Sport
Sven Regener im SPIEGEL-Interview über die Verbindung von Politik, Musik und Kunst:
Sicher, wir haben als Musiker Macht – über die Herzen der Leute. Aber will ich sie manipulieren? Denn das wäre ja das Prinzip: Die mögen meine Musik, und diese Zuneigung lenke ich ins Politische um. Aber sollte man Gefühl und Politik verquicken? Will man, dass die Frau, die man liebt, deswegen dann auch dieselbe Partei wählt? Das ist höchst fragwürdig. Rockmusiker können ein paar Parolen ins Publikum werfen und die Zuschauer können das abnicken, mehr nicht. Das ist rein affirmativ, also extrem unpolitisch. Wie kann es Politik geben ohne Debatte, Details, Kompromisse?
Das Interview im SPIEGEL: “Hat euch Rudi Dutschke nicht gereicht?”
Btw: 11 FREUNDE hat Regener vor Wochen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben interviewt: »Bremen ist Fun-Punk«
I’m Super Serial!
(Al Gore)
Zwischen endlosen “Welcher Nippel gehört zu welchem Sternchen”-Bilderserien, durchaus lesenswerten Blogs und mehr oder minder spannenden Artikeln findet man auf WELT ONLINE auch Videos. Unter anderem zu Wirtschaft und Finanzen. Diese Videos sind selbstverständlich äußerst professionell und hoch seriös. Und ich finde sie klasse.
Aus aktuellem Anlass ein Hinweis auf einen neuen Artikel von Eric Reeves im Boston Globe: China’s genocide Games.
Werder-Online hat folgendes vermeldet:
Willi Lemke ist am späten Dienstagnachmittag, 18.03.2008, von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum UN-Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden berufen worden. Werders Vorsitzender des Aufsichtsrates freute sich über die Ernennung: „Ich bin sehr glücklich. Das ist eine unglaubliche Anerkennung.“
Und ich freu mich mit ihm. Willy Lemke hat in den 80′er und 90′er Jahren enorm viel für den SV Werder Bremen und den Fußball geleistet. Das Verdienst wird auch nicht dadurch geschmälert, dass er mittlerweile im Verein zu den stockkonservativen Traditionalisten gehört. Auch dass er mir in der Doublesaison 2003/04 durch seine überharten Attacken gegen Bayern München unangenehm aufgefallen ist geht mittlerweile in Ordnung. Der Mann hat halt seine Verdienste – der Kaiser darf schließlich auch allen möglichen Schmarrn verzapfen.
Er hat die Ernennung zum UN-Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden schlichtweg verdient. Den Posten halte ich zudem für äußerst sinnvoll: Der Sport kann zur Entspannung beitragen. Es sind kleine Beiträge, aber sie zählen: Ob Werder Bremen Fußballausrüstung nach Afghanistan verschickt oder ob der DFB und Personen wie Holger Obermann sich vor Ort engagieren – jeder Beitrag ist auch immer ein Beitrag zum Aufbau einer zivilen Gesellschaft. Ich für meinen Teil möchte jedenfalls nicht mehr davon hören, dass in dem Fußballstadion in Kabul Hinrichtungen stattfinden.
Die UN kann hier wirklich noch viel erreichen – im Gegensatz zu den Politikfeldern, bei denen sie schlichtweg überfordert ist. Oder wo gar der Bock zum Gärtner gemacht wird. Daher: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Fördere den Sport. Fördere den Fußball – mit Willy Lemke gibt es ja jetzt auch den richtigen Sonderbeauftragten – aber lass die Finger von der Sicherung des Weltfriedens. Und der Demokratieförderung. Und den Menschenrechten. Mit Sicherheitsratsmitgliedern wie China und Russland wird das eh nichts mehr. Vom UN-Menschenrechtsrat ganz zu schweigen.
Oder: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel.
Im Tagesspiegel ist heute ein Kommentar von Matthias Bossaller zu der Bremer Niederlage gegen Wolfsburg erschienen, welche hoffentlich als letzter Höhepunkt von zwei desaströsen Wochen (Niederlage in Glasgow, in Stuttgart, kastrierter Stadionausbau, Lothar Matthäus als Trainerpraktikant) in die Annalen dieser Saison eingehen wird.
