Archive for September, 2009

26th September
2009
written by Tobias Blanken

Sven Regener im SPIEGEL-Interview über die Verbindung von Politik, Musik und Kunst:

Sicher, wir haben als Musiker Macht – über die Herzen der Leute. Aber will ich sie manipulieren? Denn das wäre ja das Prinzip: Die mögen meine Musik, und diese Zuneigung lenke ich ins Politische um. Aber sollte man Gefühl und Politik verquicken? Will man, dass die Frau, die man liebt, deswegen dann auch dieselbe Partei wählt? Das ist höchst fragwürdig. Rockmusiker können ein paar Parolen ins Publikum werfen und die Zuschauer können das abnicken, mehr nicht. Das ist rein affirmativ, also extrem unpolitisch. Wie kann es Politik geben ohne Debatte, Details, Kompromisse?

Das Interview im SPIEGEL: “Hat euch Rudi Dutschke nicht gereicht?”

Btw: 11 FREUNDE hat Regener vor Wochen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben interviewt: »Bremen ist Fun-Punk«

22nd September
2009
written by Tobias Blanken

To keep a bit of seriousness, though, I’m going to propose a theory of international trade between Africa and celebrities. Africa exports stereotypical images of misery in return for celebrities’ advocacy for more Africa funds. The theory of trade says that trade only happens when both parties gain. Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career. Africa gains aid funds.

Celebrities finally swamp advocacy market – an application of economic theory. By Bill Easterly

21st September
2009
written by Tobias Blanken

Verdammt, diese Frau ist einfach großartig:

Künstler und Intellektuelle fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Den Preis dafür aber nennen sie nicht.

Ebendiese Inkonsequenz ist es, die mir den aktuellen Pazifismus so schwer erträglich macht: Zwar hält man den Westen en gros für eine so fragwürdige Kultur, dass man ihm pauschal das Recht abspricht, sich auch mit Gewalt gegen die zu verteidigen, die ihn ihrerseits mit äußerster Skrupellosigkeit attackieren. En détail möchte man in Berlin, Köln oder am Bodensee seinen Rotwein aber auch weiterhin in Ruhe genießen können.

»Freedom isn’t free.« Dieser Satz, der sich auf Deutsch nur etwas umständlich übersetzen lässt als »Freiheit ist nicht kostenlos zu haben«, macht den Kern des US-amerikanischen Selbstverständnisses aus. Wir Deutschen dagegen scheinen immer noch zu glauben, dass die Freiheit, die uns die Amerikaner nach 1945 beschert haben, ebenso kostenlos war wie die Kaugummis, die sie an die deutschen Jungs und Mädels verteilt haben – und die ihnen manch intellektueller Zeitgenosse heute noch vorwirft.

Thea Dorn in der ZEIT: Vulgärpazifismus. Unbedingt lesenswert.

21st September
2009
written by Tobias Blanken

Staatsfetisch 2.0:

Konkret erhoffen sich die Piraten von einem Internet-Ministerium, dass sozial Schwache, ältere Menschen und Geringqualifizierte nicht nur sozialverträglich einen Internetzugang erhalten, sondern dass ihnen auch beigebracht wird, mit dem Medium umzugehen. Eine Abteilung “Sicherheit und Krisenmanagement” soll für mehr Sicherheit im Netz sorgen und vor allem die deutschen Behörden technisch auf den neuesten Stand bringen. Eine weitere Abteilung mit dem Aufgabenbereich “Digitale Allmende und Informationskultur” soll gewährleisten, dass all die Infos im Netz auch künftig frei zur Verfügung gestellt werden. Und eine der wichtigsten Aufgaben des Ministeriums wird nach Ansicht der Piraten sein, dass die Entwicklung zur Informationsgesellschaft nicht allein privaten Interessen untergeordnet wird. Stattdessen soll ein staatliches Gremium dafür sorgen, dass von den technischen Errungenschaften alle etwas haben.

