Archive for December, 2008
DIE ZEIT über die kubanischen Punkrocker Porno Para Ricardo: Mit Punk gegen den Comandante
Oskar Lafontaines (”das deutsche Volk als Schicksalsgemeinschaft”) größter Alptraum:
Immigration to the US, 1820-2007 v2 from Ian Stevenson on Vimeo. (Via).
Ich kann gar kein Antisemit sein, denn ich bin Semit.
(Jamal “die allmächtige zionistische Lobby” Karsli)
Letzte Woche dachte ich ja noch, dass diese verquere Logik nicht mehr zu toppen ist. Aber da habe ich mich wohl geirrt. Auch dachte ich immer, dass die Selbstinszenierung von nationalistischen und revanchistischen Österreichern, die ihr Land als “erstes Opfer des Nationalsozialismus” darstellen, an Absurdität nur schwer übertroffen werden kann.
Aber dann bin ich über diesen Artikel in der Readers Edition gestolpert, in dem der Leser erfahren kann, dass a) der normale Deutsche natürlich – niemals – ein Antisemit gewesen ist und b) der Holocaust eigentlich dem deutschen Volk gegolten hat. Selbstverständlich haben es die Juden auch zu verantworten, wenn man sie anstelle der Deutschen vernichtet hat – schließlich haben sie durch ihren “Absolutheitsanspruch” den Nazis ein ideales Motiv gegeben. Aber lassen wir die Readers Edition doch einfach zu Wort kommen:
Ich persönlich glaube nicht, dass der normale Deutsche jemals einen Konflikt mit Semiten hatte, gestern nicht und heute auch nicht. Spätere und neue Aufarbeitungen des Holocaust jedoch werden zeigen, dass die Vernichtung der Juden im Dritten Reich, nichts weiter waren, als ein übliches diktatorische Mittel der Freundfeindaufteilung über die Vogelfreierklärung einer Minderheit im eigenen Land.
Besonders geeignet hierfür war die jüdische Religion mit ihrem Anspruch auf den wahren Gott. Denn sie besagt: Wer kein Jude ist, ist ungläubig. Hier besteht Absolutheitsanspruch. Die Nationalsozialisten haben dies geschickt verwendet, um ihr eigenes Volk zu unterdrücken, insoweit, als sie vermittelten: bist du gegen uns, dann geht es dir wie den Juden.
Und, wozu diese geistigen Verrenkungen? Genau: Die armen, unschuldigen Deutschen werden unterdrückt, damit die Juden weiterhin die “semitischen Araber” diskriminieren können: Besonders brisant wird die Auslegung des Begriffs Antisemitismus neuzeitlich in Bezug auf die Juden in Israel werden, hinsichtlich semitischen Araber die dort ganz offensichtlich diskriminiert werden. Hier werden die Juden an einen Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart stoßen, der zeigen wird, dass Antisemitismus kein dauerhaftes Schuldgefühlprogramm ist, das man den Deutschen auf ewig unterstellen kann. Die National-Zeitung und Jamal Karsli hätten es nicht besser formulieren können.
Die Rolle des BND vor und während des Irak-Krieges war wesentlich brisanter als bisher bekannt. Hochrangige US-Militärs versicherten dem SPIEGEL, die Berichte zweier deutscher Agenten in Bagdad seien extrem wichtig und wertvoll gewesen – teilweise sogar kriegsentscheidend.
Die Skandalisierung der Unterstützung von Kampfhandlungen erschließt sich mir nicht. Wenn man gegen den Irakkrieg war – wofür es abseits des Antiamerikanismus und des Nationalpazifismus auch gute Gründe gab – dann sollte man sich doch dafür engagieren, dass der Krieg, so er erstmal begonnen hatte, auch möglichst schnell beendet wird. Jedenfalls dann, wenn einem das Leid im Krieg nicht vollkommen am Arsch vorbei geht. Und man sollte sich dafür einsetzen, dass der Krieg möglichst effizient geführt wird. Und wenn man über Informationen verfügt, die den Krieg verkürzen und unnötiges Leid verhindern, dann gibt man sie weiter. Verantwortungsethik schlägt Gesinnungsethik.
Die Leistung des BND überrascht aber dann doch. Vermutlich ist der BND tatsächlich besser als sein Ruf. Aber dass John McClane im Vergleich mit den beiden deutschen Agenten locker den Kürzeren zieht wirkt dann doch übertrieben. Und gar zu behaupten, dass die Informationen “kriegsentscheidend” waren, ist einfach nur lächerlich. Da nehmen die Deutschen sich einfach zu wichtig. Als läge der Mittelpunkt der Welt ausgerechnet in Pullach.
Chefin wird von der Süddeutschen zitiert. Und in den Kommentaren wird Gift und Galle gespuckt. Could be worse.
Nach den besonderen Erfahrungen, die in Deutschland mit Volksverhetzung, als Instrument der Massen-Mobilisierung, gemacht wurden, ist eine Sensibilisierung zu begrüßen. Es sollten sich viel mehr Menschen zur Wehr setzen gegen derart undifferenzierte Anwürfe und Beleidigungen, unsere Gesetze bilden dafür die Grundlage (auch wenn der Angegriffene nicht immer erfolgreich sein wird, u.a. auch weil Richtern diese “Bagatellen” offenbar lästig sind …).
(Leserkommentar “Knüppel” auf ZEIT ONLINE)
Was uns der Kommentar sagen wollte: Weil man a) in Deutschland eine schlechte Erfahrung mit Demagogen gemacht hat ist b) eine Sensibilisierung zu begrüßen, was sich darin äußern soll, dass man c) diejenigen Personen verklagt, die jemanden als Demagogen bezeichnen. Und alles unter der Überschrift “Wehret den Anfängen”. Irre.
