Archive for November, 2008
Oder: Vielfalt vs. Harmonie
Im Blog Wirtschaftliche Freiheit wird der Ruf nach bundesweit einheitlichen Rauchverboten anstelle von länderspezifischen Regelungen auf einleuchtende Art und Weise seziert:
Obwohl das vorangehende Argument für regionale Vielfalt und die Erlaubnis mit unterschiedlichen Regelsystemen zu experimentieren, ziemlich einleuchtend scheint, erfreut es sich so geringer Beliebtheit, dass man sich nach weiteren Gründen für die Unbeliebtheit der Vielfalt und die Beliebtheit der Einheitlichkeit fragen muss. Einer dieser Gründe besteht gewiss darin, dass das „Bauchgefühl“ vieler Menschen diesen nahe legt, in Harmonie etwas Gutes und in Vielfalt und Konkurrenz eher etwas Unangenehmes zu erblicken. So wie das Wort „Flickenteppich“ negative Assoziationen transportiert, so transportiert der Begriff der „Harmonie“ positive Einstellungen und Bewertungen. Zwar wettert man gegen „die in Brüssel“ oder „die in Berlin“, doch will man weiterhin über die jeweiligen Zentralen die jeweils bevorzugten Regelungen unter dem Deckmantel der „Harmonisierung“ für alle verbindlich durchsetzen. Man vergisst darüber, dass man für die Möglichkeit, die von einem selbst gewünschten einheitlichen Regelungen für alle durchzusetzen, den Preis zahlt, dass andere mit dem gleichen Instrument die von ihnen bevorzugten Regelungen durchsetzen können.
Mehr auf Deutschland ein Flickenteppich?
Give up your dreams of freedom because
to save our own skinto pay our own bills, we are willing to make a deal with your slave masters.
Robert Barnett in der New York Times über das jüngste Opfer der Finanzkrise: Did Britain Just Sell Tibet?
Wenn alle Schriftsteller in die Politik gingen, dann fingen die Politiker an, Romane zu schreiben. Und das wäre das Ende der Zivilisation.
So Amos Oz in einem ZEIT-Interview. Das ist Interview ist ganz nett, mehr nicht. Dafür ist das Zitat umso besser!
Alright, we got white pussy, black pussy, spanish pussy, yellow pussy. We got hot pussy, cold pussy. We got wet pussy. We got smelly pussy. We got hairy pussy, bloody pussy. We got snapping pussy. We got silk pussy, velvet pussy, naugahyde pussy. We even got horse pussy, dog pussy, chicken pussy.
(Cheech Marin – From Dusk Till Dawn)
Steige gerade von meinem Firefox-Feedreader auf den Google Reader um. Bin bisher recht zufrieden; das Importieren von Feeds ist sehr komfortabel, man kann sehr einfach Kategorien (z.B. öffentlich – privat) verteilen und Empfehlungen von Freunden lesen. Ok, die Empfehlungen von Freunden haben mir etwas Angst gemacht, da meine Lieblingsdatenkrake Google gleich zu Beginn 172 Empfehlungen von Freunden angezeigt hat – dem Googlemail-Adressbuch sei Dank.
Beim Importieren habe ich ein wenig an den Feeds rumgespielt und mich gewundert, was bei Feeds so alles geht und was alles noch nicht geht. Bei WordPress war ich überrascht, wie individuell man die Abonnements gestalten kann. Einfach nur ein &feed=rss hinter die jeweilige URL anhängen und man hat den Feed. Vollkommen egal, ob es sich um eine Kategorie oder einen Tag oder was auch immer handelt. Man lernt ja nie aus.
Bei der ZEIT kann man – die Funktion ist richtig schön tief versteckt – die Feeds einzelner Autoren abonnieren. Z.B. die von Josef Joffe, Jörg Lau oder Jürgen Krönig. Bei der New York Times gibt es die Funktion auch. Habe mir erstmal William Kristol und Thomas L. Friedman abonniert.
Was mich aber gewundert hat: Diese Funktion gibt es bei anderen Nachrichtenseiten nicht. Dachte mir: Das einzig lesenswerte von SPIEGEL ONLINE sind die Artikel von Claus Christian Malzahn und Reinhard Mohr. Aber eine simple Autoren-Abonnement-Funktion ist bei SPIEGEL ONLINE nicht vorgesehen. Ähnlich sieht es bei der WELT aus. Die Usual Suspects Posener, Herzinger und Stein kann man nicht abonnieren. Dabei sehen sich beide Seiten mit ihren überbordenden Kommentarfunktionen als Web 3.0 (mindestens) Vorreiter. Ähnlich sieht es beim Commentary, beim Weekly Standard und den Foreign Affairs aus. Schade.
Deswegen das Abstimmverfahren zu aendern ist das gekraenkte Verhalten eines schlechten Verlierers, aber das kennen wir, das Volk, ja schon von der EU-Verfassung.
