Archive for November, 2007

20th November
2007
written by Tobias Blanken

Baumeister ist einer der einflussreichsten Vertreter seines Fachs, und er verweigert jede moralisch-politische Parteinahme im Geschlechterkampf. Stattdessen stützt er sich auf einige breit akzeptierte Ergebnisse der Sozialforschung, angefangen mit dem Befund, dass nichts, aber auch gar nichts dafür spricht, dass eines der Geschlechter im statistischen Durchschnitt intelligenter oder sonst wie begabter ist.

Allerdings gibt es unter Männern auffallend mehr Ausreißer in beide Richtungen. Ob Körperstatur oder Sozialstatus – Männer finden sich häufiger bei den Extremen. Sie sitzen überproportional oft im Chefsessel – und überproportional oft im Gefängnis, Obdachlosenheim und in lebensgefährlichen Dreckjobs. Sie sind ganz oben, an der Macht – und ganz unten, wo das Leben hässlich, brutal und kurz ist.

(FTD: Männer haben auch ihr Gutes)

Den Haien entrann ich
Die Tiger erlegte ich
Aufgefressen wurde ich
Von den Wanzen.

(Bertolt Brecht: Epitaph für M.)

20th November
2007
written by Tobias Blanken

Ich verstehe nicht, wie jemand nicht rauchen kann, – er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich wieder darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloß esse, um rauchen zu können.

(Thomas Mann: Der Zauberberg)

Via Verbotshysterie: Die Lust steht auf der Kippe

19th November
2007
written by Tobias Blanken

Ungefähr 57 Milliarden Euro gibt die Europäische Union jährlich für die Landwirtschaft aus. Das ist rund die Hälfte des europäischen Gesamtbudgets. Die Folgen der Subventionen dürften mittlerweile jedem (so er nicht finanziell davon lebt, es nicht zu wissen) bekannt sein: Der notwendige Strukturwandel wird verschleppt, Schwellen- und Entwicklungsländer werden erfolgreich aus dem Agrarmarkt gedrängt und die Wohlstandsverluste aufgrund von gescheiterten Welthandelsrunden nehmen jährlich zu.

Bisher ging ich daher immer davon aus, dass es gar nicht möglich ist, EU-Gelder auf kontraproduktivere Weise zu verpulvern. Aber da habe ich mich eindeutig getäuscht.

19th November
2007
written by Tobias Blanken

… doch jetzt müssen weite Teile der Geschichte des dritten Reiches umgeschrieben werden…

In der Onlineausgabe der FAZ ist heute eine Rezension von Simon Sebag Montefiores Der junge Stalin erschienen. Die Rezension Stalin: Kindheit eines Kreml-Chefs beginnt mit folgendem Absatz:

An mindestens drei Stellen in Simon Sebag Montefiores Buch über den jungen Stalin darf der Leser hoffen, den entscheidenden Schlüssel gefunden zu haben, den, der die Tür zwischen gewöhnlichem politischem Fanatismus und blutrünstiger Perversion öffnet. Da sind, am Anfang, die Schläge: Der junge Josef, genannt Soso, wird nicht nur von seinem unberechenbaren Vater halb zu Tode geprügelt, auch seine Mutter schlägt ihn mit einer selbst für georgische Verhältnisse unerhörten Inbrunst.

In einem weiteren Absatz werden dann die Quellen des Bösen gesucht:

Mit der Frage nach Stalins Jugend unternimmt der Leser eine Reise zu den Quellen des Bösen. Stalins Untaten im großen Stil sind bekannt, aber es ist die persönliche, gewissermaßen zwischenmenschliche Perversion, die bestens mit einem gewinnenden, poetischen Charme koexistierte, die den Fall Stalin beunruhigend macht.

Das Buch – ich habe nur die Rezension gelesen – mag biographisch informativ sein. Und es ist vermutlich auch gut geschrieben. Aber Bestialität des Kommunismus aus Stalins Kinderheitserfahrungen abzuleiten ist keine Aufgabe für Wissenschaftler, sondern für Harald Schmidt.

18th November
2007
written by Tobias Blanken

Nicht zuletzt aber kann nicht übersehen werden, daß auch die islamistischen Bewegungen Ausdruck dessen sind, was als genuin und einzigartig westlich verstanden wird, nämlich die Demokratie als Wille zur Teilhabe an der Macht und zur Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklung, getragen vom Wunsch, Entscheidungen über die eigenen Lebensbedingungen mitgestalten zu wollen.

