Archive for January 18th, 2008
Bin gerade über den Wikipedia-Artikel über Islamfeindlicheit gestolpert. Dort werden u.a. auch Heitmeyers Fragen zur “Islamophobie” aufgeführt. Den Begriff halte ich zwar vollkommen für daneben – oder kann mir irgendwer ein Äquivalent zum Protestantismus/Katholizismus, Christentum, Buddhismus oder was auch immer nennen? – aber darüber vielleicht lieber ein anderes Mal. Trotzdem will ich hier mal seine Fragen beantworten.
Here we go! Als erstes die Fragen, die bei einer Bejahung laut Heitmeyer auf “Islamophobie” hindeuten.
Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.
Definitiv nein. Ich finde es unerträglich, wenn Verfolgten – gleich welcher Religion oder was auch immer – kein Asyl gewährt wird. Und gegen die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitnehmern habe ich ebenfalls nichts – egal welcher Religionsgemeinschaft.
Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.
Nein. “Fremder im eigenen Land” sind Denkkategorien, mit denen ich nicht viel anfangen kann.
Es sollte besser gar keine Muslime in Deutschland geben.
Nein. Siehe die ersten Fragen.
Muslimen sollte jede Form der Religionsausübung in Deutschland untersagt werden.
Nein. Von mir aus kann auch jeder 23* am Tag in Richtung Grönland beten. Alle paar Monate bete ich ja schließlich auch den Porzellangott an. Nicht mein Bier – solang der Semptex-Gürtel nicht zum allgemein verbindlichen Sakralgegenstand erklärt wird.
Für mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unterscheiden.
Nein. Kann sehr wohl zwischen mehreren Glaubensrichtungen unterscheiden – aber trotzdem ist dies eine einfach saudämmliche Frage. Nicht unterschieden können (also Wissensdefizite zu haben) mit Feindseligkeit gleichzusetzen ist einfach dreist. Auf sowas können wohl nur elitäre Professoren kommen.
Die Mehrheit der Muslime hält große Distanz zur restlichen Bevölkerung.
Ich denke nicht. Der Anteil dürfte unter 50% liegen. Also nein.
Viele Muslime in Deutschland wollen lieber unter sich bleiben.
Schwammige Frage. Da ich unter “viele” jedoch nicht die Mehrheit verstehe antworte ich mit ja.
Die islamistischen Terroristen finden starken Rückhalt bei den Muslimen.
Noch eine saudämliche Frage. Bitte was versteht man unter “den Muslimen”? Habe doch vorher schon angegeben, dass ich zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen differenzieren kann. Irgendwie beißt sich die Katze gerade in den Schwanz. Antworte trotzdem mit ja, da viel zu viele Muslime den Terror rechtfertigen – und wenn es nur das “natürlich finden wir das nicht gut, aber man muss auch verstehen blah blah blah….” ist, was mir absolut unverständlich ist. Wenn jemand Zivilisten feige ermordet und/oder terroristische Aktivitäten verübt, dann gibt es gar nichts zu rechtfertigen. Ist wie bei den Zonis, die bei rechtsextremer Gewalt immer die alte Leier “ja, das finden wir nicht gut, aber die Ausländer nehmen uns ja auch blah blah blah …” anstimmen.
Ich hätte Probleme in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben.
Auch schwierig. Aber da – zumindest hier in Berlin – Gegenden mit vielen Moslems meist Problembezirke sind, hätte ich Probleme. Also ja. Wohne gerne im dekadenten Prenzlauer Berg, habe keine Lust auf Problembezirke. Ob im Osten (richtige Zonis oder gar Nazis brauch ich nicht um mich herum) oder im Westen.
Ich werde nur solche Parteien wählen, die gegen den weiteren Zuzug von Moslems sind.
Nein. Siehe die ersten Antworten. Außerdem hängt meine Wahlentscheidung nicht von einem Kriterium ab.
Nun kommen die Fragen, bei denen die Ablehnung auf eine “islamophobe” Einstellung schließen lässt:
Der Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht.
Nein. Sicherlich hat der Islam in der Geschichte einzelne bewundernswerte Kulturleistungen hervorgebracht. Und viele Länder ebenso, in denen der Islam die Mehrheitsreligion darstellt. Aber in Gänze? Nee, solang die Länder, in denen der Islam eine große Rolle spielt durch repressive Regierungsformen, massiver Frauenunterdrückung, Unterentwicklung und Schwulenfeindlichkeit gekennzeichnet sind stimme ich der Aussage definitiv nicht zu. God damn it – ich stehe nun mal auf freiheitliche Kultur, und bei dem Stichwort passt die Assoziation Islam einfach hinten und vorne nicht.
Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt.
Wieder wird mit unzulässigen Verallgemeinerungen gearbeitet. Da es aber genug Muslime gibt, die eine freiheitliche Form der Religionsausübung praktizieren – diese sind meist in den muslimischen Organisationen miserabel vertreten – antworte ich mit ja.
Ich würde mein Kind auch in einer Schule anmelden, in der eine moslemische Frau mit Kopftuch unterrichtet.
Nein. Ich habe keine Kinder, aber wenn ich welche hätte, dann würde ich sie in eine Schule schicken, die weltanschaulich und religiös neutral ist. Kindergarten und Kindergottesdienst ist selbstverständlich was anderes, aber bei Schulen handelt es sich um Bildungseinrichtungen im eigentlichen Wortsinn. Und dort sollte auch die Lehrer ihren religiösen Glauben zu Hause lassen.
Es ist allein Sache der Muslime, wenn sie über Lautsprecher zum Gebet aufrufen.
Nein. Es ist Sache der Lärmschutzverordnung. Uhrzeit und Dezibel, das sind die Kriterien.
Komme unterm Strich zu einem Ergebnis von 8 (nicht “islamophob”) zu 6 (“islamophob”). Was bin ich denn jetzt? 4/3 nicht “islamophob”? Schwierig. Eines weiß ich aber recht genau: Die Fragen sind einfach dämlich. For sure.