International
Die deutsche Nahostberichterstattung übertrifft sich mal wieder selbst:
Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Jassin, der die islamistische Organisation gegründet hatte und später von der israelischen Armee getötet wurde. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei. Daraufhin musste er vor drei Jahren aus dem Westjordanland nach Amerika fliehen.
Aus der FAZ: Israels Hamas-Spion – Deckname „Grüner Prinz“. Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem.
Der Artikel samt Zitaten basiert im Wesentlichen auf dieser Exklusivmeldung von Haaretz: Hamas founder’s son worked for Shin Bet for years.
Das Problem: Selbst mit eingeschränkten Englischkenntnissen müsste man eigentlich sehr schnell merken, dass Haaretz nicht den Hamasgründer, sondern einen Hamasgründer als Vater benennt. Und zwar benennt Haaretz klar und deutlich Sheikh Hassan Yousef als Vater (”Mosab Hassan Yousef is the son of Sheikh Hassan Yousef, a Hamas founder and one of its leaders in the West Bank“).
Es ist vollkommen absurd: Weltweit (vgl. etwa CNN) wird Sheikh Hassan Yousef als Vater benannt, nur in Deutschland (bzw. in der FAZ) ist es auf einmal Scheich Jassin.
Nun könnte man munter spekulieren, wie solch ein Bock geschossen werden konnte. Verfügt der FAZ-Korrespondent nur über eingeschränkte Englischkenntnisse? Oder ist Scheich Jassin mangels Hamas-Kenntnissen der einzige Name, den der FAZ-Korrespondent mit eben jener Terrororganisation in Verbindung bringen kann? Natürlich könnte man sich auch einfach nur über die miese Berichterstattung ärgern.
Oder man nimmt in Zukunft die deutsche Nahostberichterstattung als vollkommen faktenbefreite Märchenstunde aus 1000 und einer Nacht hin. Damit wäre man der Wahrheit zumindest deutlich näher als so mancher deutscher Nahostkorrespondent.
Nachtrag: Jetzt wird es richtig peinlich. Die FAZ hat ihren Fehler bemerkt und den Artikel korrigiert. Bzw. hat im zitierten Absatz “Scheich Jassin” durch “Scheich Hassan Jusef” (die deutschsprachige Version von Sheikh Hassan Yousef) ersetzt. Daher steht dort jetzt folgender Absatz:
Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Hassan Jusef, der die islamistische Organisation gegründet hatte und später von der israelischen Armee getötet wurde. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei.
Das Problem: Scheich Hassan Jusef ist quicklebendig. Wurde nicht von der israelischen Armee getötet. Wird daher auch nicht als Märtyrer verehrt.
Ja, und um die Verwirrung zu vervollkommnen findet sich weiter unten im FAZ-Text auch noch folgender Satz: “Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jassin seien tausend Stunden Arbeit israelischer Terrorexperten wert gewesen”.
Merke: In der FAZ-Phantasie können Palästinenser zwei Väter haben und quicklebendige Terroristen werden (Ejaculatio praecox?) als Märtyrer verehrt.
Nachtrag II: FAZ, du machst dich. Nach der nächsten Korrektur ist Mosab Hassan Jusef ein normaler Mensch mit nur einem Vater (“Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jusef…”). Außerdem hat dieser Vater die Hamas nur “mitbegründet”, nicht mehr “gegründet”. Falls du, liebe FAZ, in einer der nächsten Korrekturen auch noch dafür sorgen könntest, dass der Vater noch unter uns weilt und eben nicht “als Märtyrer” verehrt wird, dann kommen wir der Wahrheit schon sehr nahe.
Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career.
AfricaMalawi gains aid.
Die Wirklichkeit übertrifft alle Satire:
Siehe auch: Sing, Bono, sing…was anderes.
An It girl or It-girl is a charming, sexy young woman who receives intense media coverage unrelated or disproportional to personal achievements.
Mr Obama becomes the third sitting US President to receive the prize. The committee said today that he had “captured the world’s attention”. It is certainly true that his energy and aspirations have dazzled many of his supporters. Sadly, it seems they have so bedazzled the Norwegians that they can no longer separate hopes from achievement. The achievements of all previous winners have been diminished.
Times Online: Absurd decision on Obama makes a mockery of the Nobel peace prize
Aus dem ZEIT-Artikel “Schönheitswahn: Zu dünn, um wahr zu sein“:
Jo Swinson, Mitglied der britischen Liberalen, mag keine Werbeplakate, auf denen Frauen perfekt aussehen. Ihr Zorn richtet sich gegen Bilder von Frauen, denen man mit Hilfe moderner Bildbearbeitung eine Rundung oder eine Falten zuviel entfernt hat. “Wenn Teenager und Frauen diese Bilder sehen, werden sie am Ende unglücklich mit sich selbst“ sagte Swinson zuletzt in einem Interview mit der International Herald Tribune. Ihren Vorschlag, eine Kennzeichnungspflicht für Werbeanzeigen einzuführen, hat die drittgrößte Partei Großbritanniens jetzt in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Für Werbung, die sich an Kinder unter 16 Jahren richtet, soll sogar ein vollständiges Verbot von bearbeiteten Fotos ergehen.
