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21st July
2009
written by Tobias Blanken

Was ich an der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia-Amalia Langer und der nachfolgenden Debatte nicht verstehe: Die Dame war im Zentralkomitee der kommunistischen Partei Israels. Deshalb müssten doch im Schloss Bellevue und im Staatsministerium Baden-Württemberg sämtliche Alarmglocken rechtzeitig klingeln. Dürfte man – naiv wie man ist – jedenfalls erwarten. Insbesondere, wenn CDU-Politiker an der Spitze stehen. Aber die Konservativen sind wohl auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Wenn die Alarmglocken nur ein wenig geklingelt hätten, dann hätte man sich sicher ihr Biographie angeschaut. Ein Klick zu Wikipedia hätte gereicht, um zu erfahren, dass Felicia-Amalia Langer 2006 den “Menschenrechtspreis” der “Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde” erhalten hat. Eine Organisation, die selbst im fernen Baden-Würtemberg als Sammlungsbewegung von alten Stasi- und SED-Kadern bekannt sein dürfte. Falls nicht: Auch hier hätte ein Klick auf Wikipedia vollkommen ausgereicht:

Der Historiker Christian von Ditfurth ordnete 1998 die GBM als eng verflochten mit der PDS ein, ebenso wie die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung und die Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte. Gleichlautend äußerten sich auch der DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß, sowie eine Referatsleiterin im Thüringer Sozialministerium, die erklärte, die „Stasi-Leute“ seien heute gut organisiert in Vereinigungen wie der „Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde“ oder der „Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung“. Der Historiker Hubertus Knabe kennzeichnete die Mitglieder 2007 als „DDR-Nostalgiker“, deren Tätigkeit „ein organisierter Kampf für die Interessen von Stasi- und SED-Kadern“ sei.

Aber man verleiht ja nur ein Bundesverdienstkreuz. Da sind 5 Minuten Recherche wohl schon zu viel verlangt. Eventuell würde man dann ja auch drüber stolpern, dass Fidel Castro ebenfalls “Menschenrechtspreisträger” dieser Kaderorganisation ist. Natürlich gibt es auch noch den Bundesverfassungsschutz und den Verfassungsschutz Baden-Württemberg, bei denen man auch einfach mal hätte anfragen können, wie wohl das “Menschenrechtsverständnis” dieser Organisationen aussieht und ob es in der Staatsräson liegt, Preisträgern dieser Organisation auch noch das Bundesverdienstkreuz anzuhängen. Aber nein, man lobt stattdessen Langers Kampf für Menschenrechte in der Laudatio über den Klee.

Da fehlt eigentlich nur noch ein White-Power-Activist, der zuvor vom Ku-Klux-Klan den jährlichen “Imperial Wizard & Grand Dragon Antirassismuspreis” bekommen hat und das Bundesverdienstkreuz für unermüdliche “Courage gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhetze” verliehen bekommt.

Nachtrag I: Der TAGESSPIEGEL thematisiert die dunkelrote Vergangenheit der “unverzagten Stalinistin” mit den Worten:

Für Felicia Langer ist die Welt schwarz und weiß. Ohne Grau- und erst recht ohne Farbtöne. Israel repräsentiert für sie die dunkle Seite, die Palästinenser sieht sie ausnahmslos in strahlender Helligkeit. Ist ihr dafür nun vor einer Woche in Stuttgart das Bundesverdienstkreuz verliehen worden? Oder dafür, dass sie seinerzeit, als ZK-Mitglied der Kommunistischen Partei Israels, Ehrengast Erich Honeckers war?

Nachtrag II: Die Jüdische Gemeinde zu Berlin fragt sich ebenfalls, wie es trotz ihrer dunkelroten Vergangenheit überhaupt zu der Verleihung kommen konnte:

Zentral ist bei diesem Skandal die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass im Vorfeld der Entscheidung, Langer diese höchste deutsche Ehrung zuteil werden zu lassen, ihre bis heute aktuelle kommunistische Ausrichtung, ihre Israelfeindlichen Äußerungen und ihre Unterstützung von gewalttätigen und demokratiefeindlichen Kräften nicht berücksichtigt wurden.

Nachtrag III: Auch Josef Joffe fragt sich, warum die “Antennen” des Bundespräsidialamtes so versagen konnten:

Der Tagesspiegel: Der israelischen Menschenrechtsaktivistin Felicia Langer wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen. Eine gute Wahl?

Josef Joffe: Nein. Das Kreuzlein für die Dame ist so, als hätte Israel eine dort lebende Deutsche ausgezeichnet, die dieses Land ständig als Nazi-Festung geißelt, gleichzeitig aber auch Nettes über das Nazi-Regime zu berichten weiß. Israel ist für L. ein Ausbund des Rassismus, Ahmadinedschad ganz okay, Zivilisten-Killer erscheinen ihr als Freiheitskämpfer. Den Zentralrat der Juden hält sie für eine „Filiale der israelischen Botschaft“. Das ist eine Beleidigung für den Zentralrat, weiß doch jeder richtige Antisemit, dass dieser die Landeszentrale der Weltverschwörung ist – also weitaus mächtiger als eine mickrige Botschaftsdependance. WmdW ist verblüfft: Wieso haben die Antennen (und Archive) des Bundespräsidialamtes versagt?

