Archive for February, 2008
Vor einer Woche meldete sich Hassan Nasrallah zu Wort:
„Wenn Israel diese Art von offenen Krieg haben will, dann sind wir bereit“, erklärte er vor dem tosenden Applaus Zehntausender seiner Anhänger. „Ihr habt ihn außerhalb des Schlachtfeldes getötet und damit eine Grenze überschritten“, warnte er.
„Sie glauben die Ermordung Mughniyehs ist ein Sieg, aber wir werden ein neues Kapitel aufschlagen, das mit dem Zusammenbruch Israels endet“, kündigte er an. Und: „Sie werden es nicht mit einem Mughniyeh, sondern mit Zehntausenden ausgebildeter Kämpfer zu tun haben.“
Der Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionären Garden hatte auch was zum Thema beizusteuern:
“Wir werden in naher Zukunft erleben, wie die mächtigen und effektiven Hisbollah-Kämpfer die krebsartige Existenz Israels zerstören”, erklärte der Chef der Eliteeinheit, Mohammed Ali Dschafari, am Montag einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge.
Und Mahmud Ahmadinedschad tat am gestrigen Dienstag ebenfalls seine Meinung kund:
Israel sei “eine schmutzige, widerwärtige Mikrobe” und eine “Bestie”, in die Welt gesetzt von den Grossmächten, so der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad bei einer Ansprache im südiranischen Bandar-e Abbas.
Heute berichtet SPIEGEL-ONLINE dann folgendes:
Iran könnte bis Jahresende genug Uran für Atomwaffe besitzen
Neue Computersimulationen europäischer Experten mit alarmierendem Ergebnis: Iran könnte schon in diesem Jahr genügend hochangereichertes Uran für eine Atomwaffe besitzen. Damit würden die Mullahs um Jahre früher zur Atommacht aufsteigen, als westliche Geheimdienste bisher geschätzt haben.
Es gibt momentan Probleme mit dem RSS-Feed auf dieser Webseite. Irgendwas ist zerschossen, mir ist es erst gar nicht aufgefallen, da der Bezug von RSS 2.0 weiterhin unter http://www.shining-city.de/?feed=rss2 funktioniert.
Ich hoffe, dass ich den Fehler heute Abend beheben kann. Oder zumindest in den folgenden Abenden. Daher: Entweder den RSS 2.0 Feed unter http://www.shining-city.de/?feed=rss2 abonnieren oder etwas Geduld aufbringen.
Vielen Dank!
Auf “Naher und Mittlerer Osten – الشرق” wird auf die zunehmende Verschärfung des systematischen Mordens in Darfur hingewiesen:
Mit einer breit angelegten Offensive gehen die sudanesischer Armee und die mit ihr verbündeten Janjaweed-Milizen dabei gegen mutmaßliche Aufständische vor. Die Luftwaffe bombardierte dabei in der vergangenen Woche Flüchtlingslager in der Bergregion Jabal Moun.
Eric Reeves berichtet derweil davon, dass unter den Opfern der neuen Offensive auffallend viele Jungen im Alter von 12 – 18 Jahren sind:
“‘There are an unknown number of children aged 12-18 who are missing, especially boys. Nobody knows what has happened to these children,’ Naqibullah Safi, head of UNICEF for West Darfur said.” (UN IRIN [dateline: Nairobi], February 14, 2008)
Given Khartoum’s and the Janjaweed’s well-established pattern of executing younger males on an ethnic basis—the people in this area north of el-Geneina are primarily from the non-Arab (or African) Massaleit and Erenga tribal groups—there is compelling reason to believe that many of these children have been murdered.
Naher und Mittlerer Osten – الشرق berichtet zudem, dass der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon die Bombardierung der Flüchtlingslager als “inakzeptabel” verurteilt. Letzte Woche hat mir mein Gemüsehändler von Gegenüber einen Euro Wechselgeld zuwenig herausgegeben (vermutlich unwissentlich). Das fand ich inakzeptabel.
In der New York Times fordert Reuel Marc Gerecht von den USA direkte Gespräche mit dem iranischen Mullah-Regime, um aus der bisherigen Sackgasse (The administration’s current approach isn’t working. For selfish and malevolent reasons, China and Russia will not back tough sanctions. Neither likely will the trade-obsessed Germans and the increasingly self-absorbed, America-leery British. Washington and Paris cannot play bad cop alone.) herauszukommen. Die Initiative würde dann endlich wieder auf den Westen übergehen, Iran müsste reagieren – was m. E. eine Umkehrung des bisherigen Aktionsmusters – der Iran agiert, diktiert Tempo und Intensität der Auseinandersetzung – bewirken würde.
Die Argumentation von Reuel Marc Gerecht ist in sich schlüssig. Nach dem Lesen des Artikels fragt man sich, ob die Aufnahme von Gesprächen nicht tatsächlich eine tragbare Option ist – jedenfalls dann, wenn man den Vorgaben von Reuel Marc Gerecht folgen würde.
