Posts Tagged ‘Afghanistan’

29th January
2009
written by Tobias Blanken

Selbst die Süddeutsche kann es nicht mehr ignorieren:

Ein anderer Name dürfte derweil für die Taktik stehen, mit der Washington künftig in den Schluchten des Hindukusch vorankommen will: David Petraeus. Der Vier-Sterne-General, inzwischen der Chef des US-Zentralkommandos, gilt als Vater von Amerikas spätem Erfolg [!] im Irak. Petraeus will, getreu seinem Lehrbuch zur erfolgreichen Aufstandsbekämpfung, mit mehr amerikanischen Soldaten in Afghanistan erneut in die Schlacht ziehen. Mehr Bodentruppen verheißen, zumindest vorübergehend, mehr Blutvergießen – aber hoffentlich weniger blindes Bomben per Drohnen wie bisher.

Der Irak als Lektion für Afghanistan: Obama mag es nicht so sagen, aber er wird es tun. Er will, um seinen guten Krieg zu gewinnen, jetzt vom schlechten Krieg das Siegen lernen.

Aus: Obamas Engagement für Afghanistan – Amerikas guter Krieg.

20th January
2009
written by Tobias Blanken

“Are you going to school?”

Then the man pulled Shamsia’s burqa from her head and sprayed her face with burning acid. Scars, jagged and discolored, now spread across Shamsia’s eyelids and most of her left cheek. These days, her vision goes blurry, making it hard for her to read.

But if the acid attack against Shamsia and 14 others — students and teachers — was meant to terrorize the girls into staying home, it appears to have completely failed.

Today, nearly all of the wounded girls are back at the Mirwais School for Girls, including even Shamsia, whose face was so badly burned that she had to be sent abroad for treatment. Perhaps even more remarkable, nearly every other female student in this deeply conservative community has returned as well — about 1,300 in all.

Jeff Weintraub: The bravery of Afghan schoolgirls.

1st April
2008
written by Tobias Blanken

Apropos Einerseits, Andererseits: In seinem Montagskommentar in der ZEIT beschäftigt sich Joschka Fischer mit der Nato. Ebenfalls alles sehr ausgewogen. Sein Fazit zu Afghanistan fand ich aber sehr interessant, da er Deutschland als den entscheidenden Bremser für ein stärkeres Engagement ansieht:

Die Schwäche der USA und die Absage Deutschlands blockieren diese notwendige strategische Neubestimmung. Solange Deutschland an seinen nationalen Vorbehalten festhält, wird es in Afghanistan mehr oder weniger so weitergehen wie bisher. Und die gegenwärtige US-Regierung ist zu unfähig und auch zu schwach, um jetzt noch eine strategische Wende herbeiführen zu können. Man wird also auf den nächsten US-Präsidenten warten und hoffen müssen. Leider.

Hinter der Kontroverse um Afghanistan steht die Existenzfrage des Bündnisses, denn ein auf Gegenseitigkeit und Gleichheit aller Mitglieder aufgebautes Militärbündnis wird es nicht lange aushalten, wenn sich Mitglieder erster und zweiter Klasse herausbilden: Die einen kämpfen, die anderen räumen auf oder ziehen ab – eine solche Arbeitsteilung wird die Nato über kurz oder lang vor die Existenzfrage stellen oder zumindest in ihrem Kern als Bündnis gemeinsamer Sicherheit fundamental verändern.

Den Begriff “gemeinsame Sicherheit” wird man dann getrost streichen dürfen. Die Alternative werden neue, bilaterale Abhängigkeiten sein, die nicht mehr auf gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamer Entscheidung beruhen werden. Dass eine solche Entwicklung in deutschem oder gar europäischem Interesse wäre, muss nachdrücklich verneint werden.

(Die Hervorhebungen sind von mir)

18th March
2008
written by Tobias Blanken

Werder-Online hat folgendes vermeldet:

Willi Lemke ist am späten Dienstagnachmittag, 18.03.2008, von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum UN-Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden berufen worden. Werders Vorsitzender des Aufsichtsrates freute sich über die Ernennung: „Ich bin sehr glücklich. Das ist eine unglaubliche Anerkennung.“

Und ich freu mich mit ihm. Willy Lemke hat in den 80′er und 90′er Jahren enorm viel für den SV Werder Bremen und den Fußball geleistet. Das Verdienst wird auch nicht dadurch geschmälert, dass er mittlerweile im Verein zu den stockkonservativen Traditionalisten gehört. Auch dass er mir in der Doublesaison 2003/04 durch seine überharten Attacken gegen Bayern München unangenehm aufgefallen ist geht mittlerweile in Ordnung. Der Mann hat halt seine Verdienste – der Kaiser darf schließlich auch allen möglichen Schmarrn verzapfen.