4 Comments

  1. Als Präsident des Europa-KuKluxKlan hätte ich auch gern ein Bundesverdienstkreuz!

    Vielen Dank

  2. alessandro maiolino
    21/07/2009

    Wenn man zu den Zuständen im eigenen Land nichts sagen darf, ausser Gutes, dann ist das doch Faschismus, oder?
    Frau Langer hat bestimmt Ihre Gründe, wenn sie sich angagiert.
    Die Israel/Palestina Frage geistert seit einem halben Jahrhundert um die Welt. Sie hat zum Arabischen Extremismus/Terrorismus geführt. Hat millionen von Menschen auf beiden Seiten das Leben gekostet oder schwer gemacht.
    Bei diesen Prämissen muss man sich schon fragen, welcher Teufel den Nettaniau reitet, der den Ausbau der Siedlungen weitertreiben will, und ob dies nicht ein Zeichen für die Friedensunwilligkeit der Israelis zeugt. Als Besatzungsmacht und unter einem Status Quo eines Krieges, den man jederzeit vom Zaun brechen kann, lässt sich doch ganz anders handeln als wenn man endlich mal Ruhe geben und sich in die Grenzgebiete von 1967 zurückziehen würde. Das wissen die Israelis, das wissen die Deutschen
    aber aus geschichtlichen Gründen darf man das nicht sagen. Lieber schreit man zum Sakrileg des Verrats auf, um nicht über das Andere sprechen zu müssen. President Obama scheint der einzige zu sein der das richtig handhabt. Er hat dem Nettaniau mit Kreditkürzungen gedroht.

  3. Tobias Blanken
    21/07/2009

    “Wenn man zu den Zuständen im eigenen Land nichts sagen darf, ausser Gutes, dann ist das doch Faschismus, oder?”

    Allerdings! Aber selbst die durchgeknallte Kommunistin Felicia-Amalia Langer sagt ja selbst, dass man in Israel seine Meinung frei äußern darf.

    Und in den palästinensischen Gebieten eben nicht. Mal versucht, in Gaza den Herrschaftsanspruch der totalitären Hamas anzuzweifeln? Mal in der Westbank drauf hingewiesen, dass Schwule auch irgendwie Menschen sind? Oder dass man sich mit Juden verständigen sollte?

    Ja, besser nicht. Sonst biste Kollaborateur und wirst bestenfalls gefoltert oder auch mal umgebracht. Kommt halt mal vor, dann biste tot, aber: So what.

    Ja, dann gilt ja noch

    “Hat millionen von Menschen auf beiden Seiten das Leben gekostet oder schwer gemacht.”

    Millionen, mindestens. Getötet. Wenn nicht gleich Milliarden. Ernsthaft: Im Vergleich zu anderen Auseinandersetzungen auf der arabische Halbinsel hat die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern/Arabern vergleichsweise wenig Opfer gefordert. In Jordanien hat man am schwarzen Freitag mal eben 10-20.0000 Palästinenser abgeschlachtet, in Hama in Syrien hat man gleich mal 40.000 Araber abgeschlachtet, im irakisch-iranischen Krieg hat man gleich ein paar hundertausend Menschen abgeschlachtet und ansonsten haben die Iraker unter Saddam Hussein auch gerne mal Giftgas auf (muslimische!) kurdische Städte abgeworfen. Aber mit diesen Schrecken würdest du doch niemals den Terrorismus rechtfertigen, oder vielleicht doch?

    Ja, ernsthaft: Jeder arabische Diktator wäre stolz auf dich, wenn du all die barbarischen Fehlentwicklungen – so wie er – auf Israel zurückführst.

    Ja, aber was solls, du sagst ja selber:

    “aber aus geschichtlichen Gründen darf man das nicht sagen”.

    Irgendwo in Deutschland befindet sich sicher eine riesige Meinungszentrale, die mit Gewalt dafür sorgt, dass “man das nicht sagen darf.” In abertausenden von Zeitungen – von der taz übers Neue Deutschland bis zum SPIEGEL – wird zwar deine Position tausendfach heruntergebetet, Frau Langer und Konsorten leben davon, dass sie von morgens bis abends ebenfalls deine Position unters Volk bringen – aber, ja, es gibt diese riesige Meinungszentrale sicher, bestimmt wirst jetzt auch du mundtot gemacht. Glaub mir, sie haben dich schon im Visier. So wie der Weihnachtsmann, der dir in gut ‘nem halben Jahr tolle Geschenke bringt.

  4. [...] für’s Hirn! 8. August 2009 at 20:57 | In Lesen! | Leave a Comment Und es langert weiter: – Felicia-Amalia Langer (Shining City) – es geht hauptsächlich darum, wer in Sachen Verleihung gepennt hat. – Felicia [...]

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