Archive for October, 2009
Oder: Heute sind wir alle Imperialisten
Aus dem ZEIT-Artikel Die Grenzen westlicher Macht von Ulrich Ladurner:
Natürlich, Obama ist ziviler in seiner Rede, er ist auch ziviler in manchen seiner Taten; doch auch seine Politik stützt sich auf einen dicken Knüppel, den er durchaus einzusetzen weiß. Das ist in Afghanistan der Fall, und jüngst auch in Pakistan. Dieses Land bekommt finanzielle Unterstützung aus Washington nur dann, wenn es einen ganzen Katalog an Forderungen erfüllt; viele von ihnen verletzten eindeutig die Souveränität Pakistans. Es gab eine Zeit, da nannte man dies Imperialismus. Heute läuft das unter dem Titel: Kampf gegen den Terror.
Systematische Entwicklungshilfe wird eigentlich immer an Bedingungen geknüpft. Egal, ob bilateral oder multilateral. Wenn Deutschland z.B. Geld direkt an ein afrikanisches Land überweist, dann ist die Überweisung im Normallfall an Bedingungen geknüpft. Ebenso sieht es bei der multilateralen Hilfe etwa von der EU, UN oder der Weltbank aus.
Darüber werden auch – im Normalfall sonntags – viele schöne Reden (mit noch viel schöneren Titeln) gehalten. Etwa der Milleniums Deklaration. In den Reden fallen dann immer wieder Wörter wie Good Governance. Inhaltlich handeln die Reden meist davon, dass das Geld nicht verjubelt (Staatskarossen Marke Mercedes, Rüstungsgüter Marke Sukhoi, Nummernkonto Marke Credit Suisse) sondern bestmöglich (Schulen, Krankenhäuser, Anti-Korruptionsprogramme etc.) investiert wird.
Angesichts dieser vielen Reden dürfte jedem – also auch Herrn Ladurner – mittlerweile bewußt sein, dass wir ebenso “die Souveränität” von diversen Ländern durch “einen ganzen Katalog an Forderungen” verletzen (ok, am Zahltag wird dann meist nicht so genau hingeschaut, schließlich interessieren Sonntagsreden werktags nicht wirklich).
Nach Ladurner sind wir demnach also alle Imperialisten. Was einfach nur lächerlich ist. Unerträglich wird Ladurners hahnebüchener Vergleich jedoch dadurch, dass die ungeheuren Verbrechen (Versklavung ganzer Völker, Massaker, ethnische Säuberungen etc.) des Imperialismus mal eben relativiert werden. Aber das ist einem Ladurner vermutlich egal. Er meint es ja nur gut.
Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career.
AfricaMalawi gains aid.
Die Wirklichkeit übertrifft alle Satire:
Siehe auch: Sing, Bono, sing…was anderes.
An It girl or It-girl is a charming, sexy young woman who receives intense media coverage unrelated or disproportional to personal achievements.
Mr Obama becomes the third sitting US President to receive the prize. The committee said today that he had “captured the world’s attention”. It is certainly true that his energy and aspirations have dazzled many of his supporters. Sadly, it seems they have so bedazzled the Norwegians that they can no longer separate hopes from achievement. The achievements of all previous winners have been diminished.
Times Online: Absurd decision on Obama makes a mockery of the Nobel peace prize
Aus dem ZEIT-Artikel “Schönheitswahn: Zu dünn, um wahr zu sein“:
Jo Swinson, Mitglied der britischen Liberalen, mag keine Werbeplakate, auf denen Frauen perfekt aussehen. Ihr Zorn richtet sich gegen Bilder von Frauen, denen man mit Hilfe moderner Bildbearbeitung eine Rundung oder eine Falten zuviel entfernt hat. “Wenn Teenager und Frauen diese Bilder sehen, werden sie am Ende unglücklich mit sich selbst“ sagte Swinson zuletzt in einem Interview mit der International Herald Tribune. Ihren Vorschlag, eine Kennzeichnungspflicht für Werbeanzeigen einzuführen, hat die drittgrößte Partei Großbritanniens jetzt in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Für Werbung, die sich an Kinder unter 16 Jahren richtet, soll sogar ein vollständiges Verbot von bearbeiteten Fotos ergehen.
In Frankreich kämpft Válerie Boyer für naturbelassene Frauenbilder. Sie ist Mitglied in der UMP, der Partei Nicolas Sarkozys. Boyer hat unlängst mit einer Gruppe von etwa 50 Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Einsatz von Programmen wie Photoshop kontrollieren will. Es gehe ihr darum, die “irreführenden und standardisierten Körperbilder” zu bekämpfen, sagte Boyer der französischen Zeitung La Croix. Diese verleiteten vor allem Frauen zu dem Glauben, immer jung und schön sein zu müssen. “Das führt schon im jungen Alter zu Komplexen”, glaubt sie. Auch Kunstfotos und politische Kampagnen sollen unter die neue Regelung fallen.
Irreführende und standardisierte männliche Körperbilder, ca. 200 vor Christus:

Laocoon und seine Söhne*
*Das Bild ist unter der Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 License lizenziert. Autor/ Quelle: JuanMa/ Wikipedia