Er hat die Ernennung zum UN-Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden schlichtweg verdient. Den Posten halte ich zudem für äußerst sinnvoll: Der Sport kann zur Entspannung beitragen. Es sind kleine Beiträge, aber sie zählen: Ob Werder Bremen Fußballausrüstung nach Afghanistan verschickt oder ob der DFB und Personen wie Holger Obermann sich vor Ort engagieren – jeder Beitrag ist auch immer ein Beitrag zum Aufbau einer zivilen Gesellschaft. Ich für meinen Teil möchte jedenfalls nicht mehr davon hören, dass in dem Fußballstadion in Kabul Hinrichtungen stattfinden.

Die UN kann hier wirklich noch viel erreichen – im Gegensatz zu den Politikfeldern, bei denen sie schlichtweg überfordert ist. Oder wo gar der Bock zum Gärtner gemacht wird. Daher: Schuster, bleib bei deinem Leisten. Fördere den Sport. Fördere den Fußball – mit Willy Lemke gibt es ja jetzt auch den richtigen Sonderbeauftragten – aber lass die Finger von der Sicherung des Weltfriedens. Und der Demokratieförderung. Und den Menschenrechten. Mit Sicherheitsratsmitgliedern wie China und Russland wird das eh nichts mehr. Vom UN-Menschenrechtsrat ganz zu schweigen.

9th February
2008
written by Tobias Blanken

Auf DIE ZEIT findet sich eine Umfrage unter “Prominenten” (teilweise Kategorie Dschungelcamp):

Die Nato-Partner fordern deutsche Kampftruppen für Afghanistan. Die Bundesregierung lehnt das ab. Was denken prominente Zeitgenossen über den Krieg und das deutsche Engagment am Hindukusch? Eine Umfrage.

Was man dort erfährt: Hans-Ulrich Klose ist korrekt wie immer, Angelika Beer faselt nationalpazifistischen (am deutschen Wesen soll Afghanistan genesen), “ganzheitlichen” Quark, Eckart von Klaeden ist eigentlich auch ganz in Ordnung und Heiner Geißler – Überraschung! – ist noch nicht ganz von allen Sinnen verlassen. Aber dann gibt es noch Feridun Zaimoglu, Schriftsteller und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, der selbstverständlich – irgendwie muss man sich ja sein Ticket zur Islamkonferenz verdienen – für den sofortigen Abzug plädiert, u.a. mit folgender Begründung:

In der Geschichte lief es immer darauf hinaus, dass Besatzungstruppen verloren haben und letztlich das Weite suchten. Das ist eine große Gefahr. Die wird nicht dadurch kleiner, dass man mit Besänftigungsmärchen daher kommt. Wir leben in einer Zeit der Besatzungsdemokraten. Wir – und ich bin von meinem Selbstverständnis her Deutscher – wir haben dort nichts zu suchen. Die Amerikaner vertreten mit ihrer Imperialpolitik eigene Interessen und man darf sich auf keinen Fall zum Werkzeug dieser Politik machen. Je eher wir die Truppen abziehen, desto besser.

Wenn er nur einen Funken historischen Wissens hätte, dann wüsste der Herr Zaimoglu sicher, dass er es den alliierten Besatzungsmächten verdankt, sein gequirltes Unwissen in einer deutschen Zeitung überhaupt von sich geben zu können. Und er wüsste vielleicht auch, dass es vorwiegend die amerikanischen Alliierten waren, die in über 40 Jahren die freie Meinungsäußerung in der Bundesrepublik und in Westberlin gesichert haben. Cause these Colours Don’t Run.

Sie haben eben nicht letztendlich das Weite gesucht, sondern die freie Welt selbst in Deutschland gegen Nazibarbarei und Kommunismus verteidigt – und zwar jahrzehntelang. Andernfalls könnte er jetzt sein Maul gar nicht so weit aufreißen…. obwohl…. sowas wie die Amerikaner vertreten mit ihrer Imperialpolitik eigene Interessen und man darf sich auf keinen Fall zum Werkzeug dieser Politik machen hätte er durchaus auch unter den Nazis oder den DDR-Kommunisten von sich geben können. Vielleicht doch nicht so dumm, der Herr Zaimoglu.

16th January
2008
written by Tobias Blanken

Im Die ZEIT Blog planet in progress berichtet Jochen Bittner von dem Bundeswehrgutachten Auslandseinsätze der Bundeswehr, welches von von sieben der ranghöchsten ehemaligen Generale der Truppe verfasst wurde. Das Gutachten fällt desaströs aus; in Bittners Worten:

Was das 55-seitige Papier in aller Kälte des Militärjargons festhält, fügt sich zu einem niederschmetterndes Bild von der Handlungsfähigkeit der deutschen Streitkräfte zusammen.

