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25th February
2010
written by Tobias Blanken

Die deutsche Nahostberichterstattung übertrifft sich mal wieder selbst:

Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Jassin, der die islamistische Organisation gegründet hatte und später von der israelischen Armee getötet wurde. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei. Daraufhin musste er vor drei Jahren aus dem Westjordanland nach Amerika fliehen.

Aus der FAZ: Israels Hamas-Spion – Deckname „Grüner Prinz“. Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem.

Der Artikel samt Zitaten basiert im Wesentlichen auf dieser Exklusivmeldung von Haaretz: Hamas founder’s son worked for Shin Bet for years.

Das Problem: Selbst mit eingeschränkten Englischkenntnissen müsste man eigentlich sehr schnell merken, dass Haaretz nicht den Hamasgründer, sondern einen Hamasgründer als Vater benennt. Und zwar benennt Haaretz klar und deutlich Sheikh Hassan Yousef als Vater (“Mosab Hassan Yousef is the son of Sheikh Hassan Yousef, a Hamas founder and one of its leaders in the West Bank“).

Es ist vollkommen absurd: Weltweit (vgl. etwa CNN) wird Sheikh Hassan Yousef als Vater benannt, nur in Deutschland (bzw. in der FAZ) ist es auf einmal Scheich Jassin.

Nun könnte man munter spekulieren, wie solch ein Bock geschossen werden konnte. Verfügt der FAZ-Korrespondent nur über eingeschränkte Englischkenntnisse? Oder ist Scheich Jassin mangels Hamas-Kenntnissen der einzige Name, den der FAZ-Korrespondent mit eben jener Terrororganisation in Verbindung bringen kann? Natürlich könnte man sich auch einfach nur über die miese Berichterstattung ärgern.

Oder man nimmt in Zukunft die deutsche Nahostberichterstattung als vollkommen faktenbefreite Märchenstunde aus 1000 und einer Nacht hin. Damit wäre man der Wahrheit zumindest deutlich näher als so mancher deutscher Nahostkorrespondent.

Nachtrag: Jetzt wird es richtig peinlich. Die FAZ hat ihren Fehler bemerkt und den Artikel korrigiert. Bzw. hat im zitierten Absatz “Scheich Jassin” durch “Scheich Hassan Jusef” (die deutschsprachige Version von Sheikh Hassan Yousef) ersetzt. Daher steht dort jetzt folgender Absatz:

Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Hassan Jusef, der die islamistische Organisation gegründet hatte und später von der israelischen Armee getötet wurde. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei.

Das Problem: Scheich Hassan Jusef ist quicklebendig. Wurde nicht von der israelischen Armee getötet. Wird daher auch nicht als Märtyrer verehrt.

Ja, und um die Verwirrung zu vervollkommnen findet sich weiter unten im FAZ-Text auch noch folgender Satz: “Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jassin seien tausend Stunden Arbeit israelischer Terrorexperten wert gewesen”.

Merke: In der FAZ-Phantasie können Palästinenser zwei Väter haben und quicklebendige Terroristen werden (Ejaculatio praecox?) als Märtyrer verehrt.

Nachtrag II: FAZ, du machst dich. Nach der nächsten Korrektur ist Mosab Hassan Jusef ein normaler Mensch mit nur einem Vater (“Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jusef…”). Außerdem hat dieser Vater die Hamas nur “mitbegründet”, nicht mehr “gegründet”. Falls du, liebe FAZ, in einer der nächsten Korrekturen auch noch dafür sorgen könntest, dass der Vater noch unter uns weilt und eben nicht “als Märtyrer” verehrt wird, dann kommen wir der Wahrheit schon sehr nahe.

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