Archive for April, 2008

30th April
2008
written by Tobias Blanken

Und die Ängste der Leute sind höher zu bewerten als die Freiheit der Forschung.

(Andreas Warausch, Lokalredakteur Nürtinger Zeitung)

Endlich mal ein Artikel, der mit dem Wort “Genskandal” überschrieben ist und auch tatsächlich einen skandalösen Umgang mit der Gentechnik und der Freiheit der Forschung thematisiert:

Eine Hochschule zwingt einen ihrer Professoren, seine Versuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu beenden. Ein Lehrstück über die Macht der Meinung und den Wert der Forschungsfreiheit.

Mehr hier.

27th April
2008
written by Tobias Blanken

If there’s anything that still identifies Hitchens as a man of the radical left, it’s that he’s willing to take this kind of thinking to its logical conclusion; to declare there is a map of positions that everyone should have navigated correctly since the fall of the wall. “Wanna hear?” Certainly I want to hear. What he outlines is a checklist for being right—as a leftist—over all the big international issues since 1989: “First, everyone should have welcomed the fall of the Berlin wall and the overthrow of Ceausescu… As they should have been pro-Tiananmen crowd earlier that year. That’s the baseline.” Next, he continues, everyone on the left should have defended Salman Rushdie, “unequivocally, against the ayatollah.” The left should then have perceived that the “semi-utopian, Fukuyama, end-of-history stuff” was an illusion, and that the age of the totalitarian state hadn’t stopped. And when Milosevic invaded Bosnia, and Saddam invaded Kuwait, they should have been “not just for stopping that, but for overthrowing the people responsible… One has to be opposed to totalitarianism and its racist and theocratic version in particular. And the inescapable thing that lies behind all this is that it’s bound to make 1960s people reconsider their view of the US… anyone who hasn’t reconsidered it at all… I have no respect for.

Aus der Titelstory des Prospect Magazine für Mai 2008: “Christopher Hitchens” by Alexander Linklater.

26th April
2008
written by Tobias Blanken

In der ZEIT findet sich ein Artikel über das Brunnenviertel im Berliner Stadtteil Wedding. Die Migranten wandern aus:

Im Berliner Brunnenviertel ist der Ausländeranteil so hoch, dass selbst einige türkische Familien ihre Kinder dort nicht mehr zur Schule schicken. Eine Initiative will nun das Quartier vor dem Niedergang bewahren.

Durchaus lesenswert. Was mich jedoch stärker beschäftigt: Ich wohne seit 7 1/2 Jahren in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg. Also in der Straße, die wegen den ganzen Cafes und Modeboutiquen auch gerne mal “Castingallee” genannt wird. Die Straße, die von dem mäßig witzigen Rainald Grebe besungen wird. Die Straße, die neben dem Helmi das Zentrum der Bionaden-Biedermeier ist – laut ZEIT das Biotop der Schönen und Kreativen.

Und nun habe ich mal in den Stadtplan geschaut. Das Brunnenviertel ist von mir 500 Meter entfernt. Und ich war in den 7 1/2 Jahren niemals da. Klar, durch die Bernauer Straße an der Grenze zum Brunnenviertel fahre ich öfters. Ein paar mal bin ich auch durch die Gleimstraße gefahren. Aber in dem Viertel war ich nie. Das Viertel ist mir fremder als Spandau. Als würde die Mauer noch stehen.

25th April
2008
written by Tobias Blanken

Aus dem Newsletter der israelischen Botschaft:

In Übereinstimmung mit dem Transferabkommen kam am Donnerstagnachmittag der erste Tanklastzug aus dem Gaza-Streifen, um Treibstoff für die UNRWA zu beziehen. Zehntausende Palästinenser blockierten jedoch die Hauptzufahrtswege zu dem Depot, verhinderten die Zufahrt des Tankwagens und somit die Treibstoffversorgung. [...]

Es ist unsere Hoffnung, dass die Palästinenser den Tanklastzügen morgen erlauben werden, das Treibstoffdepot zu erreichen und die UN-Organisationen, die sich um die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen kümmern, zu versorgen. [...]

Oberst Press hat die Palästinenser dazu aufgerufen, Treibstoff vom palästinensischen Depot bei Nahal Oz zu beziehen und ihn für jene verschiedenen humanitären und zivilen Zwecke einzusetzen, für die er bestimmt ist.

