Posts Tagged ‘Islam’

30th July
2011
written by Tobias Blanken

Ein paar Basisbanalitäten von Hannes Stein im taz-Interview:

Sie haben einmal Mohammed als “pädophilen Räuberhauptmann mit einem entsetzlichen Mangel an Humor” bezeichnet. Würden Sie das wieder so formulieren?

Ja. Sehen Sie, ich halte Lenin für ein Krokodil, Trotzki für einen Mörder und Stalin für einen Spitzenverbrecher. Zugleich bin ich dafür, dass Kommunisten alle bürgerlichen Rechte genießen, um ihren Unsinn zu vertreten.

Ihren Freund Henryk M. Broder haben Sie dafür kritisiert, dass er keinen Zusammenhang zwischen Islamkritik und diesem Massenmord erkennen möchte. Worin besteht dieser Zusammenhang?

Auch das kann ich mit einer Analogie beantworten: Der Antikommunismus war immer berechtigt. Aber es gab zwei Arten: einen liberalen, demokratischen, auch linken Antikommunismus – man denke an George Orwell oder Manès Sperber. Und es gab den Antikommunismus der radikalen Rechten, etwa der Loge P2 in Italien. Ähnlich verhält es sich mit der Islamkritik. Es gibt eine demokratische und liberale Kritik am Islam und es gibt eine rechtsradikale.

taz: “Ich verteidige die offene Gesellschaft”

20th October
2010
written by Tobias Blanken

Caroline Fetscher über die Studie “Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2010″ (.pdf):

Unbeleuchtet bleibt in dieser Studie allerdings ein besonderes Paradoxon der Gegenwart, in der zwei Typen autoritärer Denkweisen aufeinanderprallen. Während autoritäres Denken, körperliche Gewalt in der Erziehung und Antisemitismus gerade bei vielen Migranten aus muslimisch geprägten Gesellschaften verbreitet sind, werden gerade diese Muslime konfrontiert mit den Ressentiments der narzisstisch gekränkten, krisenverunsicherten Deutschen. Zwei demokratieferne Gruppen antagonisieren einander.

24th September
2010
written by Tobias Blanken

We, the undersigned, unconditionally condemn any intimidation or threats of violence directed against any individual or group exercising the rights of freedom of religion and speech; even when that speech may be perceived as hurtful or reprehensible.

We are concerned and saddened by the recent wave of vitriolic anti-Muslim and anti-Islamic sentiment that is being expressed across our nation.

We are even more concerned and saddened by threats that have been made against individual writers, cartoonists, and others by a minority of Muslims. We see these as a greater offense against Islam than any cartoon, Qur’an burning, or other speech could ever be deemed.

We uphold the First Amendment of the US Constitution and the Canadian Charter of Rights and Freedoms. Both protect freedom of religion and speech, because both protections are fundamental to defending minorities from the whims of the majority.

Quelle: A defense of free speech by American and Canadian Muslims

*Copyright © SZ

2nd April
2009
written by Tobias Blanken

Nick Cohen über den neuen Angriff auf die Meinungsfreiheit durch den UN-Menschenrechtsrat:

Interesting leader in this week’s Economist on the decision by the satirically named UN Human Rights Council to damn “defamation of religions” as a “serious affront to human dignity”. The Economist picks apart the sinister implications.

Und über die unheilige Allianz, die für die Resolution zur weltweiten Bekämpfung der Beleidigung von Religionen verantwortlich ist:

But the paper notes only in passing that the attack on freedom of thought was led by “the unholy trio of Pakistan, Belarus and Venezuela”. I would have spent a little more time on that trio. Pakistan is a Muslim country, obviously. But Belarus is a decayed Brezhnevian relic, ‘the last dictatorship in Europe’. Venezuela is led by a charismatic populist who wants to be president for life. Neither is a Muslim country or anything like one. Indeed the ruling doctrine of the old Belarus communists was militant atheism while Chavez claims to be a socialist. Nevertheless they support a universal blasphemy law pushed by the Islamic states. What we are seeing is an alliance of anti-democratic forces in a common front against democracy and liberalism. Never mind that theocratic measures are against everything that Venezuela and Belarus’s rulers once believed in. They are anti-Western and that is enough.

