Archive for April, 2008

15th April
2008
written by Tobias Blanken

Wer schwamm wohl 1979 gegen den (amerikanischen) Strom und hat eine “treffsichere” Analyse des iranischen Mullahregimes für die New York Times verfasst, die sich folgendermaßen zusammenfassen lässt?

My second observation concerns an op-ed he wrote for the New York Times on 16 February 1979. I have it in front of me. The title is “Trusting Khomeini”. It is a credit to the sub-editors of the NYT that they managed to encapsulate in just two words what his article is about, though perhaps a better participle would have been “lauding”. He complains: “President Carter and Zbigniew Brzezinski have until very recently associated [Khomeini] with religious fanaticism. The news media have defamed him in many ways, associating him with efforts to turn the clock back 1,300 years, with virulent anti-Semitism, and with a new political disorder, ‘theocratic fascism,’ about to be set loose on the world.”

Well, fancy that. He knows better, however, insisting that “the depiction of [Khomeini] as fanatical, reactionary and the bearer of crude prejudices seems certainly and happily false”. On the contrary: “Having created a new model of popular revolution based, for the most part, on nonviolent tactics, Iran may yet provide us with a desperately-needed model of humane governance for a third-world country.”

Ok, 1979 ist lange her. Aber der Autor hat offensichtlich nicht aus seinen Fehlern gelernt – sonst würde er mit Sicherheit nicht folgende Sätze über die Hamas schreiben:

In fact, the behavior and outlook of Hamas is quite different. From the outset of its political Hamas was ready to work with other Palestinian groups, especially Fatah and Mahmoud Abbas, to establish a ‘unity’ government. More than this, their leadership revealed a willingness to move toward an acceptance of Israel’s existence if Israel would in turn agree to move back to its 1967 borders, implementing finally unanimous Security Council Resolutions 242 and 338.

Even more dramatically, Hamas proposed a ten-year truce with Israel, and went so far as to put in place a unilateral ceasefire that lasted for eighteen months, and was broken only to engage in rather pathetic strikes mainly taking place in response to Israeli violent provocations in Gaza.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Und, nein, es handelt sich nicht um Noam Chomsky. Die Antwort findet sich hier.

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14th April
2008
written by Tobias Blanken

Inflation: 26 %, Arbeitslose: 8 Mio. , Prostitution: ab 14 Jahren, unter der Armutsgrenze: 54%, Zentrifugen: 6000.

(Quelle)

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14th April
2008
written by Tobias Blanken

Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.

(Einstein. Siehe auch diese Wikiquote Seite)

Aber mal Spass beiseite: Bei der ganzen Geschichte handelt es sich um die mit Abstand dämlichste und sinnloseste Verschwörungstheorie die ich bislang gehört habe. Zumindest in diesem Jahr.

(Hotel Villa de Art)

Die Dummheit ist wahrlich grenzenlos. Vor zwei Tagen wurde bei Band of Brothers über die neueste Verschwörungstheorie von german-foreign-policy.com berichtet. Demnach soll – und dies war kein satirischer Beitrag – die Friedrich-Naumann-Stiftung die globalen Tibetproteste inszeniert haben (Codename “Fackellauf”). Die Parteienstiftung der FDP als globaler Puppetmaster. Heute berichtet dann Hotel Villa de Art, dass diese Verschwörungstheorie jetzt auch von den staatlichen chinesischen Medien aufgegriffen wird. Irre.

Nachtrag: Jetzt berichtet auch DIE WELT über die Verschwörungstheorie:

Peking hat die vermeintliche Quelle der weltweiten antichinesischen Proteste ausgemacht: Chinesische Medien attackieren die deutsche Naumann-Stiftung, die der FDP nahesteht. Ihre Vorwürfe untermauern sie mit zweifelhaften Beweise – und appellieren an den Patriotismus ihrer Landsleute.

Mehr unter: Tibetkrise – Peking wirft FDP-Stiftung Anti-China-Proteste vor.

13th April
2008
written by Tobias Blanken

Bernd Ulrich hat auf der Webseite der ZEIT einen längeren Artikel darüber geschrieben, wie die neue linke Mehrheit tickt.

