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Was man Frau Steinbach nicht vorwerfen kann, ist Revanchismus. Ein solcher Vorwurf grenzt an Hysterie.
(Henryk M. Broder im Tagesspiegel)
Allerdings. Während 1990/91 nur insgeheim über die NATO- und EU-Osterweiterung nachgedacht wurde hat Erika Steinbach einen auf progressiv gemacht und sich gleich über die Osterweiterung Deutschlands Gedanken gemacht und dann mal eben vor lauter Progressivität gegen die Anerkennung der Oder-Neiße Grenze gestimmt. Von wegen “man kann nicht für einen Vertrag stimmen, der einen Teil unserer Heimat abtrennt”. Mit Revanchismus hat sowas absolut nichts zu tun – schließlich hat sie sich ja die Lothar Matthäus Devise “„I look not back, I look in front” zu eigen gemacht.
Macht eins, zwei, drei, viele Vietnams Völkermorde. Bekanntlich sind nachts ja alle Katzen grau, da kann man ja auch mal über den Völkermord an den Deutschen im 2.Weltkrieg lamentieren. Mit Revanchismus hat sowas bekanntlich rein gar nichts zu tun.
Apropos Opfer: Schön Papa und Mama umbringen, und dann vor Gericht mildernde Umstände verlangen, weil man Vollwaise ist. Ihre Eltern kamen zwar als Besatzungssoldaten nach Polen, aber sowas ist ja vollkommen egal. Hauptsache man wurde vertrieben. Außerdem gilt ja “man muss kein Wal sein, um sich für Wale einzusetzen”, weshalb einem ja auch die halbe arabische Welt die Ohren vollheult, was denn den armen Palästinensern für ein riesen Unrecht angetan wurde. Man fragt schließlich nicht, was die Palästinenser vor ihrer Vertreibung für Schweinereien begangen haben – ebenso wie man nicht danach fragt, was Steinbachs Vater in Polen als Besatzungssoldat getrieben hat. Nee, mit Arisierung hat das alles nichts zu tun gehabt! Garantiert nicht, sonst hätte die Steinbach schon was gesagt. Und mit Revanchismus hat sowas erst recht nichts zu tun, wenn dann nur mit der “Spirale der Gewalt”.
Kontinuitäten. Gibt es in Polen allen Ortes. Vom besetzten Polen übers kommunistische Polen bis zum Neuen Europa ziehen sich die personellen Kontinuitäten durch sämtliche politische Organisationsformen. Einmal Pole, immer Pole. Kein Vergleich zu Steinbachs Vertriebenenverbänden, in denen niemals – ich gebe Ihnen mein Ehrenwort – Platz für Altnazis war. Schon gar nicht in der Führungsspitze. Nee, wirklich nicht. Die haben – ist Lothar Matthäus eigentlich in den sudetendeutschen Landsmannschaften organisiert? – eigentlich komplett nur “in front” geschaut.
Alles Hysteriker, diese Polen.
Oder: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel.
Im Tagesspiegel ist heute ein Kommentar von Matthias Bossaller zu der Bremer Niederlage gegen Wolfsburg erschienen, welche hoffentlich als letzter Höhepunkt von zwei desaströsen Wochen (Niederlage in Glasgow, in Stuttgart, kastrierter Stadionausbau, Lothar Matthäus als Trainerpraktikant) in die Annalen dieser Saison eingehen wird.
Matthias Bossaller fasst die Situation nach dem Spiel u.a. so zusammen:
Die Anfälligkeit bei schnellen Gegenangriffen der Gegner ist allerdings nur die halbe Wahrheit der Bremer Misere. “A lack of deadliness in front of the goal”, hatte die schottische Zeitung “Scotsman” nach dem erfolglosen Bremer Sturmlauf gegen die Rangers aus Glasgow geschrieben und den fehlenden Killerinstinkt vor dem Tor gemeint. Oder wie es Werder-Trainer Thomas Schaaf fast schon verzweifelt ausdrückte: “Wir machen einfach die Bude nicht.”
In einem 12-seitigen Vorbericht auf das Spiel hatte die FAZ ebenfalls den “Scotsman” zitiert, und zwar so:
Der Ball will nicht über die Linie. Hochüberlegen scheidet Werder aus. So war es im Uefa-Cup gegen die Glasgow Rangers. „A lack of deadliness in front of the goal“, hat der „Scotsman“ ausgemacht, und was die schottische Zeitung nur auf den Donnerstag bezog, zieht sich durch diese Saison: Werder fehlt der Killerinstinkt.
