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On the whole, it is better to deserve honors and not have them than to have them and not deserve them.
(Mark Twain)
Die erste Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes:
Der 74 Jahre alte israelische Reiseführer Motke Shomrat hat am Freitag morgen um 9:00 Uhr die deutsche Botschaft in Tel Aviv aufgesucht und Botschafter Harald Kindermann „mit großem Schmerz“ sein Bundesverdienstkreuz aus Protest gegen die Ehrung der israelischen Anwältin Felicia Langer zurückgegeben.
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Was ich an der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia-Amalia Langer und der nachfolgenden Debatte nicht verstehe: Die Dame war im Zentralkomitee der kommunistischen Partei Israels. Deshalb müssten doch im Schloss Bellevue und im Staatsministerium Baden-Württemberg sämtliche Alarmglocken rechtzeitig klingeln. Dürfte man – naiv wie man ist – jedenfalls erwarten. Insbesondere, wenn CDU-Politiker an der Spitze stehen. Aber die Konservativen sind wohl auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Wenn die Alarmglocken nur ein wenig geklingelt hätten, dann hätte man sich sicher ihr Biographie angeschaut. Ein Klick zu Wikipedia hätte gereicht, um zu erfahren, dass Felicia-Amalia Langer 2006 den “Menschenrechtspreis” der “Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde” erhalten hat. Eine Organisation, die selbst im fernen Baden-Würtemberg als Sammlungsbewegung von alten Stasi- und SED-Kadern bekannt sein dürfte. Falls nicht: Auch hier hätte ein Klick auf Wikipedia vollkommen ausgereicht:
Der Historiker Christian von Ditfurth ordnete 1998 die GBM als eng verflochten mit der PDS ein, ebenso wie die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung und die Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte. Gleichlautend äußerten sich auch der DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß, sowie eine Referatsleiterin im Thüringer Sozialministerium, die erklärte, die „Stasi-Leute“ seien heute gut organisiert in Vereinigungen wie der „Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde“ oder der „Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung“. Der Historiker Hubertus Knabe kennzeichnete die Mitglieder 2007 als „DDR-Nostalgiker“, deren Tätigkeit „ein organisierter Kampf für die Interessen von Stasi- und SED-Kadern“ sei.
Aber man verleiht ja nur ein Bundesverdienstkreuz. Da sind 5 Minuten Recherche wohl schon zu viel verlangt. Eventuell würde man dann ja auch drüber stolpern, dass Fidel Castro ebenfalls “Menschenrechtspreisträger” dieser Kaderorganisation ist. Natürlich gibt es auch noch den Bundesverfassungsschutz und den Verfassungsschutz Baden-Württemberg, bei denen man auch einfach mal hätte anfragen können, wie wohl das “Menschenrechtsverständnis” dieser Organisationen aussieht und ob es in der Staatsräson liegt, Preisträgern dieser Organisation auch noch das Bundesverdienstkreuz anzuhängen. Aber nein, man lobt stattdessen Langers Kampf für Menschenrechte in der Laudatio über den Klee.
Da fehlt eigentlich nur noch ein White-Power-Activist, der zuvor vom Ku-Klux-Klan den jährlichen “Imperial Wizard & Grand Dragon Antirassismuspreis” bekommen hat und das Bundesverdienstkreuz für unermüdliche “Courage gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhetze” verliehen bekommt.
Nachtrag I: Der TAGESSPIEGEL thematisiert die dunkelrote Vergangenheit der “unverzagten Stalinistin” mit den Worten:
Für Felicia Langer ist die Welt schwarz und weiß. Ohne Grau- und erst recht ohne Farbtöne. Israel repräsentiert für sie die dunkle Seite, die Palästinenser sieht sie ausnahmslos in strahlender Helligkeit. Ist ihr dafür nun vor einer Woche in Stuttgart das Bundesverdienstkreuz verliehen worden? Oder dafür, dass sie seinerzeit, als ZK-Mitglied der Kommunistischen Partei Israels, Ehrengast Erich Honeckers war?
Nachtrag II: Die Jüdische Gemeinde zu Berlin fragt sich ebenfalls, wie es trotz ihrer dunkelroten Vergangenheit überhaupt zu der Verleihung kommen konnte:
Zentral ist bei diesem Skandal die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass im Vorfeld der Entscheidung, Langer diese höchste deutsche Ehrung zuteil werden zu lassen, ihre bis heute aktuelle kommunistische Ausrichtung, ihre Israelfeindlichen Äußerungen und ihre Unterstützung von gewalttätigen und demokratiefeindlichen Kräften nicht berücksichtigt wurden.
Nachtrag III: Auch Josef Joffe fragt sich, warum die “Antennen” des Bundespräsidialamtes so versagen konnten:
Der Tagesspiegel: Der israelischen Menschenrechtsaktivistin Felicia Langer wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen. Eine gute Wahl?
Josef Joffe: Nein. Das Kreuzlein für die Dame ist so, als hätte Israel eine dort lebende Deutsche ausgezeichnet, die dieses Land ständig als Nazi-Festung geißelt, gleichzeitig aber auch Nettes über das Nazi-Regime zu berichten weiß. Israel ist für L. ein Ausbund des Rassismus, Ahmadinedschad ganz okay, Zivilisten-Killer erscheinen ihr als Freiheitskämpfer. Den Zentralrat der Juden hält sie für eine „Filiale der israelischen Botschaft“. Das ist eine Beleidigung für den Zentralrat, weiß doch jeder richtige Antisemit, dass dieser die Landeszentrale der Weltverschwörung ist – also weitaus mächtiger als eine mickrige Botschaftsdependance. WmdW ist verblüfft: Wieso haben die Antennen (und Archive) des Bundespräsidialamtes versagt?