Prof. Dr. Werner Ruf in Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung von Peter Imbusch, Seite 329.

16th November
2007
written by Tobias Blanken

redok (Recherchedienst Schwerpunkt Rechtsextremismus, Rassismus, Neonazismus, Antisemitismus) hat auf einem “Nationalen Netztagebuch” eines NPD-Funktionärs entdeckt, wie man bereits Vorschulkinder zu Fremdenhass und antisemitischem Wahn erzieht. Erklären kann der Mann einem Fünfjährigen zwar seinen Rassismus nicht, aber “schön wenn es schon die Kleinsten verstehen”, meint der Mann.

Die Israellobby und der übliche Rassismus wird den 5-jährigen (und denen, die geistig sehr jung geblieben sind) folgendermaßen erklärt:

Originalton “Nationales Netztagebuch”:
Papa….was isn ein Sklave ?
Ein Sklave ist zum Beispiel die Frau Merkel…
…die mit den komischen Haaren?
Ja..genau die….
Wieso will die denn ein Sklave sein?…
Ich…..na ja…die kann eben nicht anders….weil die muss das machen was die Juden wollen…..
Wieso?
Weiß ich auch nich….die ist eben doof…. (wie soll man das einem 5jährigen erklären?)
Also wie die Türken?
Ich… ja genau so…
Papa…ich möchte kein Türke sein…die sind doof…

15th November
2007
written by Tobias Blanken

… Mulholland Drive waren sehr gute Filme. Trotzdem hat David Lynch voll einen an der Marmel.

15th November
2007
written by Tobias Blanken

Und ihr Gewissen wird sie dann gut schlafen lassen, lieber zehnmal Verständnis als einmal zu hassen / Und humanistische Werte lehren / während irgendwo Menschen vor Hunger sterben / Pazifistische Werte lehren / während irgendwo Menschen vor Hunger sterben.
Und ab und zu auf Demos gehen, Grün wählen, Spiegel lesen, Sting hören, Greenpeace spenden – Sich bewusst ernähren.

(But Alive – Betroffen aufessen)

Mehr als vier Jahre nach dem Sturz der Baathisten dämmert es manchem deutschen Beobachter, dass der reale Irak sich in vielerlei Hinsicht von dem Irak unterscheidet, den sie sich in ihrem Antikriegsfuror imaginiert haben. Die liebgewonnene Gewissheit, dass die Vereinigten Staaten im Irak ein zweites Vietnam erleben, da der Irak sich in einen failed state verwandelt, kollidiert langsam, aber sicher mit der Realität. Die Statistiken der vergangenen Monate sind so eindeutig, dass das Bild eines einzigen Desasters zunehmend durch eine Sichtweise ersetzt wird, die sinngemäß etwa so lautet: Natürlich ist Bush blöd, Krieg ist immer und grundsätzlich falsch, aber vielleicht sind die Araber ja auch Menschen und auch sie wollen wie wir in Freiheit über ihr Leben entscheiden.

Eine der bemerkenswertesten Revidierung überholter Selbstgewissheiten stand vor zwei Monaten ausgerechnet im Spiegel, der bis dahin vornehmlich als antiamerikanisches Sturmgeschütz fungierte. Gabor Steingart hat dort den ehernen Grundsatz deutscher Pazifisten verletzt, indem er in Mein Berlin, ihr Bagdad von sich auf die Iraker geschlossen hat:

Wenn John F. Kennedy während der Berlin-Krise auf Meinungsumfragen gehört hätte, wären die USA rasch abgezogen. Diese alte amerikanische Standfestigkeit wünscht sich Gabor Steingart auch im Irak – und er fordert: durchhalten, gemeinsam geduldig sein.

Steingart hat in dem Artikel das Durchhalten nicht als Selbstzweck gesehen, noch hat er das Durchhalten mit dem hierzulande weit verbreiteten Wunsch nach Stabilität um jeden Preis begründet, vielmehr stellte er die Freiheit in den Mittelpunkt seiner Argumentation:

Gott sei Dank hießen die Vokabeln der damaligen Zeit nicht “Rückzug” und “Zeitplan”, das wichtigste Wort damals hieß “Freiheit” – und nicht “Exit-Strategie”. [...]