Folgende zwei Absätze geben Ulrichs zentralen Punkte deutlich wieder; zunächst die veränderte Defintion darüber, wer alles als Opfer dieser Gesellschaft betrachtet werden soll:

Mit dieser Wendung konterkariert Eppler ganz nebenbei auch Kurt Becks Formel von der »solidarischen Mehrheit«. Damit war gemeint, dass es den meisten Deutschen gut geht und dass sie auch wollen, dass es den Benachteiligten hier, in den Entwicklungsländern, aber auch den Zukünftigen nicht zu schlecht geht. Wahrscheinlich sieht das die Mehrheit noch immer so. Doch wird die Bereitschaft zur Solidarität immer häufiger gerade von denen unterwandert, die sie am lautesten fordern – einfach, indem die Zahl der Ängstlichen, der Verlierer und Opfer beständig ausgedehnt wird: Arbeitslose, Rentner, Mittelschicht, Studenten, Autofahrer, Eltern, Kinder… Eine ganze Gesellschaft von Benachteiligten – das ist die linke Mehrheit.

Als zweiten Punkt wird von ihm die veränderte außenpolitischen Ausrichtung der Linken benannt – Entspannungspolitik um jeden Preis:

Die Linkspartei hat traditionsgemäß ein etwas entspannteres Verhältnis zu manchen Diktaturen. Dieses relativistische Denken bringt sie nun offenbar in die neue linke Mehrheit ein. So entsteht langsam eine Redeweise, in der die USA und China, der Dalai Lama und Milošević, Kuba und das Kosovo moralisch verschwimmen. In dieser Nacht sind alle Katzen grausam.

Der Satz die Linkspartei hat traditionsgemäß ein etwas entspannteres Verhältnis zu manchen Diktaturen ist natürlich trotz der Polemik in der Sache treffend. Mehr unter: Im Land der Opfer: Wie die neue linke Mehrheit tickt.

10th April
2008
written by Tobias Blanken

Iranian judiciary chief Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi told leaders of the Gulf Arab state of Qatar on Wednesday that his country was willing to put its controversial nuclear expertise at the service of all Muslim states.

“Iran is determined to make the best use of this technology not only for Iran but also for all Muslim states,” Shahroudi told a news conference in the Qatari capital Doha.

Middle East Times: Iran envoy offers nuclear technology to all Muslim states

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10th April
2008
written by Tobias Blanken

Volker Beck geht ins Sportbekleidungsbusiness & Klaus Wowereit lässt keine Party aus.

9th April
2008
written by Tobias Blanken

Auf der stramm katholischen Internetplattform kreuz.net konnte man schon in der Vergangenheit praktizierenden Rechtsextremismus und Antisemitismus bewundern – oftmals vermischt mit einer richtig dicken Portion aggressiver Homophobie. Man dachte: Schlimmer geht’s nimmer, aber auch da hat man sich getäuscht. Am Sonntag erschien dort der Artikel Hexenwahn, Holocaust und Evolution, bei dem der Leser folgendes erfahren kann:

Woher wußte man, daß Hexen auf Besen durch die Lüfte fliegen können? Was für eine Frage! Man hatte von frühester Kindheit an ständig davon gehört.

Auch waren alle gelehrten Männer jener Zeit davon überzeugt. Außerdem wurde dies in zahlreichen Strafprozessen festgestellt. Somit galt es als offenkundig, daß Hexen auf Besen durch die Lüfte fliegen können.

So, wer jetzt ein katholisches “mea culpa” erwartet, der hat in die falsche Richtung gedacht. Stattdessen geht der Text so weiter:

Heute gilt es als offenkundig, daß sechs Millionen „Juden“ vorwiegend in Gaskammern umgebracht wurden.

Das haben wir in der Schule gelernt. Das haben wir in vielen Fernsehsendungen erfahren. Daran erinnern uns Politiker bei verschienen Anlässen. Alle wissen es. Zwar gibt es Widerspruch.

Den gab es auch zur Zeit des Hexenwahns.

Natürlich kommt auch diese Holocaustleugnung nicht ohne die Frage nach den Profiteuren aus:

Denn der nationalsozialistische Völkermord darf nicht angezweifelt werden. Vielmehr haben wir uns besonders als Deutsche in der Gewißheit desselben ständig Asche auf unser Haupt zu streuen und wegen unserer besonderen Vergangenheit die finanziellen und militärischen Wünsche des Staates Israel zu erfüllen.

Alle anderen geschichtlichen Ereignisse darf man öffentlich anzweifeln und sogar leugnen, nur die Judenvernichtung nicht.

Denn mit diesem schrecklichen Geschehen wird die Sonderstellung des „jüdischen“ Volkes begründet, die zu dessen Machtfülle führt.

