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18th February
2008
written by Tobias Blanken

Drüben in Zettels Raum gibt es aufgrund der aktuellen Dementis zu den Mauer- und Stasiäußerungen einen guten Bericht darüber, wie DIE LINKE auf europäischer Ebene mit den den unterschiedlichen kommunistischen Parteien zusammenarbeitet. Angesichts dieser Bündnisse – die u.a. die Solidarisierung mit der menschenrechtsverachtenden Diktatur auf Kuba beinhalten – kommt der Autor zu dem Schluss, dass “eine Partei, die europa- und weltweit mit kommunistischen Parteien aufs engste zusammenarbeitet, dies auch in Deutschland mit der DKP tut” eigentlich eine Selbstverständlichkeit sei.

Ein wirklich guter Artikel, an dem mir jedoch ein wesentlicher Punkt fehlt: Das Dementi des Parteivorstandes ist auf unangenehmste Art opportunistisch. Der Vorstand erklärte folgendes:

Die Äußerungen des DKP-Mitglieds Christel Wegner sind inakzeptabel. Der Vorstand der Partei DIE LINKE distanziert sich davon in aller Form. Für DIE LINKE gilt ohne jede Einschränkung der vom Parteitag beschlossene Grundsatz: “Wir haben aus der Geschichte gelernt: Respekt vor den Ansichten Andersdenkender ist Voraussetzung von Befreiung. Wir lehnen jede Form von Diktatur ab und verurteilen den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus. Freiheit und Gleichheit, Sozialismus und Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit sind für uns unteilbar.”

Stalin starb 1953, Chruschtschow hielt seine Geheimrede 1956. Die Berliner Mauer wurde 1961 gebaut. Die Stasi hat bis zum Zusammenbruch der DDR gewirkt. Trotzdem distanziert sich der Vorstand ausgerechnet vom Stalinismus – als wenn der Stalinismus Thema der öffentlichen Auseinandersetzung gewesen wäre. Warum?

Erstens ist die Haltung für den Vorstand äußerst bequem – selbst unter kommunistischen Betonköpfen gehört eine Distanzierung vom Stalinismus zum guten Ton. Der Vorstand geht potentiellen Differenzen mit der Kommunistischen Plattform und anderen Gruppierungen innerhalb der Partei hierdurch aus dem Weg. Der zweite Grund ist noch perfider: Ausgerechnet eine Debatte um die Mauer und die Stasi wird von den Erben der SED genutzt, um den Sozialismus von den Verbrechen der DDR reinzuwaschen. “[...] und verurteilen den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus” my ass.

3 Comments

  1. 18/02/2008

    Lieber Tobias Blanken,

    Sie haben vollkommen Recht. Ich hatte tatsächlich vorgehabt, diesen Agitprop-Trick mit dem “Stalinismus” in dem Artikel zu erwähnen, aber dann paßte er nicht in den Argumentationsgang.

    Sich gegen den “Stalinismus” zu wenden ist eine ziemlich schlaue Art, die “Massen” ebenso zu bedienen wie die eigenen Kader.

    Die “Massen” sollen denken, das sei eine Abkehr vom Kommunismus. Die Kader nicken zustimmend, denn sie wissen – genau wie Sie schreiben -, daß ja heute kein Kommunist mehr Stalinist ist.

    Noch nicht mal Sahra Wagenknecht, die zwar Stalin in seiner Epoche verteidigt, aber ja auch nicht fordert, einen neuen Gula einzuführen.

    Herzlich, Zettel

  2. Tobias Blanken
    18/02/2008

    Wie wahr, wie wahr.

    In der ZEIT war heute übrigens ein guter Artikel über den kommunistischen und DDR-bagatellisierenden Sumpf in der DIE LINKE:

    http://www.zeit.de/online/2008/08/linke-dkp-kpf?page=all

    Grüße!

  3. 15/10/2009

    @Zettel:
    “daß ja heute kein Kommunist mehr Stalinist ist.” (das wird sich ändern)

    “aber ja auch nicht fordert, einen neuen Gulag einzuführen”

    Ich schon. Und ich kann nicht behaupten, damit keinen Anklang zu finden. Die Kolonisierung und Besetzung der DDR durch den Kapitalismus wird sich rächen, da kann man sicher sein.

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