Posts Tagged ‘Antisemitismus’

25th April
2009
written by Tobias Blanken

In der taz findet sich ein Kommentar von Anetta Kahane zur UN-Anti(?)-Rassismus-Konferenz:

Nach allem, was auf der UN-Konferenz gegen Rassismus in Genf geschehen ist, war es auch im Nachhinein gesehen richtig, dass Deutschland an dieser Veranstaltung nicht teilgenommen hat. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hatte enttäuscht gefragt, ob denn wegen der Interessen eines Landes (Israel) das gesamte weltweite Bemühen, gegen Rassismus vorzugehen, behindert werden sollte, wo doch das Abschlussdokument vergleichsweise harmlos sei. Genau diese Fragestellung jedoch zeigt, dass die UN-Konferenz eines nicht wahrhaben wollte: Heute ernsthaft Rassismus bekämpfen zu wollen, ohne gleichzeitig Antisemitismus ebenso entschieden abzulehnen, ist unmöglich.

Mehr in der taz: Das Durban-Syndrom.

3rd February
2009
written by Tobias Blanken

Eben entdeckt, dass mit Wolf Biermanns “Salzig Salzig Salzig Salzig” einer der besten Texte von 2002 wieder kostenlos bei SPIEGEL ONLINE zur Verfügung steht:

Die Völker im Abendland haben eben alle ein geradezu intimes Schuld- und Schandeverhältnis zu den Juden. Irgendwann mal abgeschlachtet, ein bisschen ausgerottet, verjagt, ausgeraubt, diskriminiert und ausgeliefert haben sie ihre jüdischen Mitbürger ja fast alle. Bei näherem Hinsehen natürlich jedes Mal sehr verschieden. Aber der gemeinsame Nenner ist doch ein dumpfes Missbehagen, ein ordinär parfümiertes Gemisch aus schlechtem Gewissen, aus Verleugnung, intellektuellem Neid und gutmenschelndem Selbstmitleid. Und das macht alles noch heilloser – seit eh und je lastet nun mal dieser unentrinnbare Fluch auf all den verschiedenen Tätern: Was sie an ihnen verbrochen haben, das wollen und können sie ihren Opfern niemals verzeihen. Und schlimmer noch: An dieser schwelenden Schuld tragen dann auch noch die schuldlosen Kinder der Kindeskinder.

[...]

Die US-Amerikaner sind da fein raus. Bei ihnen liegen andere Leichen im historischen Keller, jüdische aber nicht. Sogar die liberalen Engländer haben vor ein paar hundert Jahren sämtliche Juden auf den britischen Inseln ausgerottet oder von dort verjagt.[...]

Ein absolut lesenswerter Text. Gerade für die Knallchargen, die zwanghaft von einer “pro-israelischen” Einstellung in Europa schwadronieren und die Einstellung wiederum auf das “ach so schlechte” Gewissen der Europäer zurückführen, mit dem man brechen müsse, um zu einer “objektiven” Betrachtung des Nahost-Konfliktes zu gelangen.

26th January
2009
written by Tobias Blanken

Springtime for idiots. Even in America:

Yeah, full democratic rights for gays, lesbians, bisexuals, transgenders. Right. Oh wait, silly me, there is a country involved in this conflict where gays, lesbians, bisexuals and transgenders have full democratic rights: it’s called Israel. And if you truly wanted freedom and equality for gays and lesbians in the region, you’d be protesting against the harsh shari’a regime of Hamas, under which homosexuality or “gender transgression” of any kind brings an immediate death sentence.

So der Kommentar vom zomblog über dieses Plakat während einer wirklich widerlichen Anti-Israel Demo in San Francisco (via).

14th December
2008
written by Tobias Blanken

Ich kann gar kein Antisemit sein, denn ich bin Semit.

(Jamal “die allmächtige zionistische Lobby” Karsli)

Letzte Woche dachte ich ja noch, dass diese verquere Logik nicht mehr zu toppen ist. Aber da habe ich mich wohl geirrt. Auch dachte ich immer, dass die Selbstinszenierung von nationalistischen und revanchistischen Österreichern, die ihr Land als “erstes Opfer des Nationalsozialismus” darstellen, an Absurdität nur schwer übertroffen werden kann.

