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21st December
2007
written by Tobias Blanken

In Spiegel-Online findet sich unter der Überschrift Warum David mehr Fans hat als Goliath ein Artikel, der die Ergebnisse einer psychologischen Studie der University of South Florida wiedergibt, welche sich mit den Sympathien für eine von zwei Konfliktparteien auseinandersetzt.

Insgesamt wurde in vier Experimenten nachgewiesen, dass Menschen deutlich mehr Sympatie für den vermeintlichen Underdog empfinden – und sich auch die Realität nach dieser Sicht zurechtbiegen:

Den vermeintlichen Favoriten wurden größere Fähigkeiten zugesprochen, den Außenseitern dafür mehr Anstrengung und “Herz” attestiert. “Menschen, die das gleiche Ereignis beobachten, können, je nach Motivation und Blickwinkel, sehr unterschiedliche Dinge sehen”, schreiben Vandello und seine Kollegen.

Exakt der selbe Effekt konnte auch bei der Betrachtung des Nahost-Konflikts nachgewiesen werden; der Versuchsaufbau wird folgendermaßen beschrieben:

Verblüffend ist das Resultat der Studie zum Nahost-Konflikt. Allein die Darstellung einer Karte des umkämpften Gebietes wirkte sich drastisch auf die Sympathien der Versuchsteilnehmer für die eine oder andere Seite aus. Eine Gruppe sah Israel in groß und fast ohne Darstellung der geografischen Umgebung – das Land sieht auf der Karte groß aus, die Palästinensergebiete im Westjordanland und im Gaza-Streifen dagegen klein. Bei einer zweiten Karte wurde der Ausschnitt vergrößert: Neben Israel waren nun auch noch die arabischen Staaten der Umgebung zu sehen: Ägypten, Jordanien, Syrien und auch Saudi-Arabien. Israel erscheint auf dieser Karte deutlich kleiner, umgeben von feindlich gesonnenen Flächenstaaten.

Dementsprechend wurde der Konflikt dann folgendermaßen beurteilt:

Die Versuchspersonen lasen zu Beginn des Experimentes einen kurzen Aufsatz über den Nahostkonflikt und wurden aufgefordert, sich die jeweilige Karte genau einzuprägen, mit der Begründung, sie sollten sie später nachzeichnen. Die Teilnehmer, die Israel in groß gesehen hatten bekundeten anschließend mehrheitlich, eher auf Seiten der Palästinenser zu stehen, weniger als die Hälfte war für Israel. Wurde Israel jedoch im Kontext des gesamten nahen Ostens gezeigt, wandelte sich das Bild: In dieser Gruppe waren fast 77 Prozent der Teilnehmer auf Seiten Israels.

Überraschen dürfte das Ergebnis wohl kaum jemanden. Wenn wir alle so tun, als ob es die arabischen Staaten nicht geben würde, dann würden wir (jedenfalls der Teil von uns, der emotional von der Hand in den Mund lebt) mehrheitlich für die Palästinenser Partei ergreifen. Man muss einfach nur die Realitäten erfolgreich ausblenden, dann wird es auch was mit der Palästinenser-Solidarität.

Whatever. Ich höre mir jetzt Bob Dylan an:

Well, the neighborhood bully, he’s just one man,
His enemies say he’s on their land.
They got him outnumbered about a million to one,
He got no place to escape to, no place to run.
He’s the neighborhood bully.

(Bob Dylan – Neighborhood Bully)