Am schwersten betroffen sind ausgerechnet die Streitkräfte, die eigentlich unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen sollten:

Selbst wenn Fragen von Leben und Tod betroffen sind, kann es mitunter Jahre dauern, bis Entscheidungen durch die Bürokratie sickern. Der Bericht schildert etwa, wie lange es dauerte, bis Störsender für Bundeswehrkonvois in Afghanistan ankamen. Mit diesen „Jammern“ lässt sich verhindern, dass Terroristen per Mobilfunk Sprengfallen am Straßenrand auslösen – eine Methode, die immer beliebter wird. Die entsprechende Anforderung, hält der Bericht fest, sei bereits 2003 in den „Auswerteprozess eingesteuert“ worden. „Trotz ihrer Dringlichkeit“ sei sie „bis in das Jahr 2006 noch nicht erfüllt“ worden. Die Bundeswehrsoldaten fuhren also geschlagene drei Jahre lang ohne einen einfachen, aber wirkungsvollen elektronischen Schutzschirm am Hindukusch herum.

Das Weblog Sicherheitspolitik berichtet derweil über den problematischen Zustand der Polizei in Afghanistan, für den Deutschland die Hauptverantwortung trägt. Ausgerechnet das Land, welches ständig ungebetene Ratschläge (natürlich “unter Freunden”) an die Amerikaner vergibt, wie sie ihren Krieg führen sollen, versagt auf ganzer Linie. Wenn man dann noch liest, dass die Bundeswehr einen Kampfverband nach Afghanistan schicken will, dann wird einem angst und bange zumute – hoffentlich sind amerikanische Verbände zumindest soweit in der Nähe, dass sie im Notfall durch ihren Eingriff die Sicherheit der deutschen Truppen sicherstellen können.

3rd December
2007
written by Tobias Blanken

Das Afghan Instiute for Social and Public Opinion Research hat im Auftrag von ARD, ABC und BBC in Afghanistan eine Umfrage durchgeführt, deren Fazit insgesamt positiv ausfällt. Die Mehrzahl der Afghanen ist der Meinung, dass sich ihr Land in die richtige Richtung bewegt, die Taliban werden zu 92% (sic!) abgelehnt und mehr als 2/3 aller Afghanen befürworten die internationale Präsenz. Die Umfrageergebnisse können auf tagesschau.de angesehen werden; dort steht auch dieser Absatz:

Besonders eindrücklich zeigen sich diese Gegensätze bei der Frage nach der Zukunftserwartung für die eigenen Kinder. Landesweit rechnen 51 Prozent der Afghanen damit, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. In der südwestlichen Provinz Kandahar, wo neben den USA vor allem kanadische Nato-Truppen gegen die wieder erstarkten Taliban kämpfen, teilen allerdings nur 18 Prozent diese Hoffnung. In Kundus, wo die Bundeswehr ein Einsatzzentrum hat, sind es dagegen 66 Prozent. Entsprechend beschreiben 70 Prozent der Befragten im Nordosten die Sicherheitslage positiv, während im Südwesten eine fast genau so deutliche Mehrheit zum gegenteiligen Urteil kommt.

Herrlich, diese Dichotomie: Wo die Amerikaner, die Kanadier und die Nato sind, da herrschen Angst und Unsicherheit; wo die Deutschen sind, da sind die Zukunftserwartungen am positivsten und die Sicherheitslage ist astrein. Whow. Am deutschen Militärwesen soll Afghanistan genesen!

Stellt sich nur die Frage, wie Ursache und Wirkung zusammenhängen. Dieses Verhältnis hat Susanne Koelbl für den SPIEGEL bereits am 16. Oktober auf den Punkt gebracht:

Ist die positive Entwicklung im Norden Afghanistans also eine Art deutsches Wirtschaftswunder? Kaum. Die günstige geografische Lage und die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung beflügelten die Region schon immer, wenn die Waffen einmal schwiegen. Die Deutschen begleiten hier Projekte, halten Kontakte in die Politik. Man weiß, dass sie hier sind und dieser psychologische Effekt ist vielleicht der wichtigste von allen. Denn sichtbar sind die Deutschen so gut wie nicht.

Nichts machen die Deutschen besser, jedoch halten sie sich konsequent von allem fern, was Gefahr und Risiko bedeutet. Schon ihr Einsatzgebiet wählten sie, durchaus beherzt und glücklich früh, unter Sicherheitsaspekten aus: Im Norden leben so gut wie keine der fast ausschließlich paschtunischen Taliban. Das Kommandogebiet der Bundeswehr ist mehrheitlich von Volksgruppen besiedelt, die den westlichen Mächten eher wohlgesonnen sind.

An diesem Good Cop, Bad Cop Spielchen der internationalen Arbeitsteilung ist eigentlich nichts auszusetzen. Die Qualitäten des bewaffneten THWs liegen ehr im Aufbau, während Amerikaner und Kanadier über Truppen verfügen, die den Taliban auch in einer asymmetrische Kriegsführung erfolgreich Paroli bieten können. Nur weiß der Good Cop normalerweise, dass er auf den Bad Cop angewiesen ist. Und die Mehrzahl der deutschen Medien und Politiker suggerieren ständig das Gegenteil, obwohl der Einsatz des Bad Cops notwendiger denn je ist, wie das Weblog Sicherheitspolitik in Bezug zu den Umfrageergebnissen betont.

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