Aber dann bin ich über diesen Artikel in der Readers Edition gestolpert, in dem der Leser erfahren kann, dass a) der normale Deutsche natürlich – niemals – ein Antisemit gewesen ist und b) der Holocaust eigentlich dem deutschen Volk gegolten hat. Selbstverständlich haben es die Juden auch zu verantworten, wenn man sie anstelle der Deutschen vernichtet hat – schließlich haben sie durch ihren “Absolutheitsanspruch” den Nazis ein ideales Motiv gegeben. Aber lassen wir die Readers Edition doch einfach zu Wort kommen:

Ich persönlich glaube nicht, dass der normale Deutsche jemals einen Konflikt mit Semiten hatte, gestern nicht und heute auch nicht. Spätere und neue Aufarbeitungen des Holocaust jedoch werden zeigen, dass die Vernichtung der Juden im Dritten Reich, nichts weiter waren, als ein übliches diktatorische Mittel der Freundfeindaufteilung über die Vogelfreierklärung einer Minderheit im eigenen Land.

Besonders geeignet hierfür war die jüdische Religion mit ihrem Anspruch auf den wahren Gott. Denn sie besagt: Wer kein Jude ist, ist ungläubig. Hier besteht Absolutheitsanspruch. Die Nationalsozialisten haben dies geschickt verwendet, um ihr eigenes Volk zu unterdrücken, insoweit, als sie vermittelten: bist du gegen uns, dann geht es dir wie den Juden.

Und, wozu diese geistigen Verrenkungen? Genau: Die armen, unschuldigen Deutschen werden unterdrückt, damit die Juden weiterhin die “semitischen Araber” diskriminieren können: Besonders brisant wird die Auslegung des Begriffs Antisemitismus neuzeitlich in Bezug auf die Juden in Israel werden, hinsichtlich semitischen Araber die dort ganz offensichtlich diskriminiert werden. Hier werden die Juden an einen Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart stoßen, der zeigen wird, dass Antisemitismus kein dauerhaftes Schuldgefühlprogramm ist, das man den Deutschen auf ewig unterstellen kann. Die National-Zeitung und Jamal Karsli hätten es nicht besser formulieren können.

9th April
2008
written by Tobias Blanken

Auf der stramm katholischen Internetplattform kreuz.net konnte man schon in der Vergangenheit praktizierenden Rechtsextremismus und Antisemitismus bewundern – oftmals vermischt mit einer richtig dicken Portion aggressiver Homophobie. Man dachte: Schlimmer geht’s nimmer, aber auch da hat man sich getäuscht. Am Sonntag erschien dort der Artikel Hexenwahn, Holocaust und Evolution, bei dem der Leser folgendes erfahren kann:

Woher wußte man, daß Hexen auf Besen durch die Lüfte fliegen können? Was für eine Frage! Man hatte von frühester Kindheit an ständig davon gehört.

Auch waren alle gelehrten Männer jener Zeit davon überzeugt. Außerdem wurde dies in zahlreichen Strafprozessen festgestellt. Somit galt es als offenkundig, daß Hexen auf Besen durch die Lüfte fliegen können.

So, wer jetzt ein katholisches “mea culpa” erwartet, der hat in die falsche Richtung gedacht. Stattdessen geht der Text so weiter:

Heute gilt es als offenkundig, daß sechs Millionen „Juden“ vorwiegend in Gaskammern umgebracht wurden.

Das haben wir in der Schule gelernt. Das haben wir in vielen Fernsehsendungen erfahren. Daran erinnern uns Politiker bei verschienen Anlässen. Alle wissen es. Zwar gibt es Widerspruch.

Den gab es auch zur Zeit des Hexenwahns.

Natürlich kommt auch diese Holocaustleugnung nicht ohne die Frage nach den Profiteuren aus:

Denn der nationalsozialistische Völkermord darf nicht angezweifelt werden. Vielmehr haben wir uns besonders als Deutsche in der Gewißheit desselben ständig Asche auf unser Haupt zu streuen und wegen unserer besonderen Vergangenheit die finanziellen und militärischen Wünsche des Staates Israel zu erfüllen.

