Archive for January, 2008

20th January
2008
written by Tobias Blanken

Was wirklich ist, ist vernünftig, und was vernünftig ist, ist wirklich

(Hegel)

Nach Hegel sind wir alle (samt allen Ereignissen) nur Durchgangsstadien im welthistorischen Prozess, der auf das Ziel der Geschichte zustrebt. Ganz zu sich gefunden hat der Weltgeist zum ersten Mal in seiner, Hegels, Philosophie – der Mann litt definitiv nicht an Selbstzweifeln. Das Ganze war bekanntlich das Wahre, wir leben in einer vernünftigen Welt, in der sich die Geschichte als Fortschritt im Sinne menschlicher Freiheit niederschlägt. Marx hingegen postulierte “die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.” Er stellte Hegel damit zwar auf den Kopf – vom Weltgeist blieb in in dem gesellschaftlichen Sein, dass das Bewußtsein bestimmt, nicht mehr viel über – aber ebenso wie all die anderen Links- und Rechtshegelianer ging er von einer Gesetzmäßigkeit der Geschichte aus. So wie die heutigen Marxisten bei jeder kleineren oder mittleren Finanzkrise das Ende des Kapitalismus und die zukünftige Revolution kommen sehen, ging es schon Marx und Engels – schließlich haben sie alle den ultimativen Plan der Weltgeschichte (dem sich die Wirklichkeit jedoch hartnäckig verweigert – was an die Weltuntergangspropheten diverser Sekten, die sich auch durch den x-ten Weltuntergangsausfall nicht beeindrucken lassen, erinnert). Adorno schließlich postulierte, dass das Ganze das Falsche sei – der Liberalismus habe sich selbst verfehlt; die Geschichtsbetrachtung, die stärker vom Weltenschmerz samt fassungsloser Traurigkeit als vom Weltgeist lebt, ist aber trotz allem nur eine Negation von Hegels Bewertungen; auch Adorno bleibt im hegelianischen Denken gefangen.

Lange Vorrede, kurzer Sinn: In der Tradition des deutschen Idealismus ist man davon ausgegangen, dass nach dem Ende des kalten Krieges erstmal eine Friedensdividende kassiert werden könnte, weil sich die freiheitliche Demokratie nun wie das Amen in der Kirche auf der ganzen Welt ausbreiten würde. Selbst der 11. September konnte diesen Determinismus (zumindest im alten Europa) nicht beschädigen, man war zwar gezwungen, sich mit der Rückkehr der elementaren Menschenverachtung und Barbarei auseinanderzusetzen, aber man vertraut im Grunde noch immer darauf, dass die Grundparameter intakt seien: Ein mehr an Entwicklungshilfe, interkultureller Dialog und weniger Demütigungen für die islamische Welt würden schon dafür sorgen, dass der Islamist in Zukunft neben dem Koran auch das Jahrbuch von Amnesty International verschlingen würde. Und über alles andere könnte man ja in der UN reden – ein wenig kritischen Dialog, und schon merken die Diktatoren, dass sie sich auf dem geschichtlichen Abstellgleis befinden und werden in Folge zu lupenreinen Demokraten.

Eine schöne Vorstellung, gewiss. Doch selbst die Süddeutsche Zeitung kommt nicht umhin, den Jahresbericht von Freedom House zur Kenntnis zu nehmen (Flüchtige Freiheit):

Aufstände, Militärjunta und Wahlfälschung: Die Demokratie ist weltweit auf dem Rückzug. Schuld seien “pragmatische Diktaturen” wie Russland und China, analysiert eine US-Organisation.

Die renommierte US-Organisation Freedom House, die sich der Verbreitung demokratischer Werte verschrieben hat, spricht gar von einer Zeitenwende. Die Freiheit, heißt es in ihrem Jahresbericht, befinde sich global auf dem Rückzug. Freedom House hat alle Staaten der Welt untersucht und deren Demokratisierung danach bemessen, wie frei die Wahlen, wie umfassend das Versammlungsrecht und wie unabhängig Medien und Justiz sind.

Demzufolge haben im Jahr 2007 38 Staaten Freiheitsrechte eingeschränkt, nur zehn bauten sie aus. Erstmals seit eineinhalb Jahrzehnten registrierte Freedom House einen Rückgang der Freiheit in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

At least: Freedom is not for free.

20th January
2008
written by Tobias Blanken

Da wunderte ich mich gestern doch glatt, was all die Polizei- und Krankenwagen vor meinem Haus machen. Und warum der Bereich vor meiner Haustür abgesperrt und abfotografiert wurde. Und heute lese ich dann sowas.

