Posts Tagged ‘Berlin’

27th August
2011
written by Tobias Blanken

Viele von ihnen sind später gekommen, als es schon langsam besser wurde, schöner, sauberer. Dann aber beschlossen sie, dass es so bleiben müsse, genau so, wie sie es vorgefunden hatten. Sie wollen bestimmen, wie der Ort, an dem sie leben, auszusehen hat, welche Menschen dort zu wohnen haben und welche nicht, welcher Dialekt oder Akzent zu sprechen ist, wie viel Geld der Nachbar höchstens zu verdienen hat. Mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben.

Früher war auch nicht alles besser, sondern vieles schlechter. Nana Heymann im TAGESSPIEGEL: Mehr Gentrifizierung wagen!

22nd August
2011
written by Tobias Blanken

Es gibt immer Menschen, die Feindbilder brauchen. Früher hieß es in Kreuzberg auch öfter mal, die Scheißtouristen sollten abhauen. Ich habe mal erlebt, wie geborene Berliner auf der Wiener Straße als Touristen beschimpft wurden, und zwar von Leuten mit schwäbischem Akzent. Aber das ist kein Argument gegen die Schwaben. Wer gegen Schwaben ist, ist auch nur Rassist.

Sven Regener, 2008

Die Blockwarte Gentrifizierungsgegner haben mal wieder zugeschlagen:

Die Erleichterung der Bewohner Prenzlauer Bergs über die Festnahme eines mutmaßlichen Brandstifters währte nur kurz: In der Nacht zu Montag brannte wieder ein Kinderwagen – dieses Mal in einem Hostel in der Driesener Straße. Dabei hatte die Polizei erst am vorigen Freitag einen Erfolg gemeldet: Die Fahnder hatten den 29-jährigen Zeitungszusteller Maik D. gefasst und konnten ihm elf Taten seit Mitte Juli in Prenzlauer Berg nachweisen. Der Neuköllner gestand und soll als Motiv „Hass auf Schwaben in Prenzlauer Berg“ angegeben haben, bestätigte ein Ermittler.

Der Tagesspiegel: Angezündete Kinderwagen in Prenzlauer Berg : Brandstifter nennt “Schwabenhass” als Motiv

16th August
2011
written by Tobias Blanken

Götz Aly will nicht mehr:

Im Wahlprogramm der Grünen für Friedrichshain-Kreuzberg lese ich, wie die Partei den Zuzug von mittelständischen Mietern unter dem Stichwort Milieuschutz verhindern will. Da heißt es: “Auch die Mieten steigernde Nachmodernisierungen wie Parkettböden oder Vollverkachelung von Bädern können verhindert werden, allerdings unterliegen viele dieser Maßnahmen keiner Meldepflicht. Hier sind die BewohnerInnen aufgerufen, dem Bezirk entsprechende Vorhaben zu melden.” Ekelhaft, eine Partei der Blockwartinnen und Denunzianten wähle ich nicht.

Berliner Zeitung: Ich mach dann mal Pause

23rd December
2010
written by Tobias Blanken

Man muss ihn nicht sympathisch finden – doch Ronald Reagan hat gerade in Berlin Anerkennung und Ehre verdient. Eine Ronald-Reagan-Straße ist das Mindeste. Kein Politiker hat einen so großen Anteil am Fall der Mauer. Kein Präsident, kein Kanzler hat so eindeutig, direkt und unmissverständlich auf die Erosion der Sowjetmacht hingewirkt. Keiner war ein so erfolgreicher kalter Krieger.

Weiterlesen im TAGESSPIEGEL: Der Wildeste im Westen

1st July
2010
written by Tobias Blanken

Neues aus dem Land der Dichter und Denker Bescheuerten und Beknackten:

Youssef Bassals Gesichtsfarbe changiert schon ein wenig ins Graugrünliche. Er hat nicht viel geschlafen in den vergangenen Tagen – seit »diese komischen Deutschen« nachts vor seinem Laden in Berlin-Neukölln aufkreuzen und ihm seine Fahne herunterreißen wollen. Er lächelt müde, aber zufrieden wie einer, der einen gerechten Kampf ausficht. Bassal kämpft für die Ehre der deutschen Flagge: »Ich werde diese Fahne verteidigen – und wenn ich überhaupt nicht mehr zum Schlafen komme!« Über seinem Laden, Bassals Elektro-Shop, am oberen Ende der Sonnenallee in Berlin-Neukölln flattert das größte Schwarz-Rot-Gold der Hauptstadt – von der Traufe bis hinunter in den ersten Stock gut 17 mal 5 Meter. 85 Quadratmeter Deutschland, die zum Gegenstand eines bizarren Streits geworden sind.

Bassal erzählt: »Wir sollten lieber eine Palästina-Flagge aufhängen, hat sie gesagt. Wieso Palästina? Ich bin Libanese, ich liebe die deutsche Mannschaft, und die Palästinenser spielen, soweit ich weiß, nicht bei der WM mit.«

Jörg Lau: 85 Quadratmeter Deutschland.

