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Götz Aly will nicht mehr:
Im Wahlprogramm der Grünen für Friedrichshain-Kreuzberg lese ich, wie die Partei den Zuzug von mittelständischen Mietern unter dem Stichwort Milieuschutz verhindern will. Da heißt es: “Auch die Mieten steigernde Nachmodernisierungen wie Parkettböden oder Vollverkachelung von Bädern können verhindert werden, allerdings unterliegen viele dieser Maßnahmen keiner Meldepflicht. Hier sind die BewohnerInnen aufgerufen, dem Bezirk entsprechende Vorhaben zu melden.” Ekelhaft, eine Partei der Blockwartinnen und Denunzianten wähle ich nicht.
Berliner Zeitung: Ich mach dann mal Pause
Wegen dem vorherigen Eintrag den Entschließungsantrag der europäischen Grünen über den Goldstone-Bericht gelesen, dabei über folgenden Absatz gestolpert:
13. unterstützt die weiteren Empfehlungen des Goldstone-Berichts zu anderen schweren Verstößen gegen das Völkerrecht, die Israel im besetzten palästinensischen Gebiet begeht, und fordert Israel auf, die Blockade des Gaza-Streifens unverzüglich aufzuheben, Bewegungsfreiheit innerhalb des besetzten palästinensischen Gebiets zu gewährleisten, politische Gefangene einschließlich des Mitglieds des Palästinensischen Legislativrates Marwan Barghuthi freizulassen und gegen Palästinenser im Zusammenhang mit ihrem Einsatz für die Menschenrechte und ihrer politischen Betätigung verhängte Reiseverbote aufzuheben;
Marwan Barghuthi (arabisch مروان البرغوثي, DMG Marwān al-Barġūṯī, palästinensisch-arabisch: Marwān il-Barghūthi, häufig Barghuti oder Barghouti geschrieben; * 6. Juni 1959 in Kobar bei Ramallah) ist ein palästinensischer Politiker. Derzeit verbüßt er in Israel eine fünffache lebenslange Freiheitsstrafe. Verurteilt wurde er wegen mehrfachen Mordes und Terrorismus.
Eine ältere (10.2.2010) Stellungnahme von Kerstin Müller, Außenpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen:
Der Goldstone-Bericht hat zu Recht beide Seiten konkreter Verstöße gegen das internationale Kriegsrecht bezichtigt. Wir verurteilen sowohl den völkerrechtswidrigen Beschuss durch Qassam-Raketen aus dem Gazastreifen wie auch die Verletzungen des humanitären Völkerrechts durch Israel. Wir bedauern, dass die Bundesregierung dem Bericht in der UN-Generalversammlung nicht zugestimmt hat.
Eine weitere ältere (24.2.2011) Stellungnahme, diesmal von Annette Groth, Menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE:
Die Goldstone-Kommission hat Kriegsverbrechen auf israelischer und palästinensischer Seite dokumentiert. Die Zusammenarbeit mit der Goldstone-Kommission wie auch Untersuchungen dieser Verbrechen durch unabhängige Kommissionen lehnt die israelische Regierung bis heute ab. Nach zweimaliger Fristverlängerung für nationale Untersuchungen muss jetzt die internationale Strafgerichtsbarkeit eingeschaltet werden.
Bei dem israelischen Überfall auf Gaza wurden 850 palästinensische Zivilistinnen und Zivilisten getötet, darunter 350 Kinder und 200 Frauen. Über 5 000 Menschen wurden verletzt. Für Hina Jilani, Mitverfasserin des Goldstone-Berichts, waren die Zeugnisse über das bewusste Zielen auf Kinder das Schlimmste, was sie jemals gehört hat. Frau Jilani war UN-Sonderberichterstatterin in Darfur. Die Kommission untersuchte Vorfälle, bei denen Familien mit weißer Flagge ein Haus verließen und die trotzdem gezielt beschossen wurden. Das ist ein gravierender Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und gehört bestraft.
(Beifall bei der LINKEN)
Natürlich sah das Europäische Parlament die Sache im März vergangenen Jahres ähnlich:
The European Parliament has backed the findings of a UN-backed report into last year’s Gaza war, which heavily criticised Israel and accused both Tel Aviv and Hamas of war crimes.
The assembly is the second institution after the United Nations to stand in favour of the report, with just over 50 per cent of politicians passing the resolution.
It urged its 27-member states to monitor Israeli and Palestinian probes into war crimes in Gaza, and urged Israel to immediately open its border crossing with the Gaza Strip to alleviate the worsening humanitarian crisis there.
Heute dann hat sich Richter Goldstone in der Washington Post geäußert:
We know a lot more today about what happened in the Gaza war of 2008-09 than we did when I chaired the fact-finding mission appointed by the U.N. Human Rights Council that produced what has come to be known as the Goldstone Report. If I had known then what I know now, the Goldstone Report would have been a different document.
