Posts Tagged ‘Jürgen Krönig’
Alright, we got white pussy, black pussy, spanish pussy, yellow pussy. We got hot pussy, cold pussy. We got wet pussy. We got smelly pussy. We got hairy pussy, bloody pussy. We got snapping pussy. We got silk pussy, velvet pussy, naugahyde pussy. We even got horse pussy, dog pussy, chicken pussy.
(Cheech Marin – From Dusk Till Dawn)
Steige gerade von meinem Firefox-Feedreader auf den Google Reader um. Bin bisher recht zufrieden; das Importieren von Feeds ist sehr komfortabel, man kann sehr einfach Kategorien (z.B. öffentlich – privat) verteilen und Empfehlungen von Freunden lesen. Ok, die Empfehlungen von Freunden haben mir etwas Angst gemacht, da meine Lieblingsdatenkrake Google gleich zu Beginn 172 Empfehlungen von Freunden angezeigt hat – dem Googlemail-Adressbuch sei Dank.
Beim Importieren habe ich ein wenig an den Feeds rumgespielt und mich gewundert, was bei Feeds so alles geht und was alles noch nicht geht. Bei WordPress war ich überrascht, wie individuell man die Abonnements gestalten kann. Einfach nur ein &feed=rss hinter die jeweilige URL anhängen und man hat den Feed. Vollkommen egal, ob es sich um eine Kategorie oder einen Tag oder was auch immer handelt. Man lernt ja nie aus.
Bei der ZEIT kann man – die Funktion ist richtig schön tief versteckt – die Feeds einzelner Autoren abonnieren. Z.B. die von Josef Joffe, Jörg Lau oder Jürgen Krönig. Bei der New York Times gibt es die Funktion auch. Habe mir erstmal William Kristol und Thomas L. Friedman abonniert.
Was mich aber gewundert hat: Diese Funktion gibt es bei anderen Nachrichtenseiten nicht. Dachte mir: Das einzig lesenswerte von SPIEGEL ONLINE sind die Artikel von Claus Christian Malzahn und Reinhard Mohr. Aber eine simple Autoren-Abonnement-Funktion ist bei SPIEGEL ONLINE nicht vorgesehen. Ähnlich sieht es bei der WELT aus. Die Usual Suspects Posener, Herzinger und Stein kann man nicht abonnieren. Dabei sehen sich beide Seiten mit ihren überbordenden Kommentarfunktionen als Web 3.0 (mindestens) Vorreiter. Ähnlich sieht es beim Commentary, beim Weekly Standard und den Foreign Affairs aus. Schade.
Und ihr Gewissen wird sie dann gut schlafen lassen, lieber zehnmal Verständnis als einmal zu hassen / Und humanistische Werte lehren / während irgendwo Menschen vor Hunger sterben / Pazifistische Werte lehren / während irgendwo Menschen vor Hunger sterben.
Und ab und zu auf Demos gehen, Grün wählen, Spiegel lesen, Sting hören, Greenpeace spenden – Sich bewusst ernähren.
(But Alive – Betroffen aufessen)
Mehr als vier Jahre nach dem Sturz der Baathisten dämmert es manchem deutschen Beobachter, dass der reale Irak sich in vielerlei Hinsicht von dem Irak unterscheidet, den sie sich in ihrem Antikriegsfuror imaginiert haben. Die liebgewonnene Gewissheit, dass die Vereinigten Staaten im Irak ein zweites Vietnam erleben, da der Irak sich in einen failed state verwandelt, kollidiert langsam, aber sicher mit der Realität. Die Statistiken der vergangenen Monate sind so eindeutig, dass das Bild eines einzigen Desasters zunehmend durch eine Sichtweise ersetzt wird, die sinngemäß etwa so lautet: Natürlich ist Bush blöd, Krieg ist immer und grundsätzlich falsch, aber vielleicht sind die Araber ja auch Menschen und auch sie wollen wie wir in Freiheit über ihr Leben entscheiden.
Eine der bemerkenswertesten Revidierung überholter Selbstgewissheiten stand vor zwei Monaten ausgerechnet im Spiegel, der bis dahin vornehmlich als antiamerikanisches Sturmgeschütz fungierte. Gabor Steingart hat dort den ehernen Grundsatz deutscher Pazifisten verletzt, indem er in Mein Berlin, ihr Bagdad von sich auf die Iraker geschlossen hat:
Wenn John F. Kennedy während der Berlin-Krise auf Meinungsumfragen gehört hätte, wären die USA rasch abgezogen. Diese alte amerikanische Standfestigkeit wünscht sich Gabor Steingart auch im Irak – und er fordert: durchhalten, gemeinsam geduldig sein.
Steingart hat in dem Artikel das Durchhalten nicht als Selbstzweck gesehen, noch hat er das Durchhalten mit dem hierzulande weit verbreiteten Wunsch nach Stabilität um jeden Preis begründet, vielmehr stellte er die Freiheit in den Mittelpunkt seiner Argumentation:
Gott sei Dank hießen die Vokabeln der damaligen Zeit nicht “Rückzug” und “Zeitplan”, das wichtigste Wort damals hieß “Freiheit” – und nicht “Exit-Strategie”. [...]
