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Give up your dreams of freedom because
to save our own skinto pay our own bills, we are willing to make a deal with your slave masters.
Robert Barnett in der New York Times über das jüngste Opfer der Finanzkrise: Did Britain Just Sell Tibet?
Im Nahen Osten attackieren palästinensische Terroristen weiter die Treibstoffzufuhr in den Gazastreifen. Palestinians fire at trucks transporting fuel to Gaza: Despite complaints of fuel shortages, terrorists attempt to disrupt fuel supply to Strip. Man attackiert also weiterhin die Hand, die dich füttert.
Im Fernen Osten bleibt die Außenpolitik der VR Chinas sich treu. Waffen aus China – Mörser für Mugabe: Nach Angaben der südafrikanischen Zeitung „De Beeld“ besteht die Ladung aus drei Millionen Patronen für Sturmgewehre des Typs AK-47, 3500 Mörserabschussgeräte und -granaten sowie 1500 Gefechtsköpfe für schultergestützte Panzerabwehrwaffen.
Und auch der deutsche Osten wird mal wieder seinem Ruf gerecht: “Ganz Ostdeutschland ist No-Go-Area”: Weil er die rassistischen Anfeindungen der anderen Kinder nicht mehr erträgt, versucht ein zehnjähriger Junge aus Thüringen, sich die Haut mit der Nagelbürste von der Hand zu schrubben. Bei WELT ONLINE erzählt sein Vater Andreas Neuschäfer, ein evangelischer Pfarrer, wie ihm bei dem Anblick die Tränen kamen.
Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.
(Einstein. Siehe auch diese Wikiquote Seite)
Aber mal Spass beiseite: Bei der ganzen Geschichte handelt es sich um die mit Abstand dämlichste und sinnloseste Verschwörungstheorie die ich bislang gehört habe. Zumindest in diesem Jahr.
(Hotel Villa de Art)
Die Dummheit ist wahrlich grenzenlos. Vor zwei Tagen wurde bei Band of Brothers über die neueste Verschwörungstheorie von german-foreign-policy.com berichtet. Demnach soll – und dies war kein satirischer Beitrag – die Friedrich-Naumann-Stiftung die globalen Tibetproteste inszeniert haben (Codename “Fackellauf”). Die Parteienstiftung der FDP als globaler Puppetmaster. Heute berichtet dann Hotel Villa de Art, dass diese Verschwörungstheorie jetzt auch von den staatlichen chinesischen Medien aufgegriffen wird. Irre.
Nachtrag: Jetzt berichtet auch DIE WELT über die Verschwörungstheorie:
Peking hat die vermeintliche Quelle der weltweiten antichinesischen Proteste ausgemacht: Chinesische Medien attackieren die deutsche Naumann-Stiftung, die der FDP nahesteht. Ihre Vorwürfe untermauern sie mit zweifelhaften Beweise – und appellieren an den Patriotismus ihrer Landsleute.
Mehr unter: Tibetkrise – Peking wirft FDP-Stiftung Anti-China-Proteste vor.
Der Künstler war vom Massenmörder geradezu besessen. Er machte den größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts zur berühmtesten Ikone der Pop-Art. Heute muss jedes Kunstmuseum wenigstens einen Adolf Hitler von Andy Warhol haben.
Und dies auch noch im Deutschlandradio Kultur. Dr. Clemens Heni, bitte übernehmen!
Jetzt mal ernsthaft: Natürlich darf Posener Mao mit Hitler vergleichen, ohne sich den Vorwurf der Verharmlosung der NS-Verbrechen einzuhandeln. Was natürlich kein Persilschein für die “der Holocaust, die Indianer, Kain und Abel und der Fußpilz” (Lars Rensmann) Fraktion beinhalten sollte. Gibt ja schließlich immer noch die Frage danach, was verglichen wird. Und wie. Und wo der Erkenntnisgewinn liegen soll. Und, vor allem: Worin die Intention liegt.
Beispiel: Daniel Jonah Goldhagen vergleicht mit den Worten „aber Nazismus ist die korrekte Bezeichnung und der einzige Bezugsrahmen für politischen Islam” Nazis mit Islamisten. In seiner Argumentation spielt der Antisemitismus eine zentrale Rolle – obwohl Islamisten bis zum heutigen Tag Juden im 5-stelligen Bereich getötet haben. Und eben nicht 6 Millionen. Trotzdem argumentiert Goldhagen auf einer anderen Ebene als die notorischen Neonazis, die bei Dresden sofort wie Pawlowsche Hunde “Bombenholocaust, Bombenholocaust” durch die Gegend grölen. Und in Dresden sind auch Menschen im 5-stelligen Bereich getötet wurden.