[...]
Our report found evidence of potential war crimes and “possibly crimes against humanity” by both Israel and Hamas. That the crimes allegedly committed by Hamas were intentional goes without saying — its rockets were purposefully and indiscriminately aimed at civilian targets.
The allegations of intentionality by Israel were based on the deaths of and injuries to civilians in situations where our fact-finding mission had no evidence on which to draw any other reasonable conclusion. While the investigations published by the Israeli military and recognized in the U.N. committee’s report have established the validity of some incidents that we investigated in cases involving individual soldiers, they also indicate that civilians were not intentionally targeted as a matter of policy.
Jeffrey Goldberg kommentiert kurz und treffend:
This is as shocking as it is unexpected: the South African Jewish judge Richard Goldstone, who excoriated Israel for allegedly committing premeditated crimes against civilians in Gaza — contributing, more than any other individual, to the delegitimization and demonization of the Jewish state — now says, well, Israel didn’t actually set out to target Palestinian civilians, unllike Hamas, whose plainly-apparent goal was to murder Israeli civilians.
[...]
Well, I’m glad he’s cleared that up. Unfortunately, it is somewhat difficult to retract a blood libel, once it has been broadcast across the world.
Und Lila fasst auf Letters from Rungholt resignierend zusammen:
Ob Goldstones Worte Widerhall finden werden? Ich glaube eher, das Kind ist schon vor so langer Zeit in den Brunnen gefallen, daß seine Einsicht zu spät kommt. [...]
Es ist immer die alte Geschichte: wenn die Tatsachen korrigiert werden und sich die Verurteilung Israels als voreilig herausstellt, hört schon keiner mehr hin.
Josef Joffe im New Republic über die verlogenen Reaktionen auf Gaddafis Gewaltorgie:
When Casablanca’s corrupt police captain Louis Renault closes down Rick’s Bar Américain to please Major Strasser, he huffs: “I’m shocked, shocked to find that gambling is going on in here!” A second later, the croupier hands him a pile of money: “Your winnings, sir.” It took the West and the Rest 42 years to be shocked by what has been happening in Muammar’s Café Libyien. And it wasn’t gambling.
Now, it’s no more U.N. Human Rights Council for Qaddafi. Now, the International Criminal Court is investigating. Now, the E.U. is cutting off arms supplies and freezing bank accounts. Even the supple Swiss are getting religion, sequestering funds thought to belong Gaddafi and relatives.
There is no reason to be “shocked, shocked.” Everybody—and that goes for the West as well as for Arabs, African, and Asians—has been able to see all along what’s been happening in Libya. But the Human Rights Council did not seem notice—perhaps because it was too busy passing 32 resolutions against Israel since its creation in 2006, almost half of the total it’s issued. The Council must have acted in a fit of dizziness when it elected Libya as a member.
And yet. The only time shock led to counter-shock was when Reagan ordered the bombing of Tripoli in 1986. The attack unleashed an uproar in Europe; this was worse than the slaughter of Libyan civilians, it was neo-imperialism! Four years earlier, a delegation of German Greens—idealists and pacifists all—had come to Tripoli to pay their respects to “Brother Leader.”
Unbedingt lesenswert: Why is everyone acting so shocked about Muammar Qaddafi’s crackdown?
Julia Seeliger über das (bayerische) Rauchverbot und Bündnis 90/Die Grünen: Die grünen Nannys.
Siehe auch die Entwicklung in Singapur New York: Mayor leans toward a smoking ban at parks and beaches (NYT).
Jochen Bittner über das Glühbirnenverbot:
Anhand des Abstimmungsverhaltens lassen sich nun immerhin grobe Parteienverantwortlichkeiten für das Glühbirnenverbot identifizieren. Die Sozialdemokraten stimmten bis auf einen Abgeordneten gegen eine Befassung durch das gesamte Parlament. Die Grünen stimmten geschlossen dagegen – und rühmten sich anschließend eines Sieges über den „schwarz-gelben Block der Fortschrittsverweigerer“. Was hinsichtlich der Schwarzen halb falsch und hinsichtlich der Gelben ganz falsch ist.
Denn von den 22 Vertretern der Konservativen im Umweltausschuss stimmten 12 für eine Befassung des EP und 10 dagegen. Von den 8 liberalen Abgeordneten stimmte lediglich einer, ein Deutscher, für eine Plenumsbefassung. Wie kann das sein?, wollen wir von der Pressestelle der Liberalen wissen. Glauben jetzt nicht mal mehr die an den freien Markt und den verantwortlichen Bürger? Nun ja, heißt es, der deutsche Liberale im Ausschuss tue das schon, aber die Fraktionskollegen aus Großbritannien etwa neigten in Umweltfragen „eher zu einem grünen Verhalten.“
Jochen Bittner: Wer war das?