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15th July
2010
written by Tobias Blanken

Aus einem offenen Brief der drei „Free Gaza“-Passagiere der Linkspartei, Annette Groth (MdB), Inge Höger (MdB) und Norman Paech (ex-MdB):

Schließlich müssen wir zurückweisen, dass die Aktion von „Free Gaza“ dafür verantwortlich ist, dass „der Antisemitismus sprunghaft Urständ feiert.“ Weder hat unsere Aktion etwas mit Antisemitismus zu tun, noch bietet sie irgendeinen Anknüpfungspunkt für Antisemiten, mit denen wir nie etwas zu tun haben wollten und die bei uns auch keinen Platz haben.

Zur Erinnerung: Die Aufforderung des israelischen Militärs zum Beidrehen wurde von der „Free Gaza“-Flotte durch ein absolut unmissverständliches “Shut up, go back to Auschwitz” beantwortet. Siehe/Höre hierzu Minute 2:07 in der Aufzeichung des Funkverkehrs:

Offensichtlich läuft die Aufforderung an Israelis, doch bitte die Schnauze zu halten und zurück nach Auschwitz zu gehen, für die drei Linksparteipolitiker unter dem Label der legitimen Kritik an der israelischen Besatzungspolitik™ (o.ä.). Von wegen: Auschwitz und Antisemitismus sind zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe. Eine Logik, nach der man Nationalsozialisten auch als besonders engagierte Globalisierungskritiker bezeichnen könnte, die sich vor allem um den Fortbestand indigener Völker (Arier etc.) sorgten. Alternativ kann man den post[?]kommunistischen Blockadebrechern natürlich auch einfach unterstellen, sie würden lügen  – ohne dabei auch nur ein kleines bisschen rot zu werden. Nicht mal ein verspätetes Mea Culpa, das haben wir vorher doch nicht gewusst! kommt den antizionistischen Betonköpfen über die Lippen.

Wer meint, so etwas kann halt mal passieren, sollte sich einfach vorstellen, es hätte sich nicht um Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, sondern um Abgeordnete der CDU gehandelt. CDU-Parlamentarier, die gemeinsam mit Islamisten, Hamas-Funktionären und rechtsextremen Türken eine israelische Blockade mit Gewalt durchbrechen und während der “humanitären Mission” würden Israelis von den CDU-Kompagnons nahegelegt bekommen, dass sie doch bitte zurück ins Konzentrationslager gehen sollten.

Natürlich würde in diesem Fall ein Sturm der Entrüstung durch Deutschland fegen. Statt haGalil und Die Jüdische würden sämtliche Medien von taz über SPIEGEL ONLINE bis zum ZDF berichten. Aussagen der Kompagnons im Vorfeld der Aktion wie etwa “Erinnert Euch an Khaibar, Khaibar, oh Juden! Die Armee Mohammeds wird zurückkehren!” würden es bis in die Tagesschau schaffen. Die anderen Parteien würden diese Steilvorlage ebenfalls nicht ungenutzt lassen und der CDU angesichts ihrer Parlamentarier Nähe bzw. Anschlussfähigkeit zu braunem Gedankengut vorwerfen. Schließlich würden die Abgeordnete vermutlich ebenso wie Martin Hohmann aus Fraktion und Partei ausgeschlossen werden.

Und, der Sturm der Entrüstung wäre vollkommen angebracht, denn Abgeordnete des Deutschen Bundestags sollten nicht in einem Boot mit Antisemiten sitzen. Man stimmt weder gemeinsam mit der NPD noch fraternisiert man sich mit islamistischen “Shut up, go back to Auschwitz” Judenhassern. Aber, es handelt sich nicht um die CDU – bei der so etwas m.E. absolut unvorstellbar wäre – sondern um Bundestagsabgeordnete der Linkspartei. Da fällt der Sturm der Entrüstung aus, als gäbe es doppelte Standards für Politiker. Wahlweise kann man diese merkwürdige Narrenfreiheit der Linkspartei mit “ist der Ruf erst ruiniert, hetzt es sich ganz ungeniert” oder “Antisemiten sind immer die anderen” begründen.

Stattdessen weht allenfalls ein laues Lüftlein. Eine prominente Abgeordnete der Linkspartei hat, wenn es um Organisationen mit einem “pro-faschistischen Ruch” geht, Berührungsängste, die Naivlinge vom BAK Schalom sind nicht erfreut und der letzte Gute hat genug von der Linkspartei bzw. vom Linksparteianhang. Und von den anderen Parteien kommt nahezu nichts. Stattdessen sitzt man über Israel zu Gericht und ehemals zurechnungsfähige Liberale geben ihr Bestes, um die Linkspartei noch zu toppen. Ein Trauerspiel sondergleichen.

6 Comments

  1. Popeye
    15/07/2010

    “…sie würden lügen – ohne dabei auch nur ein kleines bisschen rot zu werden.”

    ROFL!!

  2. Anonymous
    20/07/2010

    Was für Penner und Rassistenschweine ihr doch seid.

  3. Tobias Blanken
    20/07/2010

    Bedanke mich herzlich für den Pluralis Majestatis im Kommentar.

  4. 02/08/2010

    Ich recherchiere seit einigen Tagen was es mit der Botschaft “Go back to Auschwitz” auf sich hat und muss feststellen, dass Artikel wie dieser absolut symptomatisch für den unreflektierten Umgang mit Informationen ist. Einige Punkte dazu:

    Es steht nicht fest von wo genau die Durchsage kam und dass sie aus der Kapitänskajüte kam ist ohnehin ausgeschlossen. Es gibt mehrere Möglichkeiten woher die Durchsage kam und eine -(sehr wahrscheinliche) ist, dass sie von einem der Passagiere der Flotille kam. Aber was bedeutet das? Das man jetzt sagen kann die Linke trennt zwischen Auschwitz und Antisemitismus? Das ist vollkommener Unfug – - – zumal Antisemitismus hier ohnehin ein seltsames Wort ist, es geht wenn überhaupt um Judenhass und nicht allgemein um Antisemitismus wenn man davon ausgeht, dass der Sprecher Araber war.
    Ich bin regelmäßig als friedliche Protestantin auf die Mai-Demos gegangen. Jeder andere friedliche Mensch, der auf diese Demos geht, kennt den Zwiespalt in dem man steht, wenn die Antifa anfängt Steine zu werfen oder Tonnen anzuzünden. Was ist die Konsequenz? Dass ich nicht mehr auf die Demo gehe? Das Feld den Idioten überlassen? Für mich ist das keine Option, aber natürlich ist es problematisch. Ich finde es daher vollkommen unsachlich, unfair und unreflektiert die Menschen auf dem Boot für all das haften zu lassen was dort irgendwelche Vollspaten von sich geben – denn leider gibt es immer Extremisten, insbesondere dort wo die Lage so angespannt ist wie im nahen Osten. Was du hier schreibst ist leider weitab von kritisch, sondern ein pauschales und durchschaubar ideologisches Bashing. Versuchs doch mal sachlich.

  5. [...] weigere ich mich zu benutzen, denn der Begriff ist negativ belegt: Annette Groth spricht teils beschwingt, wenn auch selten in ganzen Sätzen, als erzähle sie von einem [...]

  6. [...] einem offenen Brief (siehe auch hier) haben die drei „Free Gaza“-Passagiere der Linkspartei, Annette Groth (MdB), Inge Höger (MdB) [...]

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