Alle anderen geschichtlichen Ereignisse darf man öffentlich anzweifeln und sogar leugnen, nur die Judenvernichtung nicht.

Denn mit diesem schrecklichen Geschehen wird die Sonderstellung des „jüdischen“ Volkes begründet, die zu dessen Machtfülle führt.

Durch ihre Machtfülle kann diese Minderheit nicht nur öffentliche Zweifler am politisch korrekten Geschichtsbild ins Gefängnis werfen lassen, sondern auch Geldströme zu „jüdischen“ Institutionen lenken.

Geschrieben wurde der Artikel laut kreuz.net von Dr. Johannes Lerle (55), einem bekannten Lebensschützer aus Erlangen. Im vergangenen Juni verurteilte ihn das Amtsgericht Erlangen wegen angeblicher Holocaust-Leugnung zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Er ist also vorbestraft, sitzt höchstwahrscheinlich noch im Knast – und leugnet von dort aus (gibt es im Knast Internet?) weiter öffentlich den Holocaust. Was hoffentlich ein weiteres Verfahren nach sich ziehen wird. Im Unterschied zu kreut.net, die laut Impressum in den USA beheimatet sind und daher nur schwer von der deutschen Justiz belangt werden können. Verdient hätten sie es dicke.

18th March
2008
written by Tobias Blanken

Mr. Weltner thinks it was the Zionists who sank the Titanic because Iceberg sounds like a Jewish name.

(Quelle)

Auf Politblog.net kann man das neuste Kapitel der Mutter aller Verschwörungstheorien bewundern. Neben einem hohen Maß an Imagination ist dem Autor eines sicher nicht abzusprechen: Ausdauer.

Normale Leute sind irgendwann gelangweilt, wenn sich der Plot wiederholt. Und wenn man die Story in verschiedensten Variationen schon tausendmal gehört hat. Gerade dann, wenn eben diese Story vor nicht mal 7 Jahrzehnten von Staats wegen überall verbreitet wurde. Nicht so dieser Blogautor. Allen Wiederholungen seit Wilhelm Marr zum Trotz verlegt er den klassischen Plot – es gibt ein Ereignis, hinter dem Ereignis steht eine Verschwörung, hinter der Verschwörung stehen wiederum die Juden – ins heutige New York.

Hier eine kurze Leseprobe aus der x-ten Version mit dem lyrischen Titel “Spitzer tappt in Venusfalle”:

Jedenfalls scheint es plausibel, dass der Prostitutionsring, bei dem Spitzer verkehrte, eine Operation des Mossad ist. Der Hauptdrahtzieher Mark Brener hat nicht nur einen, sondern gleich zwei israelische Pässe.
Interessant wäre, ob neben Spitzer noch andere Spitzenpolitiker der Ostküste im Fadenkreuz der potenziellen Erpresser waren. Hier könnten die schon eine Weile laufenden Ermittlungen weitere Erkenntnisse bringen.

Neben dem allgemein bei allen einflussreichen und/oder reichen Personen gültigen Motiv könnte Spitzer das Ziel israelischer Erpressung geworden sein, weil er seinerzeit gegen die Holocaust-Industrie vorgegangen ist. Er war in seiner damaligen Funktion als Oberstaatsanwalt von New York einer der Hauptermittler gegen die Betrüger in der Chefetage des World Jewish Congress. Und mit Opher Hirschsohn war der Sohn des damaligen israelischen Finanzministers ebenfalls eine der Figuren jener Holocaust-Industrie. Eventuell wollten hochrangige Israelis also vorsorgen, falls Spitzer auf die Idee kommen sollte, weitere Schritte gegen deren Einnahmequelle zu unternehmen.

18th February
2008
written by Tobias Blanken

Alan Posener rezensiert für das Deutschlandradio Kultur Walter Laqueurs Gesichter des Antisemitismus – Von den Anfängen bis heute. Posener:

Noch ein Buch über den Antisemitismus. Kann man wirklich etwas Neues über dieses uralte Thema sagen? Vielleicht nicht. Aber das, was es darüber zu sagen gibt, von den Wurzeln des Antisemitismus im frühen Christentum bis zum heutigen Antisemitismus im Islam und in Teilen der Linken, hat selten einer so brillant zusammengefasst wie jetzt Walter Laqueur.

