Archive for January, 2009
Selbst die Süddeutsche kann es nicht mehr ignorieren:
Ein anderer Name dürfte derweil für die Taktik stehen, mit der Washington künftig in den Schluchten des Hindukusch vorankommen will: David Petraeus. Der Vier-Sterne-General, inzwischen der Chef des US-Zentralkommandos, gilt als Vater von Amerikas spätem Erfolg [!] im Irak. Petraeus will, getreu seinem Lehrbuch zur erfolgreichen Aufstandsbekämpfung, mit mehr amerikanischen Soldaten in Afghanistan erneut in die Schlacht ziehen. Mehr Bodentruppen verheißen, zumindest vorübergehend, mehr Blutvergießen – aber hoffentlich weniger blindes Bomben per Drohnen wie bisher.
Der Irak als Lektion für Afghanistan: Obama mag es nicht so sagen, aber er wird es tun. Er will, um seinen guten Krieg zu gewinnen, jetzt vom schlechten Krieg das Siegen lernen.
Aus: Obamas Engagement für Afghanistan – Amerikas guter Krieg.
Springtime for idiots. Even in America:
Yeah, full democratic rights for gays, lesbians, bisexuals, transgenders. Right. Oh wait, silly me, there is a country involved in this conflict where gays, lesbians, bisexuals and transgenders have full democratic rights: it’s called Israel. And if you truly wanted freedom and equality for gays and lesbians in the region, you’d be protesting against the harsh shari’a regime of Hamas, under which homosexuality or “gender transgression” of any kind brings an immediate death sentence.
So der Kommentar vom zomblog über dieses Plakat während einer wirklich widerlichen Anti-Israel Demo in San Francisco (via).
Aus dem FTD-Artikel Gaza: Knieschuss für Verräter von Silke Mertins:
Den Terror des Krieges haben die Menschen in Gaza hinter sich. Jetzt leiden sie unter dem Terror der Hamas. Sie beschimpft Mitglieder der verfeindeten Fatah als Kollaborateure Israels und hat eine brutale Jagd auf sie eröffnet.
[...] Dieses Mal berichtet ein Fatah-Mann aus Gaza, welche Zahlen man zusammengetragen hat, seit der Krieg zwischen Israel und der Hamas am vergangenen Sonntag mit einem Waffenstillstand endete: Die Extremistenorganisation habe 18 Exekutionen durchgeführt, mindestens 300 Männer verhaftet. 47 Menschen sei ins Knie oder Bein geschossen worden – grausames Markenzeichen der Hamas im Umgang mit Rivalen. Dutzenden seien Gliedmaßen mit der Axt amputiert worden, einigen seien die Augen ausgestochen worden. Ein Kinderkrankenhaus und eine Augenklinik würden die Hamas-Sicherheitskräfte als “Verhörzentren” nutzen.
Und, nein, es wird mit Sicherheit keine spannenden Sondersendungen im Fernsehen geben, bei denen es so richtig menschelt und die Opfer (und vermeintliche Opfer) ein ums andere Mal in die Kamera gehalten werden. Und, nein, es werden auch nicht abertausende von selbsternannten “Menschenrechtsaktivisten” und “Friedensfreunden” auf die Straße gehen, um auf das Leid hinzuweisen, was den Palästinensern angetan wird. Und, nein, Norbert Blüm, Udo Steinbach und Norman Paech werden sich wegen des Leides auch nicht in Rage reden. Kurz: Es herrscht wieder business as usual.
„Nimmt ein Jude oder nehmen alle Juden die hier angebotene Vorgabe an, kann es ihm oder ihnen nicht schlechter ergehen als jetzt. Und freiwillig Leiden zu erdulden, wird ihnen eine innere Stärke und Freude bringen wie es keine noch so hohe Anzahl von Bekundungen des Mitgefühls aus der Welt außerhalb Deutschlands vermag. [...] Die kalkulierte Gewalt Hitlers könnte sogar zu einem allgemeinen Massaker an den Juden führen als eine erste Antwort der Erklärung von Feindseligkeiten [seitens der USA, Großbritanniens und Frankreichs]. Könnte aber der jüdische Geist auf freiwilliges Leiden vorbereitet werden, könnte sogar das gedachte Massaker in einen Tag der Dankbarkeit und Freude darüber gewendet werden, dass Jehova die Rasse sogar aus den Händen des Tyrannen errettet hat. Für den Gottesfürchtigen hat der Tod keinen Schrecken.“
(Mahatma Gandhi 1938, zitiert nach der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung: Gandhi heute – aktuell oder unzeitgemäß?)
