Posts Tagged ‘Darfur’

9th June
2009
written by Tobias Blanken

Nicholas D. Kristof rezensiert drei neue Bücher über den Krieg in Darfur:

The slaughter in Darfur has now lasted more than six years, longer than World War II, yet the “Save Darfur” movement has stalled—even as the plight of many Darfuris may be worsening. Many advocates for Darfur, myself included, had urged the International Criminal Court to prosecute the Sudanese president, Omar al-Bashir. We got what we hoped for—on March 4, the court issued an arrest warrant for Bashir on counts of war crimes and crimes against humanity. But the immediate result was that Bashir expelled thirteen foreign aid organizations and closed three domestic ones. Millions of Darfuris have been left largely without assistance, and some are already dying.

The New York Review of Books: What to Do About Darfur

7th April
2009
written by Tobias Blanken

Change: Obama und John Kerry bemühen sich um ein neues Verhältnis mit den sudanesischen Schlächtern:

The new U.S. special envoy to Sudan, Scott Gration, who is currently touring the country, made an unusually positive statement on his arrival in Khartoum last week, telling reporters he was looking for friendship and cooperation from the Sudanese government.

The chairman of the U.S. Senate Foreign Relations Committee, John Kerry, will lead a delegation to Sudan’s Darfur region, U.S. officials said on Monday, in a possible sign of a growing willingness to engage with Khartoum.

“This is significant,” a U.S. diplomatic source told Reuters. “It is the first Congressional delegation to Sudan we have had since 2007. Like the U.S. envoy’s current visit, it is a new tack.”

Mehr bei Reuters: Senator to make rare Darfur visit (via).

19th July
2008
written by Tobias Blanken

Matthias Naß in der ZEIT über den Haftbefehl vom Chefankläger des ICC gegen Sudans Präsidenten Omar al-Bashir:

Niemand, auch nicht der UN-Generalsekretär sollte Druck auf sie ausüben, weil die Anklage wohlmöglich den Friedensprozess in Darfur – von dem ohnehin weit und breit nichts zu erkennen ist – gefährden könnte.

Frieden gegen Gerechtigkeit aufzuwiegen, das hieße in die Falle der Souveränitäts-Apologeten zu laufen. Die finden noch immer eine Parole aus der antikolonialistischen, antiimperialistischen oder einfach antiwestlichen Mottenkiste, um ihrem mörderischen Treiben den Mantel revolutionärer Tugend umzuhängen.

Müsste sich al-Bashir in Den Haag verantworten – zwischen Rangun, Pjöngjang und Harare würden die Mächtigen unruhiger schlafen. Gut so. Möge ihnen Luis Moreno-Ocampo in ihren Albträumen erscheinen. Und möge er ihnen eines Tages den Haftbefehl verlesen.

Völkerrecht: Diktators Alptraum.

31st May
2008
written by Tobias Blanken

Auf der SAVE DARFUR Webseite findet sich eine deutliche Erklärung von allen drei verbliebenen Präsidentschaftskandidaten:

As we campaign for President of the United States over the next several months, we expect there to be significant focus on the many differences between us. After all, elections are about choices in a free society. We have had a spirited contest so far and fully expect a robust debate about issues foreign and domestic right up to Election Day.

[...]

Today, we wish to make clear to the Sudanese government that on this moral issue of tremendous importance, there is no divide between us. We stand united and demand that the genocide and violence in Darfur be brought to an end and that the CPA be fully implemented. Even as we campaign for the presidency, we will use our standing as Senators to press for the steps needed to ensure that the United States honors, in practice and in deed, its commitment to the cause of peace and protection of Darfur’s innocent citizenry. We will continue to keep a close watch on events in Sudan and speak out for its marginalized peoples. It would be a huge mistake for the Khartoum regime to think that it will benefit by running out the clock on the Bush Administration. If peace and security for the people of Sudan are not in place when one of us is inaugurated as President on January 20, 2009, we pledge that the next Administration will pursue these goals with unstinting resolve.

Die ganze Erklärung findet man hier: WE STAND UNITED ON SUDAN.