24th April
2008
written by Tobias Blanken

Wieder ein neues Wort gelernt:

Am weitesten fortgeschritten ist die Prenzlauerbergisierung Wiens in der Leopoldstadt, dem Zweiten Bezirk.

Aus dem FAZ-Artikel Wien mit Kindern: Kinder brauchen einen Prater.

Fehlen nur noch linke Demos gegen “Gentrification” (die Linke liebt Armut wirklich sehr), Anti-Yuppie-Days (der nächste soll übrigens am 1. Juni sein), Konsumkritik (Skandal! Die Leute können sich Klappcomputer von Apple leisten! Die Frauen tragen Designermode statt Schlabberlook von Humana!) und konservative Vorbehalte gegen den “nicht authentischen Stadtteil” (also ohne “gewachsene Strukturen”, vulgo dem Mief von 60 Jahren) und die Leopoldstadt wäre tatsächlich ein zweiter Prenzlauer Berg.

23rd April
2008
written by Tobias Blanken

Ich bin gerade über ein Protokoll eines Symposiums unter dem Titel “SOCIALISM: What Happened? What Now?” gestolpert. Von Jeane Kirkpatrick finden sich dort diese autobiographischen Absätze:

I’d like to tell you bit more about my own career as a socialist.[...]
After that, I moved on to New York, where I studied socialism in a different fashion. My principal advisor and professor at Columbia was Franz Neumann, who was a brilliant professor and writer, and who had been himself a member not only of the German Social Democratic Party but a member of the ISPD, Independent Social Democratic Party, which was the left social democratic party. He had been active in the politics of Weimar as long as he thought he could still escape Germany and survive. He had thought very deeply about it. He taught and wrote about both the Second Empire, about the Weimar Republic, and about the German socialist movement.

We studied all manner of socialists, including those mentioned here. We studied not only Marx and Engles but also Bernstein and Rosa Luxemburg and a whole array. Edward Bernstein I found particularly interesting. I was already a revisionist at that early stage. I was especially fascinated by their doctrines of war and of peace. [...]

As I read the utopian socialists, the scientific socialists, the German Social Democrats and revolutionary socialists— whatever I could in either English or French— I came to the conclusion that almost all of them, including my grandfather, were engaged in an effort to change human nature. The more I thought about it, the more I thought this was not likely to be a successful effort. So I turned my attention more and more to political philosophy and less and less to socialist activism of any kind. [...]

It’s useful to distinguish between radical socialism and social democracy. The differences between them have been absolutely critical. It’s important to distinguish between the Weimar Republic, which was not a perfect republic but had many good qualities, and the Soviet Union, which was clearly not a good republic.

But I always remained very interested in the people who could not be satisfied by developing something clearly do-able, and who sought instead to transform human nature.

22nd April
2008
written by Tobias Blanken

US-Senatorin Hillary Clinton hat dem Iran mit militärischer „Auslöschung“ gedroht, sollte er während ihrer Präsidentschaft einen Atomangriff auf Israel starten. Auf eine Frage nach ihrer Reaktion in diesem Fall sagte Clinton im TV-Sender ABC: „Wenn ich dann Präsidentin bin, werden wir den Iran angreifen, das müssen die Iraner wissen.“ Sie fügte hinzu: „Wir wären in der Lage, sie (die Iraner) komplett auszulöschen.“

So die WELT. Besonders originell ist die Ansage nicht, vor Tagen hat Charles Krauthammer ähnliches gefordert, Gero von Randow hat hierzulande Krauthammers Forderung in seiner Video-Kolumne durchaus positiv bewertet. Die Logik hinter diesen Vorschlägen ist denkbar simpel: Die massive nukleare Abschreckung hat auch schon im kalten Krieg funktioniert, warum also nicht auch gegenüber dem Iran? Wer zuerst schießt, stirbt als zweiter, tit for tat und so weiter und so fort.

Dabei ignoriert man zwei zentrale Punkte: Es gab kein Automatismus, dass die nukleare Abschreckung einen heißen Atomkrieg verhindert. Hätten sich in der Kubakrise Revolutionäre wie Che Guevara durchgesetzt, dann gäbe es vermutlich kein menschliches Leben mehr auf der Erde. Und, zweitens, geht man bei tit for tat davon aus, dass jeder Spieler rational handelt – zur Friedenssicherung bedarf es sowohl individueller als auch kollektiver Rationalität. Wovon man beim iranischen Mullah & Märtyrer-System sicher nicht ausgehen darf. Selbst der hierzulande als “gemäßigt” eingestufte ehemalige iranische Staatspräsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani spekulierte 2001, “dass in einer nuklearen Auseinandersetzung mit Israel sein Land vielleicht 15 Millionen Menschen verlöre, und das wäre nur ein kleines Opfer für die eine Milliarde Muslime weltweit im Tausch für das Leben von fünf Millionen israelischen Juden”.

