Archive for March, 2008

17th March
2008
written by Tobias Blanken

Oder: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel.

Im Tagesspiegel ist heute ein Kommentar von Matthias Bossaller zu der Bremer Niederlage gegen Wolfsburg erschienen, welche hoffentlich als letzter Höhepunkt von zwei desaströsen Wochen (Niederlage in Glasgow, in Stuttgart, kastrierter Stadionausbau, Lothar Matthäus als Trainerpraktikant) in die Annalen dieser Saison eingehen wird.

Matthias Bossaller fasst die Situation nach dem Spiel u.a. so zusammen:

Die Anfälligkeit bei schnellen Gegenangriffen der Gegner ist allerdings nur die halbe Wahrheit der Bremer Misere. “A lack of deadliness in front of the goal”, hatte die schottische Zeitung “Scotsman” nach dem erfolglosen Bremer Sturmlauf gegen die Rangers aus Glasgow geschrieben und den fehlenden Killerinstinkt vor dem Tor gemeint. Oder wie es Werder-Trainer Thomas Schaaf fast schon verzweifelt ausdrückte: “Wir machen einfach die Bude nicht.”

In einem 12-seitigen Vorbericht auf das Spiel hatte die FAZ ebenfalls den “Scotsman” zitiert, und zwar so:

Der Ball will nicht über die Linie. Hochüberlegen scheidet Werder aus. So war es im Uefa-Cup gegen die Glasgow Rangers. „A lack of deadliness in front of the goal“, hat der „Scotsman“ ausgemacht, und was die schottische Zeitung nur auf den Donnerstag bezog, zieht sich durch diese Saison: Werder fehlt der Killerinstinkt.

Und woran liegt der fehlende Killerinstinkt? An den Personen, meint Matthias Bossaller im Tagesspiegel nach dem Spiel:

Dieses Missverhältnis zwischen vielen Chancen und zu wenig Toren wurde zuletzt deutlich. Die Bremer Stürmer sind in der Liga zwar überdurchschnittlich gut, doch im Vergleich zu früheren Angreifern muss festgehalten werden: Hugo Almeida, Markus Rosenberg oder Boubacar Sanogo sind keine echten Torjäger. Ailton war im Meisterjahr 2004 ein Knipser vor dem Herrn, traf 28 Mal. Miroslav Klose steuerte 2006 25 Treffer bei. Von solchen Quoten sind die aktuellen Angreifer weit entfernt.

Womit wir wieder beim Vorbericht in der FAZ wären:

Viele Chancen, (zu) wenig Tore – es ist schwer zu erklären, woran das liegt. Natürlich an Personen. Ailton war im Meisterjahr 2004 eiskalt vor dem Tor. Klose mit 25 Treffern 2006 auch. Und hinzu kam immer wieder Klasnic als Tor-Unterstützer: Er macht aus wenig viel. War aber lange krank. Almeida, Rosenberg, Sanogo: alles keine Torjäger.

Zahlen sind eine feine Sache. Denkt sich jedenfalls Matthias Bossaller, um damit ebenfalls die Abwehrschwäche zu unterstreichen:

Ein weiterer Grund für das Bremer Tief ist die bereits erwähnte Abwehrschwäche. In den letzten vier Jahren kassierte Werder 38, zweimal 37 und 40 Gegentreffer. Ein unter Spitzenteams normaler Wert. Jetzt hat die Mannschaft in 24 Partien bereits 35 Tore kassiert – das ist eindeutig zu viel. Den Abfangjäger vor der Abwehr sollte Torsten Frings spielen, der ist aber verletzt. Sein Vertreter Baumann fällt auch öfters mal aus. Bleibt noch Daniel Jensen. Der Däne macht seine Sache ganz gut, ist aber kein gleichwertiger Ersatz für Frings. Auf dieser im modernen Fußball so wichtigen Position könnte Werder gut einen Spieler der Marke Jermaine Jones (Schalke) oder Nigel de Jong (HSV) gebrauchen.

