Posts Tagged ‘Hamas’
Früher, da hat das Bildungsbürgertum diese Zeitung gelesen:
Einer gegen 1.027 – was sagt diese Relation aus?
Diese Relation zeigt die Ungleichheit im Kräfteverhältnis zwischen Israel und den Palästinensern. Israel hielt etwa 6.000 Palästinenser in seinen Gefängnissen fest, von denen allerdings nur ein Teil an Anschlägen auf Zivilisten in Israel beteiligt war. Denn die israelische Armee kann in die Westbank und den Gaza-Streifen einrücken und Menschen festnehmen. In dem Abkommen zum Gefangenenaustausch soll sich Israel auf Druck der Hamas verpflichtet haben, die Freigelassenen nicht gleich wieder aus Gaza oder der Westbank gewaltsam zurückzuholen.
Die palästinensische Seite, in diesem Fall die Hamas, hatte einen einzigen israelischen “Gefangenen”, den entführten Soldaten Schalit. Daher ist der Eindruck nicht falsch, dass ein Israeli mehr wert ist als ein Palästinenser – aber das ist nicht einfach eine Frage der moralischen Überlegenheit Israels, sondern auch ein Ergebnis des Ungleichgewichts der Kräfte in diesem Konflikt.
Ein Mensch gegen 1.027 Menschen – das zeigt die Ungleichheit im Kräfteverhältnis? WTF, ZEIT?
Peinlicher als es Polenz geschafft hat, lässt sich die politische Inkompetenz und moralisch indolente Geistesverwirrung manches führenden deutschen Außenpolitikers kaum noch auf den Punkt bringen.
Richard Herzinger: Guido Westerwelle und die Wirrnis deutscher Außenpolitiker im Fall Schalit
Die FAZ über das Verbotsverfahren gegen die deutsche IHH Sektion:
Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern haben mit dem Verbotsverfahren der deutschen Spendenorganisation „Internationale Humanitäre Hilfe“ (IHH) neue Erkenntnisse über personelle und sachliche Verbindungen zwischen dem Spendenverein und „Mili Görüs“ gewonnen, der größten islamischen Organisation in Deutschland. [...]
Das so genannte Freiheitsschiff, die „Mavi Marmara“, die von der türkischen IHH unterstützt wurde, war am 31. Mai in internationalen Gewässern von der israelischen Armee aufgebracht worden. Bei der Erstürmung waren neun Personen getötet worden. Auf dem Boot hatte sich auch Abgeordnete der Linke-Fraktion befunden, in dem Glauben Teil einer humanitären Hilfsaktion zu Gunsten der notleidenden Bevölkerung im Gaza zu sein.
Innenminister de Maizière hatte die IHH Mitte Juli verboten, weil die Organisation etwa 6,6 Millionen Euro an die Hamas transferiert hatte. Die IHH habe über Jahre den Hamas-nahen Vereinen „Islamic Charitable Society Hebron“ und der „Islamic Society“, der größten Hamas-Sozialorganisation, beträchtliche Summen zukommen lassen. So seien an die „Islamic Society“ zwischen 2007 und 2009 insgesamt 1,7 Millionen Euro überwiesen worden, an die „Islamic Charitable Society“ seit 2006 280.000 Euro.
Unbedingt lesenswert: „Taschengeld für palästinensische Geschwister!“
Israel rehabilitates Palestinians who lost legs after being kneecapped by Hamas:
Die deutsche Nahostberichterstattung übertrifft sich mal wieder selbst:
Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Jassin, der die islamistische Organisation gegründet hatte und später von der israelischen Armee getötet wurde. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei. Daraufhin musste er vor drei Jahren aus dem Westjordanland nach Amerika fliehen.
Aus der FAZ: Israels Hamas-Spion – Deckname „Grüner Prinz“. Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem.
Der Artikel samt Zitaten basiert im Wesentlichen auf dieser Exklusivmeldung von Haaretz: Hamas founder’s son worked for Shin Bet for years.
Das Problem: Selbst mit eingeschränkten Englischkenntnissen müsste man eigentlich sehr schnell merken, dass Haaretz nicht den Hamasgründer, sondern einen Hamasgründer als Vater benennt. Und zwar benennt Haaretz klar und deutlich Sheikh Hassan Yousef als Vater (“Mosab Hassan Yousef is the son of Sheikh Hassan Yousef, a Hamas founder and one of its leaders in the West Bank“).