Matthias Bossaller fasst die Situation nach dem Spiel u.a. so zusammen:
Die Anfälligkeit bei schnellen Gegenangriffen der Gegner ist allerdings nur die halbe Wahrheit der Bremer Misere. “A lack of deadliness in front of the goal”, hatte die schottische Zeitung “Scotsman” nach dem erfolglosen Bremer Sturmlauf gegen die Rangers aus Glasgow geschrieben und den fehlenden Killerinstinkt vor dem Tor gemeint. Oder wie es Werder-Trainer Thomas Schaaf fast schon verzweifelt ausdrückte: “Wir machen einfach die Bude nicht.”
In einem 12-seitigen Vorbericht auf das Spiel hatte die FAZ ebenfalls den “Scotsman” zitiert, und zwar so:
Der Ball will nicht über die Linie. Hochüberlegen scheidet Werder aus. So war es im Uefa-Cup gegen die Glasgow Rangers. „A lack of deadliness in front of the goal“, hat der „Scotsman“ ausgemacht, und was die schottische Zeitung nur auf den Donnerstag bezog, zieht sich durch diese Saison: Werder fehlt der Killerinstinkt.
Und woran liegt der fehlende Killerinstinkt? An den Personen, meint Matthias Bossaller im Tagesspiegel nach dem Spiel:
Dieses Missverhältnis zwischen vielen Chancen und zu wenig Toren wurde zuletzt deutlich. Die Bremer Stürmer sind in der Liga zwar überdurchschnittlich gut, doch im Vergleich zu früheren Angreifern muss festgehalten werden: Hugo Almeida, Markus Rosenberg oder Boubacar Sanogo sind keine echten Torjäger. Ailton war im Meisterjahr 2004 ein Knipser vor dem Herrn, traf 28 Mal. Miroslav Klose steuerte 2006 25 Treffer bei. Von solchen Quoten sind die aktuellen Angreifer weit entfernt.
Womit wir wieder beim Vorbericht in der FAZ wären:
Viele Chancen, (zu) wenig Tore – es ist schwer zu erklären, woran das liegt. Natürlich an Personen. Ailton war im Meisterjahr 2004 eiskalt vor dem Tor. Klose mit 25 Treffern 2006 auch. Und hinzu kam immer wieder Klasnic als Tor-Unterstützer: Er macht aus wenig viel. War aber lange krank. Almeida, Rosenberg, Sanogo: alles keine Torjäger.
Zahlen sind eine feine Sache. Denkt sich jedenfalls Matthias Bossaller, um damit ebenfalls die Abwehrschwäche zu unterstreichen:
Ein weiterer Grund für das Bremer Tief ist die bereits erwähnte Abwehrschwäche. In den letzten vier Jahren kassierte Werder 38, zweimal 37 und 40 Gegentreffer. Ein unter Spitzenteams normaler Wert. Jetzt hat die Mannschaft in 24 Partien bereits 35 Tore kassiert – das ist eindeutig zu viel. Den Abfangjäger vor der Abwehr sollte Torsten Frings spielen, der ist aber verletzt. Sein Vertreter Baumann fällt auch öfters mal aus. Bleibt noch Daniel Jensen. Der Däne macht seine Sache ganz gut, ist aber kein gleichwertiger Ersatz für Frings. Auf dieser im modernen Fußball so wichtigen Position könnte Werder gut einen Spieler der Marke Jermaine Jones (Schalke) oder Nigel de Jong (HSV) gebrauchen.
Einen ähnlichen Faible (die Macher der RAN-SAT1-Datenbank wären stolz) für Zahlen hat die FAZ auch im Vorbericht gehabt:
Schaut man sich die Bremer Gegentore der letzten Jahre an, kann man keine auffällige Defensivschwäche ausmachen. 38, 37, 37, 40 Gegentreffer sind es jeweils zum Saisonende der Jahre 2004 bis 2007. Die anderen Teams der Spitzengruppe haben in diesen Jahren ähnlich viele oder mehr Tore eingefangen. Doch für 2007/2008 gilt etwas anderes: 34 Gegentore nach 23 Spieltagen. Das ist viel zu viel. Vorn bleibt Werder mit 51 Treffern im Rahmen des für den SVW Normalen. Die Unwucht in dieser Spielzeit hat ihre Gründe weniger in Schaafs traditionellem Spielsystem. Der Schlüssel sind die Verletzten, die Umstellungen. Auf dem Posten vor der Abwehr hakt es. Hier sollte eigentlich Frings spielen. Der ist verletzt …
Und so geht es in einem fort. Der Kommentar nach dem Spiel und der Vorbericht unterscheiden sich nur in einer Hinsicht: Der Bericht in der FAZ war wesentlich ausführlicher. Und hat auch die Vereinsstrukturen näher betrachtet – wofür im TAGESSPIEGEL wohl kein Platz mehr war. Ob beide jetzt nur Agenturmeldungen fleißig verwurschtelt haben, oder ob Matthias Bossaller ein fleißiger FAZ-Leser ist: Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal.