Update: Im Feuilleton der FAZ wird sich heute mit deutschem Gangsterrap beschäftigt. Das Fazit fällt mies aus; das Problem mit dem deutschen Gangsterrap ist, dass er nicht mehr hervorbringt als Musik, die dreizehnjährigen Mädchen gefallen will, und gleichzeitig die stumpfsinnigsten, reaktionärsten und langweiligsten Werte perpetuiert. Kurz und gut: Bisschen uncool.

Die Jungs sind – um in ihrer Sprache zu bleiben – vollkommen am Arsch. Ausgerechnet vom Feuilleton der FAZ als uncool, reaktionär und langweilig bezeichnet zu werden ist jawohl der Diss des Jahres.

19th January
2008
written by Tobias Blanken

In der Zeit ist eine leicht gekürzte Fassung einer Rede von Günter Grass am 11. Januar 2008 vor der SPD-Bundestagsfraktion abgedruckt: Günter Grass über Demokratischen Sozialimus. Die Rede trieft nur so von faktenresistenten Ressentiments, so entblödet sich Grass mal wieder nicht, den Terror aus Armut zu erklären:

Das heißt: Wer den Terrorismus eindämmen, schließlich beenden will, der sollte den Nord-Süd-Bericht zur Hand nehmen und in Armut, in Hungerstatistiken und in nachkolonialer Bevormundung und Demütigung die Ursachen für Gewalt und den allein durch militärische Gegengewalt nicht zu brechenden Terror erkennen.

Naja, zwischen der Karriere bei der Waffen-SS und der Schriftstellerkarriere war wohl keine Zeit mehr, sich mit Statistik auseinanderzusetzen – andernfalls würde sein heiles Weltbild (“Norden und Westen böse und reich, Süden arm und voll toll”) wohl durch die Warriors of the Middle Class gehörig durcheinander gewirbelt werden; er müsste sich dann auch Gedanken machen, wie die Evidence about the Link Between Education, Poverty and Terrorism tatsächlich gelagert ist. Whatever. Einen alten Mann sollte man auch nicht überfordern. Aber bei Absätzen wie diesem hier

Und was faul stinkt im Staate, sind sie. Sie, ungewählt, doch mit der Macht des Kapitals ausgestattet, verkörpern den ärgsten Feind der Demokratie. Ihr, der Lobby, ist keine Bannmeile gesetzt. Asoziale Managergehälter und allerorts wuchernde Korruption sind die Begleiterscheinungen des Lobbyismus

dreht sich mir der Magen um. Im Jargon der Unmenschen gibt er die Feinde des Gemeinwohls zum Abschuss frei. Man kann von ihm keine Statistikkenntnisse erwarten – aber man kann schon von ihm erwarten, sich mit den Grundsätzen einer freiheitlichen Demokratie auseinanderzusetzen. Ernst Fraenkels Text über den Pluralismus als Strukturelement der freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie ist 1964 erschienen, da war Grass gerade 37 Jahre alt – also noch in einem lernfähigen Alter. Hätte er sich mit dem Text beschäftigt, dann würde er wissen, dass “westliche Demokratien ihren Bürgern die uneingeschränkte Möglichkeit, sich in in Verbänden pluralistisch zu organisieren, zu betätigen und kollektiv in das Staatsganze einzugliedern” geben. Natürlich gibt es Misstände, aber die

Pluralisten bestreiten jedoch nachdrücklich, daß es zur Heilung dieser Misstände beiträgt, wenn man sie nicht so sehr als Auswüchse einer an sich gesunden Entwicklung, sondern vielmehr als Krankheitssymptom eines in sich korrupten Systems ansieht.

Ebenso würde er wissen, was Fraenkel als Strukturmerkmal einer Volksdemokratie gegenüber den freiheitlich pluralistischen Demokratien geschrieben hat:

Von dem Bestreben geleitet, die Kontrollen über die Massen nicht zu verlieren, sind die Volksdemokratien bestrebt, sie mittels Zwangsorganisationen, die von einer monopolistischen Staatspartei manipuliert werden, auf allen Lebensgebieten, d.h. aber totalitär zu kontrollieren und dirigieren.

Willkommen in der kommoden Diktatur, Mr Grass.

18th January
2008
written by Tobias Blanken

Bin gerade über den Wikipedia-Artikel über Islamfeindlicheit gestolpert. Dort werden u.a. auch Heitmeyers Fragen zur “Islamophobie” aufgeführt. Den Begriff halte ich zwar vollkommen für daneben – oder kann mir irgendwer ein Äquivalent zum Protestantismus/Katholizismus, Christentum, Buddhismus oder was auch immer nennen? – aber darüber vielleicht lieber ein anderes Mal. Trotzdem will ich hier mal seine Fragen beantworten.

