Posts Tagged ‘Deutschland’

7th May
2010
written by Tobias Blanken

Ich habe zu den europäischen Kredithilfen bis 2013 für Griechenland ein simples Balkendiagramm nach Herkunftsland erstellt. Der erste Balken gibt den Gesamtkredit (in Mrd. €) wieder, der zweite die Einwohnerzahl (in Mio.) und der dritte die Kredithilfe pro Einwohner. Sortiert ist das Balkengramm nach der Länge des dritten Balkens – also der Kredithilfe pro Einwohner. Einfach nur, um das Stammtisch-Zerrbild vom deutschen Europayer, der grundsätzlich, überhaupt und sowieso immer am meisten zahlen muss, etwas zu relativieren.

Die Höhe der Kredithilfen stammen aus der FAZ, die Einwohnerzahlen von der EU. Hinterlegt ist das Diagramm auf Chartle.net.

17th March
2010
written by Tobias Blanken

Frankreichs Finanzministerin richtet einen deutlichen Appell an die deutsche Regierung: Die Bundesrepublik müsse die heimische Nachfrage stärken, fordert Christine Lagarde in einem Interview mit der “Financial Times”. Der große Handelsüberschuss gefährde die Wettbewerbsfähigkeit anderer Staaten der Euro-Zone. Deutschland erwirtschaftet fast 50 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts mit Ausfuhren.

“Können diejenigen mit Handelsüberschüssen nicht ein klein wenig was tun?”, fragte Lagarde. Deutschland habe in den vergangenen zehn Jahren “die Wettbewerbsfähigkeit erhöht, einen sehr hohen Druck auf seine Arbeitskosten ausgeübt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das ein nachhaltiges Modell ist – langfristig und für die gesamte Gruppe. Wir brauchen offensichtlich eine bessere Angleichung.”

(SPIEGEL ONLINE)

Gegen die Forderungen von Christine Lagarde gibt es viele gute Argumente, die meisten drehen sich um Gerechtigkeitsaspekte (warum soll Deutschland für Frankreich seine Wettbewerbsfähigkeit reduzieren? etc.) und Fehlanreize (warum sollen Länder für ihre Wettbewerbsfähigkeit bestraft werden?). So weit, so richtig. Oder zumindest diskutabel.

Was jedoch deutlich schwerer wiegt ist die eingeschränkte Wahrnehmung der derzeitigen Situation durch Lagarde, die sich allein auf den Handel zwischen den Staaten der Euro-Zone beschränkt. Was sie vollkommen ignoriert ist der Außenhandel der gesamten EU, der sich in den letzten Jahren folgendermaßen entwickelt hat*:

Ausfuhren aus der EU in Milliarden €:
2004 – 953.0
2005 – 1,052.7
2006 – 1,160.1
2007 – 1,241.5
2008 – 1,306.5

Einfuhren in die EU in Milliarden €:
2004 – 1,027.5
2005 – 1,179.6
2006 – 1,352.8
2007 – 1,434.0
2008 – 1,565.0

Wie man anhand der Zahlen leicht erkennen kann erwirtschaftet die EU ein Außenhandelsdefizit, welches sogar stark gestiegen ist. 2004 betrug das Defizit noch rund 70 Milliarden €, 2008 lag es bereits bei 258 Milliarden €.

Natürlich lässt sich der Handel aus der EU heraus auch nach den einzelnen EU-Ländern aufschlüsseln. Dänemark und Irland erwirtschafteten 2008 etwa ein Außenhandelsplus von 2,9 bzw. 14,6 Milliarden €, während Spanien und Italien ein Außenhandelsdefizit von 58,3 bzw. 21,4 Milliarden € erwirtschafteten. Insgesamt kommen 18 Länder auf ein Defizit, während gerade 9 Länder ein Außenhandelsplus voweisen können. Das größte Plus mit 67.6 Milliarden € kommt aus Deutschland – ohne Deutschland käme die EU demnach sogar auf ein Defizit von rund 325 Milliarden €.

Der Außenhandel von Frankreich mit Ländern außerhalb der EU hat sich dagegen folgendermaßen entwickelt (in Milliarden €):

2002 – 13,102
2003 – 10,538
2004 – 8,658
2005 – 4,499
2006 – 3,279
2007 – 0,775
2008 – -5,941

Die Entwicklung lässt m.E. nur den Rückschluß zu, dass nicht Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ein Problem ist, sondern die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der EU. Und, natürlich, dass die EU ohne Deutschland noch deutlich schlechter dastehen würde. Frankreich hingegen verliert seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit auch gegenüber den Ländern außerhalb der EU – woran weder Deutschland noch der Euro Schuld ist. Da wäre es schlichtweg besser, sie würden ihre eigenen Hausaufgaben erledigen als im Namen eines “nachhaltigen Modells” auf Deutschland zu zeigen.

* Alle Daten sind aus dem External and intra-European Union trade – Statistical yearbook – Data 1958-2008

24th August
2009
written by Tobias Blanken

Bei der Nato werden die Deutschen hinter vorgehaltener Hand als neue Franzosen bezeichnet, also als Zauderer und Blockierer gebrandmarkt. Berlin habe die frühere Rolle Paris’ übernommen und stehe nun für: Bürokratie, Besserwisserei und Blockaden.

ZEIT-ONLINE-Lügendetektor: “Wir haben EU und Nato gestärkt”

6th March
2008
written by Tobias Blanken

Wladimir Kaminer über Frauen im Prenzlauer Berg, in Deutschland und Russland:

”Russische Frauen haben ihre Männer im Griff!“

11th February
2008
written by Tobias Blanken

Zwei Meldungen zur Integration und dem schulischen Erfolg von Zuwanderern, die ich so nicht erwartet hätte:

Einmal in Deutschland:

Dass Einwanderer aus Italien bei uns perfekt integriert sind, ist ein Vorurteil. In der Schule schneiden ihre Kinder am schlechtesten ab.

Zum Artikel: Nachhilfe aus der alten Heimat in der ZEIT.

Und dann in Israel:

Die Kinder aus den Familien, die einst aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel ausgewandert sind, zeigen bessere Schulleistungen als ihre Altersgenossen. Das hat eine Studie des israelischen Statistikamts ergeben.

Zum Artikel: Immigrantenkinder aus ehemaliger Sowjetunion sind besser in der Schule auf RIA Novosti.