Archive for January, 2009
Auch die Nationalpazifisten werden durch das Leid der armen, unschuldigen Palästinenser um den Schlaf gebracht:
Die sogenannte Mahnwache der NPD am heutigen Freitagabend gegen den Angriff Israels auf den Gazastreifen darf stattfinden, allerdings nur eingeschränkt. Wie berichtet, hatte der NPD-Bezirkschef Roland Wuttke zunächst einen Umzug vom Rathaus zum Jakobsplatz angemeldet, um dort symbolisch die Synagoge mit Schuhen zu bewerfen.
So die Süddeutsche.
Should the Israeli army refrain from employing its technical supremacy and limit itself to the weapons that Hamas uses—that is to say, crude rockets and stones? Should it feel free to adopt the strategy of suicide bombers and the deliberate targeting of civilians? Or, better still, would it be appropriate for Israel to wait patiently until Hamas, with the help of Iran and Syria, is able to “balance” Israel’s firepower? Or might it be necessary to level the playing field regarding not only means but also aims? Hamas, unlike the Palestinian Authority, refuses to recognize the Jewish state’s right to exist and dreams of the annihilation of its citizens; should Israel match this radicalism?
André Glucksmann: On “Disproportion”.
In fünf Tagen jährt sich der Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum neunzigsten Mal. Und da es die DDR samt schwarzen Kanal nicht mehr gibt lässt der SPIEGEL sich nicht lumpen verklärt beide zu Demokraten. In dem Artikel Luxemburg und Liebknecht heißt es etwa ganz lapidar:
Die folgenden Ereignisse haben die Linke in Deutschland für immer gespalten, mit fatalen Folgen. Der Hass zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten schwächte die demokratischen Kräfte in der Weimarer Republik nachhaltig; den Nazis sollte das später den Durchmarsch an die Macht wesentlich erleichtern.
Luxemburg und Liebknecht haben zwar gegen die Weimarer Republik geputscht und wollten eine Rätediktatur errichten, aber über sowas sieht man beim SPIEGEL anscheinend gerne hinweg. Diktatur und Demokratie fangen schließlich beide mit dem Buchstaben D an, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Und aus Kommunisten “demokratische Kräfte” machen. Logisch, dass beide Kommunisten im Stile allerfeinster DDR-Propaganda zu Heiligen verklärt werden:
Das Schicksal als prominenteste Opfer demokratiefeindlicher Gewalt in Deutschland hat Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht historischen Rang eingetragen.
Leseempfehlung Deutschlandradio Kultur / Jochen Staadt: Demokratie oder Diktatur.
Die Raketen reichten erst 20 Kilometer, jetzt reichen sie 40, und dann reichen sie 60 Kilometer. Es ist klar, eines Tages wird auch Tel Aviv bedroht sein können. Fetter Jubel. Und weiter im Text (Via).
Einfach nur widerlich.
Alle paar Monate überrascht der SPIEGEL mit guten Artikeln. Diesmal gelingt die Überraschung schon am Anfang des Jahres, der SPIEGEL veröffentlicht einen Essay von Thea Dorn, der folgendermaßen endet:
Die Menschheit wird sich von dem schlechten Gewissen, das sie plagt, seit Prometheus den Göttern das Feuer geklaut und Eva und Adam vom Baum der Erkenntnis gekostet haben, nicht befreien, indem sie alle fünf Minuten den nächsten Weltuntergang herbeiphantasiert und dabei doch nur heimlich hofft, den Schleichweg zurück ins Paradies zu finden. Alle Wege dorthin sind verbaut. Und deshalb wird die Menschheit auch keine gerechteren Gesellschaften kreieren, indem sie an der Utopie festhält, Frieden herrsche erst dann, wenn alle Konflikte, Gegensätze und Widersprüchlichkeiten ausgemerzt, alle Zersplitterungen in einer großen Weltumarmung gekittet sind. Der Mensch ist aus krummem Holz gemacht. Jeder Versuch, aus ihm etwas gänzlich Gerades zu zimmern, hat bislang nur einen Ort erschaffen: die Hölle auf Erden.
Whow. Thea Dorn im SPIEGEL: Lust an der Apokalypse.
Das Ziel ist nicht die Zweistaatenlösung; Hamas und Iran wollen Israel in der Tat »ausradieren«. Doch ist diese Endlösung bloß fernes Endziel. Hier und jetzt geht es um die Machtfrage in Mittelost – gegen Amerika, gegen Israel als seinen »Festlandsdegen«, gegen die sunnitischen Verbündeten der USA. Probates Mittel ist der Zermürbungs- und Demoralisierungskrieg. Was in westlicher Logik Wahnsinn ist, verwandelt sich im Kopf des Gotteskriegers in Rationalität – Bombardements, ja den Einmarsch zu provozieren ist Teil der Strategie. Je mächtiger die Zerstörung, desto höher der Sympathie- und Solidarisierungseffekt im Bilderkrieg – in Arabien wie im Westen. Das ist die Perfektion der Perversion: Israelis umzubringen ist gut; die eigenen Leute sterben zu lassen ist es auch.
Josef Joffe in der ZEIT: Logik des Wahnsinns.
Und in der WELT vertritt Michael Stürmer eine fast identische Position:
Es tobt ein Krieg der Bilder im Nahen Osten. Für die islamischen Milizen gilt: Je mehr Leid die Aufnahmen zeigen, desto besser. Die Stimmung in der gesamten Region soll sich gegen Israel wenden. Dahinter stehen vor allem die Interessen des Iran, der sich eine Vormachtstellung im Nahen Osten sichern will.
Michael Stürmer in der WELT: Im Gaza-Krieg geht es um die Macht des Iran.
The poverty and the death and the despair among the Palestinians in Gaza moves me to tears. How can it not? Who can see pictures of children in a war zone or a slum street and not be angry and bewildered and driven to protest? And what is so appalling is that it is so unnecessary. For there can be peace and prosperity at the smallest of prices. The Palestinians need only say that they will allow Israel to exist in peace. They need only say this tiny thing, and mean it, and there is pretty much nothing they cannot have.
Daniel Finkelstein: Israel acts because the world won’t defend it .