Here we go! Als erstes die Fragen, die bei einer Bejahung laut Heitmeyer auf “Islamophobie” hindeuten.

Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.

Definitiv nein. Ich finde es unerträglich, wenn Verfolgten – gleich welcher Religion oder was auch immer – kein Asyl gewährt wird. Und gegen die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitnehmern habe ich ebenfalls nichts – egal welcher Religionsgemeinschaft.

Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.

Nein. “Fremder im eigenen Land” sind Denkkategorien, mit denen ich nicht viel anfangen kann.

Es sollte besser gar keine Muslime in Deutschland geben.

Nein. Siehe die ersten Fragen.

Muslimen sollte jede Form der Religionsausübung in Deutschland untersagt werden.

Nein. Von mir aus kann auch jeder 23* am Tag in Richtung Grönland beten. Alle paar Monate bete ich ja schließlich auch den Porzellangott an. Nicht mein Bier – solang der Semptex-Gürtel nicht zum allgemein verbindlichen Sakralgegenstand erklärt wird.

Für mich sind die verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen kaum zu unterscheiden.

Nein. Kann sehr wohl zwischen mehreren Glaubensrichtungen unterscheiden – aber trotzdem ist dies eine einfach saudämmliche Frage. Nicht unterschieden können (also Wissensdefizite zu haben) mit Feindseligkeit gleichzusetzen ist einfach dreist. Auf sowas können wohl nur elitäre Professoren kommen.

Die Mehrheit der Muslime hält große Distanz zur restlichen Bevölkerung.

Ich denke nicht. Der Anteil dürfte unter 50% liegen. Also nein.

Viele Muslime in Deutschland wollen lieber unter sich bleiben.

Schwammige Frage. Da ich unter “viele” jedoch nicht die Mehrheit verstehe antworte ich mit ja.

Die islamistischen Terroristen finden starken Rückhalt bei den Muslimen.

Noch eine saudämliche Frage. Bitte was versteht man unter “den Muslimen”? Habe doch vorher schon angegeben, dass ich zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen differenzieren kann. Irgendwie beißt sich die Katze gerade in den Schwanz. Antworte trotzdem mit ja, da viel zu viele Muslime den Terror rechtfertigen – und wenn es nur das “natürlich finden wir das nicht gut, aber man muss auch verstehen blah blah blah….” ist, was mir absolut unverständlich ist. Wenn jemand Zivilisten feige ermordet und/oder terroristische Aktivitäten verübt, dann gibt es gar nichts zu rechtfertigen. Ist wie bei den Zonis, die bei rechtsextremer Gewalt immer die alte Leier “ja, das finden wir nicht gut, aber die Ausländer nehmen uns ja auch blah blah blah …” anstimmen.

Ich hätte Probleme in eine Gegend zu ziehen, in der viele Moslems leben.

Auch schwierig. Aber da – zumindest hier in Berlin – Gegenden mit vielen Moslems meist Problembezirke sind, hätte ich Probleme. Also ja. Wohne gerne im dekadenten Prenzlauer Berg, habe keine Lust auf Problembezirke. Ob im Osten (richtige Zonis oder gar Nazis brauch ich nicht um mich herum) oder im Westen.

Ich werde nur solche Parteien wählen, die gegen den weiteren Zuzug von Moslems sind.

Nein. Siehe die ersten Antworten. Außerdem hängt meine Wahlentscheidung nicht von einem Kriterium ab.

Nun kommen die Fragen, bei denen die Ablehnung auf eine “islamophobe” Einstellung schließen lässt:

Der Islam hat eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht.

Nein. Sicherlich hat der Islam in der Geschichte einzelne bewundernswerte Kulturleistungen hervorgebracht. Und viele Länder ebenso, in denen der Islam die Mehrheitsreligion darstellt. Aber in Gänze? Nee, solang die Länder, in denen der Islam eine große Rolle spielt durch repressive Regierungsformen, massiver Frauenunterdrückung, Unterentwicklung und Schwulenfeindlichkeit gekennzeichnet sind stimme ich der Aussage definitiv nicht zu. God damn it – ich stehe nun mal auf freiheitliche Kultur, und bei dem Stichwort passt die Assoziation Islam einfach hinten und vorne nicht.

Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt.

Wieder wird mit unzulässigen Verallgemeinerungen gearbeitet. Da es aber genug Muslime gibt, die eine freiheitliche Form der Religionsausübung praktizieren – diese sind meist in den muslimischen Organisationen miserabel vertreten – antworte ich mit ja.