Niemand – naja, sagen wir fast niemand, gibt ja schließlich noch das Palästina-Portal – würde hier widersprechen. Goldhagen hat schließlich einen Punkt: Die Islamisten von Hamas, Hisbollah etc. ticken ähnlich wie die Nazis. Und wenn sie die Möglichkeit hätten (also wenn es die IDF nicht geben würde), dann würden sie es den geistesverwandten Nazis gleichtun. Wobei man natürlich einwenden sollte, ob andere Vergleiche nicht sinnvoller wären. Dritter Totalitarismus, neuer Totalitarismus, Islamobolschewismus, Islamofaschismus etc., weil in diesen Bezeichnungen ein höherer Erkenntnisgewinn liegen könnte.
Apropos Faschismus: In der Linken und in weiten Teilen der Welt wird dieser Terminus ohne weiteres Nachdenken benutzt. In der Benutzung des Wortes wird meistens (gibt bedeutende Ausnahmen, etwa Hannah Arendt) davon ausgegangen, dass man das NS-Regime mit dem faschistischen Italien und dem faschistischen Spanien gleichsetzen könnte. Eine Typologie macht schließlich nur dann Sinn, wenn die Gemeinsamkeiten größer als die Differenzen sind. Was ich in diesem Fall bezweifeln würde. In Spanien und Italien hatte man dreckige Diktaturen, die man durchaus auch mit Waffengewalt hätte beseitigen können. Aber: Sind diese Diktaturen mit dem NS-Regime vergleichbar? Gab es einen totalitären Anspruch (ja, den gab es, Mussolini hat schließlich den Begriff des Stato totalitario geprägt)? Aber wurde er auch verwirklicht? Was ist mit den Konzentrationslagern, dem eliminatorischen Antisemitismus? Dem Wahn nach Weltherrschaft? Die Typologie führt m.E. in die Irre, in ihr könnte das NS-Regime tatsächlich verharmlost werden – die DDR lässt grüßen – aber es kann auch immer ein Mittel zum Zweck sein, um die Merkmale des NS-Regimes herausarbeiten zu können. Schwierige Frage, aber sie verdeutlicht die Grundproblematik des Vergleichs.
Zurück zu Posener: Wer kennt auch nur eines der 70 Millionen Opfer Maos beim Namen? Die Zahl von 70 Millionen Opfern hat er vermutlich aus dem Buch Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes. 70 Millionen Tote allein in Friedenszeiten. Andere Forscher sind zurückhaltender, was die Opferzahlen betreffen. Da ist dann von 20 oder 30 Millionen nachweisbaren Toten die Rede. Zum Vergleich: Das NS-Regime hat 20 Millionen Tote zu verantworten, die nicht durchs Kriegsrecht gerechtfertigt sind. Der vom NS-Regime verursachte und begonnene 2. Weltkrieg hat vermutlich 55 Millionen Menschen das Leben gekostet.
Womit auch ich das NS-Regime mit Maos Regime verglichen habe. Was kann denn noch schlimmer sein, hä? Jehova! Jehova! Jehova! Aber womit sollte man denn sonst die Höhe der Leichenberge vergleichen? Mit den Bolschewisten? Ja, allerdings. Und, weiter? Da bleibt nur noch das NS-Regime über. In der absoluten Zahl der Toten sind nur diese drei Regime vergleichbar. Und Maos Regime kann vermutlich den Anspruch für sich reklamieren, für den höchsten Leichenberg der Menschheitsgeschichte verantwortlich zu sein.
Womit wir bei der Dimension der durch die chinesische KP verbrochenen Verbrechen wären. Die Partei hat gewütet, gemordet, Hungersnöte ausgelöst, hat Kinder in der Kulturrevolution dazu gebracht, ihre Eltern zu verpfeifen. Apropos Kulturrevolution: Wie wurde der Kampf gegen die Vier alten Dinge (kapitalistisch, feudal, reaktionär oder revisionistisch) doch von den linksextremen APO-Studenten glorifiziert. Sprechchöre wie “der Feind verfault mit jedem Tag, während es uns täglich besser geht” oder “für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt” fand man besonders einfallsreich – Jürgen Domes Forschungen zu der mörderischen Realität nahm man bestenfalls nicht zur Kenntnis, im Normalfall hat man ihn als Antikommunisten (böse, böse!) bezeichnet, womit sich auch die Auseinandersetzung mit den Schrecken erledigt hatte.
