verbietet seinem vorlauten Schaf den Mund und macht dieses auch noch für eventuelle Konflikte mit den Schafspelzwölfen verantwortlich. Ein Verhaltensmuster, dass, wenn es nicht in der Mikro- sondern in der Makropolitik auftaucht, von der Achse sonst einhellig als Appeasement gegeißelt wird.
Man mag mit den Wölfen gerne mal ein Bierchen trinken und sich über Fussball und den Nahostkonflikt unterhalten und sich in diesen Punkten einig sein – ihr Einfluss auf solch tiefgreifende Redaktionsentscheidungen der Achse des Guten ist ein Armutszeugnis für diese. Und für deren Pluralismus – dessen Bekämpfung für radikale Linke von jeher eine Herzensangelegenheit ist.
Beide Texte sind so treffend, dass ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen habe. Außer den Hinweis an besonders witzige (ha, ha, ich lach mich Schrott) Kommentarschreibern wie „egal“ auf dem linksextremen „Bad Blog“ („Holmes soll sich mal nicht für so wichtig halten. Der bekommt höchstens Gulag (so 10-15 Jahre). Die Wand ist nur für ganz ausgesuchte Personen: Holger Apfel, Joschka Fischer, Claudia Roth und alle Comedians von RTL. Das war es dann aber auch…“), dass sie, wenn sie es auf Michael Holmes abgesehen haben, ein paar weitere Plätze (meine Adresse steht im Impressum) vorrätig haben sollten. Auch wenn es nicht so scheint: Es gibt genug Liberale, die redlicher sind – und die einen Scheißdreck auf den ehrbaren Kommunismus geben, der wider der Natur ist.
Palästina ist arabisches islamisches Land, vom Fluss bis zum Meer, Jerusalem eingeschlossen. Es gibt dort keinen Platz für die Juden.
Aktuelle Stellungnahme der Hamas. Via.
Können die sich nicht mal neue Inhalte ausdenken? Immer nur “Tod den Juden”, “Israel muss vernichtet werden”, “keine Verhandlungen mit den Zionisten” und so weiter und so fort. Dagegen ist ja selbst Dinner for One eine innovative Sendung. I’m so fuckin’ bored.
Martin Hagen tritt in einem kurzen, aber treffendem Kommentar der Ansicht entgegen, dass Annapolis zum Scheitern verurteilt ist, weil Mahmut Abbas und seine Fatah aus einer Position der Schwäche heraus operieren müssen. Lesenswert.
Gestern hat der Sandmonkey auf einen Wahlwerbespot von Mike Huckabee für die Präsidentschaftswahl 2008 hingewiesen. Danach habe ich die offizielle Webseite des Kandidaten besucht, da ich mir nicht sicher war, ob es sich bei dem Spot um ein Fake handelt. Zu meinem Erschrecken habe ich dort festgestellt, dass der Spot echt ist. Wahnsinn. Und ich dachte immer, dass Roberto Blancos Wahlwerbung für die CDU (“Wir Schwarzen müssen doch zusammenhalten”) nicht zu toppen wäre.
Das ZDF hat mit Hilfe der Zuschauer 18 verdammt gute Gründe gegen eine Deutschquote im Radio gesammelt.
Eigentlich sollten es ja 20 Gründe werden, aber die beiden Argumente aus der Klassischen Musik überzeugen mich nicht wirklich.
Im Tagesspiegel ist heute ein Kommentar von Matthias Küntzel erschienen, der die Beeinflussung des Islamismus durch den Nationalsozialismus und die geistige Nähe beider Totalitarismen aufzeigt. Den Schwerpunkt des Kommentars bildet das Phänomen, was Daniel Jonah Goldhagen an anderer Stelle als Rückkehr des eliminatorischen Antisemitismus beschrieben hat.
Wer Küntzels “Djihad und Judenhaß. Über den neuen antijüdischen Krieg” gelesen hat, der wird in dem Kommentar wenig neues erfahren, da dieser fast ausschließlich aus Inhalten eben jenes Buches besteht. Dafür eignet sich der Kommentar sehr gut als Kurzzusammenfassung des Buches; wer es noch nicht gelesen hat, dem sei der Artikel Von Hitler zu bin Laden als Leseempfehlung ans Herz gelegt.