Nicht egal ist mir jedoch, wenn ich in einer Tageszeitung den Vorbericht einer anderen Tageszeitung als Spielanalyse nachlesen muss. Damit unterbietet der Sportjournalismus die aktuelle Form von Werder Bremen.
Endlich. Die Bagger können kommen:
Dem Ausbau des Weserstadions steht nichts mehr im Wege. Das Oberverwaltungsgericht Bremen hat eine sogenannte Normenkontrollklage abgelehnt. Anwohner hatten gegen den Bebauungsplan geklagt.
Eine Revision ist nach Angaben der Pressestelle des Gerichtes nicht zugelassen. Ursprünglich wollte der Fußball-Bundesligist Werder Bremen bereits im Dezember vergangenen Jahres mit dem Umbau auf 50 000 Plätze beginnen.
Aus der FTD: Ausbau des Weserstadion kann beginnen
Es waren übrigens 3 (in Worten: drei) Anwohner, die geklagt haben. Die anderen Anwohner vom Viertel und vom Peterswerder hatten die Ausbaupläne zur Fußballkathedrale bereits nach der Verabschiedung des neuen Verkehrssystems abgesegnet.
In dem sehr guten US-Wahlkampfblog Pennsylvania Ave schlüsselt Florian Heinhold das Kosten (Dollar) / Nutzen (Delegiertenstimmen) Verhältnis im Vorwahlkampf der USA auf:
Geld ist Macht, Amerika eine Plutokratie – schon für die Nationalsozialisten war ein Lieblingsthema, was heute vor allem Europas Gutmenschentum umtreibt.
Zeit für eine Zwischenbilanz: Geld regiert nicht die Welt – oder zumindest nicht die Vereinigten Staaten.
Interessant: Der Return on Investment, den die einzelnen Kampagnen in Form von Delegierten für ihre Ausgaben erwirtschaftet haben, fällt extrem unterschiedlich aus.
Zum Beitrag mit anschaulicher Grafik geht es hier.
Erinnert stark an die Abrechnungen am Ende einer Bundesligasaison (schießt Geld Tore? etc.), bei der die Spielergehälter/ Transferausgaben in Relation zum Tabellenplatz gesetzt werden. Selbstverständlich schließt Werder Bremen dort immer überdurchschnittlich ab, führt also im Kosten/ Nutzen Verhältnis deutlich vor den anderen Spitzenvereinen. Geld allein macht noch keine Meisterschaft (gell, Schalke), Bayern München hat derzeit 80 Millionen Euro für gerade mal 3 Punkte Vorsprung vor Bremen ausgegeben.
Fernglas (Deutsch)
Substantiv, n
Silbentrennung: Fern·glas, Plural: Fern·glä·ser
Bedeutungen:
[1] optisches Gerät
Synonyme:
Feldstecher
Beispiele:
[1] Mein Nachbar steht immer mit den Fernglas am Fenster und beobachtet die anderen Anwohner.
Diego muss vor überharten Attacken seitens des Schiedsrichters geschützt werden.
(Premiere)
Schiedsrichter Stark ging mal wieder gar nicht. Nomen est omen. Schwach angefangen und dann ganz stark nachgelassen. Mitzunehmen ist eine 3-4 Niederlage, 6 gelbe und eine rote Karte. Und Spiegel-Online Startseiten wie diese hier, die einem den Tag wieder halbwegs* retten:
Den ganzen Kommentar kann man hier nachlesen.
* Für die andere Hälfte hat bereits mein Supermarkt gesorgt. Öffnungszeiten wurden von 22 auf 24 Uhr verlängert, daher musste neues Personal für die Abendstunden eingestellt werden. Vermutlich Studentinnen. Und ich musste die ganze Zeit an Roter Minirock vom 1984′er Ärzte Album Debil denken. Sie ist das Mädchen, sie ist das Mädchen, sie ist das Mädchen von Kasse vier. Could be worse.