8th April
2008
written by Tobias Blanken

Der Künstler war vom Massenmörder geradezu besessen. Er machte den größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts zur berühmtesten Ikone der Pop-Art. Heute muss jedes Kunstmuseum wenigstens einen Adolf Hitler von Andy Warhol haben.

Und dies auch noch im Deutschlandradio Kultur. Dr. Clemens Heni, bitte übernehmen!

Jetzt mal ernsthaft: Natürlich darf Posener Mao mit Hitler vergleichen, ohne sich den Vorwurf der Verharmlosung der NS-Verbrechen einzuhandeln. Was natürlich kein Persilschein für die “der Holocaust, die Indianer, Kain und Abel und der Fußpilz” (Lars Rensmann) Fraktion beinhalten sollte. Gibt ja schließlich immer noch die Frage danach, was verglichen wird. Und wie. Und wo der Erkenntnisgewinn liegen soll. Und, vor allem: Worin die Intention liegt.

Beispiel: Daniel Jonah Goldhagen vergleicht mit den Worten „aber Nazismus ist die korrekte Bezeichnung und der einzige Bezugsrahmen für politischen Islam” Nazis mit Islamisten. In seiner Argumentation spielt der Antisemitismus eine zentrale Rolle – obwohl Islamisten bis zum heutigen Tag Juden im 5-stelligen Bereich getötet haben. Und eben nicht 6 Millionen. Trotzdem argumentiert Goldhagen auf einer anderen Ebene als die notorischen Neonazis, die bei Dresden sofort wie Pawlowsche Hunde “Bombenholocaust, Bombenholocaust” durch die Gegend grölen. Und in Dresden sind auch Menschen im 5-stelligen Bereich getötet wurden.

Niemand – naja, sagen wir fast niemand, gibt ja schließlich noch das Palästina-Portal – würde hier widersprechen. Goldhagen hat schließlich einen Punkt: Die Islamisten von Hamas, Hisbollah etc. ticken ähnlich wie die Nazis. Und wenn sie die Möglichkeit hätten (also wenn es die IDF nicht geben würde), dann würden sie es den geistesverwandten Nazis gleichtun. Wobei man natürlich einwenden sollte, ob andere Vergleiche nicht sinnvoller wären. Dritter Totalitarismus, neuer Totalitarismus, Islamobolschewismus, Islamofaschismus etc., weil in diesen Bezeichnungen ein höherer Erkenntnisgewinn liegen könnte.

Apropos Faschismus: In der Linken und in weiten Teilen der Welt wird dieser Terminus ohne weiteres Nachdenken benutzt. In der Benutzung des Wortes wird meistens (gibt bedeutende Ausnahmen, etwa Hannah Arendt) davon ausgegangen, dass man das NS-Regime mit dem faschistischen Italien und dem faschistischen Spanien gleichsetzen könnte. Eine Typologie macht schließlich nur dann Sinn, wenn die Gemeinsamkeiten größer als die Differenzen sind. Was ich in diesem Fall bezweifeln würde. In Spanien und Italien hatte man dreckige Diktaturen, die man durchaus auch mit Waffengewalt hätte beseitigen können. Aber: Sind diese Diktaturen mit dem NS-Regime vergleichbar? Gab es einen totalitären Anspruch (ja, den gab es, Mussolini hat schließlich den Begriff des Stato totalitario geprägt)? Aber wurde er auch verwirklicht? Was ist mit den Konzentrationslagern, dem eliminatorischen Antisemitismus? Dem Wahn nach Weltherrschaft? Die Typologie führt m.E. in die Irre, in ihr könnte das NS-Regime tatsächlich verharmlost werden – die DDR lässt grüßen – aber es kann auch immer ein Mittel zum Zweck sein, um die Merkmale des NS-Regimes herausarbeiten zu können. Schwierige Frage, aber sie verdeutlicht die Grundproblematik des Vergleichs.

