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Thilo Sarrazin hat festgestellt, dass Deutschland verdummt. Schuld daran sind Migranten: Türken, Araber und Ostdeutsche.
Martin Sonneborn besucht eine Lesung von Thilo Sarrazin in Potsdam:
Der Volkspolizist, der es gut mit uns meint,
der bringt uns nach Hause, er ist unser Freund!Und wenn ich mal groß bin, damit ihr es wißt,
dann werde ich auch so ein Volkspolizist.
Ich helfe den Menschen, ich bin mit dabei,
beschütze die Heimat als Volkspolizei!
(Ich stehe am Fahrdamm aka Der Volkspolizist)
Aus einem einestages-Interview mit Hans-Joachim Maaz:
Inzwischen wird der Osten auch von Westdeutschen differenzierter betrachtet. Das tut vielen Ostdeutschen gut. Es wird überlegt, was doch nicht ganz verkehrt war: die längere gemeinsame Schulbildung etwa, die Polikliniken und die Kindergärten.
In einem einzigen Punkt hat Hans-Joachim Maaz recht: Auch Westdeutsche betrachten die DDR mittlerweile differenzierter. Das infantile Gebrabbel vom Ampelmännchen, die Glorifizierung eines unterlegenen Gesundheitssystems und der penetrante Verweis auf den Vorbildcharakter der vorschulischen Indoktrinationsanstalten hinterlässt beim arroganten Besserwessi hässliche Spuren.
Es ist vollkommen absurd: Eltern machen sich heutzutage mehr Gedanken um die Erziehung ihrer (Klein)Kinder als jemals zuvor. Es ist egal, ob es sich um musikalische Früherziehung, Ergotherapie, Fremdsprachenunterricht, Sportvereine, Nachhilfe oder was auch immer handelt: Sie kutschieren ihre Kinder überall hin. Auch wenn die gestressten Eltern keine freie Zeit mehr haben: Die kindliche Persönlichkeitsentwicklung hat grundsätzlich Priorität. Schließlich sollen die lieben Kleinen ihre individuellen Fähigkeiten bestmöglich ausbilden, sollen ihre individuellen Vorstellungen und Bedürfnisse bestmöglich ausleben – und da scheuen moderne Eltern weder Kosten noch Mühen.
Trotzdem wird der angebliche Vorbildcharakter der durch und durch autoritären Indoktrinations- und Verwahranstalten der DDR nicht als veritabler Alptraum wahrgenommen. Selbst die ewig besorgten Supermuttis kennen keine pädagogischen Konzepte mehr, sondern nur noch Betreuungszeiten. Es ist, als ob die Ostalgie in der Mitte der westdeutschen Gesellschaft angekommen ist: Bei den modernen Eltern, die alles für ihr Kind tun würden (außer den Diktatur-Verklärern zu widersprechen, selbst wenn es um die Freiheit des eigenen Kindes geht).