Als es besonders bedrohlich war, kam aus Washington der Präsident nach Berlin angereist. Er hat sich nicht heimlich in einer Kaserne verschanzt, sondern sich auf den Balkon des Rathauses (in unserem Sektor) gestellt. Von dort rief er: “Ich bin ein Berliner”. Er hieß John F. Kennedy, was vor allem eines klar macht: Man muss kein Neokonservativer sein, um für die Freiheit einzustehen.

Das Man muss kein Neokonservativer sein, um für die Freiheit einzustehen plaudert viel über die hiesigen Befindlichkeiten aus, wo sich die Mehrheit einen Scheißdreck um die Freiheit anderer Menschen auf der Welt schert, da man diese Gleichgültigkeit ja auch wunderbar hinter einem bedingungslosen Pazifismus verstecken kann. Im Zweifelsfall sind diejenigen, die sich nicht mit tyrannischen Systemen abfinden wollen, immer wildgewordene amerikanische Kriegstreiber, die bestenfalls amerikanische Ölinteressen und schlimmstenfalls israelische Interessen exekutieren.

Wie eingangs erwähnt, kollidiert diese menschen- und freiheitsverachtende Sicht aber zunehmend mit den Realitäten im Irak. Auf der DIE ZEIT hat Jürgen Krönig gestern einen Artikel (Verhalten optimistisch) veröffentlicht, der angesichts der Entwicklung im Irak von einer zumindest differenzierten Sicht durchzogen ist, in der die deutsche Medienlandschaft auch verhalten selbstkritisch beurteilt wird:

Aber es ist noch etwas anderes im Spiel. Die veränderte Realität im Irak zur Kenntnis zu nehmen, hieße Abschied nehmen von einer liebgewordener Praxis.

Nicht nur in deutschen Medien hat man sich daran gewöhnt, im Blick auf den Irak stets eine apokalyptisch eingefärbte Grundmelodie anzustimmen. Auch möchte man nicht von der Erwartung lassen, die verhasste Bush-Regierung werde im Irak kläglich scheitern. Der Krieg sei bereits endgültig verloren, so klang es während dieses Jahres, der Offenbarungseid, das Eingeständnis der Niederlage, werde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Dem ist nur hinzuzufügen, dass der Wunsch des Scheiterns vornehmlich von den Irakern hätte bezahlt werden müssen – also von denen, deren Interessen angeblich von den friedensbewegten Europäern artikuliert worden sind. Aber die Realität macht den frommen Wünschen einen Strich durch die Rechnung, Jürgen Krönig beschreibt die derzeitige Situation im Irak folgendermaßen:

In der Tat: Es mehren sich die Indizien für eine Wende zum besseren. Die Zahl der zivilen Opfer im Irak ist deutlich gesunken. Dieser Trend, der zunächst außerhalb Bagdads begann, ist nun auch in der Hauptstadt wahrnehmbar; im Mai fielen 1070 Menschen Suizidbombern oder sektiererischen Morden zum Opfer, im Oktober waren es 317. Immer noch ein entsetzlich hoher Blutzoll, gleichwohl ein ermutigender Trend, der auch anderswo auszumachen ist. Amerikanische Verluste und Verletzungen sind auf den niedrigsten Stand seit 18 Monaten und den zweitniedrigsten seit vier Jahren gefallen. [...]

Entscheidender ist, dass mit höherer Sicherheit vor Gewaltakten die zarten Pflänzchen der zivilen Gesellschaft zu sprießen beginnen – Eltern wagen es wieder, ihre Kinder in die Schulen zu schicken; Straßenmärkte, in der Vergangenheit bevorzugtes Ziel von Suizidattacken, verzeichnen steigende Umsätze, Läden machen auf, Käufer kehren zurück, langsam beginnt sich das Leben selbst im zerbombten Bagdad wieder zu normalisieren – diesen Eindruck bestätigen diverse Berichte und Reportagen aus dem Irak, ob in der BBC oder Sonntagsblättern wie dem Observer oder der Sunday Times, ergänzt und bestätigt durch Stimmen aus der irakischen Bevölkerung, aus Regierungskreisen in Bagdad und dem amerikanischen Militär.

