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Keine Ossis und Wessis mehr, nur noch Deutsche, der Antiamerikanismus macht es möglich:
Aus der Studie “Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010″ (.pdf) der Friedrich Ebert Stiftung, S. 125.
Vor einigen Jahren – ich bin mir nicht sicher, meine aber, es war Ende der 90er – hat das amerikanische Außenministerium Amerikaner vor fremdenfeinlichen Übergriffen in Ostdeutschland gewarnt. Die Reaktion aus Ostdeutschland war alles andere als erfreulich, man fühlte sich stigmatisiert und fürchtete Einbußen im Tourismus.
Die [ost]deutschen Proteste liefen zunächst ins Leere, da der amerikanische Staat primär der Sicherheit der Amerikaner verpflichtet ist – und nicht dem Tourismusgewerbe Ostdeutschlands. Mittlerweile wird ganz allgemein vor fremdenfeindlichen Übergriffen in Deutschland gewarnt:
In addition, hooligans, most often drunken “skinheads,” have been known to harass or even attack people whom they believe to be foreigners or members of rival groups. On occasion, Americans have reported that they were assaulted for racial reasons or because they appeared “foreign.” In addition, Americans should also exercise caution when congregating in areas known as expatriate hangouts such as restaurants, bars, and discos frequented by high numbers of resident American citizens and/or American tourists, as this could attract unwanted attention from disorganized groups of rowdy patrons seeking to start a fight.
Obwohl Deutschland ein enger Verbündeter Amerikas ist wird hier ein ziemlich negatives Bild von Deutschland gezeichnet. Die Wahrscheinlichkeit für gewalttätige Übergriffe auf Amerikaner ist gering – auf 4,5 Millionen jährliche Übernachtungen dürften gewalttätige Übergriffe im einstelligen Bereich kommen, Todesfälle gab es in den letzten 20 Jahren m.E. nicht – dennoch wird gewarnt. Schlichtweg, weil eine Wahrscheinlichkeit besteht; die Gefühle der Deutschen interessieren auch hier nur am Rande. Teilweise nimmt das Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste-Prinzip auch komische Züge an, etwa wenn speziell für Garmisch-Partenkirchen eine Reisewarnung herausgegeben wird, weil sich ein Amerikaner und ein Türke in einer Disko geprügelt haben.
Wer jetzt denkt: Die spinnen, die Amis, der sollte einen Blick auf die Homepage vom deutschen Auswärtigen Amt werfen. Sämtliche Länder werden von A bis Z aufgeführt, bei Antigua und Barbuda kann man etwa erfahren, dass Raubüberfälle auf ankernde oder sich in Küstennähe befindende Schiffe bzw. Fälle von Piraterie in der Ostkaribik sporadisch vorkommen. Auch wird bei fast jedem islamischen Land vor terroristischen Übergriffen gewarnt, naja, man weiß ja nie.
Dank der Verhöre des aus Hamburg stammenden Al-Qaida-Terroristen Ahmad Siddiqui hat das amerikanische Außenministerium nun eine Reisewarnung für Europa herausgegeben; seit gestern bzw. heute warnen auch Briten und Japaner vor einer erhöhten Terrorgefahr. In Deutschland selbst reagiert man dagegen zurückhaltender, man sieht keine merklich erhöhte Terrorgefahr. Von wegen: Man hat in den vergangenen Jahren mehrere Anschläge vereitelt, man hat diverse Terrorzellen ausgehoben, man geht von mehreren hundert Schläfern aus, man sieht Deutschland sowieso als Ziel von Al-Qaida an. Also business as usual.
DIE WELT nimmt jedoch die eher harmlose Reisewarnung und die Abweichung zur deutschen Reaktion als Grundlage für eine unterirdische Verschwörungstheorie, die in dieser Form auch in der linksextremen, zumeist faktenbefreiten jungen Welt stehen könnte:
Und so droht den Demokraten um US-Präsident Barack Obama bei den anstehenden Kongresswahlen eine herbe Niederlage.
Glaubt die US-Regierung also bei den Wählern punkten zu können, indem sie behauptet, sie verhindere mit ihrer massiven Bombardierung Nordwaziristans verheerende Terroranschläge in Europa? Ein Gedanke, den niemand offen auszusprechen wagt.
