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Oder: Heute sind wir alle Imperialisten
Aus dem ZEIT-Artikel Die Grenzen westlicher Macht von Ulrich Ladurner:
Natürlich, Obama ist ziviler in seiner Rede, er ist auch ziviler in manchen seiner Taten; doch auch seine Politik stützt sich auf einen dicken Knüppel, den er durchaus einzusetzen weiß. Das ist in Afghanistan der Fall, und jüngst auch in Pakistan. Dieses Land bekommt finanzielle Unterstützung aus Washington nur dann, wenn es einen ganzen Katalog an Forderungen erfüllt; viele von ihnen verletzten eindeutig die Souveränität Pakistans. Es gab eine Zeit, da nannte man dies Imperialismus. Heute läuft das unter dem Titel: Kampf gegen den Terror.
Systematische Entwicklungshilfe wird eigentlich immer an Bedingungen geknüpft. Egal, ob bilateral oder multilateral. Wenn Deutschland z.B. Geld direkt an ein afrikanisches Land überweist, dann ist die Überweisung im Normallfall an Bedingungen geknüpft. Ebenso sieht es bei der multilateralen Hilfe etwa von der EU, UN oder der Weltbank aus.
Darüber werden auch – im Normalfall sonntags – viele schöne Reden (mit noch viel schöneren Titeln) gehalten. Etwa der Milleniums Deklaration. In den Reden fallen dann immer wieder Wörter wie Good Governance. Inhaltlich handeln die Reden meist davon, dass das Geld nicht verjubelt (Staatskarossen Marke Mercedes, Rüstungsgüter Marke Sukhoi, Nummernkonto Marke Credit Suisse) sondern bestmöglich (Schulen, Krankenhäuser, Anti-Korruptionsprogramme etc.) investiert wird.
Angesichts dieser vielen Reden dürfte jedem – also auch Herrn Ladurner – mittlerweile bewußt sein, dass wir ebenso “die Souveränität” von diversen Ländern durch “einen ganzen Katalog an Forderungen” verletzen (ok, am Zahltag wird dann meist nicht so genau hingeschaut, schließlich interessieren Sonntagsreden werktags nicht wirklich).
Nach Ladurner sind wir demnach also alle Imperialisten. Was einfach nur lächerlich ist. Unerträglich wird Ladurners hahnebüchener Vergleich jedoch dadurch, dass die ungeheuren Verbrechen (Versklavung ganzer Völker, Massaker, ethnische Säuberungen etc.) des Imperialismus mal eben relativiert werden. Aber das ist einem Ladurner vermutlich egal. Er meint es ja nur gut.
To keep a bit of seriousness, though, I’m going to propose a theory of international trade between Africa and celebrities. Africa exports stereotypical images of misery in return for celebrities’ advocacy for more Africa funds. The theory of trade says that trade only happens when both parties gain. Celebrities gain some combination of altruistic satisfaction, a good PR image, and a boost for their acting or singing career. Africa gains aid funds.
Celebrities finally swamp advocacy market – an application of economic theory. By Bill Easterly
Dambisa Moyo in der Süddeutschen:
Die Ökonomin und Bankerin hat einen Bestseller gegen Entwicklungshilfe geschrieben. Sie attackiert Rockstars, die sich zu Sprechern Afrikas aufschwingen.
Die Süddeutsche: Sing, Bono, sing…was anderes
Oder: Money Left to Burn.
Der Klingelbeutel geht rum und ist mit 4,5 Milliarden Dollar gefüllt. Während die Kriegsgewinnler fette Profite machen profilieren sich deutsche Ministerien auf ihren Webseiten als Satiriker.
Sowas dürfte nicht mal John Maynard Keynes gewollt haben.