Einen ähnlichen Faible (die Macher der RAN-SAT1-Datenbank wären stolz) für Zahlen hat die FAZ auch im Vorbericht gehabt:

Schaut man sich die Bremer Gegentore der letzten Jahre an, kann man keine auffällige Defensivschwäche ausmachen. 38, 37, 37, 40 Gegentreffer sind es jeweils zum Saisonende der Jahre 2004 bis 2007. Die anderen Teams der Spitzengruppe haben in diesen Jahren ähnlich viele oder mehr Tore eingefangen. Doch für 2007/2008 gilt etwas anderes: 34 Gegentore nach 23 Spieltagen. Das ist viel zu viel. Vorn bleibt Werder mit 51 Treffern im Rahmen des für den SVW Normalen. Die Unwucht in dieser Spielzeit hat ihre Gründe weniger in Schaafs traditionellem Spielsystem. Der Schlüssel sind die Verletzten, die Umstellungen. Auf dem Posten vor der Abwehr hakt es. Hier sollte eigentlich Frings spielen. Der ist verletzt …

Und so geht es in einem fort. Der Kommentar nach dem Spiel und der Vorbericht unterscheiden sich nur in einer Hinsicht: Der Bericht in der FAZ war wesentlich ausführlicher. Und hat auch die Vereinsstrukturen näher betrachtet – wofür im TAGESSPIEGEL wohl kein Platz mehr war. Ob beide jetzt nur Agenturmeldungen fleißig verwurschtelt haben, oder ob Matthias Bossaller ein fleißiger FAZ-Leser ist: Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal.

Nicht egal ist mir jedoch, wenn ich in einer Tageszeitung den Vorbericht einer anderen Tageszeitung als Spielanalyse nachlesen muss. Damit unterbietet der Sportjournalismus die aktuelle Form von Werder Bremen.

13th March
2008
written by Tobias Blanken

Auf der Webseite der Tagesschau beklagt sich Nasser Laham, Chefredakteur der palästinensischen Zeitung Ma’a, über israelische Spezialeinheiten, die sich bei ihren Operationen im Westjordanland als Araber verkleiden. Und zwar mit folgenden Worten:

“Wir wissen nicht, wer sie sind. Sie ziehen sich wie Araber an, sie haben ein Palästinensertuch auf dem Kopf, sie sind bewaffnet und richten die Waffen auf dich. Du weißt nicht, was du machen sollst. Wenn du fliehst, schießen sie. Wenn du stehen bleibst, weißt du nicht, was sie tun werden. Das hat gar nichts damit zu tun, ob du bewaffnet bist oder nicht.”

12th March
2008
written by Tobias Blanken

Und sexuell frustrierte uralte Männer
aus irgendeiner Stadt entscheiden
über eine junge Frau, was sie zu tun
und was sie zu lassen hat.
Und Eure saubere Moral,
eure kirchliche Moral
(eine Kirche übrigens, die das Wort Moral nicht mal buchstabieren dürfte),
diese Moral – die könnt Ihr bitte
für Euch behalten. Arschlöcher!

(But Alive – Lasst es ihre Entscheidung sein)

Der Spot weiter unten zeigt die Tyrannisierung von “unislamisch gekleideten” Frauen im Iran durch Vertreter des Mullahregimes. Bei Jörg Lau findet sich ein hierzu passendes Foto einer Frau, die Opfer des Tugendterrors geworden ist, nur weil ihr Kopftuch den Moralvorstellungen der Mullahs nicht genügt.

Nun berichtet Ynetnews (Via), dass mit dem Chef der Teheraner Polizei ausgerechnet ein Initiator des Tugendterrors in flagranti mit sechs (!) Prostituierten erwischt wurde:

Tehran’s police chief, Reza Zarei, has been arrested after he was found nude in a local brothel with six naked prostitutes, the Farda news website reported Wednesday.

Over the past year Zarei was in charge of enforcing the Islamic dress code on Iranian women with the purpose of “moralizing of the city.”

It is alleged that in the past six months, hundreds of young people have been arrested in Iran for not respecting the Islamic code of behavior.

Mehr auf Tehran police chief caught with 6 prostitutes.

 

12th March
2008
written by Tobias Blanken

Eben in der WELT (Sie mag Salat, er lieber Braten) gelesen:

Cornelia Poletto, Sterneköchin aus Hamburg, beobachtet in ihren Kochkursen, dass Frauen ganz wild sind auf Bio: “Bio steht bei den meisten für: tut mir gut, ist gesund.” Männer hingegen sagten: Ist mir doch wurscht, ob da Bio draufsteht oder nicht. Hauptsache, es schmeckt!

Womit die folgende Frage eines lesenswerten Artikels über den Placeboeffekt von Bionahrungsmitteln beantwortet ist:

Auch wenn es viele Biogourmets gern glauben möchten, nicht alles, was vom Biohof kommt, schmeckt. In Sachen Geschmack gibt es nur einen gefühlten Unterschied. Aber wer richtet sich beim Genießen schon nach Labortests und wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Männer.

