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Bei der Nato werden die Deutschen hinter vorgehaltener Hand als neue Franzosen bezeichnet, also als Zauderer und Blockierer gebrandmarkt. Berlin habe die frühere Rolle Paris’ übernommen und stehe nun für: Bürokratie, Besserwisserei und Blockaden.
Neues von Herrn Tillich:
Der eine gestaltete noch 1989 als Funktionär einer der fünf staatstragenden sozialistischen Parteien der DDR die SED-Diktatur aktiv mit. Der andere war als KGB-Offizier in Dresden unter dem Decknamen “Adamov” für den Sozialismus tätig.
(jo@chim vom antibuerokratieteam)
Ein Skandal, findet die Opposition: Stanislaw Tillich, Ministerpräsident mit DDR-Systemnähe, wird beim Semperopernball dem einstigen Dresdner KGB-Offizier und jetzigen russischen Premier Wladimir Putin den Dankesorden in Gold überreichen. Kritiker fragen: Wofür bloß?
Blockflöte für Tschekisten.
Gegen die Süddeutsche prozessiert Grass wegen der Behauptung des Blattes, das Dritte Reich habe etwas mit dem “sogenannten Rassismus” zu tun. Er, Grass, wisse ganz sicher, daß dieser “sogenannte Rassismus” eine Erfindung der Amerikaner sei, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg als “ein weiteres der fundamentalen Verbrechen dieser ruchlosen Nation im letzten Jahrhundert” manifestiert habe.
(Titanic – Günter Grass kurz vor dem Endsieg)
Der mittlerweile einundachtzigjährige Literaturnobelpreisträger war als Siebzehnjähriger für einige Monate bei der Waffen-SS und hatte diese Episode seines Lebens bis zu seiner autobiographischen Erinnerung “Beim Häuten der Zwiebel” verschwiegen. Darüber brechen viele Blogger, Journalisten, Satiriker und Politiker den Stab. Dabei geht ihnen offensichtlich zunehmend ein inneres Koordinatensystem ab, das zu einer zielsicheren Bewertung führt, was eine Nachricht wirklich wert ist.
Dank der Gnade der späten Geburt urteilen die oben zitierten Satiriker der Titanic von einem warmen Schreibtisch in der zentralgeheizten Redaktion über einen Siebzehnjährigen, der im NS-System eine bescheidene Karriere gemacht hat, indem er die unumgänglichen Schulungen nicht mit Abscheu von sich wies! Grass ist tatsächlich brav zur Waffen-SS gegangen, statt heldenhaft den Wehrdienst zu verweigern! Und zwar weil Grass die Waffen-SS in seiner Jugend nach eigenen Angaben „als kosmopolitische [9] Eliteeinheit“ und „die doppelte Rune am Uniformkragen“ als „nicht anstößig“ [10] empfand.
Das Unmaß aller Dinge ist aber der polnische Politiker Lech Wałęsa. Er ist noch nicht einmal ein Deutscher, urteilt aber darüber, wie Deutsche sich verhalten haben sollten. Dabei kann er schon aufgrund seiner Abstammung gar nicht wissen, wie es ist, wenn man als Deutscher in Nazi-Deutschland aufgewachsen ist. Wie schön für Herrn Wałęsa, sich seiner Widerständigkeit in einem System, das er nie erdulden musste, aber wo möglich für den besseren Staat hielt, so sicher zu sein.
Auch ist es nicht verwunderlich, dass die Kampagnenmacher von der CDU/CSU und der Jungen Union harte Kritik üben. Denn die CDU will endlich ungestört mit der DVU koalieren können und zwar bundesweit. CDVU, ick höre dir trapsen. Auch wird munter gemutmaßt, warum Grass “noch” 1944 in die SS eintrat. Als ob damals zu erahnen gewesen wäre, dass die Nazi-Diktatur ein Jahr später besiegt wurde – hier sei nur das Stichwort Wunderwaffe V2 genannt.
Nee, bevor ich über Blockflöten-Tätigkeit, Waffen-SS Mitgliedschaft, Sklavenhalter und andere Scheusale urteile, sollte ich mir die Frage stellen, ob ich selbst in einer vergleichbaren Situation zum Helden getaugt hätte? Ob ich den Versuchungen widerstanden hätte, Privilegien einzustreichen oder meiner Familie Vorteile zu verschaffen? Ob ich auf eine berufliche Karriere verzichtet hätte? Ob ich einem Erpressungsversuch staatlicher Willkür widerstanden hätte?
Absurder Text? Ja, allerdings.
Die materiell Minderbemittelten waren zumeist in den Linksparteien, die geistig Minderbemittelten in den Rechtsparteien organisiert.
Angesichts der unfreiwilligen Hommage an längst vergangene Zeiten durch den ehemaligen entwicklungs- und abrüstungspolitischen Sprecher der CDU/CSU Fraktion, Jürgen Todenhöfer, haben ein Freund und ich uns heute gefragt, was eigentlich gegen einen Parteiausschluss durch die CDU sprechen würde. Immerhin sind in der Vergangenheit schon Mitglieder aus ihrer Partei wegen Delikten ausgeschlossen wurden, die gegen die Verklärung von irakischen Terroristen (also den Mördern, die geistig behinderten Frauen Sprengstoff umschnallen und dann per Fernzünder auf gut besuchten Märkten zünden) als “legitime Widerstandskämpfer” äußerst harmlos sind. Die SPD macht es ja sogar wegen ein paar Nacktfotos.
Schließlich wird bei seiner Tingeltangel-Tour durch die deutschen Medien immer seine Parteimitgliedschaft genannt, während er die Tötung von amerikanischen Soldaten und irakischen Zivilisten rechtfertigt. Wenn das nicht parteischädigend ist, was ist es dann? Als einzigen Grund, der derzeit dagegen spricht, sehe ich seine Aussage an, dass er den überaus mutigen Versuch wagt, den Deutschen ihre überschwängliche Begeisterung für Amerika, Bush und den Irakkrieg auszureden – womit er vor dem Schiedsgericht der Partei erfolgreich auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren könnte.