Nachtrag: Künzels Buch hat nun auch einen internationalen Preis gewonnen:
London Book Festival has named Matthias Kuentzel’s “Jihad and Jew-Hatred: Islamism, Nazism and the Roots of 9/11” as the grand prize winner of its annual competition honoring books worthy of greater attention from the international publishing community.
Mehr auf dem London Book Festival. (Via TRANSATLANTIK FORUM)
Günter Grass hat den Pressemeldungen der vergangenen Woche zufolge eine schriftliche Unterlassungsklage wegen einer SS-Passage in der Grass-Biografie von Michael Jürgs eingereicht. Grass wehr sich damit gegen die Behauptung des Biographen, er wäre der Waffen-SS freiwillig beigetreten. Den Pressemeldungen zufolge hat er der Klage eine eidesstattliche Versicherung beigefügt, die da lautet:
Ich habe mich als 15-Jähriger in Gotenhafen freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, und zwar zum Dienst bei der U-Boot-Waffe, ersatzweise zur Panzerwaffe. Mit einer Meldung zur Waffen-SS hatte das weder direkt noch indirekt irgendetwas zu tun
Grass war übrigens insgesamt zwei mal in Israel. Von seinem 1967′er Besuch blieb unter anderem dieses Zitat im Gedächtnis: Kaum eine europäische Nation hat es gegeben, die sich nicht zeitweilig das Verbrechen zum politischen Verbündeten gewählt hatte; von seinem 1971′er Besuch die Tatsache, dass er dort mit Tomaten beschmissen wurde. Danach schwor Grass, nie mehr in seinem Leben nach Israel zu reisen.
Als deutscher Staatsbürger kann man relativ leicht ein Visum für eine Israelreise bekommen, dass war 1967 und 1971 nicht anders. Es gibt nur eine Hürde für diejenigen, die vor 1928 geboren wurden (Norbert Blüm und Rupert Neudeck würden jetzt sicher ganz laut Altersdiskriminierung oder Selektion rufen), diese müssen noch eine schriftliche Erklärung ausfüllen, die u.a. beinhaltet, “dass ich weder der NSDAP, noch einer ihrer Formationen angehört habe”.
Günter Grass ist 1927 geboren.
Auf German Joys wird die Frage aufgeworfen, warum Henry Kissinger hierzulande häufiger als in Amerika in den Medien ist. Neben der Erklärung über die Sprache – man Kissinger spricht Deutsch – stellt Autor Andrew Hammel die These auf, dass es vielleicht auch am hiesigen Desinteresse betreffend Kissingers Lobbytätigkeit liegen könnte:
We don’t know which ones they are, because the firm refuses to reveal its client list and, reportedly, requires clients to keep their relationship with the firm secret as well. You’d think basic journalistic practice would require this fact to be at least mentioned whenever Kissinger airs his views on foreign policy. In Germany, however, it never is. None of the people I have ever discussed Kissinger with here in Germany were aware that he runs a consulting firm whose clients have an interest in steering American foreign policy in particular directions.
Wäre ja auch irgendwie vermessen, wenn man ausgerechnet bei Realpolitikern eigennützige Interessen ausmachen würde. Ja, wo käme man da denn hin! Wie sagt man doch so schön in Norddeutschland: Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich. Also hält man sich auch in Sachen Lobbytätigkeiten lieber an diejenigen, von denen man es eh schon immer gewusst hat. Getreu dem alten Casablanca Motto:
Round up the usual suspects!
Kommunismus, das ist die Macht der Atomwaffen plus Hungersnot im ganzen Land.
(Kim Jong-il)
Immerhin einen Lichtblick gibt es für die geschundenen Menschen in Nordkorea:
Grass und Walser zum Beispiel, Pflichtlektüre eines jeden Germanisten weltweit, stehen weder im Lehrplan noch in den Regalen der drei Millionen Bücher umfassenden Nationalbibliothek.