Durch ihre Machtfülle kann diese Minderheit nicht nur öffentliche Zweifler am politisch korrekten Geschichtsbild ins Gefängnis werfen lassen, sondern auch Geldströme zu „jüdischen“ Institutionen lenken.

Geschrieben wurde der Artikel laut kreuz.net von Dr. Johannes Lerle (55), einem bekannten Lebensschützer aus Erlangen. Im vergangenen Juni verurteilte ihn das Amtsgericht Erlangen wegen angeblicher Holocaust-Leugnung zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Er ist also vorbestraft, sitzt höchstwahrscheinlich noch im Knast – und leugnet von dort aus (gibt es im Knast Internet?) weiter öffentlich den Holocaust. Was hoffentlich ein weiteres Verfahren nach sich ziehen wird. Im Unterschied zu kreut.net, die laut Impressum in den USA beheimatet sind und daher nur schwer von der deutschen Justiz belangt werden können. Verdient hätten sie es dicke.

8th April
2008
written by Tobias Blanken

Der Künstler war vom Massenmörder geradezu besessen. Er machte den größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts zur berühmtesten Ikone der Pop-Art. Heute muss jedes Kunstmuseum wenigstens einen Adolf Hitler von Andy Warhol haben.

Und dies auch noch im Deutschlandradio Kultur. Dr. Clemens Heni, bitte übernehmen!

Jetzt mal ernsthaft: Natürlich darf Posener Mao mit Hitler vergleichen, ohne sich den Vorwurf der Verharmlosung der NS-Verbrechen einzuhandeln. Was natürlich kein Persilschein für die “der Holocaust, die Indianer, Kain und Abel und der Fußpilz” (Lars Rensmann) Fraktion beinhalten sollte. Gibt ja schließlich immer noch die Frage danach, was verglichen wird. Und wie. Und wo der Erkenntnisgewinn liegen soll. Und, vor allem: Worin die Intention liegt.

Beispiel: Daniel Jonah Goldhagen vergleicht mit den Worten „aber Nazismus ist die korrekte Bezeichnung und der einzige Bezugsrahmen für politischen Islam” Nazis mit Islamisten. In seiner Argumentation spielt der Antisemitismus eine zentrale Rolle – obwohl Islamisten bis zum heutigen Tag Juden im 5-stelligen Bereich getötet haben. Und eben nicht 6 Millionen. Trotzdem argumentiert Goldhagen auf einer anderen Ebene als die notorischen Neonazis, die bei Dresden sofort wie Pawlowsche Hunde “Bombenholocaust, Bombenholocaust” durch die Gegend grölen. Und in Dresden sind auch Menschen im 5-stelligen Bereich getötet wurden.

Niemand – naja, sagen wir fast niemand, gibt ja schließlich noch das Palästina-Portal – würde hier widersprechen. Goldhagen hat schließlich einen Punkt: Die Islamisten von Hamas, Hisbollah etc. ticken ähnlich wie die Nazis. Und wenn sie die Möglichkeit hätten (also wenn es die IDF nicht geben würde), dann würden sie es den geistesverwandten Nazis gleichtun. Wobei man natürlich einwenden sollte, ob andere Vergleiche nicht sinnvoller wären. Dritter Totalitarismus, neuer Totalitarismus, Islamobolschewismus, Islamofaschismus etc., weil in diesen Bezeichnungen ein höherer Erkenntnisgewinn liegen könnte.

Apropos Faschismus: In der Linken und in weiten Teilen der Welt wird dieser Terminus ohne weiteres Nachdenken benutzt. In der Benutzung des Wortes wird meistens (gibt bedeutende Ausnahmen, etwa Hannah Arendt) davon ausgegangen, dass man das NS-Regime mit dem faschistischen Italien und dem faschistischen Spanien gleichsetzen könnte. Eine Typologie macht schließlich nur dann Sinn, wenn die Gemeinsamkeiten größer als die Differenzen sind. Was ich in diesem Fall bezweifeln würde. In Spanien und Italien hatte man dreckige Diktaturen, die man durchaus auch mit Waffengewalt hätte beseitigen können. Aber: Sind diese Diktaturen mit dem NS-Regime vergleichbar? Gab es einen totalitären Anspruch (ja, den gab es, Mussolini hat schließlich den Begriff des Stato totalitario geprägt)? Aber wurde er auch verwirklicht? Was ist mit den Konzentrationslagern, dem eliminatorischen Antisemitismus? Dem Wahn nach Weltherrschaft? Die Typologie führt m.E. in die Irre, in ihr könnte das NS-Regime tatsächlich verharmlost werden – die DDR lässt grüßen – aber es kann auch immer ein Mittel zum Zweck sein, um die Merkmale des NS-Regimes herausarbeiten zu können. Schwierige Frage, aber sie verdeutlicht die Grundproblematik des Vergleichs.