There is another side to the ledger. For millennia Jewish blood has been cheap, if not costless, throughout the Christian and Muslim worlds, where the Jew became the epitome of powerlessness, a perpetual punching bag and a scapegoat for whatever ills befell society. There is no reason, therefore, why Israel shouldn’t follow in the footsteps of these past generations, avoid antagonizing its Arab neighbors and exercise restraint whenever attacked. But no, instead of knowing its place, the insolent Jewish state has forfeited this historic role by exacting a price for Jewish blood and beating the bullies who had hitherto been able to torment the Jews with impunity. This dramatic reversal of history cannot but be immoral and unacceptable. Hence the global community outrage and hence the world’s media provision of unlimited resources to cover every minute of Israel’s “disproportionate” response, but none of the devastation and dislocation caused to Israeli cities and their residents.
(Prof. Efraim Karsh: What’s Behind Western Condemnation of Israel’s War Against Hamas? (via))
Deutlich fundierter als Glucksmann und Dershowitz beleuchtet Michael Walzer die Verwendung und den völkerrechtlichen Hintergrund der Verhältnismäßigkeit:
Let’s talk about proportionality–or, more important, about its negative form. “Disproportionate” is the favorite critical term in current discussions of the morality of war. But most of the people who use it don’t know what it means in international law or in just war theory. Curiously, they don’t realize that it has been used far more often to justify than to criticize what we might think of as excessive violence. It is a dangerous idea.
Michael Walzer: On Proportionality.
“Are you going to school?”
Then the man pulled Shamsia’s burqa from her head and sprayed her face with burning acid. Scars, jagged and discolored, now spread across Shamsia’s eyelids and most of her left cheek. These days, her vision goes blurry, making it hard for her to read.
But if the acid attack against Shamsia and 14 others — students and teachers — was meant to terrorize the girls into staying home, it appears to have completely failed.
Today, nearly all of the wounded girls are back at the Mirwais School for Girls, including even Shamsia, whose face was so badly burned that she had to be sent abroad for treatment. Perhaps even more remarkable, nearly every other female student in this deeply conservative community has returned as well — about 1,300 in all.
Jeff Weintraub: The bravery of Afghan schoolgirls.
Hamas erklärte am Morgen in einem Flugblatt den Sieg über die israelischen Truppen. Man gratuliere dem palästinensischen Volk und dem bewaffneten Widerstand, die “dem Feind schwere Verluste zugefügt und ihn zum einseitigen Rückzug gezwungen” hätten.
(DIE ZEIT)
Neues von Herrn Tillich:
Der eine gestaltete noch 1989 als Funktionär einer der fünf staatstragenden sozialistischen Parteien der DDR die SED-Diktatur aktiv mit. Der andere war als KGB-Offizier in Dresden unter dem Decknamen “Adamov” für den Sozialismus tätig.
(jo@chim vom antibuerokratieteam)
Ein Skandal, findet die Opposition: Stanislaw Tillich, Ministerpräsident mit DDR-Systemnähe, wird beim Semperopernball dem einstigen Dresdner KGB-Offizier und jetzigen russischen Premier Wladimir Putin den Dankesorden in Gold überreichen. Kritiker fragen: Wofür bloß?
Blockflöte für Tschekisten.
Alan Dershowitz im ZEIT-Interview:
Dershowitz: Was heißt Verhältnismäßigkeit? Für jede Hamas-Rakete darf Israel eine zurückfeuern? Jeder tote Israeli “erlaubt” einen toten Palästinenser? Nein, Verhältnismäßigkeit ist ganz einfach definiert: Was immer notwendig ist, um eine Aggression gegen die eigene Bevölkerung zu stoppen, das ist verhältnismäßig. Entscheidend ist nicht der konkrete Schaden, sondern das Risiko. Israel muss nicht warten, bis eine Rakete einen vollbesetzten Kindergarten trifft.
Zudem: Die UN sind absolut nicht objektiv, wenn es um Israel geht. Die UN haben nichts getan in Darfur oder in Ruanda, nichts gegen Fälle tatsächlichen Völkermords, aber mehr Resolutionen gegen Israel verabschiedet als gegen alle anderen Staaten der Welt zusammen. Die UN sind Teil des Problems, nicht die Lösung.
Das ganze Interview: “Israels Vorgehen ist angemessen”.
Siehe auch Spirit of Entebbe: Die UN, dein Freund und Helfer.