Und woran liegt der fehlende Killerinstinkt? An den Personen, meint Matthias Bossaller im Tagesspiegel nach dem Spiel:
Dieses Missverhältnis zwischen vielen Chancen und zu wenig Toren wurde zuletzt deutlich. Die Bremer Stürmer sind in der Liga zwar überdurchschnittlich gut, doch im Vergleich zu früheren Angreifern muss festgehalten werden: Hugo Almeida, Markus Rosenberg oder Boubacar Sanogo sind keine echten Torjäger. Ailton war im Meisterjahr 2004 ein Knipser vor dem Herrn, traf 28 Mal. Miroslav Klose steuerte 2006 25 Treffer bei. Von solchen Quoten sind die aktuellen Angreifer weit entfernt.
Womit wir wieder beim Vorbericht in der FAZ wären:
Viele Chancen, (zu) wenig Tore – es ist schwer zu erklären, woran das liegt. Natürlich an Personen. Ailton war im Meisterjahr 2004 eiskalt vor dem Tor. Klose mit 25 Treffern 2006 auch. Und hinzu kam immer wieder Klasnic als Tor-Unterstützer: Er macht aus wenig viel. War aber lange krank. Almeida, Rosenberg, Sanogo: alles keine Torjäger.
Zahlen sind eine feine Sache. Denkt sich jedenfalls Matthias Bossaller, um damit ebenfalls die Abwehrschwäche zu unterstreichen:
Ein weiterer Grund für das Bremer Tief ist die bereits erwähnte Abwehrschwäche. In den letzten vier Jahren kassierte Werder 38, zweimal 37 und 40 Gegentreffer. Ein unter Spitzenteams normaler Wert. Jetzt hat die Mannschaft in 24 Partien bereits 35 Tore kassiert – das ist eindeutig zu viel. Den Abfangjäger vor der Abwehr sollte Torsten Frings spielen, der ist aber verletzt. Sein Vertreter Baumann fällt auch öfters mal aus. Bleibt noch Daniel Jensen. Der Däne macht seine Sache ganz gut, ist aber kein gleichwertiger Ersatz für Frings. Auf dieser im modernen Fußball so wichtigen Position könnte Werder gut einen Spieler der Marke Jermaine Jones (Schalke) oder Nigel de Jong (HSV) gebrauchen.
Einen ähnlichen Faible (die Macher der RAN-SAT1-Datenbank wären stolz) für Zahlen hat die FAZ auch im Vorbericht gehabt:
Schaut man sich die Bremer Gegentore der letzten Jahre an, kann man keine auffällige Defensivschwäche ausmachen. 38, 37, 37, 40 Gegentreffer sind es jeweils zum Saisonende der Jahre 2004 bis 2007. Die anderen Teams der Spitzengruppe haben in diesen Jahren ähnlich viele oder mehr Tore eingefangen. Doch für 2007/2008 gilt etwas anderes: 34 Gegentore nach 23 Spieltagen. Das ist viel zu viel. Vorn bleibt Werder mit 51 Treffern im Rahmen des für den SVW Normalen. Die Unwucht in dieser Spielzeit hat ihre Gründe weniger in Schaafs traditionellem Spielsystem. Der Schlüssel sind die Verletzten, die Umstellungen. Auf dem Posten vor der Abwehr hakt es. Hier sollte eigentlich Frings spielen. Der ist verletzt …
Und so geht es in einem fort. Der Kommentar nach dem Spiel und der Vorbericht unterscheiden sich nur in einer Hinsicht: Der Bericht in der FAZ war wesentlich ausführlicher. Und hat auch die Vereinsstrukturen näher betrachtet – wofür im TAGESSPIEGEL wohl kein Platz mehr war. Ob beide jetzt nur Agenturmeldungen fleißig verwurschtelt haben, oder ob Matthias Bossaller ein fleißiger FAZ-Leser ist: Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal.
Nicht egal ist mir jedoch, wenn ich in einer Tageszeitung den Vorbericht einer anderen Tageszeitung als Spielanalyse nachlesen muss. Damit unterbietet der Sportjournalismus die aktuelle Form von Werder Bremen.
“Die Meldung löste umgehend heftige Reaktionen in der internationalen Politik aus. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, Deutschland habe kein Recht, eigenmächtig derart scharfe Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, zumal die multilateralen Gespräche zum Atomstreit noch laufen würden. Die amerikanische Regierung stellte sich dagegen auf die Seite Deutschlands: Die vom Iran ausgehende Gefahr sei so groß, dass man auch zu drastischen Mitteln greifen müsse. Der deutsche Außenminister Steinmeier schließlich zeigte sich überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und erklärte, solche Mittel auch in Zukunft einsetzen zu wollen.”
So Spiegel-Online.
Zu schön um wahr zu sein – es handelt sich leider nur um Satire. Statt Bomben: Matthäus in den Iran?