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7th August
2009
written by Tobias Blanken

Anmerkung/ Nachtrag: Mittlerweile hat sich der Blogbetreiber der GfbV Berlin per Mail und Kommentar für den Fehler entschuldigt und den Beitrag auf dem Blog der GfbV Berlin gelöscht. U.a. schreibt er: Ich habe an dieser Stelle einen Fehler gemacht und Mankells Ausführungen zu Israel nicht näher bedacht in ihrer Tragweite. Ein nahezu unverzeilicher Fehler. Dank geht an Sie: Ihre vollkommen berechtigte Kritik hat mich dazu bewogen, den Post zu löschen. An dieser Stelle sei nur klar: die GfbV teilt Mankells Ansichten zu Israel NICHT. Ich habe mir erlaubt, die Rückmeldungen zu diesem Post zusammenzufassen und seinem deutschen Verleger zu schicken. Ich habe den Fehler gemacht, ein Pamphlet zu veröffentlichen, ohne es als solches kritisch zu hinterfragen.

Die ganze Stellungnahme/ Entschuldigung kann hier bei den Kommentaren nachgelesen werden.

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Mein ursprünglicher Beitrag:

Die Berliner Regionalgruppe der Gesellschaft für bedrohte Völker gibt auf ihrem Blog einen Artikel des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell wieder, will damit “zum Nachdenken anregen” und “auch einen Beitrag zur Diskussion beitragen” – “in der Hoffnung, dass über diesen Denkanstoß” auch “der liebe Leser” seine Meinung kund tut.

Obwohl sich die Gesellschaft für bedrohte Völker ansonsten für die Selbstbestimmung jeder noch so kleinen Ethnie einsetzt, spricht der “Denkanstoß” den Juden die nationale Selbstbestimmung konsequent ab:

Was ich während dieser Reise sah, war völlig eindeutig: der Staat Israel ist in seiner gegenwärtigen Form ohne Zukunft. Jene, die eine Zwei-Staaten-Lösung vertreten, denken ausserdem falsch.

Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.

Wenn Veränderungen kommen, wird es von dem einzelnen Israeli abhängen, ob er oder sie bereit ist, auf seine Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben.

Die Israelis vernichten Leben. Aber sie können nicht die Träume zerstören. Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist.

Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise.”

Man geht also aufs Ganze. Man beläßt es nicht nur bei der Dämonisierung Israels, sondern spricht dem jüdischen Staat gleich das Existenzrecht ab. Will den Juden die “Privilegien” nehmen, die man anderen – in diesem Fall: Den Palästinensern – wie selbstverständlich zuspricht. Aber vermutlich handelt es sich auch hier nur um legitime Israelkritik unter Freunden, schließlich wird man doch wohl noch sagen dürfen….

(via/via)

Nachtrag I: Siehe auch Ingo Way: Henning Mankell haßt keine Juden, er will nur, daß sie verschwinden.

Nachtrag II:
Mittlerweile hat die GfbV Berlin den “Denkanstoß” gelöscht. Scheinbar hat die Gesellschaft dann doch noch gemerkt, was für ein Hass-Pamphlet sie auf ihren Blog gestellt hat. Nachzulesen ist der Brief von Henning Mankell weiterhin auf der Homepage der “Generaldelegation Palästinas in Deutschland“.

Nachtrag III: Siehe Anmerkung / Nachtrag am Anfang dieses Beitrags.

7 Comments

  1. Malte S. Sembten
    07/08/2009

    Mankell treibts ja noch schlimmer als der Grass mit seinen öffentlich geäußerten Tollheiten. Schriftsteller und Künstler sind KEINE kompetenten politischen Ratgeber, auch wenn sie selbst das ganz anders sehen. Zum Glück hab ich nie Wallander-Romane gelesen und im Regal stehen, sonst müsste ich jetzt ein Bücher-Autodafe veranstalten, und so etwas macht man nicht (mehr).
    In Israel wird Mankell nicht mehr verlegt, oder? Hab mal so etwas gelesen. Oder bezog sich das auf Jostein Gaarder (“Sofies Welt”)?
    Ja, ja, das war der Jostein Gaarder … SPON: Der 54-jährige Schriftsteller hatte einen scharfen Angriff gegen Israel veröffentlicht. In seinem Text sprach er dem Staat sogar das Existenzrecht ab: “Wir erkennen den Staat Israel nicht länger an.” Wen außer sich selbst er mit dem mehrmals im Text verwandten Begriff “Wir” gemeint hat, erläuterte Gaarder nicht.
    Israel habe mit “seiner skrupellosen Kriegskunst und seinen widerwärtigen Waffen” die eigene Legitimität “massakriert”, schrieb Gaarder. Die Umwelt solle besonnen und barmherzig reagieren, wenn nun “die gesamte israelische Nation aus eigener Schuld zu Fall kommt und Teile der Bevölkerung aus von ihr besetzten Gebieten in eine neuerliche Diaspora flüchten müssen” …
    Etc., etc.
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,430877,00.html

    Zwei Schreiberlinge, denen ich nie ein Buch abkaufen werde.

