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Drei Lesehinweise, die nur wenig miteinander zu tun haben.
Alan Posener “rettet Marx vor den Linken”. Genauer: Insbesondere vor den globalisierungs- und fortschrittsfeindlichen Linken. Natürlich nicht, ohne auch die Abgründe des Marxismus aufzuzeigen. Der Sozialdarwinist. Was von Marx übrig bleibt:
125 Jahre nach seinem Tod geht das Gespenst des Philosophen der Revolution immer noch um. Seine rechtmäßigen Erben seien aber weder französische Salonmarxisten noch deutsche Postkommunisten, sondern amerikanische Neocons und europäische Bürokraten, meint Alan Posener.
Den Neocons jetzt auch noch Marx in die Schuhe schieben zu wollen verursacht zwar einige Bauchschmerzen, aber der Essay ist trotzdem lesenswert. Bei den europäischen Bürokraten würde ich ihm dafür umso heftiger zustimmen. Apropos Marx: Ein ehemaliger Marxist, der aus Marxscher Sicht als schwerstabhängiger Opium-Junkie bezeichnet werden müsste, macht sich in der WELT Gedanken über Mohammed und den Humor. Die Rede ist von Peter Schütt, der vom Parteigänger der DKP zum Islam konvertierte und hier schon den Spitznamen Mullah Schütt verpasst bekommen hat. Der Artikel Mohammed lachte oft und gern hat mich angesichts des Spitznamens überrascht, da Schütt a) fordert, “dass Muslime sich dafür einsetzen sollten, dass die letzten Reste des Gotteslästerungsparagrafen aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden” und b) auch keinen Mantel des Schweigens über den Judenhass in der islamischen Community ausbreitet.
Heute jedoch scheint den Muslimen das Lachen vergangen zu sein. Die satirische Tradition der islamischen Kultur ist offenbar gänzlich versiegt. Überall treten die Hüter der islamischen Korrektheit auf den Plan, um jeden Spaß und Spott schon im Ansatz zu ersticken – vor allem dann, wenn er von außerhalb kommt.
Dennoch sind auch Muslime lernfähig. Ausgerechnet im erzkatholischen Paderborn wurde kürzlich ein türkischer Muslim zum Schützenkönig gewählt. Vielleicht schafft es demnächst auch ein Muslim bis zum Kölner Karnevalsprinzen.
Als norddeutscher Fischkopp ist mir zwar nicht ganz klar, was Kölner Karneval mit Humor zu tun hat – aber man muss ja auch nicht alles verstehen. Derweil steht in der marxistisch (mal mehr, mal weniger, vergleichbar mit den Gezeiten an der Nordseeküste) beeinflussten Konkret ein Interview mit dem irakischen Blogger Omar Fadhil:
Immer noch gibt es im Irak Terroranschläge und Kämpfe zwischen rivalisierenden Banden. Doch im Vergleich zu der Situation Anfang 2007 ist die Zahl der Gewalttaten deutlich zurückgegangen. Da seither auch das Interesse der europäischen Medien an der Entwicklung des Landes nachgelassen hat, muß man sich auf andere Art informieren, etwa über Blogs. Einer der vielen irakischen Blogger ist der 28jährige Omar Fadhil. Er war früher Zahnarzt in einem konfessionell gemischten Stadtteil Bagdads. Seit 2007 studiert er Internationale Beziehungen an der Columbia-Universität New York.
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