Siehe auch: Was ist nur mit den Deutschen los.

6th December
2008
written by Tobias Blanken

Diese Weltoffenheit ist verschwunden und bis heute weg. Der amerikafreundliche Impuls war schon zu Beginn der 60er-Jahre Geschichte, als Fraenkel, dessen Lehrstuhl ich dann übernahm, das Kennedy-Institut gründete. Die Studenten interessierten sich damals nicht mehr wirklich für Amerika. Und dann kam eben 1968, und die Stimmung kippte vollends um.

(Arnulf Baring)

DIE WELT hat ein Gespräch mit Klaus Schütz, Udo Knapp, Thea Dorn und Arnulf Baring anlässlich des 60 Geburtstages der FU geführt: Heute feiert die Freie Universität Berlin ihr 60-jähriges Bestehen. Ein Gespräch über das Besondere, das Verlorene und das Grauenvolle einer berühmt-berüchtigten Bildungsstätte. Und die ZEIT widmet der Person hinter der Matrikelnummer 1 einen Artikel: Wie Stanislaw Kubicki vor 60 Jahren mit Kommilitonen die Freie Universität Berlin gründete und ihr allererster Student wurde.

12th October
2008
written by Tobias Blanken

gestern niemand / morgen tot und dazwischen was?

(Fanta 4 – Populär)

Ok, seien wir realistisch: Die Sache mit dem sexy geht schon in Ordnung. Aber arm? Das ist dann doch etwas übertrieben. Außerdem hätte man ja auch vorher fragen können. Andererseits – warum sollte man sich mit solchen Kleinigkeiten aufhalten? Ich für meinen Teil danke der Academy. Und natürlich meiner Mutter. Und meinen Vater. Und ein ganz besonderer Dank geht an die Galerie Tinderbox und dem Eiben – ohne ihn wäre an der Last zusammengebrochen. Last but not least: Meinem Lieblingshippie. Ohne ihn wäre ich niemals so weit gekommen. God bless you all!

SPD

5th July
2008
written by Tobias Blanken

Schwaben. Langsam werden sie mir sympatisch. Wer so’ne Arschkrampen (via) an der Backe hat kann muss was richtig gemacht haben:

Nein! Ich habe kein Problem mit Schwaben. Habe ich wirklich nicht. Ich kenne sogar Leute aus der Ecke, die ich sehr schätze. Manche haben mich schon zum Rote-Grütze-Essen eingeladen. Andere haben mir extrem leckere Pizza gemacht und leckere Nudeln. Ich hatte sogar mal eine kleine Freundin, deren Vorfahren aus dem Schwabenländle an die Wolga gezogen sind. Gegen Schwaben habe ich nichts.

Und, nein, es handelt sich nicht um verunglückte Satire. Da sieht jemand in dem Schwaben an sich eine größtmögliche Bedrohung für seine Gemeinschaftsutopie – die man heute gewachsene soziale Milieus nennt und erfolglos unter Naturschutz zu stellen versucht.*

Patriotismus. So wie ich ihn mag.

Dummies. Martin Hagen über die mittlerweile wohl dümmste Partei Deutschlands: Einer Sozialdemokratie, die sich ihrer Erfolge schämt, ist nicht zu helfen.

*Das Satzende ist geklaut. Von den durchgeknallten Linksextremen. Genauer: Aus einem sehr guten Aufsatz über Momo, Michael Ende, den Eltern aller Schichten und Tocotronic.

29th May
2008
written by Tobias Blanken

Manhattan:

Manhattan Empire State Building Defenders of Freedom

Mitte:

Berlin Mitte Soldaten sind Mörder

 

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26th April
2008
written by Tobias Blanken

In der ZEIT findet sich ein Artikel über das Brunnenviertel im Berliner Stadtteil Wedding. Die Migranten wandern aus:

Im Berliner Brunnenviertel ist der Ausländeranteil so hoch, dass selbst einige türkische Familien ihre Kinder dort nicht mehr zur Schule schicken. Eine Initiative will nun das Quartier vor dem Niedergang bewahren.

Durchaus lesenswert. Was mich jedoch stärker beschäftigt: Ich wohne seit 7 1/2 Jahren in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg. Also in der Straße, die wegen den ganzen Cafes und Modeboutiquen auch gerne mal “Castingallee” genannt wird. Die Straße, die von dem mäßig witzigen Rainald Grebe besungen wird. Die Straße, die neben dem Helmi das Zentrum der Bionaden-Biedermeier ist – laut ZEIT das Biotop der Schönen und Kreativen.

Und nun habe ich mal in den Stadtplan geschaut. Das Brunnenviertel ist von mir 500 Meter entfernt. Und ich war in den 7 1/2 Jahren niemals da. Klar, durch die Bernauer Straße an der Grenze zum Brunnenviertel fahre ich öfters. Ein paar mal bin ich auch durch die Gleimstraße gefahren. Aber in dem Viertel war ich nie. Das Viertel ist mir fremder als Spandau. Als würde die Mauer noch stehen.

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