11th March
2008
written by Tobias Blanken

Drei Lesehinweise, die nur wenig miteinander zu tun haben.

Alan Posener “rettet Marx vor den Linken”. Genauer: Insbesondere vor den globalisierungs- und fortschrittsfeindlichen Linken. Natürlich nicht, ohne auch die Abgründe des Marxismus aufzuzeigen. Der Sozialdarwinist. Was von Marx übrig bleibt:

125 Jahre nach seinem Tod geht das Gespenst des Philosophen der Revolution immer noch um. Seine rechtmäßigen Erben seien aber weder französische Salonmarxisten noch deutsche Postkommunisten, sondern amerikanische Neocons und europäische Bürokraten, meint Alan Posener.

Den Neocons jetzt auch noch Marx in die Schuhe schieben zu wollen verursacht zwar einige Bauchschmerzen, aber der Essay ist trotzdem lesenswert. Bei den europäischen Bürokraten würde ich ihm dafür umso heftiger zustimmen. Apropos Marx: Ein ehemaliger Marxist, der aus Marxscher Sicht als schwerstabhängiger Opium-Junkie bezeichnet werden müsste, macht sich in der WELT Gedanken über Mohammed und den Humor. Die Rede ist von Peter Schütt, der vom Parteigänger der DKP zum Islam konvertierte und hier schon den Spitznamen Mullah Schütt verpasst bekommen hat. Der Artikel Mohammed lachte oft und gern hat mich angesichts des Spitznamens überrascht, da Schütt a) fordert, “dass Muslime sich dafür einsetzen sollten, dass die letzten Reste des Gotteslästerungsparagrafen aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden” und b) auch keinen Mantel des Schweigens über den Judenhass in der islamischen Community ausbreitet.

Heute jedoch scheint den Muslimen das Lachen vergangen zu sein. Die satirische Tradition der islamischen Kultur ist offenbar gänzlich versiegt. Überall treten die Hüter der islamischen Korrektheit auf den Plan, um jeden Spaß und Spott schon im Ansatz zu ersticken – vor allem dann, wenn er von außerhalb kommt.

Dennoch sind auch Muslime lernfähig. Ausgerechnet im erzkatholischen Paderborn wurde kürzlich ein türkischer Muslim zum Schützenkönig gewählt. Vielleicht schafft es demnächst auch ein Muslim bis zum Kölner Karnevalsprinzen.

Als norddeutscher Fischkopp ist mir zwar nicht ganz klar, was Kölner Karneval mit Humor zu tun hat – aber man muss ja auch nicht alles verstehen. Derweil steht in der marxistisch (mal mehr, mal weniger, vergleichbar mit den Gezeiten an der Nordseeküste) beeinflussten Konkret ein Interview mit dem irakischen Blogger Omar Fadhil:

Immer noch gibt es im Irak Terroranschläge und Kämpfe zwischen rivalisierenden Banden. Doch im Vergleich zu der Situation Anfang 2007 ist die Zahl der Gewalttaten deutlich zurückgegangen. Da seither auch das Interesse der europäischen Medien an der Entwicklung des Landes nachgelassen hat, muß man sich auf andere Art informieren, etwa über Blogs. Einer der vielen irakischen Blogger ist der 28jährige Omar Fadhil. Er war früher Zahnarzt in einem konfessionell gemischten Stadtteil Bagdads. Seit 2007 studiert er Internationale Beziehungen an der Columbia-Universität New York.

Mehr unter “Es hat noch keinen Wendepunkt gegeben”.

10th March
2008
written by Tobias Blanken

Nach der ZEIT – Protektionismus in den Präsidentschaftswahlen, Part I – betrachtet nun auch das Handelsblatt die Positionen der drei Bewerber zum Freihandel genauer. Das Fazit fällt ähnlich aus: McCain trotzt dem Populismus, die Demokraten würden am liebsten sämtliche Freihandelsabkommen auf den Prüfstand stellen:

Von den gegenwärtig noch drei verbliebenen Präsidentschaftsbewerbern mit realen Chancen auf einen Einzug in das Weiße Haus plädiert nur Senator der republikanische John McCain für eine Fortsetzung der Politik des derzeitigen Amtsinhabers. Trotz aller Gegensätze in anderen Politikfeldern stand und steht McCain in Handelsfragen auf der Seite von George W. Bush.

