Posts Tagged ‘Gaza’
Aus dem FTD-Artikel Gaza: Knieschuss für Verräter von Silke Mertins:
Den Terror des Krieges haben die Menschen in Gaza hinter sich. Jetzt leiden sie unter dem Terror der Hamas. Sie beschimpft Mitglieder der verfeindeten Fatah als Kollaborateure Israels und hat eine brutale Jagd auf sie eröffnet.
[...] Dieses Mal berichtet ein Fatah-Mann aus Gaza, welche Zahlen man zusammengetragen hat, seit der Krieg zwischen Israel und der Hamas am vergangenen Sonntag mit einem Waffenstillstand endete: Die Extremistenorganisation habe 18 Exekutionen durchgeführt, mindestens 300 Männer verhaftet. 47 Menschen sei ins Knie oder Bein geschossen worden – grausames Markenzeichen der Hamas im Umgang mit Rivalen. Dutzenden seien Gliedmaßen mit der Axt amputiert worden, einigen seien die Augen ausgestochen worden. Ein Kinderkrankenhaus und eine Augenklinik würden die Hamas-Sicherheitskräfte als “Verhörzentren” nutzen.
Und, nein, es wird mit Sicherheit keine spannenden Sondersendungen im Fernsehen geben, bei denen es so richtig menschelt und die Opfer (und vermeintliche Opfer) ein ums andere Mal in die Kamera gehalten werden. Und, nein, es werden auch nicht abertausende von selbsternannten “Menschenrechtsaktivisten” und “Friedensfreunden” auf die Straße gehen, um auf das Leid hinzuweisen, was den Palästinensern angetan wird. Und, nein, Norbert Blüm, Udo Steinbach und Norman Paech werden sich wegen des Leides auch nicht in Rage reden. Kurz: Es herrscht wieder business as usual.
„Nimmt ein Jude oder nehmen alle Juden die hier angebotene Vorgabe an, kann es ihm oder ihnen nicht schlechter ergehen als jetzt. Und freiwillig Leiden zu erdulden, wird ihnen eine innere Stärke und Freude bringen wie es keine noch so hohe Anzahl von Bekundungen des Mitgefühls aus der Welt außerhalb Deutschlands vermag. [...] Die kalkulierte Gewalt Hitlers könnte sogar zu einem allgemeinen Massaker an den Juden führen als eine erste Antwort der Erklärung von Feindseligkeiten [seitens der USA, Großbritanniens und Frankreichs]. Könnte aber der jüdische Geist auf freiwilliges Leiden vorbereitet werden, könnte sogar das gedachte Massaker in einen Tag der Dankbarkeit und Freude darüber gewendet werden, dass Jehova die Rasse sogar aus den Händen des Tyrannen errettet hat. Für den Gottesfürchtigen hat der Tod keinen Schrecken.“
(Mahatma Gandhi 1938, zitiert nach der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung: Gandhi heute – aktuell oder unzeitgemäß?)
There is another side to the ledger. For millennia Jewish blood has been cheap, if not costless, throughout the Christian and Muslim worlds, where the Jew became the epitome of powerlessness, a perpetual punching bag and a scapegoat for whatever ills befell society. There is no reason, therefore, why Israel shouldn’t follow in the footsteps of these past generations, avoid antagonizing its Arab neighbors and exercise restraint whenever attacked. But no, instead of knowing its place, the insolent Jewish state has forfeited this historic role by exacting a price for Jewish blood and beating the bullies who had hitherto been able to torment the Jews with impunity. This dramatic reversal of history cannot but be immoral and unacceptable. Hence the global community outrage and hence the world’s media provision of unlimited resources to cover every minute of Israel’s “disproportionate” response, but none of the devastation and dislocation caused to Israeli cities and their residents.
(Prof. Efraim Karsh: What’s Behind Western Condemnation of Israel’s War Against Hamas? (via))
Deutlich fundierter als Glucksmann und Dershowitz beleuchtet Michael Walzer die Verwendung und den völkerrechtlichen Hintergrund der Verhältnismäßigkeit:
Let’s talk about proportionality–or, more important, about its negative form. “Disproportionate” is the favorite critical term in current discussions of the morality of war. But most of the people who use it don’t know what it means in international law or in just war theory. Curiously, they don’t realize that it has been used far more often to justify than to criticize what we might think of as excessive violence. It is a dangerous idea.
Michael Walzer: On Proportionality.
Hamas erklärte am Morgen in einem Flugblatt den Sieg über die israelischen Truppen. Man gratuliere dem palästinensischen Volk und dem bewaffneten Widerstand, die “dem Feind schwere Verluste zugefügt und ihn zum einseitigen Rückzug gezwungen” hätten.
