Posts Tagged ‘Durban II’

28th April
2009
written by Tobias Blanken

Eine etwas älterer Beitrag der heute-Nachrichten über den Boykott der UN-Anti(?)-Rassismus-Konferenz:

Zu Beginn der Konferenz war der Boykott Deutschlands und der USA scharf kritisiert worden. “Ich bedauere zutiefst, dass einige sich entschlossen haben, beiseite zu treten”, sagte Ban in seiner Eröffnungsansprache. “Wir träumen davon, in eine neue Richtung zu gehen, jedoch bleiben zu viele von uns in der Vergangenheit verstrickt.”

Russland verurteilte den Boykott. Offenbar seien nicht alle Regierungen bereit, sich den wachsenden Herausforderungen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung zu stellen, sagte der russische Vize-Außenminister Alexander Jakowenko der Regierungszeitung “Rossijskaja Gaseta”.

Und ein neuer Beitrag auf DIE ZEIT über das brutale Schicksal der Wanderarbeiter in Russland:

An der Stirnwand des Stiftungsbüros hängt ein Plakat mit Fotos von spurlos verschwundenen Migranten. Da erscheint es schon als Glück, wenn einer im »Affenkäfig«, wie die Zelle auf den Polizeistationen genannt wird, wieder auftaucht. Denn immerhin lebt er noch. Es ist nahezu alltäglich, dass Migranten aus rassistischen Motiven ermordet werden. Auch innerhalb der Gastarbeiterclans, die ihre Territorien auf den Märkten der Stadt notfalls mit Gewalt verteidigen, ist der Blutzoll hoch. Hinzu kommen zahlreiche Arbeitsunfälle. Allein ins zentralasiatische Tadschikistan kehren jährlich 2000 Arbeitsmigranten im Sarg zurück.

25th April
2009
written by Tobias Blanken

In der taz findet sich ein Kommentar von Anetta Kahane zur UN-Anti(?)-Rassismus-Konferenz:

Nach allem, was auf der UN-Konferenz gegen Rassismus in Genf geschehen ist, war es auch im Nachhinein gesehen richtig, dass Deutschland an dieser Veranstaltung nicht teilgenommen hat. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, hatte enttäuscht gefragt, ob denn wegen der Interessen eines Landes (Israel) das gesamte weltweite Bemühen, gegen Rassismus vorzugehen, behindert werden sollte, wo doch das Abschlussdokument vergleichsweise harmlos sei. Genau diese Fragestellung jedoch zeigt, dass die UN-Konferenz eines nicht wahrhaben wollte: Heute ernsthaft Rassismus bekämpfen zu wollen, ohne gleichzeitig Antisemitismus ebenso entschieden abzulehnen, ist unmöglich.

Mehr in der taz: Das Durban-Syndrom.

20th April
2009
written by Tobias Blanken

Man ist ja einiges gewohnt, aber da fällt einem die Kinnlade runter:

Gastkommentar von Marianne Heuwagen, Human Rights Watch, über den deutschen Boykott der UN-Anti(?)-Rassismus-Konferenz auf tagesschau.de (via):

Indem sich diese Länder nun zurückziehen, verstärken sie die Gefahr, dass die Konferenz ein Misserfolg wird. Sie überlassen das Forum denjenigen – allen voran dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad – die israelkritisch eingestellt sind.

Die allseits geforderte (“man wird Israel jawohl noch kritisieren dürfen…”) Kritik beinhaltet nach Frau Heuwagen also Aussagen wie Ahmadinedschads Rede vor eben jener UN-Anti(?)-Rassismus-Konferenz:

Er warf der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu “barbarischen Rassismus” vor und forderte, die Weltgemeinschaft müsse diesen “ausmerzen”, übersetzt ihn die Nachrichtenagentur AFP. Der Staat Israel sei mit Unterstützung der USA und Europas unter dem “Vorwand jüdischen Leidens” im Zweiten Weltkrieg gegründet worden, sagte Ahmadinedschad.

Oder Ahmadinedschads Glückwunsch-”Kritik” anlässlich des 60 jährigen Bestehen des jüdischen Staates:

Glückwunsche zu Israels Sechzigstem auch aus Teheran: Der Nachrichtenagentur AFP zufolge bezeichnete Ahmadi-Nejad in seiner Grussbotschaft den jüdischen Staat als “verwesende Leiche und tote Ratte”, der ausserdem “dem Untergang geweiht” sei. Im Krieg der Hisbollah gegen Israel 2006 habe das libanesische Volk Israel eine Niederlage bereitet, sodass dieses nun “wie eine tote Ratte” beginnen werde, zu verwesen.

Oder Ahmadinedschads “Kritik”-Klassiker an Israel (via):

“Unser lieber Imam sagte, dass das Besatzungsregime von der Landkarte getilgt werden muss und dies war eine sehr kluge Aussage. Wir können keine Kompromisse in der Frage Palästinas machen … Ich habe keinen Zweifel daran, dass die neue Welle, die in Palästina begonnen hat, und wir erleben es auch in der islamischen Welt, diesen Schandfleck aus der islamischen Welt beseitigen wird. Aber wir müssen uns seiner Tricks bewusst sein.”

Immerhin weiß man jetzt, was man unter “Israelkritik” zu verstehen hat. Vielen Dank, Frau Heuwagen!

14th March
2009
written by Tobias Blanken

Richard Herzinger in der WELT über die UN-Weltkonferenz gegen Rassismus und den UN-Menschenrechtsrat:

Im April findet die zweite UN-Weltkonferenz gegen Rassismus statt. Doch mit aufrichtigem Kampf gegen Diskriminierung hat sie nichts zu tun. Im Gegenteil. Sie ist ein Propagandaforum für Israel-Hasser. Deshalb muss Deutschland sie boykottieren. Und mehr noch: Der UN-Menschenrechtsrat sollte aufgelöst werden.

Das hört sich zunächst nach einer guten Sache an: Am 20. April soll in Genf die zweite UN-Weltkonferenz gegen Rassismus beginnen, „Durban II“ genannt – nach der Vorläuferveranstaltung im September 2001 in der gleichnamigen südafrikanischen Stadt. Doch mit einem aufrichtigen Kampf gegen rassistische Gewalt und Diskriminierung hat „Durban II“ so wenig zu tun wie ein Kongress von Kinderpornografen mit der Verbesserung des Jugendschutzes.

Den ganzen Artikel gibt es hier.