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The revolution isn’t going anywhere, and life is as miserable as always. So how about a little pogrom?
Joffe auf ZEIT ONLINE über die Diskussions-Guillotine “Islamophobie”:
Die Technik ist simpel. Erstens ist »Phobie« ein Showstopper: Wer eine krankhafte, weil unbegründete Angst vor X hat, ist nicht dicht in der Birne – ein Fall für die Couch, aber kein ernst zu nehmender Gesprächspartner. Ende der Diskussion; mit Gestörten wird nicht geredet. Zweitens die rhetorische Atombombe »Antisemitismus« – eine Killer-App im wahrsten Sinne des Wortes, das Wörtchen, das mit millionenfachem Mord einhergeht. Judenhass, der im Kaiserreich noch ganz respektabel war – denken wir an Wilhelm Marrs »Antisemitenliga« oder die »Deutsche Antisemitische Vereinigung« –, ist seit Adolf Nazi das Menschheitsverbrechen schlechthin. Islamophobie ist gleich Antisemitismus ist gleich Vernichtungslager – eine gewollte assoziative Verkettung, die den Atem nimmt.
Josef Joffe im New Republic über die verlogenen Reaktionen auf Gaddafis Gewaltorgie:
When Casablanca’s corrupt police captain Louis Renault closes down Rick’s Bar Américain to please Major Strasser, he huffs: “I’m shocked, shocked to find that gambling is going on in here!” A second later, the croupier hands him a pile of money: “Your winnings, sir.” It took the West and the Rest 42 years to be shocked by what has been happening in Muammar’s Café Libyien. And it wasn’t gambling.
Now, it’s no more U.N. Human Rights Council for Qaddafi. Now, the International Criminal Court is investigating. Now, the E.U. is cutting off arms supplies and freezing bank accounts. Even the supple Swiss are getting religion, sequestering funds thought to belong Gaddafi and relatives.
There is no reason to be “shocked, shocked.” Everybody—and that goes for the West as well as for Arabs, African, and Asians—has been able to see all along what’s been happening in Libya. But the Human Rights Council did not seem notice—perhaps because it was too busy passing 32 resolutions against Israel since its creation in 2006, almost half of the total it’s issued. The Council must have acted in a fit of dizziness when it elected Libya as a member.
And yet. The only time shock led to counter-shock was when Reagan ordered the bombing of Tripoli in 1986. The attack unleashed an uproar in Europe; this was worse than the slaughter of Libyan civilians, it was neo-imperialism! Four years earlier, a delegation of German Greens—idealists and pacifists all—had come to Tripoli to pay their respects to “Brother Leader.”
Unbedingt lesenswert: Why is everyone acting so shocked about Muammar Qaddafi’s crackdown?
Angenehm schnoddrig in der wöchentlichen TAGESSPIEGEL-Kolumne Was macht die Welt? (WmdW):
Vier Fragen zur Außenpolitik an “Zeit”-Herausgeber Josef Joffe. Diesmal zu Obama, Island, Felicia Langer und Afghanistan.
Äußerst ernsthaft in der ZEIT:
Mission Possible. Und hochriskant:
Wenn Druck und Drohung in Teheran versagen: Wie Israel die iranische Atomrüstung zerschlagen kann.
Was ich an der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia-Amalia Langer und der nachfolgenden Debatte nicht verstehe: Die Dame war im Zentralkomitee der kommunistischen Partei Israels. Deshalb müssten doch im Schloss Bellevue und im Staatsministerium Baden-Württemberg sämtliche Alarmglocken rechtzeitig klingeln. Dürfte man – naiv wie man ist – jedenfalls erwarten. Insbesondere, wenn CDU-Politiker an der Spitze stehen. Aber die Konservativen sind wohl auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Wenn die Alarmglocken nur ein wenig geklingelt hätten, dann hätte man sich sicher ihr Biographie angeschaut. Ein Klick zu Wikipedia hätte gereicht, um zu erfahren, dass Felicia-Amalia Langer 2006 den “Menschenrechtspreis” der “Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde” erhalten hat. Eine Organisation, die selbst im fernen Baden-Würtemberg als Sammlungsbewegung von alten Stasi- und SED-Kadern bekannt sein dürfte. Falls nicht: Auch hier hätte ein Klick auf Wikipedia vollkommen ausgereicht:
Der Historiker Christian von Ditfurth ordnete 1998 die GBM als eng verflochten mit der PDS ein, ebenso wie die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung und die Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte. Gleichlautend äußerten sich auch der DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß, sowie eine Referatsleiterin im Thüringer Sozialministerium, die erklärte, die „Stasi-Leute“ seien heute gut organisiert in Vereinigungen wie der „Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde“ oder der „Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung“. Der Historiker Hubertus Knabe kennzeichnete die Mitglieder 2007 als „DDR-Nostalgiker“, deren Tätigkeit „ein organisierter Kampf für die Interessen von Stasi- und SED-Kadern“ sei.