(DIE ZEIT)
Alan Dershowitz im ZEIT-Interview:
Dershowitz: Was heißt Verhältnismäßigkeit? Für jede Hamas-Rakete darf Israel eine zurückfeuern? Jeder tote Israeli “erlaubt” einen toten Palästinenser? Nein, Verhältnismäßigkeit ist ganz einfach definiert: Was immer notwendig ist, um eine Aggression gegen die eigene Bevölkerung zu stoppen, das ist verhältnismäßig. Entscheidend ist nicht der konkrete Schaden, sondern das Risiko. Israel muss nicht warten, bis eine Rakete einen vollbesetzten Kindergarten trifft.
Zudem: Die UN sind absolut nicht objektiv, wenn es um Israel geht. Die UN haben nichts getan in Darfur oder in Ruanda, nichts gegen Fälle tatsächlichen Völkermords, aber mehr Resolutionen gegen Israel verabschiedet als gegen alle anderen Staaten der Welt zusammen. Die UN sind Teil des Problems, nicht die Lösung.
Das ganze Interview: “Israels Vorgehen ist angemessen”.
Siehe auch Spirit of Entebbe: Die UN, dein Freund und Helfer.
Auch die Nationalpazifisten werden durch das Leid der armen, unschuldigen Palästinenser um den Schlaf gebracht:
Die sogenannte Mahnwache der NPD am heutigen Freitagabend gegen den Angriff Israels auf den Gazastreifen darf stattfinden, allerdings nur eingeschränkt. Wie berichtet, hatte der NPD-Bezirkschef Roland Wuttke zunächst einen Umzug vom Rathaus zum Jakobsplatz angemeldet, um dort symbolisch die Synagoge mit Schuhen zu bewerfen.
So die Süddeutsche.
Should the Israeli army refrain from employing its technical supremacy and limit itself to the weapons that Hamas uses—that is to say, crude rockets and stones? Should it feel free to adopt the strategy of suicide bombers and the deliberate targeting of civilians? Or, better still, would it be appropriate for Israel to wait patiently until Hamas, with the help of Iran and Syria, is able to “balance” Israel’s firepower? Or might it be necessary to level the playing field regarding not only means but also aims? Hamas, unlike the Palestinian Authority, refuses to recognize the Jewish state’s right to exist and dreams of the annihilation of its citizens; should Israel match this radicalism?
André Glucksmann: On “Disproportion”.
Das Ziel ist nicht die Zweistaatenlösung; Hamas und Iran wollen Israel in der Tat »ausradieren«. Doch ist diese Endlösung bloß fernes Endziel. Hier und jetzt geht es um die Machtfrage in Mittelost – gegen Amerika, gegen Israel als seinen »Festlandsdegen«, gegen die sunnitischen Verbündeten der USA. Probates Mittel ist der Zermürbungs- und Demoralisierungskrieg. Was in westlicher Logik Wahnsinn ist, verwandelt sich im Kopf des Gotteskriegers in Rationalität – Bombardements, ja den Einmarsch zu provozieren ist Teil der Strategie. Je mächtiger die Zerstörung, desto höher der Sympathie- und Solidarisierungseffekt im Bilderkrieg – in Arabien wie im Westen. Das ist die Perfektion der Perversion: Israelis umzubringen ist gut; die eigenen Leute sterben zu lassen ist es auch.
Josef Joffe in der ZEIT: Logik des Wahnsinns.
Und in der WELT vertritt Michael Stürmer eine fast identische Position:
Es tobt ein Krieg der Bilder im Nahen Osten. Für die islamischen Milizen gilt: Je mehr Leid die Aufnahmen zeigen, desto besser. Die Stimmung in der gesamten Region soll sich gegen Israel wenden. Dahinter stehen vor allem die Interessen des Iran, der sich eine Vormachtstellung im Nahen Osten sichern will.
Michael Stürmer in der WELT: Im Gaza-Krieg geht es um die Macht des Iran.
The poverty and the death and the despair among the Palestinians in Gaza moves me to tears. How can it not? Who can see pictures of children in a war zone or a slum street and not be angry and bewildered and driven to protest? And what is so appalling is that it is so unnecessary. For there can be peace and prosperity at the smallest of prices. The Palestinians need only say that they will allow Israel to exist in peace. They need only say this tiny thing, and mean it, and there is pretty much nothing they cannot have.
Daniel Finkelstein: Israel acts because the world won’t defend it .
Dieses Foto kann man nicht genug weiter verlinken.
Diese Frau hat sich den Sacharow-Preis verdient. Mindestens. Sie riskiert Leib und Leben, um sich mit den Ärmsten der Ärmsten zu solidarisieren. Sie ist die Frau, die freiwillig ins Warschauer Ghetto unserer Zeiten ging. Ihr Aufenthalt im größten Gefängnis der Welt ist ein einziges Martyrium. Dieses Bild erreichte die empörte Weltöffentlichkeit jetzt unter dramatischen, ja geradezu lebensgefährlichen Umständen: Die Tante von den Kindern von Tony Blairs Frau.