Aber eine schlüssige Erklärung für das Verhalten der USA hat auch niemand. So steht der Verdacht im Raum, die US-Regierung spiele mit der Angst der Menschen in Europa. Sollte Obama seinen innenpolitischen Gegnern gegenüber tatsächlich so hilflos sein, dass er zu solchen Mitteln greifen muss? Würde dieser Verdacht irgendwann auch nur zum Teil als Wahrheit entlarvt, gäbe der Zustand der der US-Regierung ernsthaften Anlass zur Sorge.
Anlass zur Sorge, allerdings. Und zwar um die journalistischen Standards im Axel-Springer-Hochhaus.
Aus dem Land / Das sich selbst zerstört / Und uns den way of life diktiert / Da kommt Reagan und bringt Waffen und Tod / Und hört er Frieden / Sieht er rot / Er sagt als Präsident von USA / Atomkrieg ? – Ja / Bitte / Dort und da / Ob Polen / Mittler Osten / Nicaragua / Er will den Endsieg / Das ist doch klar.
Der Klassiker unter Freunden des Fremdschämens:
Verdammt, diese Frau ist einfach großartig:
Künstler und Intellektuelle fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Den Preis dafür aber nennen sie nicht.
Ebendiese Inkonsequenz ist es, die mir den aktuellen Pazifismus so schwer erträglich macht: Zwar hält man den Westen en gros für eine so fragwürdige Kultur, dass man ihm pauschal das Recht abspricht, sich auch mit Gewalt gegen die zu verteidigen, die ihn ihrerseits mit äußerster Skrupellosigkeit attackieren. En détail möchte man in Berlin, Köln oder am Bodensee seinen Rotwein aber auch weiterhin in Ruhe genießen können.
»Freedom isn’t free.« Dieser Satz, der sich auf Deutsch nur etwas umständlich übersetzen lässt als »Freiheit ist nicht kostenlos zu haben«, macht den Kern des US-amerikanischen Selbstverständnisses aus. Wir Deutschen dagegen scheinen immer noch zu glauben, dass die Freiheit, die uns die Amerikaner nach 1945 beschert haben, ebenso kostenlos war wie die Kaugummis, die sie an die deutschen Jungs und Mädels verteilt haben – und die ihnen manch intellektueller Zeitgenosse heute noch vorwirft.
Thea Dorn in der ZEIT: Vulgärpazifismus. Unbedingt lesenswert.
Eine komplette deutsche Ausgabe der Federalist Papers liegt erst seit 1993 vor. Obwohl in philosophischen und historischen Fachkreisen seit jeher rezipiert, hat dieser Mangel dazu geführt, dass diese grundlegenden Texte der demokratischen Staatstheorie im allgemeinen deutschen Bewusstsein kaum verankert sind. Hannah Arendt lehnte Anfang der 1950er Jahre eine Einladung zu einem Politologen-Kongress in Deutschland mit dem Argument ab, diesen Leuten seien noch nicht einmal die Federalist Papers bekannt.
Oder: Ein Zombie kommt selten allein.
Im Cicero (via) stellt Wolfram Weimer eine Typologie der Finanzmarkthysteriker auf, die sich im wesentlichen auf drei Typen stützt: Verklemmte Linke, Amerikahasser und ungebildete Geldklemmis. Unbedingt lesenswert, als Vorgeschmack gibt es den Amerikahasser:
Aber auch den Typus zwei trifft man derzeit so häufig, als hätten grimmige Zombies plötzlich Gruppenreisen gebucht. Es ist der Amerikahasser. Er ist genauso links wie rechts, manchmal sehr links und sehr rechts. In seiner Welt gibt es eine dunkle, böse Macht, und die trägt einen Cowboyhut. Wahrscheinlich haben ihn seine Eltern als Kind immer nur Indianer spielen lassen. Er führt alles Übel der Welt auf George Bush, dessen Eltern, dessen Kinder, dessen Nachbarn, dessen Fußpilz, dessen Land zurück. Er klagt über dicke Ölrechnungen, dicke Kinder, dicke Autos, dicke Dollarkredite, dicke Klimaprobleme, dicke Banken – er muss sich mächtig schmächtig fühlen. Ob die Russen Georgien überfallen, die Iraner eine Atombombe bauen, eine deutsche Pfandbriefbank in die Knie geht – der Böse ist immer der Ami.