Zum Artikel: “Attack Iran, With Words” in der New York Times. (Via).
Drüben in Zettels Raum gibt es aufgrund der aktuellen Dementis zu den Mauer- und Stasiäußerungen einen guten Bericht darüber, wie DIE LINKE auf europäischer Ebene mit den den unterschiedlichen kommunistischen Parteien zusammenarbeitet. Angesichts dieser Bündnisse – die u.a. die Solidarisierung mit der menschenrechtsverachtenden Diktatur auf Kuba beinhalten – kommt der Autor zu dem Schluss, dass “eine Partei, die europa- und weltweit mit kommunistischen Parteien aufs engste zusammenarbeitet, dies auch in Deutschland mit der DKP tut” eigentlich eine Selbstverständlichkeit sei.
Ein wirklich guter Artikel, an dem mir jedoch ein wesentlicher Punkt fehlt: Das Dementi des Parteivorstandes ist auf unangenehmste Art opportunistisch. Der Vorstand erklärte folgendes:
Die Äußerungen des DKP-Mitglieds Christel Wegner sind inakzeptabel. Der Vorstand der Partei DIE LINKE distanziert sich davon in aller Form. Für DIE LINKE gilt ohne jede Einschränkung der vom Parteitag beschlossene Grundsatz: “Wir haben aus der Geschichte gelernt: Respekt vor den Ansichten Andersdenkender ist Voraussetzung von Befreiung. Wir lehnen jede Form von Diktatur ab und verurteilen den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus. Freiheit und Gleichheit, Sozialismus und Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit sind für uns unteilbar.”
Stalin starb 1953, Chruschtschow hielt seine Geheimrede 1956. Die Berliner Mauer wurde 1961 gebaut. Die Stasi hat bis zum Zusammenbruch der DDR gewirkt. Trotzdem distanziert sich der Vorstand ausgerechnet vom Stalinismus – als wenn der Stalinismus Thema der öffentlichen Auseinandersetzung gewesen wäre. Warum?
Erstens ist die Haltung für den Vorstand äußerst bequem – selbst unter kommunistischen Betonköpfen gehört eine Distanzierung vom Stalinismus zum guten Ton. Der Vorstand geht potentiellen Differenzen mit der Kommunistischen Plattform und anderen Gruppierungen innerhalb der Partei hierdurch aus dem Weg. Der zweite Grund ist noch perfider: Ausgerechnet eine Debatte um die Mauer und die Stasi wird von den Erben der SED genutzt, um den Sozialismus von den Verbrechen der DDR reinzuwaschen. “[...] und verurteilen den Stalinismus als verbrecherischen Missbrauch des Sozialismus” my ass.
Alan Posener rezensiert für das Deutschlandradio Kultur Walter Laqueurs Gesichter des Antisemitismus – Von den Anfängen bis heute. Posener:
Noch ein Buch über den Antisemitismus. Kann man wirklich etwas Neues über dieses uralte Thema sagen? Vielleicht nicht. Aber das, was es darüber zu sagen gibt, von den Wurzeln des Antisemitismus im frühen Christentum bis zum heutigen Antisemitismus im Islam und in Teilen der Linken, hat selten einer so brillant zusammengefasst wie jetzt Walter Laqueur.
Zum Artikel um Deutschlandradio.
(Danke an Carl für den Hinweis)
Die Demokratie wird in Deutschland keine Wurzeln schlagen, weil es sich um eine ausländische Ideologie handelt.
(Der protestantische Bischof Otto Dibelius im Sommer 1945)
Eventuelle Assoziationen, die das kulturrelativistische Ressentiment gegenüber den Neocons betreffen, sind selbstverständlich zufälliger Natur und von mir nicht gewollt. Ehrlich.
You’re so pretty when you’re unfaithful to me
(Pixies – Bone Machine)
Mir macht es eher zu schaffen, daran denken zu müssen, dass Leute, die mein Geld und unsere Wirtschaft verwalten, nicht einmal einen Steuerbetrug halbwegs hinbekommen, als dass ich mir Gedanken über ihre Moral machen würde. Ihre Unfähgigkeit, Kurzsichtigkeit, Weltfremdheit und, nun ja, Dusseligkeit kann einem ja Angst machen. Auf ihre Moral habe ich seit meiner Lektüre von Heinrich Böll ohnehin nie viel gegeben.
Endlich mal ein wirklich guter Kommentar rund um die Steuerhinterziehung des Herrn Zumwinkel inmitten eines bundesdeutschen Tollhauses, in dem die eine Hälfte einen Scheiß auf die Rule of Law gibt, während die andere Hälfte alle Manger am liebsten zum Abschuss freigeben würde: Alan Posener über unmoralische Manager