  2. Tobias Blanken
    07/08/2009

    Ja, Gaarder war ebenfalls ein Desaster. Aber was mich noch mehr geschockt hat, waren damals die Boykottaufrufe gegen das Daviscupspiel zwischen Israel und Schweden, die von führenden “Köpfen” der Linkspartei, der Sozialisten und selbst der Sozialdemokraten getragen wurden. Seitdem erwarte ich nur noch das Schlimmste aus Skaninavien.

    Noch ärgerlicher: Die Wiedergabe des Hass-Pamphlet durch die GfbV. Diese Organisation tritt offensiv für die Selbstbestimmung der Basken, der Waorani, der Adivasi, der Suruí usw. ein. Aber von einem einzigen Staat auf der Welt wird das Existenzrecht zum Abschuss freigegeben, und das ist Israel. Mankell schreibt explizit von “und in einem palästinensischen Staat zu leben.” Er schreibt nicht von einem “palästinensisch-israelischen” Staat – nein, er muss “palästinensisch” sein.

    Und damit stellt die GfbV ein Gedankengut als “Denkanstoß” dar, den sie auf keinen anderen Staat außer Israel und keiner anderen Bevölkerungsgruppe außer Juden anwendet. Ein Single out, der nur Israel und Juden betrifft. Widerlich, einfach widerlich.

  3. 07/08/2009

    Bei Leuten wie Mankell gibt’s eigentlich nur zwei Schlussfolgerungen:

    1) Sie kennen die Region seit Jahren und sagen wissentlich die Unwahrheit.

    2) Sie sind das erste Mal dabei, sich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu beschäftigen.

    Den Faktor Dummheit sollte man nicht unterschätzen.

    Aber selbst wenn man Dummheit attestiert macht es die Choose nicht besser.

  4. Tobias Blanken
    07/08/2009

    Nee, das ist nicht Dummheit, das ist Bösartigkeit:

    1) “… ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird.” Stellt sich die Frage, was er unter “zwangsweise” versteht. Ob er möchte, dass Israel von Palästinensern und/oder Araber überrant wird?
    2)”Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise.” Auf “welche Weise”. Was bitte will er damit suggerieren? Das die Islamisten und/oder die Araber ihre penetranten Völkermordankündigungen wahr machen? Und er sitzt dann in Schweden und schaut zu, wie die “Israelis ins Meer geschmissen werden”?

    -> Nee, der Text ist einfach nur Bösartig. Irgendwo hört Dummheit auch immer auf.

  5. 07/08/2009

    Ich hatte vor einiger Zeit einen offenen Brief Henning Mankells eröffentlicht. Leider habe ich in der Schnelle nicht kritisch genug gegengelesen, da ich an dem Tag zwischen zwei Terminen war und ziemlich in Eile. In Zukunft muss ich mir bei solch sensiblen Themen mehr Zeit nehmen. Ich habe an dieser Stelle einen Fehler gemacht und Mankells Ausführungen zu Israel nicht näher bedacht in ihrer Tragweite. Ein nahezu unverzeilicher Fehler. Dank geht an Sie: Ihre vollkommen berechtigte Kritik hat mich dazu bewogen, den Post zu löschen. An dieser Stelle sei nur klar: ich und die GfbV teilen Mankells Ansichten zu Israel NICHT. Ich habe mir erlaubt, die Rückmeldungen zu diesem Post zusammenzufassen und seinem deutschen Verleger zu schicken. Ich habe den Fehler gemacht, ein Pamphlet zu veröffentlichen, ohne es als solches kritisch zu hinterfragen.

    Denn nicht nur die Palästinenser sind nach der Staatsgründung Israels 1948 Flüchtlinge geworden. Israel selbst wurde von Flüchtlingen, Überlebenden des Holocausts gegründet. Die geflüchteten jüdischen Minderheiten der arabischen Welt wurden dort aufgenommen. Israel bleibt verletzbar, umgeben von 20 autoritär regierten und meist hochgerüsteten arabischen Staaten mit rund 300 Millionen Einwohnern. Im arabischen Raum wurden Minderheiten wie die assyro-chaldäischen Christen, Yeziden und Kurden im Nordirak, Schwarzafrikaner im Südsudan, den Nuba-Bergen und Darfur Opfer von Genozid. Andere ethnische und religiöse Minoritäten müssen sich gegen Diskriminierung, Unterdrückung oder Verfolgung wehren.