Ich würde mein Kind auch in einer Schule anmelden, in der eine moslemische Frau mit Kopftuch unterrichtet.

Nein. Ich habe keine Kinder, aber wenn ich welche hätte, dann würde ich sie in eine Schule schicken, die weltanschaulich und religiös neutral ist. Kindergarten und Kindergottesdienst ist selbstverständlich was anderes, aber bei Schulen handelt es sich um Bildungseinrichtungen im eigentlichen Wortsinn. Und dort sollte auch die Lehrer ihren religiösen Glauben zu Hause lassen.

Es ist allein Sache der Muslime, wenn sie über Lautsprecher zum Gebet aufrufen.

Nein. Es ist Sache der Lärmschutzverordnung. Uhrzeit und Dezibel, das sind die Kriterien.

Komme unterm Strich zu einem Ergebnis von 8 (nicht “islamophob”) zu 6 (“islamophob”). Was bin ich denn jetzt? 4/3 nicht “islamophob”? Schwierig. Eines weiß ich aber recht genau: Die Fragen sind einfach dämlich. For sure.

17th January
2008
written by Tobias Blanken

Er und er haben es schon getan, trotzdem weise auch ich auf ein Interview mit Götz Aly im Börsenblatt über den spezifisch deutschen Totalitarismus der 68er hin.

Aly über das Zurechtbiegen der eigenen Vergangenheit durch die 68er:

Der deutsche Furor, das Unbedingte und schließlich das Doktrinäre der 68er-”Bewegung“ rücken ganz in den Hintergrund. Es werden die schönen, weichen Aspekte der Revolte hervorgehoben, freie Sexualität und andere, neue Kommunikationsformen. All das waren zweifellos wichtige Dinge. In meiner Schulzeit war zum Beispiel in den Schulen die Prügelstrafe noch selbstverständlich.
Aber meine Kampfgenossen von damals tun heute gerne so, als seien sie in den Jahren der Revolte als bessere Heilsarmee unterwegs gewesen, immer im Einsatz für die Schwachen. Und sie tun so, als hätten sie die Aufklärung über die NS-Vergangenheit ins Werk gesetzt. Davon kann keine Rede sein.

Dieses “davon kann keine Rede sein” über die Aufarbeitung der Vergangenheit führt Aly weiter aus:

In den Jahren 1967 und 1968 fanden die meisten NS-Prozesse in der Bundesrepublik statt, vielfach verhängten die Schwurgerichte lebenslange Haftstrafen. Die Regierung Kiesinger / Brandt verlängerte noch einmal die Verjährungsfrist für Morddelikte und bekundete damit den Willen, die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen fortzusetzen. Die 68er haben das damals alles verdrängt. Wenn Sie heute einen ehemaligen 68er fragen, an welche NS-Prozesse von ’68 er sich erinnert, dann fällt dem nichts ein. Damals wurden Prozesse wegen der Massenmorde in Treblinka, Sobibor und Belzec geführt, Prozesse gegen KZ-Personal und SD-Mörder – für die Linksradikalen von damals spielte das keine Rolle, in ihren zahllosen Postillen und Flugschriften fand das keinen Niederschlag. Stattdessen suchten die aufbegehrenden Studenten die Völkermörder im Ausland, vorzugsweise in den USA, schließlich sogar in Israel – überall, nur nicht bei sich zu Hause. Der Faschist wandelte sich vom Deutschen mit Namen und Adresse zur weltweiten Erscheinung. Diese widerliche Gestalt wurde nach den nun gängigen Faschismus-”Theorien“ in den Agenturen des Imperialismus und des Kapitals ausgebrütet, stammte nicht etwa aus kerndeutschen Familien aller sozialer Schichten. Kurz gesagt: Die linken Studenten wichen vor der Last der Vergangenheit aus, sie waren damit überfordert und flüchteten in den Internationalismus.

Hiernach wird Aly gefragt, was ihm als 68er Protagonist heute am peinlichsten wäre, Aly antwortet folgendermaßen:

Unsere Mao-Leidenschaft. Wir haben einen Massenmörder verehrt. Wir schwärmten für die chinesische Kulturrevolution und wollten nicht wissen, dass sie mit staatlich gesteuerter Gewalt verbunden war: Drei Millionen Menschen wurden ermordet, 100 Millionen deportiert. Ich trug damals einen goldenen Mao-Knopf am Revers. Und als 1972 die kambodschanische Revolution ausbrach, fanden wir auch diese ganz toll. Die Revolution, für die wir so warme Worte fanden, wurde von Pol Pot geleitet. Auch das wird heute meist verdrängt.
Ich bin der Frage nachgegangen, was wir über Maos Verbrechen hätten wissen können. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Wir hätten nämlich alles wissen können. Der Mann, der das mit großer wissenschaftlicher Gründlichkeit dokumentiert hatte, hieß Jürgen Domes und saß mitten in der Hochburg der Studentenrevolte, im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität. Wir haben ihn einfach für rechtsradikal erklärt. Ich habe seine damaligen Texte über die Zustände in China jetzt – nach vierzig Jahren – zum ersten Mal gelesen: Es handelt sich um nüchterne, von jedem schäumenden Antikommunismus freie, sehr sachliche Analysen, wie ich sie heute für vorbildlich halten würde.

