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In der Zeit ist eine leicht gekürzte Fassung einer Rede von Günter Grass am 11. Januar 2008 vor der SPD-Bundestagsfraktion abgedruckt: Günter Grass über Demokratischen Sozialimus. Die Rede trieft nur so von faktenresistenten Ressentiments, so entblödet sich Grass mal wieder nicht, den Terror aus Armut zu erklären:
Das heißt: Wer den Terrorismus eindämmen, schließlich beenden will, der sollte den Nord-Süd-Bericht zur Hand nehmen und in Armut, in Hungerstatistiken und in nachkolonialer Bevormundung und Demütigung die Ursachen für Gewalt und den allein durch militärische Gegengewalt nicht zu brechenden Terror erkennen.
Naja, zwischen der Karriere bei der Waffen-SS und der Schriftstellerkarriere war wohl keine Zeit mehr, sich mit Statistik auseinanderzusetzen – andernfalls würde sein heiles Weltbild (“Norden und Westen böse und reich, Süden arm und voll toll”) wohl durch die Warriors of the Middle Class gehörig durcheinander gewirbelt werden; er müsste sich dann auch Gedanken machen, wie die Evidence about the Link Between Education, Poverty and Terrorism tatsächlich gelagert ist. Whatever. Einen alten Mann sollte man auch nicht überfordern. Aber bei Absätzen wie diesem hier
Und was faul stinkt im Staate, sind sie. Sie, ungewählt, doch mit der Macht des Kapitals ausgestattet, verkörpern den ärgsten Feind der Demokratie. Ihr, der Lobby, ist keine Bannmeile gesetzt. Asoziale Managergehälter und allerorts wuchernde Korruption sind die Begleiterscheinungen des Lobbyismus
dreht sich mir der Magen um. Im Jargon der Unmenschen gibt er die Feinde des Gemeinwohls zum Abschuss frei. Man kann von ihm keine Statistikkenntnisse erwarten – aber man kann schon von ihm erwarten, sich mit den Grundsätzen einer freiheitlichen Demokratie auseinanderzusetzen. Ernst Fraenkels Text über den Pluralismus als Strukturelement der freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie ist 1964 erschienen, da war Grass gerade 37 Jahre alt – also noch in einem lernfähigen Alter. Hätte er sich mit dem Text beschäftigt, dann würde er wissen, dass “westliche Demokratien ihren Bürgern die uneingeschränkte Möglichkeit, sich in in Verbänden pluralistisch zu organisieren, zu betätigen und kollektiv in das Staatsganze einzugliedern” geben. Natürlich gibt es Misstände, aber die
Pluralisten bestreiten jedoch nachdrücklich, daß es zur Heilung dieser Misstände beiträgt, wenn man sie nicht so sehr als Auswüchse einer an sich gesunden Entwicklung, sondern vielmehr als Krankheitssymptom eines in sich korrupten Systems ansieht.
Ebenso würde er wissen, was Fraenkel als Strukturmerkmal einer Volksdemokratie gegenüber den freiheitlich pluralistischen Demokratien geschrieben hat:
Von dem Bestreben geleitet, die Kontrollen über die Massen nicht zu verlieren, sind die Volksdemokratien bestrebt, sie mittels Zwangsorganisationen, die von einer monopolistischen Staatspartei manipuliert werden, auf allen Lebensgebieten, d.h. aber totalitär zu kontrollieren und dirigieren.
Willkommen in der kommoden Diktatur, Mr Grass.