Apropos Einerseits, Andererseits: In seinem Montagskommentar in der ZEIT beschäftigt sich Joschka Fischer mit der Nato. Ebenfalls alles sehr ausgewogen. Sein Fazit zu Afghanistan fand ich aber sehr interessant, da er Deutschland als den entscheidenden Bremser für ein stärkeres Engagement ansieht:
Die Schwäche der USA und die Absage Deutschlands blockieren diese notwendige strategische Neubestimmung. Solange Deutschland an seinen nationalen Vorbehalten festhält, wird es in Afghanistan mehr oder weniger so weitergehen wie bisher. Und die gegenwärtige US-Regierung ist zu unfähig und auch zu schwach, um jetzt noch eine strategische Wende herbeiführen zu können. Man wird also auf den nächsten US-Präsidenten warten und hoffen müssen. Leider.
Hinter der Kontroverse um Afghanistan steht die Existenzfrage des Bündnisses, denn ein auf Gegenseitigkeit und Gleichheit aller Mitglieder aufgebautes Militärbündnis wird es nicht lange aushalten, wenn sich Mitglieder erster und zweiter Klasse herausbilden: Die einen kämpfen, die anderen räumen auf oder ziehen ab – eine solche Arbeitsteilung wird die Nato über kurz oder lang vor die Existenzfrage stellen oder zumindest in ihrem Kern als Bündnis gemeinsamer Sicherheit fundamental verändern.
Den Begriff “gemeinsame Sicherheit” wird man dann getrost streichen dürfen. Die Alternative werden neue, bilaterale Abhängigkeiten sein, die nicht mehr auf gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamer Entscheidung beruhen werden. Dass eine solche Entwicklung in deutschem oder gar europäischem Interesse wäre, muss nachdrücklich verneint werden.
(Die Hervorhebungen sind von mir)