(dagny t beim antibuerokratieteam.net)
Das antibuerokratieteam schätz ich eigentlich sehr. Die meisten Artikel sind sauber geschrieben, sie vertreten im Normalfall eine liberale Position und sind dabei auch noch amüsant. Aber manchmal verzapfen sie auch Unsinn. Irren ist menschlich; Fehler sind unvermeidbar etc. pp.. Heute war es mal wieder so weit. Man hat sich auf dem in der Blogosphäre so beliebten Schäuble-Bashing versucht und dabei über das Ziel hinausgeschossen.
Man hielt Schäuble vor, dass er die Abstimmungsmodalitäten im Bundesrat nur aus seiner Gekränktheit heraus ändern wollte. Und um sich eine Mehrheit für das BKA-Gesetz zu zimmern. So weit, so schwach – aber diskutabel. Ich für meinen Teil halte die Änderung für sinnvoll, da jede Koalitionsregierung auf Länderebene im Koalitionsvertrag festschreibt, dass sie sich bei kontroversen Gesetzen im Bundesrat enthält. Und bei den bisherigen Abstimmungsregeln ist eine Enthaltung einem Nein gleichzusetzen. Und in einem 5-Parteiensystem mit all ihren unterschiedlichen Koalitionen auf Länderebene führt dies unweigerlich dazu, dass die Parlamentsmehrheit im Bundestag nur noch mit minimaler Wahrscheinlichkeit auch eine Mehrheit im Bundesrat hinter sich hat. Selbst bei einer großen Koalition reicht es jetzt ja schon nicht mehr – wie sollte es da erst bei Rot-Grün oder Schwarz-Gelb sein.
Durchaus diskutabel. Aber: Beim Schäuble-Bashing kommen auch die unangenehmen Nebenerscheinungen der Blogosphäre hervor. Selbst Liberale versuchen sich dann gerne in dem allseits beliebten (besonders unter Autoren mit Pseudonym) Stammtisch-Gewetter von “denen da oben”, denen “man es mal richtig geben will”. Das allseits bekannte Schäuble Derangement Syndrome zeigt seine hässliche Visage.
Und dabei entblödet man sich nicht, Rousseaus Volonté générale aus der vortotalitären Mottenkiste herauszuholen. “Wir, das Volk” ist ja schon eine Zumutung – als letztmalig lauthals das Kollektiv abgefeiert wurde und in der halben Zone ein “wir sind das Volk” erscholl wurde flugs ein Exempel an denen statuiert, die nicht zum Kollektiv gehören sollten. Rostock-Lichtenhagen lässt grüßen. Noch fieser – und entschieden illiberaler – als ein “wir sind das Volk” ist die Vorstellung, dass Menschenkollektive wie ein Individuum fühlen und denken (”aber das kennen wir, das Volk”) könnten. Das ist der Volonté générale in all seiner Verachtung des Individuums in Reinform. Und sowas steht einem liberalen Blog denkbar schlecht. So wie jedes “wir” und “die da oben” Gewetter.
Digital Design students have done it again: a team-made motion design infographic about blogging culture in Iran has just been written up on Motionographer! Iran: A Nation of Bloggers explores how the digital world allows many Iranians access to ideas and freedom of expression they haven’t had for close to thirty years.
Iran: A nation of bloggers from Mr.Aaron on Vimeo.
George Orwell sagte 1937 über die doktrinäre Linke: Für sie sei der Sozialismus »wie eine berauschende Häretiker-Jagd, der rasende Tanz wild gewordener Hexenmeister, die im Lärm der Tom-Toms singen: ›Ich rieche das Blut eines Rechtsabweichlers‹«
Josef Joffe in Stalin am Main über das lückenhafe Wörterbuch der Unmenschen, dem Begriff der Abweichler und dem Umgang der hessischen SPD mit ihren vier Wiederständlern.
Vielleicht habe ich auch deshalb das Rauchen nicht aufgegeben, weil mir der Beruf und die Berufsbezeichnung «Nichtraucher» nicht gefallen hat, ein Beruf, der nach dem bezeichnet wird, was er nicht tut, so wie sich etwa ein Mechaniker im Telefonbuch als «Nichtmetzger» bezeichnen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass mir das Rauchen eher abhandengekommen wäre, wenn ich dadurch nicht zum Nichtraucher hätte werden müssen.
(Peter Bichsel – Raucher ist die Bezeichnung für Eisenbahnwagen)
Die NZZ hat am vergangenen Samstag gleich die ganze Sparte “Literatur und Kunst” dem Thema Rauchen (via) gewidmet. Feine Sache, sowas!
Wo immer uns der Tod antrifft, er sei uns willkommen und andere Menschen sich daran machen den Trauermarsch zu intonieren mit Maschinengewehrgeknatter und neuen Kriegs- und Siegesrufen.
Ernst Jünger Che Guevara
Marko Martin rezensiert in der WELT das neue Werk von Gerd Koenen Traumpfade der Weltrevolution – Das Guevara-Projekt. Die Rezension mit dem bezeichnenden Titel Che Guevara wollte die Waffen in Blut tauchen findet man hier.