Es ist vollkommen absurd: Weltweit (vgl. etwa CNN) wird Sheikh Hassan Yousef als Vater benannt, nur in Deutschland (bzw. in der FAZ) ist es auf einmal Scheich Jassin.
Nun könnte man munter spekulieren, wie solch ein Bock geschossen werden konnte. Verfügt der FAZ-Korrespondent nur über eingeschränkte Englischkenntnisse? Oder ist Scheich Jassin mangels Hamas-Kenntnissen der einzige Name, den der FAZ-Korrespondent mit eben jener Terrororganisation in Verbindung bringen kann? Natürlich könnte man sich auch einfach nur über die miese Berichterstattung ärgern.
Oder man nimmt in Zukunft die deutsche Nahostberichterstattung als vollkommen faktenbefreite Märchenstunde aus 1000 und einer Nacht hin. Damit wäre man der Wahrheit zumindest deutlich näher als so mancher deutscher Nahostkorrespondent.
Nachtrag: Jetzt wird es richtig peinlich. Die FAZ hat ihren Fehler bemerkt und den Artikel korrigiert. Bzw. hat im zitierten Absatz “Scheich Jassin” durch “Scheich Hassan Jusef” (die deutschsprachige Version von Sheikh Hassan Yousef) ersetzt. Daher steht dort jetzt folgender Absatz:
Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Hassan Jusef, der die islamistische Organisation gegründet hatte und später von der israelischen Armee getötet wurde. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei.
Das Problem: Scheich Hassan Jusef ist quicklebendig. Wurde nicht von der israelischen Armee getötet. Wird daher auch nicht als Märtyrer verehrt.
Ja, und um die Verwirrung zu vervollkommnen findet sich weiter unten im FAZ-Text auch noch folgender Satz: “Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jassin seien tausend Stunden Arbeit israelischer Terrorexperten wert gewesen”.
Merke: In der FAZ-Phantasie können Palästinenser zwei Väter haben und quicklebendige Terroristen werden (Ejaculatio praecox?) als Märtyrer verehrt.
Nachtrag II: FAZ, du machst dich. Nach der nächsten Korrektur ist Mosab Hassan Jusef ein normaler Mensch mit nur einem Vater (“Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jusef…”). Außerdem hat dieser Vater die Hamas nur “mitbegründet”, nicht mehr “gegründet”. Falls du, liebe FAZ, in einer der nächsten Korrekturen auch noch dafür sorgen könntest, dass der Vater noch unter uns weilt und eben nicht “als Märtyrer” verehrt wird, dann kommen wir der Wahrheit schon sehr nahe.
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn: Heribert Prantl hat in der Süddeutschen einen guten Artikel über die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer und die Festung Europa geschrieben. U.A. schreibt Prantl:
Die Europäische Union schützt sich vor ihnen wie vor Terroristen: man fürchtet sie nicht wegen ihrer Waffen, sie haben keine; man fürchtet sie wegen ihres Triebes, sie wollen nicht krepieren, sie wollen überleben – sie werden also behandelt wie Triebtäter, und sie werden betrachtet wie Einbrecher, weil sie einbrechen wollen in das Paradies Europa; und man fürchtet sie wegen ihrer Zahl und sieht in ihnen so eine Art kriminelle Vereinigung. Deswegen wird aus dem “Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts”, wie sich Europa selbst nennt, die Festung Europa.
Prantl betreibt eine klare Abgrenzung; er hält die Errichtung der Festung Europa für illegitim, da es keine “Terroristen” sind, sie keine “Waffen” haben, sie nicht “krepieren” wollen, es keine “Triebtäter” sind und es sich auch nicht um eine “Art kriminelle Vereinigung” handelt.
Wenn Heribert Prantl konsequent ist wird er in Zukunft sicher zu einem emsigen Verteidiger des israelischen Sicherheitszaunes. Schließlich schützt dieser vor echten Terroristen, die Waffen mit sich führen, um Männer, Frauen, Kinder, Soldaten und Zivilisten in möglichst großer Zahl abzuschlachten. Deren Mordtrieb sogar stärker ist als ihr Selbsterhaltungstrieb. Die in menschenverachtenden terroristischen Vereinigungen wie der Hamas und des islamischen Dschihads organisiert sind.