Und die KP hat nicht nur in der VR China gewütet. Was ist denn bitte mit dem Koreakrieg? Schon vergessen? Nee, natürlich nicht. Irgendwie lernt ja jeder deutsche Schüler, dass die bösen kriegstreibenden Amis dort einen weiteren sinnlosen Krieg geführt haben. In dieser Mischung von Antiamerikanismus und grenzenlosem Pazifismus hätte man zwar zu den Koreanern Give up your dreams of freedom because to save our own skins, we’re willing to make a deal with your slave masters gesagt, aber grenzenlose Immoralitäten haben die Pazifisten bekanntlich noch nie sonderlich beeindruckt. Ebensowenig wie Fakten.
Wer war denn bitte der Aggressor in Korea? Doch wohl ehr die nordkoreanischen Streitkräfte, ihre Verbündeten aus der VR und die verschiedenen paramilitärischen kommunistischen Gruppen. Oh ja, die VR China, selbst bei Wikipedia findet sich zu Mao folgendes: …griff die Volksrepublik China am 1. Januar 1951 in einer Offensive die UNO und die südkoreanischen Truppenverbände an. Der Angriff wurde von etwa 1 Million Mann in einer kalten Nacht [...] durchgeführt. [...] Dieser militärische Erfolg nach 100 Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren galt als einer der wichtigsten Erfolge Maos. Allerdings muss man [...] bedenken, dass Mao in diesem Krieg die „Taktik der Menschenwelle“ anwendete: Enorm viele Soldaten mit mangelhafter Bewaffnung und quasi ohne Ausbildung rannten so lange gegen die feindlichen Linien an bis dem Gegner die Munition ausging.
Die APO-Studenten fanden sowas natürlich klasse, denn Mao hat den Amis damit im Gegensatz zu ihrer eigenen Nazi-Looser-Vätergeneration zumindest ein Patt am 38. Breitengrad abgetrotzt. Dieser 38. Breitengrad in Korea ist bis heute die Grenze zwischen freier Welt und kommunistischer slave master Gesellschaft. Die unterernährten, unterdrückten Nordkoreaner können sich hierfür nicht nur bei Mao “bedanken”, sondern bei der chinesischen KP bis heute – denn diese ist noch immer Schutzmacht des nordkoreanischen Regimes. Genauso wie sie Schutzmacht des Regimes in Birma ist.
Oh ja, die Liste der Verbrechen der chinesischen KP ließ sich fast endlos fortführen. Wer stand doch gleich hinter Pol Pot und den Khmer Rouge? Wer wollte die Sowjetunion während der Kubakrise zum Einsatz der Atomwaffen drängen? Wer bedroht ständig die Existenz von Taiwan? Wer betätigt sich derzeit in Afrika als großer Bruder aller kleinen und großen Diktaturen und unterminiert damit sämtliche menschenrechtlichen Mindeststandards?
Allein die Rolle der VR China in Darfur rechtfertigt schon die Bezeichnung Völkermordspiele für die Olympischen Spiele 2008. Eric Reeves vergleichte gar die Rolle von Steven Spielberg 2008 mit der von Leni Riefenstahl 1936. Jehova! Jehova! Jehova! Womit wir wieder beim Thema wären: Ja, man darf vergleichen. Aber man sollte schon schauen, was verglichen wird. Und wo die Intention liegt.
Ja, der Dalai labert. Auch war Tibet vor der Annexion durch die VR kein Paradies der Freiheit und Demokratie. Aber: Man will doch wohl nicht ernsthaft die Verbrechen Tibets mit der Schreckensbilanz der VR vergleichen. Oder gar damit die Unterdrückung in Tibet und den Einsatz der VR-Kräfte rechtfertigen und beschönigen. Oder etwa doch?
Ein ziemlich absurdes Vorgehen. Erinnert frappant an die Glorifizierung der Kulturrevolution durch die APO. “Für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt” lässt grüßen. “Feudal” und “reaktionär” erleben trotz des Muffes von 40 Jahren eine neue Renaissance. Die Intention kommt mir auch seltsam bekannt vor. Erinnert an die Leute hierzulande, die bei “Verbrechen” und “zweiter Weltkrieg” wie Pawlowsche Hunde “Dresden, Dresden, Dresden” rufen.