In Frankreich kämpft Válerie Boyer für naturbelassene Frauenbilder. Sie ist Mitglied in der UMP, der Partei Nicolas Sarkozys. Boyer hat unlängst mit einer Gruppe von etwa 50 Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Einsatz von Programmen wie Photoshop kontrollieren will. Es gehe ihr darum, die “irreführenden und standardisierten Körperbilder” zu bekämpfen, sagte Boyer der französischen Zeitung La Croix. Diese verleiteten vor allem Frauen zu dem Glauben, immer jung und schön sein zu müssen. “Das führt schon im jungen Alter zu Komplexen”, glaubt sie. Auch Kunstfotos und politische Kampagnen sollen unter die neue Regelung fallen.
Irreführende und standardisierte männliche Körperbilder, ca. 200 vor Christus:

Laocoon und seine Söhne*
*Das Bild ist unter der Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 License lizenziert. Autor/ Quelle: JuanMa/ Wikipedia
To keep a bit of seriousness, though, I’m going to propose a theory of international trade between Africa and celebrities. Africa exports stereotypical images of misery in return for celebrities’ advocacy for more Africa funds. The theory of trade says that trade only happens when both parties gain. Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career. Africa gains aid funds.
Celebrities finally swamp advocacy market – an application of economic theory. By Bill Easterly
Verdammt, diese Frau ist einfach großartig:
Künstler und Intellektuelle fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Den Preis dafür aber nennen sie nicht.
Ebendiese Inkonsequenz ist es, die mir den aktuellen Pazifismus so schwer erträglich macht: Zwar hält man den Westen en gros für eine so fragwürdige Kultur, dass man ihm pauschal das Recht abspricht, sich auch mit Gewalt gegen die zu verteidigen, die ihn ihrerseits mit äußerster Skrupellosigkeit attackieren. En détail möchte man in Berlin, Köln oder am Bodensee seinen Rotwein aber auch weiterhin in Ruhe genießen können.
»Freedom isn’t free.« Dieser Satz, der sich auf Deutsch nur etwas umständlich übersetzen lässt als »Freiheit ist nicht kostenlos zu haben«, macht den Kern des US-amerikanischen Selbstverständnisses aus. Wir Deutschen dagegen scheinen immer noch zu glauben, dass die Freiheit, die uns die Amerikaner nach 1945 beschert haben, ebenso kostenlos war wie die Kaugummis, die sie an die deutschen Jungs und Mädels verteilt haben – und die ihnen manch intellektueller Zeitgenosse heute noch vorwirft.
Thea Dorn in der ZEIT: Vulgärpazifismus. Unbedingt lesenswert.
Irving Kristol („a liberal mugged by reality“) starb heute im Alter von 89 Jahren in Washington. Als Andenken eine kurze Leseliste, zusammengestellt vom Weekly Standard:
“The Neoconservative Persuasion,” by Irving Kristol, August 25, 2003
“My Public Interest,” by Irving Kristol, December 18, 2006
“It Wasn’t Inevitable,” by Irving Kristol, June 21, 2004
“Farewell to ‘The Public Interest,’” by David Skinner, April 25, 2005
“Irving’s Whodunit,” by William F. Buckley Jr., October 9, 1995
Ein Statement von Irving Kristol aus “The Neoconservative Persuasion”, welches eigentlich für alle Demokraten selbstverständlich sein sollte:
Barring extraordinary events, the United States will always feel obliged to defend, if possible, a democratic nation under attack from nondemocratic forces, external or internal. That is why it was in our national interest to come to the defense of France and Britain in World War II. That is why we feel it necessary to defend Israel today, when its survival is threatened. No complicated geopolitical calculations of national interest are necessary.
Stephen Walt is already having a bad week, what with Bin Laden’s endorsement of “The Israel Lobby.” On the other hand, this might have been his first good review.
Jeffrey Goldberg über Stephen Walts Reaktionen auf die Lobpreisungen durch Osama bin Laden.
In a 12 minutes address Osama bin Laden spoke to the American people on the eighth anniversary of 9/11:
Osama then said “our two Umma (meaning the America and the Muslim world) are both victims” of one aggressor, that is in his words, those “who control the White House, particularly the Israeli Lobby and the multinational corporations.” He endorsed two books for Americans to understand how these lobbies control the White House. “A book by a former CIA agent who apologized for his crimes as a mercenary and another book titled the Israel Lobby professors John Mearsheimer and Stephen Walt.” He claimed that these two books “will give you the truth.”
Bin Laden praised US President Obama for having “admitted at last in his speech in Cairo, the existence of our people’s miseries.” He also praised “former President Carter’s statements about the Palestinians during his last visit in Gaza, and particularly his statements on Israel’s racism.”
Bin Laden: “US Must eliminate the Israel Lobby to end war”
Nachtrag: Das TRANSATLANTIC FORUM hat eine deutsche Arbeitsübersetzung in Auszügen online gestellt.
Nachtrag II: Siehe auch die New York Times: Bin Laden’s Reading List for Americans.
The human right to health care requires that government be accountable for fulfilling that right. Health care is a public good, not a commodity and a healthy society benefits all of us. The government has a duty to ensure that the right to health care is being met; it does not have an obligation to provide private sector insurers and middlemen with increasing profits, as the current Wall Street driven model dictates. Through public financing and administration of health care we can minimize the profit incentives to deny care and instead guarantee access to quality care for all.
Amnesty International USA Blog: Human Rights Missing from Health Care Debate
