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8th January
2008
written by Tobias Blanken

Wenn man bei Wikipedia nach dem Begriff des Exotismus sucht, dann findet man diesen Eintrag, von dem die folgenden drei Absätze stammen:

Einige Europäer projizierten ihre eigenen Wunschgedanken in die „Exoten“ in den für sie neu erschlossenen Welten. Hierzu gehören insbesondere Vertreter der europäischen Aufklärung, wie Jean-Jacques Rousseau oder Denis Diderot. Insbesondere sexuelle Entsagungen führten zu einem Bild „triebhafter Eingeborener“ mit einer besonderen sexuellen Potenz. Die zunehmende Entfremdung im Zuge der Industrialisierung hat eine besondere romantische Form der „Naturverbundenheit“ hervorgebracht, die ebenfalls den „Wilden“ zugeschrieben wurde.

Hinzu kommt, dass mit dem Bild der „Natürlichkeit“ zum Beispiel bei Rousseau eine Begründung der Unterlegenheit der „Wilden“ einhergeht. Diese seien zwar der Natur näher, aber dafür der Kultur ferner und insofern als Kinder anzusehen. Hierin drückt sich eine Form des Rassismus ohne Rassen aus, der formal sogar mit einer Hochachtung vor den „Wilden“ begründet wird.

Kritiker werfen auch bestimmten multikulturellen Ansätzen einen entsprechenden Rassismus vor, wenn sie sich auf das Feiern exotischer Unterschiede begrenzen (im englischen als Politik der Steel-Bands, Sari, Samosas bezeichnet). Manche Thesen radikaler Vertreter des Kulturrelativismus werden von Kritikern als eine Form eines exotistischen ‘umgekehrten Rassismus’ kritisiert, da in ihnen Menschenrechte pauschal Werten der Tradition und Gemeinschaft untergeordnet würden. Ein Beispiel ist die in einigen Religionen und Kulturen praktizierte Beschneidung weiblicher Genitalien, die von manchen radikalen Kulturrelativisten als bloße kulturelle Praxis, über die keine moralischen Werturteile möglich sind, in Schutz genommen wird.

Rassistische Menschenschau in deutschen ZoosEin besonders erschreckendes Beispiel für den letzten Absatz hat Arvid Vormann entdeckt; ausgerechnet (oder sollte man besser sagen: Mal wieder?) die hiesigen Feministinnen vom Studienbereich der Gender Studies haben den systematisch verstümmelten Mädchen und Frauen einen Bärendienst erwiesen.

In dem Eintrag Respekt für ethnische Schnitzereien am weiblichen Körper auf dem WADIblog zitiert Arvid Vormann die ApologetInnen der Genitalverstümmelung u.a. mit solchen Verharmlosungen: Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass erfüllte Sexualität nicht zwingend mit Orgasmusfähigkeit in Zusammenhang gebracht wird. Die Frauen in Eritrea fühlen sich dann geschätzt und geliebt von ihren Ehemännern, wenn sie als Ehefrau geachtet und respektiert werden.

Kurz und gut: Falls irgendwer über die Festtage ein paar Kilo zuviel zu sich genommen hat, dann sollte er sich Arvids Artikel durchlesen; die Feministinnen von der Sorte ein BH ist ein Kleidungsstück patriarchaler Unterdrückung, die Burka ein Teil der kulturellen Identität verderben einem den Appetit äußerst gründlich.