Aber man verleiht ja nur ein Bundesverdienstkreuz. Da sind 5 Minuten Recherche wohl schon zu viel verlangt. Eventuell würde man dann ja auch drüber stolpern, dass Fidel Castro ebenfalls “Menschenrechtspreisträger” dieser Kaderorganisation ist. Natürlich gibt es auch noch den Bundesverfassungsschutz und den Verfassungsschutz Baden-Württemberg, bei denen man auch einfach mal hätte anfragen können, wie wohl das “Menschenrechtsverständnis” dieser Organisationen aussieht und ob es in der Staatsräson liegt, Preisträgern dieser Organisation auch noch das Bundesverdienstkreuz anzuhängen. Aber nein, man lobt stattdessen Langers Kampf für Menschenrechte in der Laudatio über den Klee.
Da fehlt eigentlich nur noch ein White-Power-Activist, der zuvor vom Ku-Klux-Klan den jährlichen “Imperial Wizard & Grand Dragon Antirassismuspreis” bekommen hat und das Bundesverdienstkreuz für unermüdliche “Courage gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhetze” verliehen bekommt.
Nachtrag I: Der TAGESSPIEGEL thematisiert die dunkelrote Vergangenheit der “unverzagten Stalinistin” mit den Worten:
Für Felicia Langer ist die Welt schwarz und weiß. Ohne Grau- und erst recht ohne Farbtöne. Israel repräsentiert für sie die dunkle Seite, die Palästinenser sieht sie ausnahmslos in strahlender Helligkeit. Ist ihr dafür nun vor einer Woche in Stuttgart das Bundesverdienstkreuz verliehen worden? Oder dafür, dass sie seinerzeit, als ZK-Mitglied der Kommunistischen Partei Israels, Ehrengast Erich Honeckers war?
Nachtrag II: Die Jüdische Gemeinde zu Berlin fragt sich ebenfalls, wie es trotz ihrer dunkelroten Vergangenheit überhaupt zu der Verleihung kommen konnte:
Zentral ist bei diesem Skandal die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass im Vorfeld der Entscheidung, Langer diese höchste deutsche Ehrung zuteil werden zu lassen, ihre bis heute aktuelle kommunistische Ausrichtung, ihre Israelfeindlichen Äußerungen und ihre Unterstützung von gewalttätigen und demokratiefeindlichen Kräften nicht berücksichtigt wurden.
Nachtrag III: Auch Josef Joffe fragt sich, warum die “Antennen” des Bundespräsidialamtes so versagen konnten:
Der Tagesspiegel: Der israelischen Menschenrechtsaktivistin Felicia Langer wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen. Eine gute Wahl?
Josef Joffe: Nein. Das Kreuzlein für die Dame ist so, als hätte Israel eine dort lebende Deutsche ausgezeichnet, die dieses Land ständig als Nazi-Festung geißelt, gleichzeitig aber auch Nettes über das Nazi-Regime zu berichten weiß. Israel ist für L. ein Ausbund des Rassismus, Ahmadinedschad ganz okay, Zivilisten-Killer erscheinen ihr als Freiheitskämpfer. Den Zentralrat der Juden hält sie für eine „Filiale der israelischen Botschaft“. Das ist eine Beleidigung für den Zentralrat, weiß doch jeder richtige Antisemit, dass dieser die Landeszentrale der Weltverschwörung ist – also weitaus mächtiger als eine mickrige Botschaftsdependance. WmdW ist verblüfft: Wieso haben die Antennen (und Archive) des Bundespräsidialamtes versagt?