Clinton und Obama wollen alle bisher abgeschlossenen Freihandelsabkommen daraufhin überprüfen, welche Effekte sich für die breite Bevölkerung ergeben haben oder zu erwarten sind. Clinton spricht von einer “pro-America trade policy” und kündigt eine Pause (Time out) in der Freihandelspolitik an. Weiter hält sie eine kontinuierliche Evaluierung aller Freihandelsabkommen für erforderlich. Im Fünfjahresrhythmus soll Bilanz gezogen und gegebenenfalls eine Kurskorrektur vorgenommen werden.

Zur handelspolitischen Kritik der Demokraten bietet McCain ein Kontrastprogramm. Er will alle noch nicht ratifizierten Freihandelsverträge möglichst schnell durch den Kongress bringen, unterbrochene Freihandelsgespräche zügig beenden und mit neuen beginnen. Auch die von der Bush-Administration entwickelten mittel- und langfristigen Visionen, wie die Schaffung einer gesamtamerikanischen Freihandelszone, sollen realisiert werden.

[...] Im Nahen Osten will McCain die 2003 von Bush ins Leben gerufene Initiative zur Einrichtung einer “Middle East Free Trade Area” (MEFTA) wiederbeleben: “And we will nurture a culture of hope and economic opportunity by establishing a free-trade area from Morocco to Afghanistan, open to all who do not sponsor terrorism.”

[...] Mit seinen konsequent freihändlerischen Positionen trifft McCain aber noch nicht einmal die Stimmungslage bei der Mehrheit der republikanischen Wähler.

Mehr im Handelsblatt unter: Demokraten wollen alle Freihandelsabkommen überprüfen.

9th March
2008
written by Tobias Blanken

Portishead – Third (2008)

Cover:
Portishead Third Cover

Tracklist:
01 – Silence
02 – Hunter
03 – Nylon Smile
04 – The Rip
05 – Plastic
06 – We carry on
07 – Deep Water
08 – Machine Gun
09 – Small
10 – Magic Doors
11 – Threads

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Wann sind wir endlich da?

(Every Parent’s Nightmare)

Dagegen mutet selbst die Never Ending Story um den Stadionausbau kurzweilig an. Das erste Portishead Album Dummy ist von 1994, das zweite self-titled Album Portishead ist von 1997. Danach kam 1998 nur noch das Live-Album PNYC raus. Wobei “nur” nicht wirklich zutrifft, da die Aufnahmen im Roseland Ballroom vom 24. Juni 1997 einem Studioalbum zumindest gleichwertig sind. Gerade das Video von dem Auftritt fasziniert auch noch nach 10 Jahren: Ein altehrwürdiger Bau, ein Orchester und Beth Gibbons, die während des Konzertes mehr Zigaretten raucht, als ich an einem ganzen Tag.

Gibt mehrere gute Trip Hop Künstler: Massive Attack, Tricky, die ersten beiden Morcheeba Alben (ohne Skye Edwards hat die Gruppe nur noch Pop-Müll produziert) Lamb, Moloko, ein paar Songs von Hooverphonic, Sneaker Pimps und DJ Shadow (Midnight In A Perfect World ist absolut genial). Aber mit Trip Hop assoziere ich zu aller erst Portishead. Dummy war mein erstes Trip Hop Album; die Gruppe ist (für mich) genrebildend.

Nach den Alben kam aber erstmal gar nichts. Bis auf Gerüchte, dass demnächst an einem neuen Album produziert wird. 2003 – also gut 6 Jahre nach dem letzten Studioalbum – kam dann ein Album von Beth Gibbons heraus, die gemeinsam mit Rustin Man Out of Season aufgenommen hat. Gerüchte, dass Beth Gibbons jetzt ihren Weg ohne Geoff Barrow gehen würde und Portishead damit gestorben sei, wurden sofort dementiert. Out of Season soll man doch bitte als Vorgeschmack auf das neue Portishead Album auffassen, an dem bereits gearbeitet wird. Die Hoffnungen erfüllten sich 2004 jedoch nicht.

Aber es gab ja noch 2005. Im “Laufe des Jahres” hieß es allenthalben. Nahrung haben die Gerüchte durch Meldungen erhalten, in denen Gibbons sagte, dass Portishead sich eigentlich nie von der Musikwelt verabschiedet haben, sondern lediglich eine lange Pause gemacht haben. Naja, auf das Album hat man dann 2005 vergeblich gewartet. Dafür schlug dann Anfang 2006 die Nachricht vom neuen Album richtig ein. Mitte 2007 sei es fertig, und in Gibbons Worte wird es kälter klingen als seine beiden Vorgänger, aber anders als Ihr erwartet. Die Wärme und der Jazzeinfluss sind diesmal weniger offensichtlich, es hat eine Qualität, die man ‘leer’ nennen könnte.