Das Fazit entspricht ziemlich genau dem von Gabor Steingart, wenn Jürgen Krönig am Ende des Artikels folgendes fordert:

Doch die Hauptgefahr für den Irak bestand und besteht stets darin, dass Amerika die Geduld und Entschlossenheit verlieren und abziehen würde, bevor die Iraker in der Lage sind, auf eigenen Füßen zu stehen und eine einigermaßen stabile, zivile Ordnung entstehen konnte. Dem Druck, vorzeitig abzuziehen, hat sich George Bush bislang erfolgreich widersetzt. Wie immer man über die Politik dieses Präsidenten denken mag – hier hat er richtig und konsequent gehandelt.

Steingart hat in seinem Artikel eines der bekanntesten Zitate von JFK verwendet. Bekannter als Ich bin ein Berliner dürfte nur And so, my fellow americans: ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country sein; dieses Zitat geht jedoch – was gerne ignoriert wird – noch weiter:

My fellow citizens of the world: ask not what America will do for you, but what together we can do for the freedom of man.

14th November
2007
written by Tobias Blanken

Auch auf NPD-BLOG.INFO wird die Achse von italienischen Linksextremen und deutschen Rechtsextremen thematisiert, man erfährt in deren Artikel Querfront: Vermeintliche Linke auf Abwegen aber noch weitere rot-braune Schweinereien rund um den junge Welt Autoren und Mitarbeiter der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Jürgen Elsässer.

In dem Artikel heißt es u.a.:

Am 10. Oktober habe Elsässer im Berliner Hilton vor der Preußengesellschaft, in deren Beirat Fürst Ferdinand von Bismarck sitzt, über den `Angriff der Heuschrecken, Finanzkollaps, Zerstörung der Nation und globaler Krieg` gesprochen. Weiter heißt es: `Angesichts der auch in seinem Buch genannten Gefahren warb der linksnationale Elsässer bei den Altkonservativen für ein Bündnis von “Lafontaine bis Gauweiler” – das sei wichtiger als Gender Mainstreaming und der Einsatz für die “Transsexuellen in der Mongolei”. […] Nur die Linke und Teile der CSU (”Habe gewisse Sympathien für Stoiber”) verteidigten den “rheinischen Kapitalismus” noch. Ähnliches gelte für die immer stärker US-hörige deutsche Außenpolitik.`

Weiter wird in dem Artikel noch Elsässers Faible für die Querfront thematisiert, für welches er schon im April eine Menge Lob von der NPD bekam:

Bei einer Veranstaltung im Oktober soll Elsässer auf eine Publikumsfrage, ob seine Ansichten nicht eine Querfront mit Nationalisten bedeute, geantwortet haben: Querfront – na und? Nach Elsässers Ansicht werde die NPD heute nur aus Verzweiflung gewählt, weil die Linke keine nationale Politik habe. Und weiter: `Das deutsche Großkapital sei heute eine relativ friedliche Einrichtung, weil es mit Irak und Iran lieber Handel treiben möchte, anstatt Krieg zu führen. Es bremst die Kriegspläne der USA und sollte unterstützt werden`, so Elsässer einem Augenzeugenbericht zufolge.

Schließlich werden auf NPD-BLOG.INFO noch unbestätigte Gerüchte wiedergegeben, bei denen ich jedoch vorsichtig wäre. Schließlich schreiben auch Knut Mellenthin, Rainer Rupp und Jürgen Cain Külbel für die Zeitung; Jürgen Elsässer passt daher eigentlich wunderbar zu dem Blatt. Aber vielleicht geht Jürgen Elsässer sogar für die junge Welt zu weit:

Wie zu hören ist, geht Elsässers Kurs sogar der `Jungen Welt` mittlerweile zu weit. Elsässer gehe wohl Horst Mahlers Weg, so ein Kommentar aus dem JW-Umfeld. Mehrere Artikel Elsässers seien bereits angeblich von der Chefredaktion abgelehnt worden, heißt es.

14th November
2007
written by Tobias Blanken

Im Westen laufen seit dem 3. Oktober neue South Park Folgen. Und niemand hat dies mir gegenüber auch nur mit einem Sterbenswörtchen erwähnt.

Not amused & voller Nachholbedarf,
Tobias

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