Zum Artikel um Deutschlandradio.

(Danke an Carl für den Hinweis)

17th January
2008
written by Tobias Blanken

Der Tagesspiegel hat soeben folgendes berichtet:

Punks zettelten Hetzjagd an

Die fünf Schüler der Jüdischen Oberschule an der Großen Hamburger Straße befanden sich gestern auf dem Heimweg als sie plötzlich von den Punks verbal angegriffen wurden. An der Ecke Oranienburger Straße/Ecke Große Hamburger Straße beschimpften die vier Männer die Schüler mit antisemitischen Parolen.

Danach setzten die Punks ihre verlausten Begleiter in Bewegung:

Anschließend hetzten sie einen ihrer Hunde auf die Jugendlichen und eine Verfolgungsjagd begann. Ein 15-Jähriger rettete sich in einen Bäckerladen. Der Hund ließ erst von ihm ab als dieser die Tür schloss.

19th December
2007
written by Tobias Blanken

Die Kritik der Kritischen Theorie in Gänze beherrschen andere deutlich besser als ich, aus aktuellem Anlass möchte ich jedoch im folgenden auf einen ein Nebenwiderspruch der Kritischen Theorie eingehen; genauer: Auf die Elemente des Antisemitismus aus Adornos und Horkheimers Dialektik der Aufklärung.

Unter der Voraussetzung, dass man einzelne Sätze und Abschnitte unabhängig von der Kapitalismus- und Gesellschaftskritik des Gesamtwerkes betrachtet (ob legitim oder nicht sei hier dahingestellt; die Aufrechterhaltung der Differenz und Einheit von Liberalismus und Faschismus durch die Kritische Theorie soll ebenfalls nicht thematisiert werden), dann findet man etliche geniale Stellen. In der sechsten These etwa heißt es: Anstatt der Stimme des Gewissens hört es Stimmen; anstatt in sich zu gehen, um das Protokoll der eigenen Machtgier aufzunehmen, schreibt es die Protokolle der Weisen von Zion den andern zu. Sprachgewaltig wird vor Augen geführt, was der Antisemitismus über das Subjekt und dem Objekt der Projektion aussagt; die Stelle kann nahtlos an Sartres Wenn es keinen Juden gäbe, der Antisemit würde ihn erfinden anknüpfen.

Deutlich häufiger findet man jedoch Stellen, die selbst unter der Ausblendung der Kapitalismuskritik äußerst problematisch sind. Die Elemente des Antisemitismus sind voll von Widersprüchen, die sich auch beim besten Willen nicht durch (eine wie auch immer geartete) Dialektik aufheben lassen. Beispiel: Die ersten sechs Thesen sind von der Anstrengung durchzogen, die Besonderheiten des Antisemitismus aufzuzeigen. Dennoch fällt in der zweiten These der Satz Und wie die Opfer untereinander auswechselbar sind, je nach der Konstellation: Vagabunden, Juden, Protestanten, Katholiken, kann jedes von ihnen anstelle der Mörder treten, in derselben blinden Lust des Totschlags, sobald es als die Norm sich mächtig fühlt. Aller historischen Erfahrungen zum Trotz werden Täter und Opfer als beliebig austauschbar dargestellt, als wenn es nur ein Zufall gewesen wäre, dass die Deutschen die Juden umgebracht haben – und eben nicht umgekehrt. Adorno und Horkheimer könnten hier durchaus auch als Stichwortgeber für diejenigen fungieren, die ständig so widerlichen geistigen Schwachsinn wie die Muslimen sind die Juden von heute von sich geben. Die siebte These ist aus dieser Hinsicht besonders problematisch, da unter den wunderbar klingenden Begriffen des Tickets und der Ticketmentalität die Besonderheit des Antisemitismus und selbst des Holocausts zu verschwinden droht.

