Archive for November 11th, 2007

11th November
2007
written by Tobias Blanken

… der Hans Meyer. Selbiger über die Gründe für seine damalige Vertragsunterschrift bei Borussia Mönchengladbach:

Ich bin von Haus aus Kommunist, das heißt, ich bin von Haus aus arm!

(via 11-Freunde)

11th November
2007
written by Tobias Blanken

Wenn es morgens um sechs Uhr an meiner Tür läutet und ich sicher sein kann, daß es der Milchmann ist, dann weiß ich, daß ich in einer Demokratie lebe.

(Winston Churchill)

The world should apply what Natan Sharansky calls the “town square test”: if a person cannot walk into the middle of the town square and express his or her views without fear of arrest, imprisonment, or physical harm, then that person is living in a fear society, not a free society. We cannot rest until every person living in a “fear society” has finally won their freedom.

(Condoleezza Rice)

Das Bild weiter unten zeigt, was passiert, wenn ein Kumpel von mir aus Bremen aufgefordert wird, sich an den Revolutionsfeierlichkeiten in Kuba zu beteiligen. Bremen ist bekanntlich eine zivilisierte Stadt, und dies hat unverkennbar Spuren in der Sozialisation hinterlassen. Wie bei fast jedem, der in einer freien Gesellschaft aufgewachsen ist, assoziierte er “Massenaufmarsch” und “Fahnenmeer” so, wie er es gewohnt war: Mit Fußball.

King Schabernack auf Kuba, Saison 2003/04

Glücklich ob ihrer Herkunft sind jedoch nicht nur diejenigen, die Massenaufmarsch und Fahnenmeer mit Fußball assoziieren, sondern auch diejenigen, die auf staatlich verordnete Massenaufmärsche so wie mein Kumpel reagieren können. Auf meine Frage, ob er denn keine Repressionen erwartet hatte, antwortete er sinngemäß: “Ach, bei den Feierlichkeiten sieht es doch so aus: Als kubanischer Student darfst du vielleicht mal sagen, du wärst krank. Aber halt nur mal, sonst kriegst du Repressionen zu spüren. Bei den Austauschstudenten aus Südamerika sieht es ähnlich aus, aber ich bin nunmal aus Westeuropa, da kann ich schlimmstenfalls nur des Landes verwiesen werden.”

11th November
2007
written by Tobias Blanken

Und darum klag ich an: Michael Ende, nur du bist schuld daran, dass aus uns nichts werden kann.

(Tocotronic)

Im öffentlichen Diskurs werden Eva Herman und Alice Schwarzer immer vollkommen gegensätzlich präsentiert – dabei sind sie sich ähnlicher, als sie selbst wahrhaben wollen.

Beide haben ein Frauenbild, in dem die Frau vor allem ein Opfer der Gesellschaft und kein freies Individuum ist; das “Patriarchat” und “die 68′er” sind jeweils austauschbar. Dieses Opferfixierung wirft Mehrwert in vielerlei Hinsicht ab. Es ermöglicht ihnen zuallererst, ihr eigenes Frauenbild als verbindlich für alle Frauen darzustellen, indem immer wieder konkurrierende Lebensentwürfe als nicht freie Entscheidung denunziert werden, getreu dem Motto: Natürlich soll unser Frauenbild nicht verbindlich sein, aber alle Frauen, die nicht unserem Frauenbild entsprechen, sind willenlose Opfer des Patriarchats respektive der 68′er.

Diese Sicht geht mit einer ungeheuren Selbstaufwertung der Protagonisten einher. Wenn das eigene Geschlecht als zentrales Definitionsmerkmal und als Opfer dargestellt wird, dann ist man selber natürlich ungeheuer mutig. Die Gesellschaft und ihre Zwänge lauern hinter jeder Ecke, nur eine Jeanne d’Arc mag sich der allerorten lauernden strukturellen Gewalt wiedersetzen; nur Robin Hood und die Dissidenten im Archipel Gulag können nachvollziehen, was für einen heroischen Kampf die mutigen Damen führen.

Auf Nachfrageseite rennen beide mit ihrem Opferdiskurs offene Türen ein. Eva Herman und Alice Schwarzer sind beileibe nicht allein, sie haben Abermillionen Brüder und Schwestern in ihrem Geiste. Der Mob imaginiert sich trotz freier Meinungsäußerung und freier Presse in einem Land, in dem “die Medien” von der “linken Meinungsmache” gesteuert werden. Der gemeine Stammtischspießer gibt es dem “System”, diesem “Geschwür von Parteien” dann erst richtig, wenn er über “die da oben” und ihrem “Abzockerstaat” so richtig herziehen kann.

Wie diese selbsternannten Opfer & Helden reagieren würden, wenn reale Gefahr für Freiheit und Leben drohen würde mag man sich schon gar nicht mehr vorstellen – es reicht schon vollkommen aus, wie sie das Leid realer Opfer relativieren. Vielleicht wäre es da auch gar nicht mal so schlecht, wenn ein reales Stasiopfer den Stasi 2.0 Demonstranten einen anständigen Kinnhaken verpassen würde.

In diesem Sinne:

“It’s not my fault that I’m so evil. It’s society, society.

(Saddam Hussein)