Als es besonders bedrohlich war, kam aus Washington der Präsident nach Berlin angereist. Er hat sich nicht heimlich in einer Kaserne verschanzt, sondern sich auf den Balkon des Rathauses (in unserem Sektor) gestellt. Von dort rief er: “Ich bin ein Berliner”. Er hieß John F. Kennedy, was vor allem eines klar macht: Man muss kein Neokonservativer sein, um für die Freiheit einzustehen.
Das Man muss kein Neokonservativer sein, um für die Freiheit einzustehen plaudert viel über die hiesigen Befindlichkeiten aus, wo sich die Mehrheit einen Scheißdreck um die Freiheit anderer Menschen auf der Welt schert, da man diese Gleichgültigkeit ja auch wunderbar hinter einem bedingungslosen Pazifismus verstecken kann. Im Zweifelsfall sind diejenigen, die sich nicht mit tyrannischen Systemen abfinden wollen, immer wildgewordene amerikanische Kriegstreiber, die bestenfalls amerikanische Ölinteressen und schlimmstenfalls israelische Interessen exekutieren.
Wie eingangs erwähnt, kollidiert diese menschen- und freiheitsverachtende Sicht aber zunehmend mit den Realitäten im Irak. Auf der DIE ZEIT hat Jürgen Krönig gestern einen Artikel (Verhalten optimistisch) veröffentlicht, der angesichts der Entwicklung im Irak von einer zumindest differenzierten Sicht durchzogen ist, in der die deutsche Medienlandschaft auch verhalten selbstkritisch beurteilt wird:
Aber es ist noch etwas anderes im Spiel. Die veränderte Realität im Irak zur Kenntnis zu nehmen, hieße Abschied nehmen von einer liebgewordener Praxis.
Nicht nur in deutschen Medien hat man sich daran gewöhnt, im Blick auf den Irak stets eine apokalyptisch eingefärbte Grundmelodie anzustimmen. Auch möchte man nicht von der Erwartung lassen, die verhasste Bush-Regierung werde im Irak kläglich scheitern. Der Krieg sei bereits endgültig verloren, so klang es während dieses Jahres, der Offenbarungseid, das Eingeständnis der Niederlage, werde nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Dem ist nur hinzuzufügen, dass der Wunsch des Scheiterns vornehmlich von den Irakern hätte bezahlt werden müssen – also von denen, deren Interessen angeblich von den friedensbewegten Europäern artikuliert worden sind. Aber die Realität macht den frommen Wünschen einen Strich durch die Rechnung, Jürgen Krönig beschreibt die derzeitige Situation im Irak folgendermaßen:
In der Tat: Es mehren sich die Indizien für eine Wende zum besseren. Die Zahl der zivilen Opfer im Irak ist deutlich gesunken. Dieser Trend, der zunächst außerhalb Bagdads begann, ist nun auch in der Hauptstadt wahrnehmbar; im Mai fielen 1070 Menschen Suizidbombern oder sektiererischen Morden zum Opfer, im Oktober waren es 317. Immer noch ein entsetzlich hoher Blutzoll, gleichwohl ein ermutigender Trend, der auch anderswo auszumachen ist. Amerikanische Verluste und Verletzungen sind auf den niedrigsten Stand seit 18 Monaten und den zweitniedrigsten seit vier Jahren gefallen. [...]
Entscheidender ist, dass mit höherer Sicherheit vor Gewaltakten die zarten Pflänzchen der zivilen Gesellschaft zu sprießen beginnen – Eltern wagen es wieder, ihre Kinder in die Schulen zu schicken; Straßenmärkte, in der Vergangenheit bevorzugtes Ziel von Suizidattacken, verzeichnen steigende Umsätze, Läden machen auf, Käufer kehren zurück, langsam beginnt sich das Leben selbst im zerbombten Bagdad wieder zu normalisieren – diesen Eindruck bestätigen diverse Berichte und Reportagen aus dem Irak, ob in der BBC oder Sonntagsblättern wie dem Observer oder der Sunday Times, ergänzt und bestätigt durch Stimmen aus der irakischen Bevölkerung, aus Regierungskreisen in Bagdad und dem amerikanischen Militär.
Das Fazit entspricht ziemlich genau dem von Gabor Steingart, wenn Jürgen Krönig am Ende des Artikels folgendes fordert:
Doch die Hauptgefahr für den Irak bestand und besteht stets darin, dass Amerika die Geduld und Entschlossenheit verlieren und abziehen würde, bevor die Iraker in der Lage sind, auf eigenen Füßen zu stehen und eine einigermaßen stabile, zivile Ordnung entstehen konnte. Dem Druck, vorzeitig abzuziehen, hat sich George Bush bislang erfolgreich widersetzt. Wie immer man über die Politik dieses Präsidenten denken mag – hier hat er richtig und konsequent gehandelt.
Steingart hat in seinem Artikel eines der bekanntesten Zitate von JFK verwendet. Bekannter als Ich bin ein Berliner dürfte nur And so, my fellow americans: ask not what your country can do for you – ask what you can do for your country sein; dieses Zitat geht jedoch – was gerne ignoriert wird – noch weiter:
My fellow citizens of the world: ask not what America will do for you, but what together we can do for the freedom of man.