Sport
Die Neue Züricher Zeitung über Werder Bremen:
Steht die erste Elf putzmunter auf dem Feld, dann ist es ein wahrhaft furchterregender Gegner: mit den Innenverteidigern Naldo und Mertesacker, den Mittelfeldstrategen Frings und Borowski sowie dem genialischen Diego hinter den Spitzen, der die durchaus passablen Angreifer Sanogo und Almeida mitunter noch besser aussehen lässt, als sie tatsächlich sind. Doch das Kader verfügt über keine Reservebank, die international wettbewerbsfähig wäre. Plagen die Bremer Verletzungssorgen, so werden diese leicht zur echten Bedrohung.
Der Artikel ist vor den Spielen gegen Real und dem Verein aus Stellingen geschrieben worden. Passende Kommentare zu Werder Bremen findet man hier, hier und hier.
And I like you,
Yeah I like you,
And I like you, I like you, I like you, I like you, I like you, I like you
(Dandy Warhols – Bohemian Like You)
(Quelle: Bilderstrecke Stadionumbau auf Radio Bremen)
Knapp zwei Monate vor dem Baubeginn wurden gestern die ersten Computeranimationen vom ersten Bauabschnitt des Weserstadions gezeigt. Wie unschwer zu erkennen ist, werden die Flutlichtmasten und das bisherige Dach komplett abgetragen, dafür gibt es einen dritten Rang und ein Dach mit integriertem Flutlicht, welches auch die Zuschauer direkt am Spielfeldrand vor Regen schützt. Die Kapazität des Stadions erhöht sich durch den Ausbau von bisher 42.500 auf rund 50.000; die Begradigung der Kurven wird aufgrund von Kostensteigerungen auf einen zweiten Bauabschnitt verschoben.
Die Umbaukosten belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro, die komplett von der Stadiongesellschaft über Kredite getragen werden. Staatliche Zuschüsse wird es nicht geben, was aus ordnungspolitischer Sicht unbedingt begrüßenswert ist. Baubeginn soll Anfang Januar sein, spätestens zur Rückrunde 2008/2009 wird das Stadion dann so wie auf der Computeranimation aussehen. Der Stadionname wird im Gegensatz zu mittlerweile fast allen anderen Stadien nicht verkauft, die Finanzierung sei nach Vereinsangaben auch so gesichert, man müsse also kein Tafelsilber verscherbeln.
Da sich die Anwohner mit ihrer Forderung nach einer Kapazitätsgrenze von 50.000 durchgesetzt haben, wird der dritte Rang in den Kurven – auf der Computeranimation deutlich erkennbar – nicht ganz bis ans Dach reichen; diese Lücke wird erst im zweiten Bauabschnitt geschlossen werden, wenn durch die Kurvenbegradigung Plätze wegfallen. Ein weiterer Wermutstropfen sind die vier Dachträger, auf die aufgrund von statischen Problemen leider nicht verzichtet werden kann. Diese sollen aber nach dem zweiten Bauabschnitt wesentlich besser in den Tribünen integriert sein; die Sichtbeschränkung wir dann deutlich geringer sein.
Trotz der zwei Wermutstropfen freu ich mich tierisch auf das neue Stadion. Die Kapazität von 50.000 passt zu einer relativ kleinen Stadt wie Bremen, so kann man sicher sein, dass das Stadion auch gegen unattraktive Gegner nicht halbleer steht. Und 50.000 können schon eine gewaltige Stimmung erzeugen, das neue Dach dürfte die Akustik zudem merklich verbessern. Das absolut Beste ist aber der dritte Rang. Es gibt nicht viele Stadien in Europa, die drei Ränge haben – also stößt Werder auch hier in die europäische Spitze vor; die Infrastruktur folgt also den sportlichen Erfolgen. Und der dritte Rang ist sehr gut gelungen, er hängt sehr weit über den zweiten Rang und ist deutlich steiler als die beiden alten Ränge, besser kann er in meinen Augen gar nicht gebaut werden. Last but not least: Das alte Weserstadion bleibt nach dem Umbau noch deutlich erkennbar. Sollen die ganzen anderen Vereine doch gesichtslose Turnhallen an Autobahnzubringern errichten, Bremen hat dann ein Stadion, was Geschichte und Modernität in einer der besten Möglichkeiten verbindet.
100% Werder, 100% Stadionausbau.