Das Ziel ist nicht die Zweistaatenlösung; Hamas und Iran wollen Israel in der Tat »ausradieren«. Doch ist diese Endlösung bloß fernes Endziel. Hier und jetzt geht es um die Machtfrage in Mittelost – gegen Amerika, gegen Israel als seinen »Festlandsdegen«, gegen die sunnitischen Verbündeten der USA. Probates Mittel ist der Zermürbungs- und Demoralisierungskrieg. Was in westlicher Logik Wahnsinn ist, verwandelt sich im Kopf des Gotteskriegers in Rationalität – Bombardements, ja den Einmarsch zu provozieren ist Teil der Strategie. Je mächtiger die Zerstörung, desto höher der Sympathie- und Solidarisierungseffekt im Bilderkrieg – in Arabien wie im Westen. Das ist die Perfektion der Perversion: Israelis umzubringen ist gut; die eigenen Leute sterben zu lassen ist es auch.
Josef Joffe in der ZEIT: Logik des Wahnsinns.
Und in der WELT vertritt Michael Stürmer eine fast identische Position:
Es tobt ein Krieg der Bilder im Nahen Osten. Für die islamischen Milizen gilt: Je mehr Leid die Aufnahmen zeigen, desto besser. Die Stimmung in der gesamten Region soll sich gegen Israel wenden. Dahinter stehen vor allem die Interessen des Iran, der sich eine Vormachtstellung im Nahen Osten sichern will.
Michael Stürmer in der WELT: Im Gaza-Krieg geht es um die Macht des Iran.
Alright, we got white pussy, black pussy, spanish pussy, yellow pussy. We got hot pussy, cold pussy. We got wet pussy. We got smelly pussy. We got hairy pussy, bloody pussy. We got snapping pussy. We got silk pussy, velvet pussy, naugahyde pussy. We even got horse pussy, dog pussy, chicken pussy.
(Cheech Marin – From Dusk Till Dawn)
Steige gerade von meinem Firefox-Feedreader auf den Google Reader um. Bin bisher recht zufrieden; das Importieren von Feeds ist sehr komfortabel, man kann sehr einfach Kategorien (z.B. öffentlich – privat) verteilen und Empfehlungen von Freunden lesen. Ok, die Empfehlungen von Freunden haben mir etwas Angst gemacht, da meine Lieblingsdatenkrake Google gleich zu Beginn 172 Empfehlungen von Freunden angezeigt hat – dem Googlemail-Adressbuch sei Dank.
Beim Importieren habe ich ein wenig an den Feeds rumgespielt und mich gewundert, was bei Feeds so alles geht und was alles noch nicht geht. Bei WordPress war ich überrascht, wie individuell man die Abonnements gestalten kann. Einfach nur ein &feed=rss hinter die jeweilige URL anhängen und man hat den Feed. Vollkommen egal, ob es sich um eine Kategorie oder einen Tag oder was auch immer handelt. Man lernt ja nie aus.
Bei der ZEIT kann man – die Funktion ist richtig schön tief versteckt – die Feeds einzelner Autoren abonnieren. Z.B. die von Josef Joffe, Jörg Lau oder Jürgen Krönig. Bei der New York Times gibt es die Funktion auch. Habe mir erstmal William Kristol und Thomas L. Friedman abonniert.
Was mich aber gewundert hat: Diese Funktion gibt es bei anderen Nachrichtenseiten nicht. Dachte mir: Das einzig lesenswerte von SPIEGEL ONLINE sind die Artikel von Claus Christian Malzahn und Reinhard Mohr. Aber eine simple Autoren-Abonnement-Funktion ist bei SPIEGEL ONLINE nicht vorgesehen. Ähnlich sieht es bei der WELT aus. Die Usual Suspects Posener, Herzinger und Stein kann man nicht abonnieren. Dabei sehen sich beide Seiten mit ihren überbordenden Kommentarfunktionen als Web 3.0 (mindestens) Vorreiter. Ähnlich sieht es beim Commentary, beim Weekly Standard und den Foreign Affairs aus. Schade.