    Frieden im “Heiligen Land”, in Israel und Palästina, der Rückzug der israelischen Armee aus allen seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten, die gegenseitige Anerkennung sind nur durch eine entschiedene offensive Friedenspolitik des Westens, der USA und Europas möglich. Deshalb sind militärische Sicherheitsgarantien der NATO, der USA und der UN unverzichtbar. Dazu gehört aber auch die Entmilitarisierung eines zukünftigen Staates Palästina. es muss genügen, dass 20 arabische fast ausnahmslos autoritär regierte Staaten über Militär verfügen. Deutschland ist besonders verpflichtet, die Zerstörung Israels zu verhindern. Jede deutsche Regierung muss sich für die Aufnahme Israels in die Europäische Union einsetzen, sofern eine israelische Regierung dieses eines Tages wünscht. Ein Rückzug aus den seit 1967 besetzten Gebieten könnte tatsächlich einen Frieden ermöglichen – VORAUSGESETZT, die Palästinenenser akzeptieren die Existenz Israels – da Sie dankenswerter Weise Hendryk Broder zitieren, möchte ich an dieser Stelle nur auf seine Ausführungen zur Räumung des Gaza-Streifens 2005 erwähnen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,369947,00.html.
    Aber ich habe leider jemanden die Plattform gegeben, der über diese berechtigte Kritik hinausschiesst und hetzt. Da habe ich Lehrgeld zahlen müssen. Ich kann nur hoffen, dass von Mankell aus meine und Ihre Rückmeldung gewürdigt wird und auch er seine Ausführungen selbstkritisch hinterfragt. Ich bin Ihnen jedenfalls dankbar, dass Sie so gut und klar die Probleme dargestellt haben, dass ich bei dem, was ich von fremden Federn veröffentliche, in Zukunft kritischer hinterfrage. Wenn eine Rückmeldung von Mankell kommen sollte, lasse ich Sie es gerne wissen.

    Mit freundlichen Grüßen, Joachim Fulda

  6. 08/08/2009

    Nee, das ist nicht Dummheit, das ist Bösartigkeit:

    Ich kannte Mankell bis jetzt noch nicht und dachte immer, dass GfbV eine seriöse Veranstaltung sei, weil sie sich oft positiv engagierten.

    Aber die Tatsache, dass Mankells Beitrag vom Server genommen wurde, könnte auch bedeuten, dass man in irgendeiner Art angefangen hat nachzudenken – wenn man jetzt den positivsten Fall annimmt. Ich weiß, jetzt erscheine ich vielleicht ein wenig blauäugig….

    Leider kann man aber bei obsessiven Antisemiten diese Einsicht nicht voraussetzen, außer Mankell hat einen Vorgesetzten, der ihm gesagt hat, dass es so nicht geht.

    Wenn es so wäre, dann könnte man von einem kleinen Lichtblick sprechen – aber nur dann!

    ==============

    Da fällt mir eine Begebenheit ein, die damit direkt nichts zu tun hat, aber aufzeigt, wie manche Christen ticken – also meine Glaubensbrüder:

    IDEA veröffentlichte vor etwa eineinhalb Jahren einen Kommentar, in dem Israel mit Südafrika verglichen wurde. Meine Anfragen wurden wütend abgewiesen.

    So viel zu manchen “Mitchristen”.

    Ich traue meinen “Mitchristen” (auch in meiner Gemeinde) nur noch dann, wenn sie antizionistische (antisemitische) Bemerkungen einer ernsthaften Befragung durch mich unterziehen lassen.

    Abgesehen davon habe ich auch etwas gegen Charismatiker, die “Israel-Symathie” ins Feld führen, um Bekehrung zu veranstalten.

    Absolut abzulehnen!

  7. 08/08/2009

    @Joachim Fulda:

    Würde mich freuen, wenn wir mal’ miteinander Kontakt aufnehmen.

    Meine Mail-Adresse bzw. meine Blogs kennen Sie (Du) ja wahrscheinlich (Castollux und Medien BackSpin).

    Aber das ist nicht so wichtig.

    Ungemein wichtig ist die Freiheitsbewegung im Iran. Und da brauchen wir (unser Autorenteam) jegliche Unterstützung und Anteilnahme für die Verfolgten dort:

    http://freeirannow.wordpress.com/

    Bis bald
    Bernd

    ==============
    P.S.: Bezeichnend auch für die Herzlosigkeit von Arendt, Melzer, Jürgen Elsässer, Cain Külbel, Arnd Hoffmann, Oscar Mercator (Othmar Kaufmann) & Co:

    Sie verlieren kein Wort über die Menschen, die im Iran um ihre Freiheit und Zukunft kämpfen und dafür getötet und eingekerkert werden. Sie machen sich (wie Elsässer) sogar noch darüber lustig.

    Ekelhafter geht’s kaum noch, auch wenn Elässer zwischendurch (halbherzig) zurückgerudert war.

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