Zurück zu Posener: Wer kennt auch nur eines der 70 Millionen Opfer Maos beim Namen? Die Zahl von 70 Millionen Opfern hat er vermutlich aus dem Buch Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes. 70 Millionen Tote allein in Friedenszeiten. Andere Forscher sind zurückhaltender, was die Opferzahlen betreffen. Da ist dann von 20 oder 30 Millionen nachweisbaren Toten die Rede. Zum Vergleich: Das NS-Regime hat 20 Millionen Tote zu verantworten, die nicht durchs Kriegsrecht gerechtfertigt sind. Der vom NS-Regime verursachte und begonnene 2. Weltkrieg hat vermutlich 55 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Womit auch ich das NS-Regime mit Maos Regime verglichen habe. Was kann denn noch schlimmer sein, hä? Jehova! Jehova! Jehova! Aber womit sollte man denn sonst die Höhe der Leichenberge vergleichen? Mit den Bolschewisten? Ja, allerdings. Und, weiter? Da bleibt nur noch das NS-Regime über. In der absoluten Zahl der Toten sind nur diese drei Regime vergleichbar. Und Maos Regime kann vermutlich den Anspruch für sich reklamieren, für den höchsten Leichenberg der Menschheitsgeschichte verantwortlich zu sein.

Womit wir bei der Dimension der durch die chinesische KP verbrochenen Verbrechen wären. Die Partei hat gewütet, gemordet, Hungersnöte ausgelöst, hat Kinder in der Kulturrevolution dazu gebracht, ihre Eltern zu verpfeifen. Apropos Kulturrevolution: Wie wurde der Kampf gegen die Vier alten Dinge (kapitalistisch, feudal, reaktionär oder revisionistisch) doch von den linksextremen APO-Studenten glorifiziert. Sprechchöre wie “der Feind verfault mit jedem Tag, während es uns täglich besser geht” oder “für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt” fand man besonders einfallsreich – Jürgen Domes Forschungen zu der mörderischen Realität nahm man bestenfalls nicht zur Kenntnis, im Normalfall hat man ihn als Antikommunisten (böse, böse!) bezeichnet, womit sich auch die Auseinandersetzung mit den Schrecken erledigt hatte.

Und die KP hat nicht nur in der VR China gewütet. Was ist denn bitte mit dem Koreakrieg? Schon vergessen? Nee, natürlich nicht. Irgendwie lernt ja jeder deutsche Schüler, dass die bösen kriegstreibenden Amis dort einen weiteren sinnlosen Krieg geführt haben. In dieser Mischung von Antiamerikanismus und grenzenlosem Pazifismus hätte man zwar zu den Koreanern Give up your dreams of freedom because to save our own skins, we’re willing to make a deal with your slave masters gesagt, aber grenzenlose Immoralitäten haben die Pazifisten bekanntlich noch nie sonderlich beeindruckt. Ebensowenig wie Fakten.

Wer war denn bitte der Aggressor in Korea? Doch wohl ehr die nordkoreanischen Streitkräfte, ihre Verbündeten aus der VR und die verschiedenen paramilitärischen kommunistischen Gruppen. Oh ja, die VR China, selbst bei Wikipedia findet sich zu Mao folgendes: …griff die Volksrepublik China am 1. Januar 1951 in einer Offensive die UNO und die südkoreanischen Truppenverbände an. Der Angriff wurde von etwa 1 Million Mann in einer kalten Nacht [...] durchgeführt. [...] Dieser militärische Erfolg nach 100 Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren galt als einer der wichtigsten Erfolge Maos. Allerdings muss man [...] bedenken, dass Mao in diesem Krieg die „Taktik der Menschenwelle“ anwendete: Enorm viele Soldaten mit mangelhafter Bewaffnung und quasi ohne Ausbildung rannten so lange gegen die feindlichen Linien an bis dem Gegner die Munition ausging.

Die APO-Studenten fanden sowas natürlich klasse, denn Mao hat den Amis damit im Gegensatz zu ihrer eigenen Nazi-Looser-Vätergeneration zumindest ein Patt am 38. Breitengrad abgetrotzt. Dieser 38. Breitengrad in Korea ist bis heute die Grenze zwischen freier Welt und kommunistischer slave master Gesellschaft. Die unterernährten, unterdrückten Nordkoreaner können sich hierfür nicht nur bei Mao “bedanken”, sondern bei der chinesischen KP bis heute – denn diese ist noch immer Schutzmacht des nordkoreanischen Regimes. Genauso wie sie Schutzmacht des Regimes in Birma ist.