“Leer” hin oder her, ich habe mir gesagt: Mitte 2007, also wird es pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2007 erscheinen. Wenigstens hätte ich einen Wunsch für Weihnachten, ich müsste meine Familie also nicht mit dem üblichen “Geld – kann man ja immer mal gut gebrauchen” Antworten nerven. Aber das war wohl verfrüht. Sylvester ging ins Land, und es gab immer noch nur Gerüchte. Am 14. Februar war es dann soweit. Die Band gab die Tracklist und das Cover bekannt. Und endlich ein endgültiges Release Date: Am 28. April 2008 soll “Third” rauskommen.

Insgesamt drei Jahre hat die Gruppe daran gearbeitet – und am 28. April sollte es dann soweit sein. Aber die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Am 7. März ist ein Leak aufgetaucht. Irgendwie hat es eine Kopie gut 1 1/2 Monate vor dem Erscheinungstermin ins Internet geschafft. In konstanter Bitrate mit 320 kbs. Bei den 320 kbs handelt es sich jedoch nur um einen Transcode, der Ursprung war wohl mit 128 oder 192 kbs codiert – was nichts gutes verheißt. Transcodes sind immer ein gutes Indiz dafür, dass sich Stümper an dem Werk zu schaffen gemacht haben. Und wo ein Transcode ist, da sind auch andere Fehler: Angeblich soll das Leak künstlich eingefügte 5-Sekunden Pausen zwischen den Songs haben, die zudem ungewöhnliche fade-outs aufweisen.

Aber es handelt sich wohl um eine Originalkopie. Und die, die es bereits gehört haben, sind begeistert (I think Third, is Portishead’s best album / I really am adoring it / Third is a confident and exciting record that’ll easily rate among the best of the year). Egal. Ich habe 10 Jahre auf das Album gewartet, da kann ich auch noch 1 1/2 Monate weiter warten. Sagt mir jedenfalls der Verstand. Alles, bloß kein mieser Transcode von einem Trip-Hop Album. Bei Psychobilly oder Punkrock würde es ja vielleicht anders aussehen. Oder nicht? Mein Herz sagt mir jedenfalls: Drei Klicks entfernt, man kann ja mal reinhören. Wie hieß doch gleich das Tocotronic Album…. Genau: Pure Vernunft Darf Niemals Siegen. Aber Tocotronic haben auch viel Müll verzapft. Textlich, nicht musikalisch.

Also warte ich weiter. Heute haben wir den 9. März, der März hat 31 Tage, am 28. April soll das Album erscheinen… macht genau 50 Tage. Gute zwei Adventskalender. Das muss doch durchzuhalten sein. Kinder schaffen auch irgendwie den Dezember, also werd’ ich es auch schaffen. Irgendwie. Und führe uns nicht in Versuchung etc. pp.

6th March
2008
written by Tobias Blanken

Wladimir Kaminer über Frauen im Prenzlauer Berg, in Deutschland und Russland:

”Russische Frauen haben ihre Männer im Griff!“

6th March
2008
written by Tobias Blanken

Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, dann könnte man herzlichst drüber lachen. Es ist in etwa so absurd, wie wenn Marc Dutroux zum Ehrenpräsidenten des europäischen Kinderschutzbundes ernannt wird:

MOSKAU – Zynismus in Reinkultur: Der tschetschenische Präsident ist in den Journalistenverband aufgenommen worden. Wegen seiner «Verdienste um die Pressefreiheit».

Auch unter den Medienschaffenden selbst ist die Aufnahme Kadyrows umstritten. Der Chefredaktor der regierungskritischen Moskauer Zeitung «Nowaja Gaseta», Dmitri Muratow, kündigte seinen Austritt aus der Vereinigung an.

«Ich werde nicht in einem Verband mit einem Menschenfresser bleiben», sagte Muratow, für dessen Blatt die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Politkowskaja hatte schonungslos über Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien berichtet. Es hatte immer wieder Gerüchte gegeben, dass Kadyrow eine Mitschuld an ihrem Mord tragen könnte.

Mehr auf Ehre für einen “Menschenfresser”.

5th March
2008
written by Tobias Blanken

Eigentlich ist an dem Artikel nichts auszusetzen. Der Inhalt ist stimmig; das Fazit – McCain profitiert letztendlich von dem erbitterten Streit um die Wahl des demokratischen Präsidentschaftskandidaten – liest man auch gerne. Aber die Überschrift schlägt unterhalb der Gürtellinie zu.

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