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Eben in der WELT (Sie mag Salat, er lieber Braten) gelesen:
Cornelia Poletto, Sterneköchin aus Hamburg, beobachtet in ihren Kochkursen, dass Frauen ganz wild sind auf Bio: “Bio steht bei den meisten für: tut mir gut, ist gesund.” Männer hingegen sagten: Ist mir doch wurscht, ob da Bio draufsteht oder nicht. Hauptsache, es schmeckt!
Womit die folgende Frage eines lesenswerten Artikels über den Placeboeffekt von Bionahrungsmitteln beantwortet ist:
Auch wenn es viele Biogourmets gern glauben möchten, nicht alles, was vom Biohof kommt, schmeckt. In Sachen Geschmack gibt es nur einen gefühlten Unterschied. Aber wer richtet sich beim Genießen schon nach Labortests und wissenschaftlichen Erkenntnissen?
Männer.
Wer jemals an einer deutschen Universität studiert hat, der kennt auch die liebste Beschäftigung der politisch organisierten Studenten (nach dem Verzehr von Filterkaffee): Man schreibt Solidaritätserklärungen. Zumindest diejenigen, die im AStA organisiert sind. In diesen Erklärungen erklärt man sich – wie der Name schon sagt – solidarisch. Und zwar vorzugsweise mit den Unterdrückten dieser Welt.
Das Verfassen solcher Solierklärungen ist eigentlich denkbar einfach, der Studi muss nur ein paar Wörter besonders oft unterbringen, wie da wären: (Internationale) Solidarität, repressive und/oder patriarchale Strukturen, strukturelle und/oder staatliche Gewalt, kapitalistisch(-e und -er) und klassenmäßig. Besondere Beachtung sollte man auch den Genderproblematiken zukommen lassen, d.h. immer ein Innen anfügen (Vorsicht! Die Ausnahme von dieser Regel bei Nazis und Faschisten muss unbedingt beachtet werden!).
Wenn dann noch der Umweltschutz (Regenwald, Walfang, Castortransporte; neuerdings besonders angesagt: Der Klimawandel) berücksichtigt wurde, dann steht der weiteren Verwendung nichts mehr im Wege. Die Solierklärung wird vorgelesen. Dann wird allgemein Geklatscht, und die Adressaten erklären sich wiederum – quid pro quo – mit dem politischen Kampf des Verfassers solidarisch.
Die hier werden sicher keine Solierklärung von irgendeinem deutschen AStA bekommen.
Wenn man bei Wikipedia nach dem Begriff des Exotismus sucht, dann findet man diesen Eintrag, von dem die folgenden drei Absätze stammen:
Einige Europäer projizierten ihre eigenen Wunschgedanken in die „Exoten“ in den für sie neu erschlossenen Welten. Hierzu gehören insbesondere Vertreter der europäischen Aufklärung, wie Jean-Jacques Rousseau oder Denis Diderot. Insbesondere sexuelle Entsagungen führten zu einem Bild „triebhafter Eingeborener“ mit einer besonderen sexuellen Potenz. Die zunehmende Entfremdung im Zuge der Industrialisierung hat eine besondere romantische Form der „Naturverbundenheit“ hervorgebracht, die ebenfalls den „Wilden“ zugeschrieben wurde.
Hinzu kommt, dass mit dem Bild der „Natürlichkeit“ zum Beispiel bei Rousseau eine Begründung der Unterlegenheit der „Wilden“ einhergeht. Diese seien zwar der Natur näher, aber dafür der Kultur ferner und insofern als Kinder anzusehen. Hierin drückt sich eine Form des Rassismus ohne Rassen aus, der formal sogar mit einer Hochachtung vor den „Wilden“ begründet wird.
Kritiker werfen auch bestimmten multikulturellen Ansätzen einen entsprechenden Rassismus vor, wenn sie sich auf das Feiern exotischer Unterschiede begrenzen (im englischen als Politik der Steel-Bands, Sari, Samosas bezeichnet). Manche Thesen radikaler Vertreter des Kulturrelativismus werden von Kritikern als eine Form eines exotistischen ‘umgekehrten Rassismus’ kritisiert, da in ihnen Menschenrechte pauschal Werten der Tradition und Gemeinschaft untergeordnet würden. Ein Beispiel ist die in einigen Religionen und Kulturen praktizierte Beschneidung weiblicher Genitalien, die von manchen radikalen Kulturrelativisten als bloße kulturelle Praxis, über die keine moralischen Werturteile möglich sind, in Schutz genommen wird.
Ein besonders erschreckendes Beispiel für den letzten Absatz hat Arvid Vormann entdeckt; ausgerechnet (oder sollte man besser sagen: Mal wieder?) die hiesigen Feministinnen vom Studienbereich der Gender Studies haben den systematisch verstümmelten Mädchen und Frauen einen Bärendienst erwiesen.
In dem Eintrag Respekt für ethnische Schnitzereien am weiblichen Körper auf dem WADIblog zitiert Arvid Vormann die ApologetInnen der Genitalverstümmelung u.a. mit solchen Verharmlosungen: Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass erfüllte Sexualität nicht zwingend mit Orgasmusfähigkeit in Zusammenhang gebracht wird. Die Frauen in Eritrea fühlen sich dann geschätzt und geliebt von ihren Ehemännern, wenn sie als Ehefrau geachtet und respektiert werden.
Kurz und gut: Falls irgendwer über die Festtage ein paar Kilo zuviel zu sich genommen hat, dann sollte er sich Arvids Artikel durchlesen; die Feministinnen von der Sorte ein BH ist ein Kleidungsstück patriarchaler Unterdrückung, die Burka ein Teil der kulturellen Identität verderben einem den Appetit äußerst gründlich.