Posts Tagged ‘Der Spiegel’

10th January
2009
written by Tobias Blanken

Alle paar Monate überrascht der SPIEGEL mit guten Artikeln. Diesmal gelingt die Überraschung schon am Anfang des Jahres, der SPIEGEL veröffentlicht einen Essay von Thea Dorn, der folgendermaßen endet:

Die Menschheit wird sich von dem schlechten Gewissen, das sie plagt, seit Prometheus den Göttern das Feuer geklaut und Eva und Adam vom Baum der Erkenntnis gekostet haben, nicht befreien, indem sie alle fünf Minuten den nächsten Weltuntergang herbeiphantasiert und dabei doch nur heimlich hofft, den Schleichweg zurück ins Paradies zu finden. Alle Wege dorthin sind verbaut. Und deshalb wird die Menschheit auch keine gerechteren Gesellschaften kreieren, indem sie an der Utopie festhält, Frieden herrsche erst dann, wenn alle Konflikte, Gegensätze und Widersprüchlichkeiten ausgemerzt, alle Zersplitterungen in einer großen Weltumarmung gekittet sind. Der Mensch ist aus krummem Holz gemacht. Jeder Versuch, aus ihm etwas gänzlich Gerades zu zimmern, hat bislang nur einen Ort erschaffen: die Hölle auf Erden.

Whow. Thea Dorn im SPIEGEL: Lust an der Apokalypse.

9th December
2007
written by Tobias Blanken

Am 7. Dezember wurde auf dem Onlineangebot der WELT eine weitere Mutmaßung darüber angestellt, wer Stefan Aust als Chefredakteur des Spiegels ablöst. Aus dem Umfeld der Spiegel-Gesellschafter ist der WELT zufolge bekannt geworden, dass der Job an Claus Kleber geht. Ulrike Simon ist die Autorin des Artikels, der die Überschrift Ein Amerika-Freund an der Spitze des “Spiegel” trägt. Unter anderem steht in dem Artikel der Absatz:

Der promovierte Jurist, der vor seiner Zeit beim „heute journal“ lange Jahre als Auslandskorrespondent in den USA gearbeitet hat, verbrachte seine gesamte mediale Laufbahn als Hörfunk- und schließlich als Fernsehjournalist. Politisches Gespür ist ihm nicht abzusprechen; insbesondere gilt der Sympathieträger als großer Amerika-Anhänger. Einmal, als bei einem Einspielfilm während des „heute-journals“ die amerikanische Nationalhymne erklang, war er vor der Kamera kurz zu sehen, wie er gerührt die Hand aufs Herz gelegt hatte.

Während ich noch angenehm überrascht war – wenn die Erwartungshaltung bei Null liegt, dann sind gute Nachrichten umso angenehmer – fiel mein Blick auf einen der ersten Kommentare. Die deutschen Grundverlogenheit, wie Claus Christian Malzahn es mal in einem lesenswerten Artikel schrieb, hatte mich mit voller Wucht wieder auf den Boden der Tatsachen geholt; bekanntlich leben wir ja in dem Land, in der die Bevölkerung dem Einfluss der Vereinigten Staaten am “kritischsten” gegenübersteht.

Bonjour tristesse:

Hallo Frau Simon, das hört sich verdammt nach Neid an. Einen Kollegen von Anfang an in eine solche Ecke zu stellen, ist übel.

(User “BENNO” auf WELT-ONLINE)