George Orwell sagte 1937 über die doktrinäre Linke: Für sie sei der Sozialismus »wie eine berauschende Häretiker-Jagd, der rasende Tanz wild gewordener Hexenmeister, die im Lärm der Tom-Toms singen: ›Ich rieche das Blut eines Rechtsabweichlers‹«
Josef Joffe in Stalin am Main über das lückenhafe Wörterbuch der Unmenschen, dem Begriff der Abweichler und dem Umgang der hessischen SPD mit ihren vier Wiederständlern.
DIE ZEIT hat zwei Artikel von Josef Joffe freigeschaltet, die sich mit den deutsch-israelischen Beziehungen und dem iranischen Atomwaffenprogramm beschäftigen.
Entwickelt Iran Atomwaffen? Vor wenigen Monaten gab das US-National Intelligence Council Entwarnung. Zu Unrecht.
Wenn Iran, wie der National Intelligence Council behauptet, tatsächlich den Waffenbau eingestellt hätte, warum nimmt es dann lieber weitere Sanktionen in Kauf, als die Hoch-Anreicherung und Schwerwasserproduktion einzustellen – oder zumindest die Anlagen zu öffnen. Dann könnte sich die Welt davon überzeugen, dass das Schwere Wasser nur zu Zwecken der (zivilen) nuklearen Magnetresonanz hergestellt wird. Oder um damit den Stoffwechsel lebender Systeme zu messen.
Ja, warum eigentlich? Bei all den Indizien sollte man die Beweislast endlich umkehren. In den Worten Angela Merkels vor der Knesset: Nicht die Welt muss Iran beweisen, dass der Iran die Atombombe baut. Iran muss die Welt überzeugen, dass er die Atombombe nicht will. Womit wir bei Joffes zweitem Artikel wären.
Deutschland und Israel rücken enger zusammen. Das hilft vor allem der Kanzlerin. Ihr Besuch in Tel Aviv stärkt ihre Position in Europa.
Aber Israel? Das Projekt ist umso rätselhafter, als Angela Merkel mit der Freundschaftsgeste zu Hause nicht punkten kann. Bestenfalls verhält sich das befragte Volk neutral. Nur drei Prozent wollen sich »klar« auf die Seite Israels stellen, 91 votieren für strikte Neutralität im Kampf um Palästina.
Nein, Israel ist nicht populär, weder im Volk noch in den Medien, die überwiegend Kritisches, ja Ablehnendes produzieren. Wie unpopulär, das zeigt jene EU-Umfrage von 2003, wonach zwei Drittel der Deutschen Israel als größte Bedrohung des Weltfriedens ausmachten. Nicht Iran, nicht Nordkorea? Eine höhere Prozentzahl gab’s nirgendwo in Europa.
Dieses nirgendwo in Europa ist beschämend. Aber zurück zu ihren Gründen und dem Artikel:
Kein Kanzler hat es deutlicher gesagt als Merkel 2007 vor der UN-Generalversammlung, die kein Hort der Israelverehrung ist. »Die Existenz Israels«, proklamierte sie mit Blick auf die iranische Atombewaffnung, »ist Teil der Staatsräson unseres Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich niemals verhandelbar.« Berlin werde sich »entschieden für weitere, schärfere Sanktionen einsetzen«.
Warum so undiplomatisch? Lassen wir die Küchenpsychologie beiseite, wonach die Ostdeutsche Kompensation für den offiziellen Antisemitismus der DDR zu leisten wünsche; Außenpolitik ist kein Fall für die Couch. Vielmehr darf man der Kanzlerin unsentimentalen Reparaturbedarf unterstellen, hatte doch Schröder ihr in der Außenpolitik ein windschiefes Haus vererbt: mit zu viel Neigung gen Putin, Chirac und Arabien zulasten von Bush, England und Israel. Merkel hat das Lot angelegt, die Wände in die Senkrechte geschoben.
Lesenswert.