Aus der taz: Regierungsprogramm der Piratenpartei – Piraten fordern Internetminister

19th September
2009
written by Tobias Blanken

Aus dem FAZ-Artikel Die Simulation unserer Zukunft:

Die Diskussion darüber, wie die Weltmetropolen der Zukunft aussehen sollen, ist vom Tisch der Visionäre auf den der Buchhalter weitergewandert. Vor allem der Ökobuchhalter. Ob die Energiebilanz einer Stadt ausgeglichen ist, der carbon foot print ihrer Bewohner sich im Rahmen hält, der Rohstoffverbrauch gedrosselt und der Verkehr rationalisiert wird, dieser handfeste Ökofuturismus hat im Städtebau den windigen Bilderfuturismus früherer Jahre abgelöst. Kyoto-Verträglichkeit ist die neue Trumpfkarte, mit der im Wettspiel um den gezügelten Fortschritt alle übrigen Aspekte des Städtebaus ausgestochen werden.

Ayn Rands Fountainhead kann man sich hier bei Amazon bestellen. Das Radiohead-Album OK Computer inklusive “Fitter Happier” gibt es ebenfalls bei Amazon. Und die Single “Aber hier leben, nein Danke” von Tocotronic kostet derzeit nur 97 Cent.

18th September
2009
written by Tobias Blanken

Irving Kristol („a liberal mugged by reality“) starb heute im Alter von 89 Jahren in Washington. Als Andenken eine kurze Leseliste, zusammengestellt vom Weekly Standard:

The Neoconservative Persuasion,” by Irving Kristol, August 25, 2003

My Public Interest,” by Irving Kristol, December 18, 2006

It Wasn’t Inevitable,” by Irving Kristol, June 21, 2004

Farewell to ‘The Public Interest,’” by David Skinner, April 25, 2005

Irving’s Whodunit,” by William F. Buckley Jr., October 9, 1995

Ein Statement von Irving Kristol aus “The Neoconservative Persuasion”, welches eigentlich für alle Demokraten selbstverständlich sein sollte:

Barring extraordinary events, the United States will always feel obliged to defend, if possible, a democratic nation under attack from nondemocratic forces, external or internal. That is why it was in our national interest to come to the defense of France and Britain in World War II. That is why we feel it necessary to defend Israel today, when its survival is threatened. No complicated geopolitical calculations of national interest are necessary.

18th September
2009
written by Tobias Blanken

Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist.

(Mahmud Ahmadinedschad Henning Mankell im Aftonbladet über Israel)

Horst Köhler kann es einfach nicht lassen.

17th September
2009
written by Tobias Blanken

Stephen Walt is already having a bad week, what with Bin Laden’s endorsement of “The Israel Lobby.” On the other hand, this might have been his first good review.

Jeffrey Goldberg über Stephen Walts Reaktionen auf die Lobpreisungen durch Osama bin Laden.

14th September
2009
written by Tobias Blanken

In a 12 minutes address Osama bin Laden spoke to the American people on the eighth anniversary of 9/11:

Osama then said “our two Umma (meaning the America and the Muslim world) are both victims” of one aggressor, that is in his words, those “who control the White House, particularly the Israeli Lobby and the multinational corporations.” He endorsed two books for Americans to understand how these lobbies control the White House. “A book by a former CIA agent who apologized for his crimes as a mercenary and another book titled the Israel Lobby professors John Mearsheimer and Stephen Walt.” He claimed that these two books “will give you the truth.”

Bin Laden praised US President Obama for having “admitted at last in his speech in Cairo, the existence of our people’s miseries.” He also praised “former President Carter’s statements about the Palestinians during his last visit in Gaza, and particularly his statements on Israel’s racism.”

Bin Laden: “US Must eliminate the Israel Lobby to end war”

Nachtrag: Das TRANSATLANTIC FORUM hat eine deutsche Arbeitsübersetzung in Auszügen online gestellt.

Nachtrag II: Siehe auch die New York Times: Bin Laden’s Reading List for Americans.

1st September
2009
written by Tobias Blanken

The human right to health care requires that government be accountable for fulfilling that right. Health care is a public good, not a commodity and a healthy society benefits all of us. The government has a duty to ensure that the right to health care is being met; it does not have an obligation to provide private sector insurers and middlemen with increasing profits, as the current Wall Street driven model dictates. Through public financing and administration of health care we can minimize the profit incentives to deny care and instead guarantee access to quality care for all.

Amnesty International USA Blog: Human Rights Missing from Health Care Debate

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