Oh ja, die Liste der Verbrechen der chinesischen KP ließ sich fast endlos fortführen. Wer stand doch gleich hinter Pol Pot und den Khmer Rouge? Wer wollte die Sowjetunion während der Kubakrise zum Einsatz der Atomwaffen drängen? Wer bedroht ständig die Existenz von Taiwan? Wer betätigt sich derzeit in Afrika als großer Bruder aller kleinen und großen Diktaturen und unterminiert damit sämtliche menschenrechtlichen Mindeststandards?

Allein die Rolle der VR China in Darfur rechtfertigt schon die Bezeichnung Völkermordspiele für die Olympischen Spiele 2008. Eric Reeves vergleichte gar die Rolle von Steven Spielberg 2008 mit der von Leni Riefenstahl 1936. Jehova! Jehova! Jehova! Womit wir wieder beim Thema wären: Ja, man darf vergleichen. Aber man sollte schon schauen, was verglichen wird. Und wo die Intention liegt.

Ja, der Dalai labert. Auch war Tibet vor der Annexion durch die VR kein Paradies der Freiheit und Demokratie. Aber: Man will doch wohl nicht ernsthaft die Verbrechen Tibets mit der Schreckensbilanz der VR vergleichen. Oder gar damit die Unterdrückung in Tibet und den Einsatz der VR-Kräfte rechtfertigen und beschönigen. Oder etwa doch?

Ein ziemlich absurdes Vorgehen. Erinnert frappant an die Glorifizierung der Kulturrevolution durch die APO. “Für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt” lässt grüßen. “Feudal” und “reaktionär” erleben trotz des Muffes von 40 Jahren eine neue Renaissance. Die Intention kommt mir auch seltsam bekannt vor. Erinnert an die Leute hierzulande, die bei “Verbrechen” und “zweiter Weltkrieg” wie Pawlowsche Hunde “Dresden, Dresden, Dresden” rufen.

4th April
2008
written by Tobias Blanken

Leonard Zelig von Wind in the Wires hat mich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Brief an einen antizionistischen Freund um eine Fälschung handelt. Damit hat Leonard Zelig allem Anschein nach Recht. In seiner Form ist der Brief wohl eine Fälschung. Es war ein Fehler, auf diesen Text zu verweisen.

Stattdessen hätte ich lieber auf einen Text von meinem Freund Michael Holmes in der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen verweisen sollen. Dort – leider kann man den Text nur als PDF ansehen – würdigt Holmes Martin Luther King als einen Kämpfer gegen Antisemitismus und Antizionismus; Holmes schreibt unter anderem:

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass der berühmteste Verfechter der Gewaltlosigkeit den Kampf gegen die Judenfeindschaft über das pazifistische Dogma stellte. Wenn King von Israel sprach – und nur dann –, sprach er immer zuerst vom Recht auf Verteidigung und dann erst vom Frieden. Einem Harvard-Studenten, der ihn aufgefordert hatte, den Zionismus zu verurteilen, entgegnete er: „Wenn Menschen die Zionisten kritisieren, meinen sie die Juden. Sie sprechen antisemitisch.“

Dies erklärt auch, warum der Brief an einen antizionistischen Freund bereitwillig als echt wahrgenommen wird. Vom Inhalt her hätte der Brief tatsächlich von Martin Luther King sein können. Aber auch eine gute Fälschung bleibt eine Fälschung. Für Urban Legends ist das Internet immer noch der beste Platz. Und es war ein Fehler meinerseits, die Authentizität des Briefes nicht weiter zu überprüfen.

3rd April
2008
written by Tobias Blanken

In the words of Sigmund Freud: I have a dream.

Ok, das verlinkte Video ist alt. Aber es ist gut. Verdammt gut. Auf manche Sachen kann man halt immer wieder hinweisen. Auf andere Sachen sollte man immer wieder hinweisen. Auch wenn es manchen nervt. Und andere den Text schon auswendig können. Aber wie heißt es doch so schön: How long must we sing this song?

Zum vierzigsten Todestag von einem der größten Amerikaner: Brief an einen antizionistischen Freund. Nachtrag: Mir ist ein Fehler unterlaufen. Siehe diese Korrektur.

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