Malo hic esse primus quam Romae secundus
(Caesar)
Im TAGESSPIEGEL findet sich ein Interview mit Til Schweiger über seine Rückkehr von Amerika nach Deutschland.
Schweiger:
Man kann halt nicht alles haben. Klar werden wir – Dana, die Kinder und ich – hier von Paparazzi deutlich mehr belagert. Besonders am Anfang war es extrem schlimm. Der Vorteil in Amerika war eben, dass man seine Ruhe hatte. Til Schweiger? Nie gehört, bekam man dort als Antwort. Schauspieler? Schauspieler ist hier jeder!
Glücklich das Land, in dem niemand Til Schweiger kennt. Goethe ist nun schon mehr als 200 Jahre tot, aber sein Amerika, du hast es besser ist aktueller denn je. Direkt nach dem Statement folgt Schweigers Erklärung, warum er trotz der Ruhe vor den Paparazzi nach Deutschland zurückgekommen ist:
Nein, im Moment kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Man war zwar dort weitab vom Schuss – ein Riesenvorteil. Das Wetter – ebenfalls ein Riesenvorteil. Aber ansonsten? Man trifft nur Menschen, die überlegen, wer ihnen nützen kann. Das vermisse ich absolut nicht! Außerdem genieße ich, dass ich in Deutschland meine Filme so umsetzen kann, wie ich es will. In Amerika würde man mir ständig reinreden.
Mr. “Til Schweiger? Nie gehört, bekam man dort als Antwort” ist also zurück nach Deutschland gekehrt, weil er in Amerika seine Filme nicht so umsetzen kann, wie hier – und, natürlich, alle Amis sind egoistische Materialisten, schon klar. Wahnsinn, dieser grundverlogene Narzissmus: Kein Arsch interessiert für einen, man kriegt bestenfalls Nebenrollen in B-Movies, aber man geht natürlich aus ganz anderen Gründen zurück in die Provinz.
Am 7. Dezember wurde auf dem Onlineangebot der WELT eine weitere Mutmaßung darüber angestellt, wer Stefan Aust als Chefredakteur des Spiegels ablöst. Aus dem Umfeld der Spiegel-Gesellschafter ist der WELT zufolge bekannt geworden, dass der Job an Claus Kleber geht. Ulrike Simon ist die Autorin des Artikels, der die Überschrift Ein Amerika-Freund an der Spitze des “Spiegel” trägt. Unter anderem steht in dem Artikel der Absatz:
Der promovierte Jurist, der vor seiner Zeit beim „heute journal“ lange Jahre als Auslandskorrespondent in den USA gearbeitet hat, verbrachte seine gesamte mediale Laufbahn als Hörfunk- und schließlich als Fernsehjournalist. Politisches Gespür ist ihm nicht abzusprechen; insbesondere gilt der Sympathieträger als großer Amerika-Anhänger. Einmal, als bei einem Einspielfilm während des „heute-journals“ die amerikanische Nationalhymne erklang, war er vor der Kamera kurz zu sehen, wie er gerührt die Hand aufs Herz gelegt hatte.
Während ich noch angenehm überrascht war – wenn die Erwartungshaltung bei Null liegt, dann sind gute Nachrichten umso angenehmer – fiel mein Blick auf einen der ersten Kommentare. Die deutschen Grundverlogenheit, wie Claus Christian Malzahn es mal in einem lesenswerten Artikel schrieb, hatte mich mit voller Wucht wieder auf den Boden der Tatsachen geholt; bekanntlich leben wir ja in dem Land, in der die Bevölkerung dem Einfluss der Vereinigten Staaten am “kritischsten” gegenübersteht.
Bonjour tristesse:
Hallo Frau Simon, das hört sich verdammt nach Neid an. Einen Kollegen von Anfang an in eine solche Ecke zu stellen, ist übel.
(User “BENNO” auf WELT-ONLINE)