Die nukleare Abschreckung ist mit Sicherheit keine tragfähige Option – in Israel dürfte man dies übrigens auch ähnlich sehen. Allein die Debatte macht mir schon Angst, denn in ihr wird vor allem ein Punkt deutlich: Man geht langsam davon aus, dass der Iran sich im Atomkonflikt durchsetzen wird. Man baut also schon mal für den Fall vor, dass das Kind in den Brunnen fallen wird. Dem national intelligence estimate trauen scheinbar nicht einmal mehr die Demokraten über den Weg. Die Mullahs können angesichts von Hillarys Worten den Sekt kalt stellen.

Was ich aber gar nicht verstehen kann: Warum sind die hiesigen “Frieden um jeden Preis Leute” über Hillarys Worte so empört? Immerhin dürfte Hillarys Logik doch mit ihrer Logik übereinstimmen. Demnächst steht die Welt vor der Frage, ob man – in den Worten Sarkozys – besser mit der “iranische Bombe oder der Bombardierung Irans” leben kann. Und die Friedensfreunde werden sicher für die iranische Bombe plädieren – weil sie (so nicht vollkommen verblödet) auf die nukleare Abschreckung setzen. Also auf genau die Mechanismen, die Hillary skizziert hat.

20th April
2008
written by Tobias Blanken

In der WELT fasst Clemens Wergin die palästinensischen Attacken gegen die Versorgung des Gazastreifens zusammen:

Denn die radikalen Palästinenser in Gaza [...] haben in den vergangenen Tagen und Wochen eine Reihe von Angriffen gestartet, die eigentlich nur einen Schluss zulassen: Sie wollen Israel zwingen, Lieferungen in den Gazastreifen einzustellen, um so tatsächlich eine humanitäre Krise herbeizuführen.

Sowohl der Terrorangriff auf das israelische Treibstofflager Nahal Oz wie an diesem Wochenende der Angriff auf den Grenzübergang Kerem Schalom dienen nur einem Ziel: die Versorgungslinien des Gazastreifens zu kappen oder deren Funktionsfähigkeit zu beschädigen. Schließlich ist Nahal Oz das einzige Terminal, von dem aus Treibstoff in den Gazastreifen gepumpt wird. Und über Kerem Schalom können nicht nur palästinensische Bauern ihre Produkte ausführen, hier werden auch die Transporte von Hilfsgütern und Medikamenten abgewickelt, die Gaza mit dem Notwendigsten versorgen.

Mehr unter: Die Geiseln der Extremisten

17th April
2008
written by Tobias Blanken

Im Nahen Osten attackieren palästinensische Terroristen weiter die Treibstoffzufuhr in den Gazastreifen. Palestinians fire at trucks transporting fuel to Gaza: Despite complaints of fuel shortages, terrorists attempt to disrupt fuel supply to Strip. Man attackiert also weiterhin die Hand, die dich füttert.

Im Fernen Osten bleibt die Außenpolitik der VR Chinas sich treu. Waffen aus China – Mörser für Mugabe: Nach Angaben der südafrikanischen Zeitung „De Beeld“ besteht die Ladung aus drei Millionen Patronen für Sturmgewehre des Typs AK-47, 3500 Mörserabschussgeräte und -granaten sowie 1500 Gefechtsköpfe für schultergestützte Panzerabwehrwaffen.

Und auch der deutsche Osten wird mal wieder seinem Ruf gerecht: “Ganz Ostdeutschland ist No-Go-Area”: Weil er die rassistischen Anfeindungen der anderen Kinder nicht mehr erträgt, versucht ein zehnjähriger Junge aus Thüringen, sich die Haut mit der Nagelbürste von der Hand zu schrubben. Bei WELT ONLINE erzählt sein Vater Andreas Neuschäfer, ein evangelischer Pfarrer, wie ihm bei dem Anblick die Tränen kamen.

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