Das Interview gehört eindeutig in die Kategorie lesenswert, geführt wurde es, da Alys Buch Unser Kampf (sic!) über eben dieses Thema im März erscheint.

17th January
2008
written by Tobias Blanken

Der Tagesspiegel hat soeben folgendes berichtet:

Punks zettelten Hetzjagd an

Die fünf Schüler der Jüdischen Oberschule an der Großen Hamburger Straße befanden sich gestern auf dem Heimweg als sie plötzlich von den Punks verbal angegriffen wurden. An der Ecke Oranienburger Straße/Ecke Große Hamburger Straße beschimpften die vier Männer die Schüler mit antisemitischen Parolen.

Danach setzten die Punks ihre verlausten Begleiter in Bewegung:

Anschließend hetzten sie einen ihrer Hunde auf die Jugendlichen und eine Verfolgungsjagd begann. Ein 15-Jähriger rettete sich in einen Bäckerladen. Der Hund ließ erst von ihm ab als dieser die Tür schloss.

17th January
2008
written by Tobias Blanken

Mit meiner Vorfreude über die Verpflichtung William (“Bill”) Kristols durch die New York Times habe ich offensichtlich einen Volltreffer gelandet, denn nun melden sich die ewig Zukurzgekommenen beleidigt zu Wort:

America needs realists, not William Kristol. By Stephen M. Walt.

16th January
2008
written by Tobias Blanken

Im Die ZEIT Blog planet in progress berichtet Jochen Bittner von dem Bundeswehrgutachten Auslandseinsätze der Bundeswehr, welches von von sieben der ranghöchsten ehemaligen Generale der Truppe verfasst wurde. Das Gutachten fällt desaströs aus; in Bittners Worten:

Was das 55-seitige Papier in aller Kälte des Militärjargons festhält, fügt sich zu einem niederschmetterndes Bild von der Handlungsfähigkeit der deutschen Streitkräfte zusammen.

Am schwersten betroffen sind ausgerechnet die Streitkräfte, die eigentlich unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen sollten:

Selbst wenn Fragen von Leben und Tod betroffen sind, kann es mitunter Jahre dauern, bis Entscheidungen durch die Bürokratie sickern. Der Bericht schildert etwa, wie lange es dauerte, bis Störsender für Bundeswehrkonvois in Afghanistan ankamen. Mit diesen „Jammern“ lässt sich verhindern, dass Terroristen per Mobilfunk Sprengfallen am Straßenrand auslösen – eine Methode, die immer beliebter wird. Die entsprechende Anforderung, hält der Bericht fest, sei bereits 2003 in den „Auswerteprozess eingesteuert“ worden. „Trotz ihrer Dringlichkeit“ sei sie „bis in das Jahr 2006 noch nicht erfüllt“ worden. Die Bundeswehrsoldaten fuhren also geschlagene drei Jahre lang ohne einen einfachen, aber wirkungsvollen elektronischen Schutzschirm am Hindukusch herum.

Das Weblog Sicherheitspolitik berichtet derweil über den problematischen Zustand der Polizei in Afghanistan, für den Deutschland die Hauptverantwortung trägt. Ausgerechnet das Land, welches ständig ungebetene Ratschläge (natürlich “unter Freunden”) an die Amerikaner vergibt, wie sie ihren Krieg führen sollen, versagt auf ganzer Linie. Wenn man dann noch liest, dass die Bundeswehr einen Kampfverband nach Afghanistan schicken will, dann wird einem angst und bange zumute – hoffentlich sind amerikanische Verbände zumindest soweit in der Nähe, dass sie im Notfall durch ihren Eingriff die Sicherheit der deutschen Truppen sicherstellen können.

16th January
2008
written by Tobias Blanken

Yum Yum!

Ketchup Is a Vegetable

(Ronald Reagan)

15th January
2008
written by Tobias Blanken

Wie man die Zukunft der eigenen Kinder erfolgreich zerstört demonstriert dieser Mob:

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