Aus aktuellem Anlass ein Hinweis auf einen neuen Artikel von Eric Reeves im Boston Globe: China’s genocide Games.
Die ZEIT hat ein Interview mit Robert Kagan über den Umgang mit China geführt:
[...] aber wir sind in einer klassischen Situation, die sich ergibt, wenn Großmächte aufsteigen und der Rest der Welt damit umgehen muss. Üblicherweise, historisch betrachtet, geht der Rest der Welt damit um, indem er einen Krieg verliert oder gewinnt. Wie vermeidet man diesen natürlichen Konflikt? Ich denke, indem China demokratischer wird.
Ost und West sind unterschiedliche Hemisphären. Aber die Werte von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten sind universal, und wir sollten sie nicht je nach Kultur anders interpretieren.
Dem obigen Zitat würde sicher kaum jemand widersprechen. Irgendwie sind wir ja alle für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte – jedenfalls wenn es en masse gehalten ist (und nichts kostet). En detail sieht es dann schon wieder anders aus.
Beispiel: Greifen Sie in einer Gesprächsrunde die Menschenrechtssituation in arabischen Staaten an. Verweisen Sie darauf, dass das Bestrafen von Vergewaltigungsopfern, das Steinigen von Homosexuellen und die systematische Unterdrückung von Oppositionellen (von den Giftgasbombardierungen kurdischer Dörfer ganz zu schweigen) mit den Menschenrechten unvereinbar ist. Wie das Amen in der Kirche wird dann recht schnell der Satz “Aber wir dürfen ihnen doch nicht unsere Werte aufzwingen” fallen – aus den Menschenrechten werden mal eben die Rechte des Weißen Mannes gemacht; der räumliche Geltungsbereich der Menschenrechte endet exakt dort, wo diese von tyrannischen Systemen mit Füßen getreten werden.
Doch neben diesem sattsam bekannten Menschenrechtsrassismus der Kulturrelativisten wird nicht nur die räumliche, sondern auch die zeitliche Dimension eingeschränkt, sobald die Rechte nicht mehr en masse, sondern en detail garantiert werden sollen.
Im vergangenen Länderbericht von Freedom House wurde die Republik China als “free” eingeordnet, die Political Rights wurden mit 2 benotet, die Civil Liberties mit 1. Zum Vergleich: In Südostasien wurden 3 weitere Länder als free klassifiziert, für Indonesien wurden die Political Rights mit 2 und die Civil Liberties mit 3 angegeben, Japan und Südkorea bekamen jeweils die Noten 1 und 2. Die Republik ist also das einzige Land in der Region, welches die Note 1 bei den Civil Liberties bekam.
Und, würdigt man die Leutturmfunktion, welche die Republik für die bürgerlichen Freiheiten in der Region innehat? Geben sich die Regierungsdelegationen bei Besuchen des Landes die Klinke in die Hand? Wird das Land von der hiesigen Zivilgesellschaft als Vorbild für die anderen Länder des südostasiatischen Raumes hingestellt? Wählt man das Land als Signal für die freiheitsliebenden Menschen der umliegenden Länder in den UN-Menschenrechtsrat?
Pustekuchen. Man wählt das Land natürlich nicht in den Menschenrechtsrat, da man ihm nicht einmal die UN-Mitgliedschaft gewährt. Stattdessen haben die mörderischsten Regime ihren Sitz in der UN – und dort sogar im Menschenrechtsrat. Saudi-Arabien und Kuba lassen grüßen. Regierungsdelegationen sind auch ehr spärlich gesät, und auf der geistigen Karte der hiesigen Zivilgesellschaft ist das Land sowas wie ein schwarzes Loch – dabei müsste man ihm die Menschenrecht gar nicht aufzwingen, sondern nur gegen ein aggressives Außen – hier lässt die Volksrepublik grüßen – verteidigen.
Es würde halt was kosten. Und sobald es an die Kosten geht, werden aus dem allgemeinen Bekenntnis für Demokratie, Freiheit und Menschenrechten Sonntagsreden. Das Zitat am Anfang des Textes ist natürlich wunderbar. Nur sollte man ihm auch Taten folgen lassen. Es stammt vom Präsidenten der Republik China, entnommen ist es dem DIE ZEIT Artikel Schmuddelkind in Fernost: Auf Taiwan blüht die Demokratie, doch mit dem kleinen China will niemand etwas zu tun haben.