Nick Cohen: The red and the green.

11th March
2008
written by Tobias Blanken

Drei Lesehinweise, die nur wenig miteinander zu tun haben.

Alan Posener “rettet Marx vor den Linken”. Genauer: Insbesondere vor den globalisierungs- und fortschrittsfeindlichen Linken. Natürlich nicht, ohne auch die Abgründe des Marxismus aufzuzeigen. Der Sozialdarwinist. Was von Marx übrig bleibt:

125 Jahre nach seinem Tod geht das Gespenst des Philosophen der Revolution immer noch um. Seine rechtmäßigen Erben seien aber weder französische Salonmarxisten noch deutsche Postkommunisten, sondern amerikanische Neocons und europäische Bürokraten, meint Alan Posener.

Den Neocons jetzt auch noch Marx in die Schuhe schieben zu wollen verursacht zwar einige Bauchschmerzen, aber der Essay ist trotzdem lesenswert. Bei den europäischen Bürokraten würde ich ihm dafür umso heftiger zustimmen. Apropos Marx: Ein ehemaliger Marxist, der aus Marxscher Sicht als schwerstabhängiger Opium-Junkie bezeichnet werden müsste, macht sich in der WELT Gedanken über Mohammed und den Humor. Die Rede ist von Peter Schütt, der vom Parteigänger der DKP zum Islam konvertierte und hier schon den Spitznamen Mullah Schütt verpasst bekommen hat. Der Artikel Mohammed lachte oft und gern hat mich angesichts des Spitznamens überrascht, da Schütt a) fordert, “dass Muslime sich dafür einsetzen sollten, dass die letzten Reste des Gotteslästerungsparagrafen aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden” und b) auch keinen Mantel des Schweigens über den Judenhass in der islamischen Community ausbreitet.

Heute jedoch scheint den Muslimen das Lachen vergangen zu sein. Die satirische Tradition der islamischen Kultur ist offenbar gänzlich versiegt. Überall treten die Hüter der islamischen Korrektheit auf den Plan, um jeden Spaß und Spott schon im Ansatz zu ersticken – vor allem dann, wenn er von außerhalb kommt.

Dennoch sind auch Muslime lernfähig. Ausgerechnet im erzkatholischen Paderborn wurde kürzlich ein türkischer Muslim zum Schützenkönig gewählt. Vielleicht schafft es demnächst auch ein Muslim bis zum Kölner Karnevalsprinzen.

Als norddeutscher Fischkopp ist mir zwar nicht ganz klar, was Kölner Karneval mit Humor zu tun hat – aber man muss ja auch nicht alles verstehen. Derweil steht in der marxistisch (mal mehr, mal weniger, vergleichbar mit den Gezeiten an der Nordseeküste) beeinflussten Konkret ein Interview mit dem irakischen Blogger Omar Fadhil:

Immer noch gibt es im Irak Terroranschläge und Kämpfe zwischen rivalisierenden Banden. Doch im Vergleich zu der Situation Anfang 2007 ist die Zahl der Gewalttaten deutlich zurückgegangen. Da seither auch das Interesse der europäischen Medien an der Entwicklung des Landes nachgelassen hat, muß man sich auf andere Art informieren, etwa über Blogs. Einer der vielen irakischen Blogger ist der 28jährige Omar Fadhil. Er war früher Zahnarzt in einem konfessionell gemischten Stadtteil Bagdads. Seit 2007 studiert er Internationale Beziehungen an der Columbia-Universität New York.

Mehr unter “Es hat noch keinen Wendepunkt gegeben”.