Zurück zu Posener: Wer kennt auch nur eines der 70 Millionen Opfer Maos beim Namen? Die Zahl von 70 Millionen Opfern hat er vermutlich aus dem Buch Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes. 70 Millionen Tote allein in Friedenszeiten. Andere Forscher sind zurückhaltender, was die Opferzahlen betreffen. Da ist dann von 20 oder 30 Millionen nachweisbaren Toten die Rede. Zum Vergleich: Das NS-Regime hat 20 Millionen Tote zu verantworten, die nicht durchs Kriegsrecht gerechtfertigt sind. Der vom NS-Regime verursachte und begonnene 2. Weltkrieg hat vermutlich 55 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Womit auch ich das NS-Regime mit Maos Regime verglichen habe. Was kann denn noch schlimmer sein, hä? Jehova! Jehova! Jehova! Aber womit sollte man denn sonst die Höhe der Leichenberge vergleichen? Mit den Bolschewisten? Ja, allerdings. Und, weiter? Da bleibt nur noch das NS-Regime über. In der absoluten Zahl der Toten sind nur diese drei Regime vergleichbar. Und Maos Regime kann vermutlich den Anspruch für sich reklamieren, für den höchsten Leichenberg der Menschheitsgeschichte verantwortlich zu sein.

Womit wir bei der Dimension der durch die chinesische KP verbrochenen Verbrechen wären. Die Partei hat gewütet, gemordet, Hungersnöte ausgelöst, hat Kinder in der Kulturrevolution dazu gebracht, ihre Eltern zu verpfeifen. Apropos Kulturrevolution: Wie wurde der Kampf gegen die Vier alten Dinge (kapitalistisch, feudal, reaktionär oder revisionistisch) doch von den linksextremen APO-Studenten glorifiziert. Sprechchöre wie “der Feind verfault mit jedem Tag, während es uns täglich besser geht” oder “für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt” fand man besonders einfallsreich – Jürgen Domes Forschungen zu der mörderischen Realität nahm man bestenfalls nicht zur Kenntnis, im Normalfall hat man ihn als Antikommunisten (böse, böse!) bezeichnet, womit sich auch die Auseinandersetzung mit den Schrecken erledigt hatte.

Und die KP hat nicht nur in der VR China gewütet. Was ist denn bitte mit dem Koreakrieg? Schon vergessen? Nee, natürlich nicht. Irgendwie lernt ja jeder deutsche Schüler, dass die bösen kriegstreibenden Amis dort einen weiteren sinnlosen Krieg geführt haben. In dieser Mischung von Antiamerikanismus und grenzenlosem Pazifismus hätte man zwar zu den Koreanern Give up your dreams of freedom because to save our own skins, we’re willing to make a deal with your slave masters gesagt, aber grenzenlose Immoralitäten haben die Pazifisten bekanntlich noch nie sonderlich beeindruckt. Ebensowenig wie Fakten.

Wer war denn bitte der Aggressor in Korea? Doch wohl ehr die nordkoreanischen Streitkräfte, ihre Verbündeten aus der VR und die verschiedenen paramilitärischen kommunistischen Gruppen. Oh ja, die VR China, selbst bei Wikipedia findet sich zu Mao folgendes: …griff die Volksrepublik China am 1. Januar 1951 in einer Offensive die UNO und die südkoreanischen Truppenverbände an. Der Angriff wurde von etwa 1 Million Mann in einer kalten Nacht [...] durchgeführt. [...] Dieser militärische Erfolg nach 100 Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren galt als einer der wichtigsten Erfolge Maos. Allerdings muss man [...] bedenken, dass Mao in diesem Krieg die „Taktik der Menschenwelle“ anwendete: Enorm viele Soldaten mit mangelhafter Bewaffnung und quasi ohne Ausbildung rannten so lange gegen die feindlichen Linien an bis dem Gegner die Munition ausging.

Die APO-Studenten fanden sowas natürlich klasse, denn Mao hat den Amis damit im Gegensatz zu ihrer eigenen Nazi-Looser-Vätergeneration zumindest ein Patt am 38. Breitengrad abgetrotzt. Dieser 38. Breitengrad in Korea ist bis heute die Grenze zwischen freier Welt und kommunistischer slave master Gesellschaft. Die unterernährten, unterdrückten Nordkoreaner können sich hierfür nicht nur bei Mao “bedanken”, sondern bei der chinesischen KP bis heute – denn diese ist noch immer Schutzmacht des nordkoreanischen Regimes. Genauso wie sie Schutzmacht des Regimes in Birma ist.