Natürlich gibt es eine jenseitige Welt. Die Frage ist nur: wie weit ist sie von der Innenstadt entfernt, und wie lange hat sie offen.
(Woody Allen)
Laut Richard Dawkins verhält es sich mit dem Beweis der Existenz Gottes so wie mit einer Teekanne in der Umlaufbahn des Mars: Man kann die Existenz weder belegen noch wiederlegen. Folgerichtig kann man also die Existenz Gottes trotz aller Wissenschaft auch niemals vollkommen ausschließen, Dawkins etwa geht davon aus, dass Gott zu 98% unwahrscheinlich ist – es besteht also ein Restrisiko von 2%, dass Gott doch existiert.
DIE ZEIT hat heute den Versuch unternommen, das religiöse Pendant zur Existenz der Teekanne in der Umlaufbahn des Mars zu beweisen, nachfolgend zunächst die zu erwartenden 98%, die die Existenz Gottes widerlegen:
Was nützt es auch den Teams aus dem Ligakeller, wenn es am oberen Ende der Tabelle spannend zugeht oder gar gerecht. Von unten betrachtet ist und bleibt die Welt ungerecht. Da hilft kein Fußballgott und auch nicht die Sozialdemokratie.
Aber, dies waren nur die 98%, der eigentliche Gottesbeweis folgt nun:
Bevor die Agnostiker unter den Fußballfans sich jetzt bestätigt fühlen, sollten sie allerdings nach Bremen schauen und vor ihrem geistigen Auge jene Szene ablaufen lassen, die in der 25. Minute zum 1:0 führte. Denn wenn es noch einen Beweis dafür bedürft hätte, dass es einen Fußballgott gibt, dann wurde dieser am Samstag im Weserstadion erbracht. Selbst ein genialer Fußball-Künstler wie Diego kann einen solchen Ball nicht ohne überirdischen Beistand ins Tor bringen.
Bei seiner Bogenlampe zum 1:0 flog der Ball von der Strafraumgrenze eine merkwürdige Kurve über Karlsruhes Torhüter Kornetzky hinweg und senkte sich wider alle physikalischen Gesetze doch noch ins Netz. Ein Tor für die Ewigkeit.
In diesem Sinne:
I Believe In Miracles!
(The Ramones)
… der Hans Meyer. Selbiger über die Gründe für seine damalige Vertragsunterschrift bei Borussia Mönchengladbach:
Ich bin von Haus aus Kommunist, das heißt, ich bin von Haus aus arm!
Wenn es morgens um sechs Uhr an meiner Tür läutet und ich sicher sein kann, daß es der Milchmann ist, dann weiß ich, daß ich in einer Demokratie lebe.
(Winston Churchill)
The world should apply what Natan Sharansky calls the “town square test”: if a person cannot walk into the middle of the town square and express his or her views without fear of arrest, imprisonment, or physical harm, then that person is living in a fear society, not a free society. We cannot rest until every person living in a “fear society” has finally won their freedom.
(Condoleezza Rice)
Das Bild weiter unten zeigt, was passiert, wenn ein Kumpel von mir aus Bremen aufgefordert wird, sich an den Revolutionsfeierlichkeiten in Kuba zu beteiligen. Bremen ist bekanntlich eine zivilisierte Stadt, und dies hat unverkennbar Spuren in der Sozialisation hinterlassen. Wie bei fast jedem, der in einer freien Gesellschaft aufgewachsen ist, assoziierte er “Massenaufmarsch” und “Fahnenmeer” so, wie er es gewohnt war. Also mit Fußball.

Glücklich ob ihrer Herkunft sind jedoch nicht nur diejenigen, die Massenaufmarsch und Fahnenmeer mit Fußball assoziieren, sondern auch diejenigen, die auf staatlich verordnete Massenaufmärsche so wie mein Kumpel reagieren können. Auf meine Frage, ob er denn keine Repressionen erwartet hatte, antwortete er sinngemäß: “Ach, bei den Feierlichkeiten sieht es doch so aus: Als kubanischer Student darfst du vielleicht mal sagen, du wärst krank. Aber halt nur mal, sonst kriegst du Repressionen zu spüren. Bei den Austauschstudenten aus Südamerika sieht es ähnlich aus, aber ich bin nunmal aus Westeuropa, da kann ich schlimmstenfalls nur des Landes verwiesen werden.”