Ebenso widerspruchsvoll und problematisch verhält es sich mit dem eigentlichen Nebenwiderspruch dieses Posts. Lizas Welt hat heute folgendes zur Einleitung eines (ansonsten lesenswerten, zumindest für Personen mit Interesse an Szenediskussionen) Artikels geschrieben:

Manche Sätze gehören einfach in Stein gemeißelt: „Der eigentliche Gewinn, auf den der Volksgenosse rechnet, ist die Sanktionierung seiner Wut durchs Kollektiv“, schrieben Horkheimer und Adorno einmal über die maßgeblichen Triebkräfte des Antisemitismus, und: „Je weniger sonst herauskommt, um so verstockter hält man sich wider die bessere Erkenntnis an die Bewegung. Gegen das Argument mangelnder Rentabilität hat sich der Antisemitismus immun gezeigt.“ Es war dies nicht zuletzt eine Kritik des Ökonomismus, wie ihn die Kommunisten betrieben, die in Auschwitz, Treblinka und Majdanek bloß die Kulmination der Verbrechen des Monopolkapitals, die ultimative Konsequenz ungehemmten Profitstrebens also, erkennen wollten. Dass die Vernichtung der europäischen Juden um ihrer selbst willen geschehen und keiner gewöhnlichen Kosten-Nutzen-Rechnung gefolgt sein könnte, war für die Revolutionäre schlicht undenkbar.

Ehrlich gesagt wünschte ich, man könnte dieses so stehen lassen. Aber in den Elementen des Antisemitismus finden sich mehrere Aussagen, die zeigen, dass auch Adorno und Horkheimer im plattesten Ökonomismus der Kommunisten gefangen blieben. Gleich in der ersten These fällt der Satz Den Arbeitern, auf die es zuletzt freilich abgesehen ist, sagt es aus guten Gründen keiner ins Gesicht, der aus dem Antisemitismus die ordinäre kommunistische Betrachtung eines Ablenkungsmanövers macht. Der Satz könnte so auch in den Schulbüchern der DDR oder den Faschismustheorien eines Reinhard Kühnl stehen, wo der Holocaust beständig zu einem Kollateralschaden beim Hobeln an der ach so tollen Arbeiterbewegung verkommt.

Die Genossen Dimitroff und Kuusinen lassen in der zweiten These (wenige Zeilen über dem von Lizas Welt verwendeten Zitat) grüßen, wenn es da heißt Seine Zweckmäßigkeit für die Herrschaft liegt zutage. Er wird als Ablenkung, billiges Korruptionsmittel, terroristisches Exempel verwandt. Die respektablen Rackets unterhalten ihn, und die irrespektablen üben ihn aus. [...] Die hohen Auftraggeber freilich, die es wissen, hassen die Juden nicht und lieben nicht die Gefolgschaft. In die selbe Kerbe eines Ökonismus, dessen Geistesgehalt dem einer Verschwörungstheorie entspricht, schlägt auch die siebte These, wenn es dort heißt Anstelle der antisemitischen Psychologie ist weithin das bloße Ja zum faschistischen Ticket getreten, dem Inventar der Parolen der streitbaren Großindustrie.

Der von den Kommunisten so heiß geliebte Klassencharakter des Faschismus findet sich auch in der sechsten These: In solcher Macht bleibt es dem von der Partei gelenkten Zufall überlassen, wohin die verzweifelte Selbsterhaltung die Schuld an ihrem Schrecken projiziert. Vorbestimmt für solche Lenkung sind die Juden. Die Zirkulationssphäre, in der sie ihre ökonomischen Machtpositionen besaßen, ist im Schwinden begriffen. Die liberalistische Form des Unternehmens hatte den zersplitterten Vermögen noch politischen Einfluß gestattet. Jetzt werden die eben erst Emanzipierten den mit dem Staatsapparat verschmolzenen, der Konkurrenz entwachsenen Kapitalmächten ausgeliefert.

Kurz und gut: Einige Stellen aus den Elementen des Antisemitismus sind klasse – aber als eine Kritik des Ökonomismus, wie ihn die Kommunisten betrieben sind die Elemente unbrauchbar, schlimmer noch: Sie sind selbst im Ökonomismus gefangen.

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