Aus dem FTD-Artikel Gaza: Knieschuss für Verräter von Silke Mertins:
Den Terror des Krieges haben die Menschen in Gaza hinter sich. Jetzt leiden sie unter dem Terror der Hamas. Sie beschimpft Mitglieder der verfeindeten Fatah als Kollaborateure Israels und hat eine brutale Jagd auf sie eröffnet.
[...] Dieses Mal berichtet ein Fatah-Mann aus Gaza, welche Zahlen man zusammengetragen hat, seit der Krieg zwischen Israel und der Hamas am vergangenen Sonntag mit einem Waffenstillstand endete: Die Extremistenorganisation habe 18 Exekutionen durchgeführt, mindestens 300 Männer verhaftet. 47 Menschen sei ins Knie oder Bein geschossen worden – grausames Markenzeichen der Hamas im Umgang mit Rivalen. Dutzenden seien Gliedmaßen mit der Axt amputiert worden, einigen seien die Augen ausgestochen worden. Ein Kinderkrankenhaus und eine Augenklinik würden die Hamas-Sicherheitskräfte als “Verhörzentren” nutzen.
Und, nein, es wird mit Sicherheit keine spannenden Sondersendungen im Fernsehen geben, bei denen es so richtig menschelt und die Opfer (und vermeintliche Opfer) ein ums andere Mal in die Kamera gehalten werden. Und, nein, es werden auch nicht abertausende von selbsternannten “Menschenrechtsaktivisten” und “Friedensfreunden” auf die Straße gehen, um auf das Leid hinzuweisen, was den Palästinensern angetan wird. Und, nein, Norbert Blüm, Udo Steinbach und Norman Paech werden sich wegen des Leides auch nicht in Rage reden. Kurz: Es herrscht wieder business as usual.
„Nimmt ein Jude oder nehmen alle Juden die hier angebotene Vorgabe an, kann es ihm oder ihnen nicht schlechter ergehen als jetzt. Und freiwillig Leiden zu erdulden, wird ihnen eine innere Stärke und Freude bringen wie es keine noch so hohe Anzahl von Bekundungen des Mitgefühls aus der Welt außerhalb Deutschlands vermag. [...] Die kalkulierte Gewalt Hitlers könnte sogar zu einem allgemeinen Massaker an den Juden führen als eine erste Antwort der Erklärung von Feindseligkeiten [seitens der USA, Großbritanniens und Frankreichs]. Könnte aber der jüdische Geist auf freiwilliges Leiden vorbereitet werden, könnte sogar das gedachte Massaker in einen Tag der Dankbarkeit und Freude darüber gewendet werden, dass Jehova die Rasse sogar aus den Händen des Tyrannen errettet hat. Für den Gottesfürchtigen hat der Tod keinen Schrecken.“
(Mahatma Gandhi 1938, zitiert nach der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung: Gandhi heute – aktuell oder unzeitgemäß?)
There is another side to the ledger. For millennia Jewish blood has been cheap, if not costless, throughout the Christian and Muslim worlds, where the Jew became the epitome of powerlessness, a perpetual punching bag and a scapegoat for whatever ills befell society. There is no reason, therefore, why Israel shouldn’t follow in the footsteps of these past generations, avoid antagonizing its Arab neighbors and exercise restraint whenever attacked. But no, instead of knowing its place, the insolent Jewish state has forfeited this historic role by exacting a price for Jewish blood and beating the bullies who had hitherto been able to torment the Jews with impunity. This dramatic reversal of history cannot but be immoral and unacceptable. Hence the global community outrage and hence the world’s media provision of unlimited resources to cover every minute of Israel’s “disproportionate” response, but none of the devastation and dislocation caused to Israeli cities and their residents.
(Prof. Efraim Karsh: What’s Behind Western Condemnation of Israel’s War Against Hamas? (via))
Hamas erklärte am Morgen in einem Flugblatt den Sieg über die israelischen Truppen. Man gratuliere dem palästinensischen Volk und dem bewaffneten Widerstand, die “dem Feind schwere Verluste zugefügt und ihn zum einseitigen Rückzug gezwungen” hätten.
(DIE ZEIT)