Oh ja, die Liste der Verbrechen der chinesischen KP ließ sich fast endlos fortführen. Wer stand doch gleich hinter Pol Pot und den Khmer Rouge? Wer wollte die Sowjetunion während der Kubakrise zum Einsatz der Atomwaffen drängen? Wer bedroht ständig die Existenz von Taiwan? Wer betätigt sich derzeit in Afrika als großer Bruder aller kleinen und großen Diktaturen und unterminiert damit sämtliche menschenrechtlichen Mindeststandards?

Allein die Rolle der VR China in Darfur rechtfertigt schon die Bezeichnung Völkermordspiele für die Olympischen Spiele 2008. Eric Reeves vergleichte gar die Rolle von Steven Spielberg 2008 mit der von Leni Riefenstahl 1936. Jehova! Jehova! Jehova! Womit wir wieder beim Thema wären: Ja, man darf vergleichen. Aber man sollte schon schauen, was verglichen wird. Und wo die Intention liegt.

Ja, der Dalai labert. Auch war Tibet vor der Annexion durch die VR kein Paradies der Freiheit und Demokratie. Aber: Man will doch wohl nicht ernsthaft die Verbrechen Tibets mit der Schreckensbilanz der VR vergleichen. Oder gar damit die Unterdrückung in Tibet und den Einsatz der VR-Kräfte rechtfertigen und beschönigen. Oder etwa doch?

Ein ziemlich absurdes Vorgehen. Erinnert frappant an die Glorifizierung der Kulturrevolution durch die APO. “Für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt” lässt grüßen. “Feudal” und “reaktionär” erleben trotz des Muffes von 40 Jahren eine neue Renaissance. Die Intention kommt mir auch seltsam bekannt vor. Erinnert an die Leute hierzulande, die bei “Verbrechen” und “zweiter Weltkrieg” wie Pawlowsche Hunde “Dresden, Dresden, Dresden” rufen.

22nd March
2008
written by Tobias Blanken

Aus aktuellem Anlass ein Hinweis auf einen neuen Artikel von Eric Reeves im Boston Globe: China’s genocide Games.

20th February
2008
written by Tobias Blanken

Auf “Naher und Mittlerer Osten – الشرق” wird auf die zunehmende Verschärfung des systematischen Mordens in Darfur hingewiesen:

Mit einer breit angelegten Offensive gehen die sudanesischer Armee und die mit ihr verbündeten Janjaweed-Milizen dabei gegen mutmaßliche Aufständische vor. Die Luftwaffe bombardierte dabei in der vergangenen Woche Flüchtlingslager in der Bergregion Jabal Moun.

Eric Reeves berichtet derweil davon, dass unter den Opfern der neuen Offensive auffallend viele Jungen im Alter von 12 – 18 Jahren sind:

“‘There are an unknown number of children aged 12-18 who are missing, especially boys. Nobody knows what has happened to these children,’ Naqibullah Safi, head of UNICEF for West Darfur said.” (UN IRIN [dateline: Nairobi], February 14, 2008)

Given Khartoum’s and the Janjaweed’s well-established pattern of executing younger males on an ethnic basis—the people in this area north of el-Geneina are primarily from the non-Arab (or African) Massaleit and Erenga tribal groups—there is compelling reason to believe that many of these children have been murdered.

Naher und Mittlerer Osten – الشرق berichtet zudem, dass der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon die Bombardierung der Flüchtlingslager als “inakzeptabel” verurteilt. Letzte Woche hat mir mein Gemüsehändler von Gegenüber einen Euro Wechselgeld zuwenig herausgegeben (vermutlich unwissentlich). Das fand ich inakzeptabel.

7th November
2007
written by Tobias Blanken

Es gibt Situationen, bei denen ansonsten doch ehr schwachsinnige Parolen Sinn machen. Das gilt sogar für Parolen, die in Deutschland gerne von minderbemittelten Zonis mit praktischer Kurzhaarfrisur gerufen werden – hier hätte z.B. ein “Ausländer raus!” eine wirkliche Berechtigung.

Genauso verhält es sich mit der Parole, die gleichermaßen von Zonis mit praktischer Kurzhaarfrisur und den langhaarigen Friedensfreunden von Attac gerufen wird. Da will auch ich nicht abseits stehen und rufe auch mal No blood for oil! aus.