Posts Tagged ‘Antiamerikanismus’
Verdammt, diese Frau ist einfach großartig:
Künstler und Intellektuelle fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Den Preis dafür aber nennen sie nicht.
Ebendiese Inkonsequenz ist es, die mir den aktuellen Pazifismus so schwer erträglich macht: Zwar hält man den Westen en gros für eine so fragwürdige Kultur, dass man ihm pauschal das Recht abspricht, sich auch mit Gewalt gegen die zu verteidigen, die ihn ihrerseits mit äußerster Skrupellosigkeit attackieren. En détail möchte man in Berlin, Köln oder am Bodensee seinen Rotwein aber auch weiterhin in Ruhe genießen können.
»Freedom isn’t free.« Dieser Satz, der sich auf Deutsch nur etwas umständlich übersetzen lässt als »Freiheit ist nicht kostenlos zu haben«, macht den Kern des US-amerikanischen Selbstverständnisses aus. Wir Deutschen dagegen scheinen immer noch zu glauben, dass die Freiheit, die uns die Amerikaner nach 1945 beschert haben, ebenso kostenlos war wie die Kaugummis, die sie an die deutschen Jungs und Mädels verteilt haben – und die ihnen manch intellektueller Zeitgenosse heute noch vorwirft.
Thea Dorn in der ZEIT: Vulgärpazifismus. Unbedingt lesenswert.
Eine komplette deutsche Ausgabe der Federalist Papers liegt erst seit 1993 vor. Obwohl in philosophischen und historischen Fachkreisen seit jeher rezipiert, hat dieser Mangel dazu geführt, dass diese grundlegenden Texte der demokratischen Staatstheorie im allgemeinen deutschen Bewusstsein kaum verankert sind. Hannah Arendt lehnte Anfang der 1950er Jahre eine Einladung zu einem Politologen-Kongress in Deutschland mit dem Argument ab, diesen Leuten seien noch nicht einmal die Federalist Papers bekannt.
Oder: Ein Zombie kommt selten allein.
Im Cicero (via) stellt Wolfram Weimer eine Typologie der Finanzmarkthysteriker auf, die sich im wesentlichen auf drei Typen stützt: Verklemmte Linke, Amerikahasser und ungebildete Geldklemmis. Unbedingt lesenswert, als Vorgeschmack gibt es den Amerikahasser:
Aber auch den Typus zwei trifft man derzeit so häufig, als hätten grimmige Zombies plötzlich Gruppenreisen gebucht. Es ist der Amerikahasser. Er ist genauso links wie rechts, manchmal sehr links und sehr rechts. In seiner Welt gibt es eine dunkle, böse Macht, und die trägt einen Cowboyhut. Wahrscheinlich haben ihn seine Eltern als Kind immer nur Indianer spielen lassen. Er führt alles Übel der Welt auf George Bush, dessen Eltern, dessen Kinder, dessen Nachbarn, dessen Fußpilz, dessen Land zurück. Er klagt über dicke Ölrechnungen, dicke Kinder, dicke Autos, dicke Dollarkredite, dicke Klimaprobleme, dicke Banken – er muss sich mächtig schmächtig fühlen. Ob die Russen Georgien überfallen, die Iraner eine Atombombe bauen, eine deutsche Pfandbriefbank in die Knie geht – der Böse ist immer der Ami.
Malo hic esse primus quam Romae secundus
(Caesar)
Im TAGESSPIEGEL findet sich ein Interview mit Til Schweiger über seine Rückkehr von Amerika nach Deutschland.
Schweiger:
Man kann halt nicht alles haben. Klar werden wir – Dana, die Kinder und ich – hier von Paparazzi deutlich mehr belagert. Besonders am Anfang war es extrem schlimm. Der Vorteil in Amerika war eben, dass man seine Ruhe hatte. Til Schweiger? Nie gehört, bekam man dort als Antwort. Schauspieler? Schauspieler ist hier jeder!
Glücklich das Land, in dem niemand Til Schweiger kennt. Goethe ist nun schon mehr als 200 Jahre tot, aber sein Amerika, du hast es besser ist aktueller denn je. Direkt nach dem Statement folgt Schweigers Erklärung, warum er trotz der Ruhe vor den Paparazzi nach Deutschland zurückgekommen ist:
Nein, im Moment kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Man war zwar dort weitab vom Schuss – ein Riesenvorteil. Das Wetter – ebenfalls ein Riesenvorteil. Aber ansonsten? Man trifft nur Menschen, die überlegen, wer ihnen nützen kann. Das vermisse ich absolut nicht! Außerdem genieße ich, dass ich in Deutschland meine Filme so umsetzen kann, wie ich es will. In Amerika würde man mir ständig reinreden.
Mr. “Til Schweiger? Nie gehört, bekam man dort als Antwort” ist also zurück nach Deutschland gekehrt, weil er in Amerika seine Filme nicht so umsetzen kann, wie hier – und, natürlich, alle Amis sind egoistische Materialisten, schon klar. Wahnsinn, dieser grundverlogene Narzissmus: Kein Arsch interessiert für einen, man kriegt bestenfalls Nebenrollen in B-Movies, aber man geht natürlich aus ganz anderen Gründen zurück in die Provinz.
Am 7. Dezember wurde auf dem Onlineangebot der WELT eine weitere Mutmaßung darüber angestellt, wer Stefan Aust als Chefredakteur des Spiegels ablöst. Aus dem Umfeld der Spiegel-Gesellschafter ist der WELT zufolge bekannt geworden, dass der Job an Claus Kleber geht. Ulrike Simon ist die Autorin des Artikels, der die Überschrift Ein Amerika-Freund an der Spitze des “Spiegel” trägt. Unter anderem steht in dem Artikel der Absatz:
Der promovierte Jurist, der vor seiner Zeit beim „heute journal“ lange Jahre als Auslandskorrespondent in den USA gearbeitet hat, verbrachte seine gesamte mediale Laufbahn als Hörfunk- und schließlich als Fernsehjournalist. Politisches Gespür ist ihm nicht abzusprechen; insbesondere gilt der Sympathieträger als großer Amerika-Anhänger. Einmal, als bei einem Einspielfilm während des „heute-journals“ die amerikanische Nationalhymne erklang, war er vor der Kamera kurz zu sehen, wie er gerührt die Hand aufs Herz gelegt hatte.
Während ich noch angenehm überrascht war – wenn die Erwartungshaltung bei Null liegt, dann sind gute Nachrichten umso angenehmer – fiel mein Blick auf einen der ersten Kommentare. Die deutschen Grundverlogenheit, wie Claus Christian Malzahn es mal in einem lesenswerten Artikel schrieb, hatte mich mit voller Wucht wieder auf den Boden der Tatsachen geholt; bekanntlich leben wir ja in dem Land, in der die Bevölkerung dem Einfluss der Vereinigten Staaten am “kritischsten” gegenübersteht.
Bonjour tristesse:
Hallo Frau Simon, das hört sich verdammt nach Neid an. Einen Kollegen von Anfang an in eine solche Ecke zu stellen, ist übel.
(User “BENNO” auf WELT-ONLINE)